Die Violetten in Hamburg

Die Violetten - ein Projekt zur Rettung der politischen Vernunft

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"Wenn Frau Merkel glaubt, sie kann die abgeschalteten Kernkraftwerke einfach wieder einschalten lassen und einfach 110 anrufen, wenn es Protest gibt, ist sie bei uns falsch verbunden", sagte Rainer Wendt, Verbandschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt Online.

(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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Lesenswertes

Neues Wirtschaftskonzept

  "Wirtschaft anders denken" - DIE VIOLETTEN stellen der Öffentlichkeit 2013 ein neues, vom Arbeitskreis Landesverband Hamburg erarbeitetes Wirtschaftskonzept vor. Dieses neue Konzept beinhaltet im Kern den Aufbruch hin zu einer Post-Wachstumswirtschaft. Es ist somit der theoretische und konzeptionelle Teil eines Transformationsprozesses, der ...

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Stoppt TTIP – das Transatlantische Freihandelsabkommen!

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  Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit geht hinter verschlossenen Türen die Liberalisierung des Welthandels zurzeit in eine neue Runde. Obwohl es seit der Finanzkrise 2008 eigentlich als gesellschaftlicher Mainstream gilt, dass jetzt wieder mehr reguliert werden müsse, passiert real genau das ...

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Die Logik der Commons & des Markts – Eine Gegenüberstellung

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  Commons – die Welt gehört uns allen!   Die nicht enden wollende globale Finanzkrise zeigt: Markt und Staat haben versagt. Deshalb verwundert es nicht, dass die Commons, die Idee der gemeinschaftlichen Organisation und Nutzung von Gemeingütern und Ressourcen, starken Zuspruch erfahren. In dem ...

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Spirituelle Revolution in England

Am 23. Oktober 2013 strahlte die britische BBC ein Interview mit Russell Brand zum Thema ‘Anti-kapitalistische Revolution’ aus. Als Anlass dazu diente sein Leitartikel zur spirituellen Revolution in der Politik und Gesellschaft, der in der gleichen Woche in der politischen ...

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BGE interaktiv

Eine Gruppe von Freunden, die im Bereich Kunst, Design, Film und Politik tätig ist, hat sich im letzten halben Jahr intensiv mit der Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) beschäftigt. Aus diesem Interesse heraus entstand sehr bald die Idee, das BGE ...

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BGE - Ungeahnte Perspektiven

Die Würde des Menschen ist unantastbar - auf der Webseite des Hamburgischeren WeltWirtschaftsInstituts (HWWI) wird das Thema ebenfalls ausführlich behandelt und auch befürwortet, so z.B. von Prof. Dr. Thomas Straubhaar: "Ein Grundeinkommen für alle – ganzheitliche Lösung statt partielles Flickwerk": oder eine Gegenüberstellung ...

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Wer sind wir?

  Die Violetten sehen sich als Vertreter und Sprachrohr einer wachsenden Zahl von spirituellen Menschen an. Von all jenen, die sich der geistigen Dimension unserer Welt bewusst sind und die ihre ganzheitliche und nicht nur rein materialistische Weltanschauung auch in der ...

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Medien

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    Hier weisen wir den Weg zu alternativen Medien, die (im Gegensatz zur Main-Stream-Presse) darüber berichten, was sich bereits alles in der Gesellschaft gewandelt hat und wo gerade welche Menschen (-Gruppen) wie aktiv sind.   "Wir sind gleichzeitig Sterbebegleiter einer alten und Geburtshelfer ...

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Freiheit für die Vielfalt!  – Petition für Saatgut-Freiheit

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Gefahr für Saatgut durch neue Gesetze Auf EU-Ebene wird eine neue Saatgutverordnung verhandelt, von der wieder einmal die Agrarkonzerne profitieren werden. Alte und seltene Sorten sollen dadurch in die Illegalität getrieben werden. Die bunt gesprenkelte Paradeiser, die violetten Erdäpfel, der gschmackige ...

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BGE-Aktion! JETZT unterzeichen und verbreiten!!!

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Es ist soweit: Jetzt können wir hier die Europäische Bürgerinitiative (EBI) zum Grundeinkommen offiziell unterzeichnen (rechts oben auf der EBI-Webseite die Sprache auswählen).   Ziel dieser EBI ist es, bis zum 14. Januar 2014 eine Million Unterschriften zu sammeln. Dann kommt es zu einer ...

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HARTZ-IV-REBELLIN AUS ALTONA

HARTZ-IV-REBELLIN AUS ALTONA

  Neueste Nachrichten zum Thema Hartz4 und BGE:   Bericht im Hamburger Abendblatt vom 06. April 2013  -  von Axel Tiedemann Jobcenter-Mitarbeiterin verweigert Sanktionen für Arbeitslose   Inge Hannemann weigert sich, Sanktionen gegen Arbeitslose auszusprechen. Sie hält das System für gescheitert und wurde zur Netz-Ikone.   Das Ziel ...

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Europa`s bürgerliche Demokratie badet im Blut

Europa`s bürgerliche Demokratie badet im Blut

"Die Demokratie muß gelegentlich in Blut gebadet werden" lautete mal ein Albumtitel der deutschen Rock-Band VERSAUTE STIEFKINDER. Dass dieser Titel leider bittere Realität ist, zeigten uns bereits die Bilder aus Griechenland. Jetzt ist Spanien dran, wie selbst die Mainstreammedien nicht ...

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Maueröffnung – und was dann?

Die große Freiheit ist es nicht gewordenHeute begeht ganz Deutschland ein historisches Jubiläumdie Maueröffnung vor 30 Jahren am 9. November 1989. Ich kann mich selbst gut daran erinnern, wie ich als Student im letzten Semester, also gerade mit der Diplomarbeit befasst, zusammen mit meinen Kommilitonen im Studentenwohnheim in Dresden, mit Spannung die im DDR-Fernsehen übertragende, legendäre Pressekonferenz verfolgte. Uns war sofort klar, was das vom Prinzip her bedeutete, was Günter Schabowski (Info) da vom provisorischen Kladdezettel verkündete (hier). Reisefreiheit! Das wurde prompt auch in der AKTUELLEN KAMERA, dem DDR Äquivalent zur westdeutschen TAGESSCHAU, offiziell bestätigt.

Endspiel - Die Revolution von 1989 in der DDRWas wir noch nicht wussten  „im Tal der Ahnungslosen“, wie Dresden, tief im Elbtal liegend, im Volksmund scherzhaft genannt wurde, weil es dort keinen Empfang von Westradio und Westfernsehen gab, war, dass die Ostberliner Schabowski wörtlich Namen und sich sofort an der Mauer versammelten, die dann noch am gleichen Abend unter dem emotionalen Druck der Bevölkerung spontan geöffnet wurde. Die Zeit war endgültig reif dafür.

Begeisterung und Glücksgefühle

Die in den nächsten Tagen und Wochen folgende Euphorie war unbeschreiblich. Ein nie gekanntes Glücksgefühl ließ das Energieniveau im ganzen Osten ansteigen. Es begann für sechs Monate tatsächlich eine Zeit, die einen Vorgeschmack  darauf brachte, was echte Demokratie und Pressefreiheit ab jetzt sein könnten. Die Stasi-Zentralen wurden gestürmt. Die Rathäuser wurden geöffnet und runde Tische gegründet. Das Volk übernahm an vielen Orten direkt die Verantwortung für gesellschaftlich relevante Fragen. Im Idealfall hätten eine echte Räterepublik oder eine deutsch-deutsche Konföderation aus zwei Staaten entstehen können, die dann vielleicht sogar allmählich historisch zusammen wachsen würden, unter demokratisch allgemein akzeptierten, fairen Bedingungen.

Buchtitel Raubzug OstDDR-Bürgerrechtler erarbeiteten Grundsätze dafür, d.h. für einen echten Sozialismus, so wie er 40 Jahre lang versprochen, aber nie gekommen war. Eine Riege vor allem alter, ignoranter Männer, Ex-Stalinisten und Politbüro-Kader der SED hatte alle Reformversuche der DDR bislang erfolgreich verhindert. Würde der Westen es zulassen, dass solche Reformen nun eine reelle Chance bekommen würden?


Wendezeit war reif

Vorausgegangen waren bekanntlich in der Herbst-Wendezeit 1989 regelmäßige Massendemonstrationen in allen großen Städten der DDR. Man wollte eine friedliche Wende von der Strasse aus schaffen. Das gelang.  Die dafür notwendige, kritische Masse war erreicht. Der sich allgemein angestaute Unmut, der Ärger, die politischen und juristischen Repressalien, die wachsende Anzahl an Ausreiseanträgen sowie die ab Sommer `89 zunehmende Zahl an Flüchtlingen in Richtungen Westen, bedingt durch die Grenzöffnung zwischen Ungarn und Österreich,   addierten sich zu einer revolutionären Situation, die sich nun Bahn brach. Der DDR-Obrigkeit war schnell klar, dass sich all das nicht wieder so einfach zurückdrehen lassen würde. Der Drops war gelutscht, zumindest für die alte SED-Riege.

 

Buchtitel Wer verkaufte die DDR?

Deutschmark als Weiche

Der Ende der 80er Jahre amtierende Bundeskanzler Helmut Kohl erkannte die historisch einmalige Chance. Er sprach mit allen relevanten Vertretern der alliierten Westmächte sowie der Sowjetunion, die den 2. Weltkrieg gewonnen und sowohl Westberlin, als auch letztendlich ganz Deutschland nach 1945 unter sich aufgeteilt hatten. Besonders wichtig waren dabei die Haltung von US-Präsident Ronald Reagan sowie Michael Gorbatschow im Moskauer Kreml. Beide stimmten bekanntlich einem vereinigten Deutschland zu. Als Zünglein an der Wage blieb also die DDR-Bevölkerung selbst. Wie würde sie sich letztendlich entscheiden?

Dann setzte die West-Propaganda-Maschine ein (s. Video des Politkabarett aus Die Anstalt 11.11.2019).

Schließlich gelang Helmut Kohl ein geschickter politischer Schachzug. Er verknüpfte die schnelle Einführung der D-Mark mit der Frage der deutschen Wiedervereinigung. Das eine bedingt das andere. Käme die deutsche Einheit, dann auch mit ihr die D-Mark. Mit Honig fängt man Fliegen.

Damit kippte die Stimmung. Als Kohl in Dresden öffentlich auftrat und in seiner Rede die historische Einheit in Aussicht stellte, jubelten die Masse mit Deutschland-Fahnen in der Hand, während wir als Studenten ein Pfeifkonzert intonierten. Wir taten das aus gutem Grund, denn uns war klar, was da auf uns zukommen würde. Eine eigenständige Fortsetzung der Moderniserungsgeschichte im Osten würde ersetzt durch die reine Profitmaximierungslogik. Die rhetorische Figur der „blühenden Landschaften“, die mit dem Kapitalismus kommen würden, würde sich langfristig gesehen als eine Mogelpackung erweisen und zu einem großen Katzenjammer führen.

Buchtitel Die Treuhändler - Wie Helden und Halunken die DDR verkauftenDoch das wollte damals kaum jemand wahr haben. Die ersten freien Wahlen wurden zugunsten der CDU entschieden. Man feierte die Deutsche Einheit. Alle Konten wurden abgewertet und auf Westmark umgestellt. Die Revolution war abgewürgt worden und die Chance auf eine echte Veränderung vertan. An die Stelle der alten traten nun neue Machthaber. Anfangs schmerzte das allerdings nicht so sehr, da die Euphorie über die Wende noch vieles kaschieren konnte. Doch das sollte sich bald  ändern. Schon 1992 wuchs der Frust der Einheimischen im Osten und es kam vermehrt zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen (wie hier) und Morden.

 

KoKo-Bonzen und Milliarden

Auch aus den eigenen Reihen der DDR-Wirtschaftsbonzen heraus wurden die Weichen umgestellt und die DDR-Bevölkerung verraten und verkauft. Die KoKo – kurz für Kommer-zielle Koordinierung – die Spezialabteilung von Alexander Schalck-Golodkowski (Info), hatte auf den finalen Verlauf der Wende maßgeblichen Einfluss. In der Woche vor dem diesjährigen Jubiläum der Maueröffnung liefen im TV der Dreiteiler „Der Preis der Freiheit“ (Infos hier) sowie eine Dokumentation, die speziell die Ereignisse rund um die KoKo beleuchteten. Als Schalck, der auch nicht vor höchst Buchtitel - Die Übernahmekriminellen Machenschaften zurückschreckte, um Devisen für die DDR ran zu holen, erkannte, dass die politische DDR-Führung völlig unfähig und unwillig war, insbesondere die DDR-Wirtschaft zu reformieren, änderte sich in der KoKo die Einstellung. Das neue Motto lautete „Kein Feind, kein Freund – nur noch gute Kunden“. Dabei hätte allein(!) die KoKo so hohe finanzielle Mittel in ihrem internationalen Firmennetzwerk gehabt, darunter 21 Mrd. DM in Goldbarren, um alle offenen Verbindlichkeiten der DDR begleichen zu können. Eigentlich gehörte dieses Vermögen der DDR-Bevölkerung, der es zuvor in weiten Teilen geraubt worden war, doch es wurde illegal beiseite geschafft und ist bis heute nie wieder aufgetaucht.

So kam es insgesamt, wie es als Folge aus all dem kommen musste. Die DDR Bürger verkauften ihre selbstbestimmte Zukunft ans Kapital. Der Osten wurde einfach an die BRD angeschlossen. Der DDR wurden die Westgesetze übergestülpt. Die Geschäfte wurden mit Westwaren geflutet. Die Eigentümer wechselten. Die Mieten explodierten. Die Ost-Bürger trafen sich in langen Reihen auf den Arbeitsämtern beim Ziehen von Nummern in den Warteschlangen wieder. Die Ex-DDR-Bonzen („Wendenhälse“ genannt) sicherten sich über Seilschaften ihre Pfunde und die Masse der DDR-Bürger, einschließlich derer, die sich für die Wende eingesetzt hatten und auf die Straße gegangen waren, wurden erneut über den Tisch gezogen. Wie sehr, ahnten viele damals noch nicht.

 

Der deutsche Goldrausch - die wahre Geschichte hinter der TreuhandTreuhand und totaler Ausverkauf

Auch das nächste Kapitel war kein Glanzpunkt der Nachwendegeschichte. In der DDR gab es kein Staatseigentum, wie viele vielleicht meinen, sondern Volkseigentum. Der Wert aller Betriebe, Maschinen, Gebäude, Grundstücke usw. hätte eigentlich über die neue Institution namens Treuhandanstalt (Info hier) (siehe auch „Der deutsche Goldrausch“, Dirk Laabs „) im Bestand erfasst und dann auf 16 Mio. DDR-Bürger zu gleichen Anteilen aufgeteilt werden müssen – als faires Startguthaben.

Das wäre wahrlich eine echte Volksaktie gewesen und hätte zumindest den bisherigen Ungerechtigkeiten der DDR symbolisch und praktisch ein Ende setzen und einen fairen finanziellen Neuanfang ermöglichen können. Mit diesen Anteilen an den Betrieben, hätte jeder selbst entscheiden können, ob sie behalten, veräußert oder kaufmännisch und betrieblich durch einen technisch und organisatorisch erneuerten Geschäftsbetrieb genutzt würden.

So hätte die Masse der DDR-Betrieben möglicherweise durchaus erhalten und auf modernsten Stand nachgerüstet werden können. Damit wären ein Großteil der Massenarbeitslosigkeit gemildert und eine breite finanzielle Absicherung und ein Neustart möglich gewesen. Stattdessen wurden die Betriebe bekanntlich billig verramscht und die Betriebskonten von den neuen Eigentümern geräumt. Der Kapitalismus des Westens brauchte den Osten nur als Markt. Die Mitarbeiter wurden gestaffelt zunächst auf Kurzarbeit gesetzt und dann entlassen. Die Maschinen wurden ins Ausland verkauft und die Grundstücke und Gebäude ebenfalls veräußert. Natürlich so gut wie immer durch Spekulanten aus dem Westen, die ja nun die neuen Eigentümer waren.

Was war die DDR wert? Die große Enteignung

Ebenso lief es bei der KoKo. Deren Mitarbeiterin Margot Spindler wandelte die KoKo-Firmen in GmbH um, räumte deren Konten und fuhr diese GmbH dann systematisch an die Wand, wie der genannte TV-Dreiteiler auch zeigt.

 

Frust hinter polierten Fassaden

Kommt man heute in den Osten, sieht alles saniert und supermodern aus. Glasgebäude, die denen in Hamburg und München in Nichts nachstehen. Äußerlich floß jede Menge Geld aus dem Westen in die Sanierung, was die Kohl-Regierung durch eine entsprechend großzügige Steuerpolitik auch forcierte. Da waren sie, die blühenden Landschaften. Doch an was die  DDR-Bürger nicht gedacht hatten, war, was hinter den Fassaden steckte, welche gesellschaftliche Bedingungen zur kapitalistischen Produktionsweise zwangsläufig dazu gehören.

Es gibt unzählige Geschichten von kleinen und großen Betrügereien aus der Nachwendezeit, von Schenkungskreisen über Anlagebetrug bis zur dreisten Abzocke in allen nur erdenklichen Varianten. Dazu gesellte sich eine Unmenge an klassischer Kriminalität. Ganze Banden aus West- und Osteuropa zogen ihre faulen Nummern im Osten ab.

In einer ebenfalls gerade ausgestrahlten Spiegel-TV-Dokumentation über die Stadt Zeitz wurde außerdem gezeigt, wie die Innenstädte veröden und die Wohnungsnot dramatisch angestiegen ist. Für so manchen, so berichtete dort eine Einwohnerin, die sich mutig und engagiert in die Marktwirtschaft gestürzt und selbstständig gemacht hatten, blieben am Ende nur Schulden, finanzieller Bankrott, Depressionen und ein Strick um sich aufzuhängen (s. Video bei YouTube).

 

Die Treuhand - wie eine Behörde ein ganzes Land abschaffteSelbstmord  in verschiedenen Formen

Schon in der Wendezeit war die Zahl der Selbstmorde dramatisch gestiegen. Viele Ex-DDR-Getreue kamen mit dem Zusammenbruch des alten Regimes nicht klar und nutzen die Dienstwaffe für einen letzten Gnadenschuss gegen sich selbst, was in „Der Preis der Freiheit“ auch gezeigt wurde. Doch das all dies jetzt gleichsam in der doch angeblichen so tollen, neuen Freiheit passierte, wirft ein bezeichnendes Licht auf die berechtigte Enttäuschung bei den einst Kohl zujubelnden Ostdeutschen.

Der Frustpegel ist heute enorm. Gerade dort, wo damals am euphorischsten gejubelt wurde, ist die Stimmung spätestens in den 2010er Jahren völlig gekippt. Man wählt dort jetzt, 30 Jahre später, aus Frust und Protest vor allem auffällig oft die AfD, womit man sich allerdings freimütig der nächsten Selbsttäuschung hingibt, denn die AfD ist die neue Partei der Restriktionen. Sie will am liebsten mit starker, national geführter Hand noch stärker durchgreifen und den Menschen noch mehr an kapitalistischen Zumutungen abverlangen, anstatt diese zu beenden. So käme man endgültig vom Regen in die Traufe. Die AfD zu wählen ist eine Art politischer Selbstmord zweiten Grades. Das ganz böse Erwachen ist damit schon vorprogrammiert.

 

Die Flachzangen aus dem WestenDemokratieabbau und Marktdiktatur

Was bleibt also vom Tag der Maueröffnung und der Wendezeit? Ich war selbst in der DDR-Opposition aktiv und möchte die alte DDR um keinen Preis wieder haben. Viele Bereiche des Lebens haben sich seit 1989 trotz der hier beschriebenen Entwicklungen und Ereignisse dennoch insgesamt positiv entwickelt. Die Betonung liegt also auf trotz. Jeder kleine Fortschritt muss dem Kapital mühsam abgerungen werden. Daran hat sich nichts geändert.

Die Hoffnung auf die nächste, echte Wende, ohne Vereinnahmung durch Herrschaftseliten, ist aber keineswegs verschwunden. Gerade jetzt zum 30. Jubiläum wird das an zahlreichen Beiträgen in den alternativen Medien deutlich. Daran zu erinnern ist auch der Grund für diese Zeilen. Die Revolution wurde nicht vollendet.

Wissenschaftler fassen die aktuelle Lage durchaus kritisch und präzise zusammen (Video). Deutschland anno 2019 ist durch einen starken  Demokratieabbau und durch Neoliberalismus, also eine Diktatur des Marktes charakterisiert. Das ist die Wahrheit hinter der Farce namens „freie Marktwirtschaft“. Der Osten hat sich von bunten, glitzernden Waren in Schaufenstern täuschen lassen, wie einst die Indianer von Glasperlen. Man ist dem System längst zum Opfer gefallen. Der Mensch ist per Lohnarbeitskraft selbst zur Ware  geworden, die nun auf dem Arbeitsmarkt wie Vieh Warum die Lämmer Schweigengehandelt wird. Bleibt die Nachfrage aus, wird es allerdings schnell trübe. Der Kapitalismus produziert Überflüssige, Obdachlose und Elend nämlich genauso wie Sahnetrüffel und Autos. Das wurde 1989 ausgeblendet. Arbeitslosigkeit gehört zum System dazu, denn regiert wird durch Angst.

Diese Wahrheit wollte keiner hören, obwohl man es hätte besser wissen können. Die historische Chance auf echte Selbstbestimmung wurde so vertan, einst geködert über ein Begrüßungsgeld und geschickte politische Weichenstellungen, mit denen der Sack schließlich zu gemacht wurde. Ist die Katze erst im Sack, ist der Katzenjammer groß…hinterher, versteht sich. (vgl. auch Daniela Dahn Klappentext, der das haargenau auf den Punkt bringt).


Absichten vs. Fehler-Rhetorik

So sind die Wende, die Maueröffnung und die Entwicklungen bis heute ein zwiespälti-ges Stück Geschichte. Alles hätte absolut und relativ gesehen viel besser laufen können. Die jetzt oft zitierten „Fehler im Einigungsprozess“ unterstellen zumeist Versehen. Doch genau das waren sie nicht! Wer all die Bücher über die Nachwendezeit, die Treuhandanstalt und „Den Schnee von gestern…“ liest, dem wird schnell klar, dass damit seitens der Protagonisten, vor allem aus dem Westen, klare Absichten verbunden waren. So viele dumme Fehler kann niemand machen. Dahinter steckte ein klares Kalkül (vgl. auch Gesprächsrunde „9.Nov.`89 – Der Beginn vom Ende des Neuanfangs?“ bei KenFM).

 

Die Wahrheit, die keiner hören will

Ich konnte das in diesem Beitrag alles nur wage andeuten, was wirklich nach der Maueröffnung im Osten mit den Menschen abgelaufen ist. Die Wahrheit ist noch viel schlimmer, als es der willige Leser ahnt. Man muss es selbst detailliert nachgelesen haben, um es zu begreifen.Buch "Der Schnee von gestern" von Daniela Dahn

Der Kapitalismus hat sich am Osten gesund gestoßen und den großen Reibach gemacht. Es war der größte Raubzug aller Zeiten, einmalig in der bisherigen Weltgeschichte. Daran änderte auch ein Solidaritätszuschlag auf dem Lohnzettel nichts…und wie wurde darüber gejammert…

Die Bevölkerung wurde in den letzten 20 Jahren außerdem und zusätzlich vom „Kanzler der Bosse“ Gerhard Schröder und der neoliberalen Politik im Merkelismus dermaßen geschröpft und übers Ohr gehauen, dass es erneut ganze Bücher füllen wird, das alles aufzuarbeiten (permanente Steuergeschenke an die Industrie und Reichen, Cum-Ex-Geschäfte, MWSt.-Betrug durch Dreiländergeschäfte, Bad Banks, Hartz IV-System usw.). Das kommt also noch dazu, denn davon war hier ja noch gar nicht die Rede. Das wäre einen komplett  eigenen Beitrag wert.

Egal womit man anfängt sich über all die Entwicklungen und Machenschaften zu informieren – all die kritischen Analysen zu lesen ist auf jeden Fall ein guter Anfang. Nur wer Bescheid weiß, wird in der Lage sein, sich zukünftig nicht erneut verschaukeln zu lassen und bessere Entscheidungen zu treffen.

»Die Zukunft wird durch den Charakter derjenigen vorbestimmt, die sie zu gestalten versuchen.« (aus STARGATE ATLANTIS, US-SciFi-Serie)

 

Holger Roloff, 09. November 2019

 


Was geschah ab 18:57 Uhr vor 30 Jahren? BILD schaut zurück und lässt alles im Liveticker Revue passiert (hier)

Boxenstopp: 9. November 1989 – 30 Jahre Mauerfall – ein rücklichkendes Interview mit Bernd Leyon bei youtube für KenFM (hier)

Der Blick zurück – Mauerfall am 9. November 1989 – bei Tagesdosis 09.11.2019 mit Hermann Ploppa (hier)

Nachdenken über 25 Jahre Mauerfall: Russland-bashing anstatt Dankbarkeit – der Original-Beitrag bei KenFM von 2014 zum Nachhören (hier)

Echter Sozialismus statt Einheitsbrei! Eine Erinnerung an die größte Demo im Herbst `89 von Andreas Peglau bei Tagesdosis 11.11.2019 (hier)

Zur Sache/KenFM: 9. November 1989 – Der Beginn vom Ende des Neuanfangs? (Video)

Honeckers Absetzung offenbart dessen Ignoranz gegenüber der politischen Wirklichkeit – Augenzeuge Günter Schabowski erzählt, wie das im Politbüro ablief (Video)

Warum es bei der Herbst-Revolution in der DDR nicht zu Gewalt Seiten des Staates kam, zeigen die Erinnerungen von Egon Krenz (Video)

30 Jahre Mauerfall – Die bewegendsten SPIEGEL TV-Momente (Video)

Ein Lied brachte schon 1992 die Lage im Osten auf den Punkt – DRITTE WAHL mit ihrem satirischen „Verlorenes Paradies“ – besungen wird hier natürlich nicht etwa die DDR, sondern die vertane Chance auf einen echten Neuanfang (hier) (Songtext hier)

Buchtitel Der Kollaps der ModernisierungEs steht sehr schlecht um unsere Demokratie Prof. Mausfeld rückt bei den „Palais Gesprächen 2019 zum 30. Jahrestag des Mauerfalls“ die Zusammenhänge ins Bewusstsein (Video)

Was bedeutet ein Epochenwechsel (hier)

Wohlstand neu erfinden (hier)

Ministerium für Glück und Wohlbefinden (hier)

Recht auf Abstimmung über ein BGE eingefordert (hier)

Vortrag über Alternativen zum Kapitalismus (hier)

Medien, macht und Manipulation (hier)

Preissteigerung und Werte(verfall) (hier)

Das Goldenen Kalb namens Arbeit (hier)

Wachsender Überwachungsstaat – warum eigentlich? (hier)

Wesen und Irrationalität der warenförmigen Gesellschaftsform (hier)

Des armen (Raub)Ritters neue Ideen (hier)

Der Teufel und die Horrormärchen (hier)

 

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Das Elend des bürgerlichen Subjektes

Die Opioid-Krise in den USA (Infos hier) führt uns vor Augen, wo die Entwicklung im Neoliberalismus langfristig hinführen kann. Ohne Selbstbetäubung geht nichts mehr (hier). Wie die ARD Tagesschau berichtete, zählt man dort im Schnitt 130-140 Tote pro Tag!!! Man liest bittere Schlagzeilen wie „Die Menschen sterben wie die Fliegen“ / als PDF) und „Die betäubten Staaten von Amerika“ /als PDF). US-Präsident Donald Trump musste offiziell sogar den Notstand ausrufen (Notstand wegen „Opioid-Krise“ als PDF) (130 Tote – jeden Tag / als PDF).

Medikamentenmissbrauch gibt es hierzulande ebenfalls. Viele schlucken Tabletten, um den Tag überstehen und den Druck auf Arbeit noch aushalten zu können. Das ist Bestandteil des mentalen Niedergang analog zur wirtschaftlichen Krise des gesamten kapitalistischen Weltsystems (hier), die oft auf den Einzelnen abgewälzt wird. Auch der Chef spürt den Druck und gibt ihn nach unten weiter. In den Familien setzt sich das nach Feierabend fort. Eine echte Erholung ist nicht mehr möglich. Die Energie muss irgendwo hin und nimmt destruktive Formen an. Ähnlich sieht es bei Studenten und Schülern aus. Koma-Saufen an Wochenenden war vorvorgestern. Es kehrte längst der Alltag ein, zu dem neben Gewalt auch Drogen gehören.

Subjektiv-mentale Überlastung

Diese auf das einzelne Individuum abgewälzte Krise lässt sich zunehmend für viele subjektiv nicht mehr allein bewältigen, besonders dann, wenn man spirituell und intellektuell nicht aufwachen will, sondern am Bestehenden meint festhalten zu können oder aus seinem Umfeld nicht rauskommt bzw. keinen Halt finden kann. Das Bauchgefühl wird immer schlimmer. Die Sorgen wachsen. Sich zu betäuben erscheint da vielen der einfachste, weil bequemste Weg zu sein. Und die Pharma will nur all zu gerne ihre Mittelchen verkaufen und wirbt dafür. Verdrängen, anstatt sich die Sachen bewusst zu machen, anstatt Achtsamkeit und Empathie zu entwickeln und sich den Themen zu stellen. Dazu addieren sich die im Unterbewusstsein ohnehin schon vorhandenen Traumatisierungen, vor allem aus der Kindheit. Es fehlt oft nur ein Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

In den USA hat dieser Trend im Zuge der ökonomischen Verelendung ganzer Regionen dramatische Ausmaße angenommen – mit insgesamt 400.000 Toten!!! Wer dieses Jahr die TV-Dokumentationen von Markus Lanz gesehen hat, hat bereits einen Eindruck von der Dramatik vor Ort in den US-Bundesstaaten bekommen. Es geht hier nicht um klassische Drogen-Junkies wohlgemerkt, sondern betroffen ist der ganz normale Mittelstand. Konsumiert werden offiziell als Schmerzmittel erhältliche Opiate. Dabei ist es oft nur ein kleiner Schritt dorthin, wo der Leichtsinn beginnt. Auch finanziell sehr erfolgreiche Personen sind davon betroffen, Künstler, Musiker, Geschäftsleute, nicht nur etwa Leute aus dem Armutsviertel. Dort sitzen eher die meist schwarzen, kleinen Dealer und warten auf ihre weiße Kundschaft, wie das Team von Markus Lanz anschaulich dokumentiert hat.

Doch die meisten Leute, ohnehin ohne Bewusstsein davon, sich soziologisch gesehen im „falschen Leben“ zu befinden,  scheitern in Folge des ökonomischen Niedergangs auf breiter Front im Alltag. Reaktion? Sie flüchten – bestenfalls zu Religionen (Gott als Erlöser/wobei religiöse Gruppen aber immerhin noch den intuitiven Wunsch nach Gemeinschaft zeigen), in irrationale Esoterik (Wahrnehmungsverschiebung hin zu Scheingründen und Scheinauswegen) oder oft eben leider auch in Betäubungsmittel. Das chemische Lösungsmittel Alkohol gilt dabei als akzeptiertes „Kulturgut“ und bildet die Basis…bis selbst das nicht mehr ausreicht und schrittweise zu härteren Mitteln gegriffen wird.

Verhältnisse haben sich verschoben

Sämtliche gesellschaftlichen Verhältnisse haben sich in den USA verschoben, nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich. Bedenkt man, dass die USA wegen der knapp 3000 Toten vom Worldtrade Centre (Infos hier) in den so genannten „Krieg gegen Terror“ gezogen waren, um noch mehr Unschuldige im Irak abzuschlachten, so wird das Ausmaß der gegenwärtigen Schieflage deutlich. Das sind jetzt 100 mal mehr Tote! Hinzu kommen ca. 13.000-15.000 Tote pro Jahr durch Schusswaffen bzw. Unfälle mit Waffen in normalen US-Haushalten (Statistik bei Statista.de).

Rechnet man alle Waffen-Toten der USA seit 1775 auf, starben im Schnitt 31.500 Amerikaner pro Jahr. Seit 1968 sind in den USA mehr Leute durch die eigenen Schusswaffen gestorben, als Soldaten und Zivilisten in allen offiziellen US-Kriegen zusammen (hier) und (Grafik hier)!!! Die Waffenlobby NRA findet das akzeptabel (Infos hier) und verteidigt privaten Waffenbesitz als angebliches Grundrecht, was als US-amerikanisches Spezifikum zur Problemlage dazu kommt.

Dazu addieren sich natürlich noch Tabak- und Alkoholtote, klassische Selbstmorde, indirekte Tötungen durch Unfälle, Verkehrstote und natürlich Tote durch ernäh-rungsbedingte Zivilisationskrankheiten (Herzversagen, Krebs, Autoimmunerkankungen, Burn Out, Depressionen usw.). Die Notlage ist insgesamt also sogar weit größer, als öffentlich wahrgenommen. Die Zusammenhänge verschwimmen nur oder wollen ungern erkannt werden.

Blutige Vernunft

Wer zieht deswegen in den Krieg? Und wogegen eigentlich? Natürlich niemand, denn der Feind ist das bestehende Gesellschaftssystem selbst. Dollars, Dollars, Dollars… Money make the world go around. Das lieben die Amis – bis in den Tod. Manche Intellektuelle verfassen sogar Bücher wie „Rettet den Kapitalismus“ (Robert B. Reich / USA) oder „Sozialer Kapitalismus!“ (Paul Collier / UK / Oxford Prof.). Das verstehe wer will. Selbst ein gewisses kritisches Einsehen hat offenkundig harte, geistige Schranken. Man kann oder will es nicht anders sehen. Wer die tieferen Zusammenhänge dieses pathologischen, bürgerlichen Subjekt-Bewusstseins in Bezug auf die Gründe noch besser verstehen will, dem sei das Buch „Blutige Vernunft“ des deutschen Philosophen / Soziologen Robert Kurz – empfohlen – ein intellektueller Hochgenuss, dessen scharfsinnigen Gedanken zu lesen. Es geht also auch anders.

Der historische Feind

Nicht nur der Faschismus als politisch-historische Herrschaftsform tötete massiv Menschen. Der aktuell herrschende Neoliberalismus ist ihm auf seine Art auf der Spur. Hunderte US-Militärbasen in der Welt (s. hier) sind unnütz. Sie schützen die Amerikaner nicht. Sie richtigen ihre Waffen im Außen auf andere, während sie sich im Inland tagtäglich selbst gegenseitig töten. Sie brauchen gar keine Feinde. Sie sind sich selbst Feind genug.

Kapitalismus tötet – nicht nur Tiere und die Natur – auch Menschen – und zwar egal welche politische Form er annimmt. Das war schon immer so. Das zeigt seine historische Entwicklung, wenn man mal Geschichtsbücher aufschlägt und die letzten Jahre Dokus aufmerksam verfolgt hat. Das weiß insgeheim eigentlich jeder…

Der dennoch vorhandene Zynismus und die Ignoranz des Neoliberalismus gegenüber der eigenen Bevölkerung kann natürlich locker mit den historischen Nazis aus der Zeit des historischen Faschismus des 20. Jhd. mithalten. Die in der Endkonsequenz jeweils dahinter stehende, menschenverachtende Haltung läuft auf das gleiche Ergebnis hinaus. Nur die Ideologien zur Krisenverdrängung, die zur Begründung herangezogen werden, variieren etwas, wobei es historisch drei Hauptströmungen gibt (Liberalismus, Etatismus, Rassismus). Die drei tauchen in der ein oder anderen Form immer wieder auf, bis heute.

Geistige Entwicklung als nachhaltiger Lösungsweg

Wer die Welt verändern will, muss seine Haltung verändern! Besser wäre natürlich das Bestehende emotional und inhaltlich loszulassen und stattdessen eine kritische Reflexion der gesellschaftlichen Gesamtverhältnisse zu beginnen. Das würde das Bewusstsein und Energielevel erhöhen. So ließe sich das Elend des bürgerlichen Subjektform beenden. Doch das fällt vielen schwer. Es erfordert eigene Denkfehler zu korrigieren, sich von altbekannten Gedankenmustern und Dogmen zu verabschieden und einen Aufwand an sich selbst zu betreiben – Selbstreflexion, Selbstveränderung, um neue Einsichten zu gewinnen, die der Wirklichkeit entsprechen. Das ist der gesündere, spirituelle Weg. So entstehen vor dem geistigen Auge wieder neue Perspektiven, die uns als Zivilisation aus der Misere herausführen können. Schaffen wir das nicht, können wir an den Entwicklungen in den USA heute schon erkennen, wo das unter Umständen auch bei uns hinführen könnte.

Holger Roloff, 27. Oktober 2019


Die Opioid-Kride in den USA (Audiobeitrag hier)

Vortrag in Hamburg zur Weltkrise (hier)

Die Sache und ihr Abbild – wie Ideologie entsteht (hier)

Wie falsche Spiritualität zur Ideologie wird (hier)

Abrüstungsvorhaben jetzt unterstützen (hier)

Für eine globale Friedenspolitik (hier)

Preissteigerung und (Werte)verfall – Neoliberalismus im Visier (hier)

Wie die typisch politischen Muster des Neoliberalismus in der Praxis funktionieren zeigt gerade das Bsp. Ecuador (hier)

Der Neoliberalismus verkündete einst seine Neue Weltordnung – die New World Order (NWO)  – SANDOW reflektieren das kritisch im Zusammenhang mit ihrer eigenen, ostdeutschen Geschichte (hier)

Mit welcher Selbstverständlichkeit und Mentalität sich Kapitalisten in Europa und Deutschland mit Betrügereien durch Cum-Ex-Geschäfte auf Kosten der Allgemeinheit die Taschen voll machten (hier) und (als PDF).

Die geistigen Mechanismen, aus denen Ursachenverdrängung und Ideologien, Fremdenfeindlich, Flucht in Drogen oder Waffen entstehen, sind überall gleich – hier am Bsp. von Deutschland beleuchtet von Rüdiger Lenz bei Tagesdosis 30.10.2019 (hier)

Die Verbindung von Politik und Spiritualität – Liebe ist die Substanz des Glücks, welches wir wir uns selbst als Rahmen zulassen können (hier)

Wer auf der Suche nach Wahrheit ist, sollte Wahrhaftigkeit und Authentizität anstreben (hier) (als PDF)

Wie der Kapitalismus echte Demokratie historisch verhindert, untergraben und zerstört hat zeigt besonders das Beispiel des noch immer vorherrschenden Neoliberalismus – Prof. Mausfeld ruft bei den „Palais Gesprächen 2019 zum 30. Jahrestag des Mauerfalls“ die Zusammenhänge in Erinnerung (Video)

Wie Neoliberalismus erstmals in die Welt kam, wie das Kapital elementare, demokratische Grundrechte abbaut und Geldströme stets ins eigene Portemonnaie umleitet – ein Kommentar von Dagmar Henn (hier)

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Das Renten-Dilemma

Wie die Mainstreampresse berichtet (siehe BILD-Bericht) (BILD-Bericht als PDF) plädiert keine geringere Instanz als die Bundesbank für eine weitere Anhebung des Rentenalters. In kleinen Dosen verabreicht, soll der Bevölkerung so die Rente gekürzt werden.

Perfide ist das insbesondere deshalb, weil verbunden ist das Plädoyer mit der Behauptung, nicht nur die Arbeitszeit würde sich dadurch verlängern, was angesichts der massenweisen Wegrationalisierung von Arbeitskräften seit den 1970er Jahren (s. hier) schon ein Anachronismus ist, sondern angeblich würden die Leute auch länger Rente beziehen. Wie bitte? Wie denn das?

Was sie nicht sagen: Das wäre nur der Fall, wenn sich die Lebenserwartung deutlich erkennbar überproportional(!) verlängern würde. Davon kann man jedoch keineswegs ausgehen (s. Abb) bzw. (s. Statistik hier) und (statistische Prognose per Lebensalteruhr), insbesondere, wenn die Arbeitsbelastung (Intensitätserhöhung, Überstunden usw. – also was wir heute schon überall sehen – Thema Burn Out, Depressionen etc.) und die Lebensarbeitszeit sich gleichzeitig weiter erhöhen sollen!

Statistik - Entwicklung des Lebenszeitalters in Deutschland

Statistik – Entwicklung des Lebenszeitalters in Deutschland Quelle. de.statista.com

Der Vorschlag ist angesichts wachsender Produktivität und in Zeiten der berechtigten Forderung nach einem allgemeinen Grundeinkommen also nicht nur absurd, sondern basiert im Grunde auf einer dreisten Lüge, weil die Prognose bezüglich der Rahmenbedingungen unvollständig ist und nicht dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entspricht. Außerdem wird der ökonomischen Gesamtzusammenhang hinsichtlich der Auswirkungen der weiteren Technisierung verschwiegen. Der Vorschlag läuft also dem Trend der Automatisierung völlig zuwider. Die Bevölkerung wird schlicht gesagt für dumm verkauft.

Resultat der Krisenverschärfung

Mit dem Vorschlag der Bundesbank reagieren die kapitalistischen Instanzen in Wahrheit nur auf die öffentlich verschwiegene, innere Krise des Systems und den wachsenden Mangel an realer Mehrwertproduktion (vgl. akt. Stand der Wissenschaft dazu „Ein Widerspruch aus Stoff und Form“, Ortlieb/2008).

Zu erwarten ist vielmehr, dass sich in den kommenden 10-15 Jahren die Digitalisierung in der Produktion, im Handel, im Dienstleistungsbereich und bei Behörden, im Gerichtswesen u.v.a. Bereichen, also im primären, sekundären und tertiären Sektor der Gesellschaft durchsetzt und Rationalisierungspotentiale umsetzt, die alles bisher gekannte deutlich(!) übersteigen. Die Krise des Kapitals wird sich dadurch weiter verschärfen.

Die sich dadurch ergebende, reale Entwertung aller Kapitalformen wird bewirken, dass sich die Arbeitslosigkeit in Richtung 10 Mio. allein in Deutschland bewegen wird (vgl. hier). Manche Prognosen gehen sogar von 18 Mio. aus (siehe hier). Den damit einhergehenden Verlust an Kapitalvermehrung, Lohneinkünften und somit Einzahlern ins Rentensystem sieht die Bundesbank klar auf uns zukommen – deshalb erfolgt ihr Vorschlag. Anstatt das System jedoch zu ändern, was die historisch jetzt gebotene, richtige Lösung wäre, möchte sie die Menschen dazu verdonnern, einfach länger im heutigen System zu arbeiten.

Der vorgeschobene „Anpassungsbedarf“ wegen „demographischer Entwicklungen“ ist ein Scheinargument einer typisch neoliberalen, marktkonformen Ideologie. Demographische Entwicklungen könnten durch Produktivitätszuwächse (zumindest auf Seite der notwendig zu produzierenden Güter = stofflicher Reichtum) nämlich locker kompensiert werden. Dazu hat man sie ja (unter anderem). Nur auf der Seite des Kapitalismus (Geldzuwachs = abstrakter Reichtum) funktioniert das nicht mehr. In Wahrheit ist der Vorschlag der Bundesbank also einer, der nicht im allgemeinen Interesse der Bevölkerung liegt, obwohl sie natürlich genau das behauptet (= langfristige Stabilisierung des Rentensystems). Es geht dabei einzig und allein um den Erhalt des kapitalistischen Funktionssystems, nicht um die Menschen. Die Menschen sind dem System völlig egal und beliebig austauschbar.

Renten-Frage braucht eine adäquate Lösung

Eine Kapital gesteuerte Gesellschaft, in ihrer hoch entwickelten Phase, hat es im Kern also mit einem Dilemma zu tun, welches innerhalb der bisherigen Funktionslogik nicht mehr lösbar ist. Die Grenzen des objektiv möglichen sowie subjektiv zumutbaren sind erreicht. Getrieben von der Weltmarktkonkurrenz in der Globalisierung, versucht die Industrie die Produktivität durch den nächsten Schritt der totalen Digitalisierung (Industrie 4.0, Logistik 4.0 usw.) zu steigern und so wettbewerbsfähig zu halten, beschleunigt dabei aber automatisch und gesamtökonomisch gesehen das Abschmelzen der Mehrwertproduktion, weil die Substanz des Kapitals (= menschliche Arbeit) aus dem Prozess allmählich heraus genommen wird. Dadurch brechen die Einnahmen basierend auf menschlichen Arbeitslohn ein. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie lohnabhängig beschäftigt oder selbstständiger Arbeit nachgehen. Die Binnenkaufkraft kann dauerhaft nicht aufrecht erhalten werden. Das macht sich schrittweise überall bemerkbar. Das System untergräbt seine eigenen, ökonomisch-wertmäßigen Grundlagen (s. auch hier) und (hier). Bisher wurde das nur durch Staatskredite und die private Finanzwirtschaft künstlich noch aufrecht erhalten und quasi subventioniert (Fiat-Money, also fiktiv gebildetes Kapital durch Finanzderivate und Ausdehnung der Kreditwesens in der reinen Zirkulationssphäre des Geldes vgl. hier).

Eine ernst zu nehmende Lösung kann nur mit dem Trend, also mit der weiteren Automatisierung und langfristig vorwärts über den Kapitalismus hinaus gedacht werden. Erster vernünftiger Schritt wäre die Einführung eines – so könnte man es nennen –  SGE – eines Souveränen  Grundeinkommens (1.500 € / Stand 2019), das hoch genug ausfällt, um wirklich am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilnehmen zu können, ohne ökonomisch vom System erpressbar zu sein, also gewährt unabhängig vom bisherigen Lebens-Arbeitsbeitrag. Das würde alle Menschen eines Landes in ihrem Existenzrecht bedingungslos anerkennen und  vom individuellen Wertschöpfungsbeitrag unabhängig stellen. Mit diesem Tabula Rasa hätten sich Altersarmut und das Renten-Dilemma auf einen Schlag erledigt. Wie man das sogar wertschöpfungsunabhängig finanzieren kann, ist hier bereits mehrfach erörtert worden (s. hier) und (hier).

Holger Roloff, den 22. Oktober 2019


Wohin geht ökonomisch der Trend (hier)

Die Krise des Tauschwerts – mit Vorbemerkungen (hier)

Digitalisierung im Kapitalismus (hier)

Debatte um eine Maschinensteuer (hier)

Zukunft der Arbeit – Automatisierbarkeit des eigenen Berufes erfahren (hier)

Im Jammertal von EZB und Niedrigzins (hier)

Wohlstand neu erfinden (hier)

Was bedeutet ein Epochenwechsel (hier)

 

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#AlleFürsKlima bei #FridaysForFuture

Hamburg erlebte am heutigen Freitag die größte aller bisherigen Klima-Demonstrationen. Ich war dabei und versuche das mal in alle Richtungen Revue passieren zu lassen.

Für mich persönlich war es inzwischen die dritte Teilnahme an einer Demo zu diesem Thema. Vor einigen Jahren dachten wohl die meisten noch, dass so ein doch eher abstraktes Thema wie das Klima kaum jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte.

Die erste Demo vor ca. 4 oder 5 Jahren war auch noch ein Versuch, bei typisch regnerisch-diesigem Hamburg-Schmuddel-Wetter, mit Taschenlampen wenigstens eine dünne Menschenkette um die Binnenalster zu bilden, was einigermaßen gelang. Ich erinnere mich sehr gut daran. Da waren es vielleicht 1.000 – 1.500 Leute in Regencapes und mit Schirmen, die noch wie verirrte Glühwürmchen wirkten. Doch es war schon ein kleines, erhellendes Zeichen.

Die zweite Demo fand an gleicher Stelle 1017 im Rahmen der G20 Woche statt. Damals versammelten sich bei bestem Sonnenwetter 25.000 Menschen auf dem Rathausplatz. Wir zogen dann im Bogenmarsch einmal rund um die Binnenalter bis zum Jungfernstieg zurück. Das war schon sehr beeindruckend (s. hier).

Doch der heutige Ansturm war einfach nur gewaltig! Egal in welche Richtung man blickte und so weit man schauen konnte – überall riesige Menschenmassen mit Schildern, Transparenten und Fahnen. Nach offiziellen Angaben waren es mindestens über 70.000 Menschen, die am Jungfernstieg dabei waren. Die Veranstalter sprachen sogar von 100.000 Teilnehmern (hier).

Aufgerufen waren diesmal nicht nur die Schüler der FFF-Bewegung, sondern auch alle anderen Generationen. Es waren außergewöhnlich viele Rentner und Senioren dabei, streikende Arbeiter in ihren gelben Westen (Verdi hatte ebenfalls dazu aufgerufen), sowie Studenten und Azubis. Was mir allerdings auffiel war, dass die Generation der typischen Arbeiter und Angestellten weniger vertreten war. Die hatten wohl deutlich in die Schwanz gekniffen und trauten sich noch nicht ihrem „Arbeitgeber“ klar zu machen, dass das Thema wirklich ALLE etwas angeht und vor allem jede Form von Lohnarbeit zum Problem beiträgt. Das scheint in den meisten Köpfen ohnehin noch nicht angekommen zu sein. Anders die Unternehmen, die schon gezielt in Sachen Natur- und Umweltschutz aktiv sind oder auch die GLS-Bank. Deren Mitarbeiter hatten frei und waren sogar mit Transparenten vor Ort.

Tolle Sprüche auf den Schildern

Umso erfrischender war es zu sehen, dass es mehr Kapitalismus kritische Transparente gab und von mir bislang unbekannten, jugendlichen Aktivisten-Gruppen (Young Struggle) aufklärende Flyer und Infos verteilt wurden. Echter, also nachhaltiger Naturschutz, geht generell nur antikapitalistisch. In der Theorie gibt es viele Artikel und Bücher dazu, die sachlich begründen, warum das so ist. Schon 2011 hatte ich hier in Hamburg (im Centro Sociale) einen wissenschaftlichen Vortrag gehört mit dem Titel „Warum der Kapitalismus die Umwelt zerstören muss“. Ich hatte selbst mehrfach Artikel auf diesen Seiten dazu veröffentlicht (s. hier) und (hier). Den meisten Leuten ist das aber entweder immer noch nicht klar, oder sie wissen das insgeheim ganz genau,  fürchten aber die Konsequenten dieser Einsicht. Ganz anders die moderne Jugend. Man konnte freche, lustige, coole und wahrhaftige Sprüche auf den hoch gehaltenen Schildern lesen. Das machte wirklich Spaß! Ich hab viel fotografiert. Hier eine kleine Auswahl an Schnappschüssen: (Solution) (Rettet die Umwelt)(Rettet den Planeten)(Tempo des Klimaschutzes)(Omas gegen Klima-Haie)(Solidarität fürs Klima) (Kriege sind völlig unterschätze Naturzerstörer) (Alarmstufe Rot) (Burn capitalism)(Grünkohl statt Braunkohle) (Global Warming) (Die Zeit für Insekten läuft ab)(Rentner für die Zukunft der Jugend)(Wir sind jung)(Klimaerwärmung schmeckt uns nicht) (Kein Planet B) (White Christmas) (Kohle ist kein Grund zum Anbaggern)(Rettet den Schneemann)(keine Zeit)(Eurer Profit zerstört unsere Zukunft)(Niemand hat die Absicht…)(Don`t Wait For The Doctor)

Niemand müsste die Wahrheit fürchten, denn die Lösungsideen existieren längst. Nur die Profiteure des heutigen Systems haben Angst vor der Wahrheit.

Landesweite und weltweite Proteste

#AlleFürsKlima 20.09.2019 Greta ThunbergHamburg war bei weitem nicht allein. Anderswo war der Andrang noch größer. Allein in Berlin forderten sogar 270.000 Leute den Klimaschutz ein (s. hier) und (hier). Ganz im Süden, in Freiburg waren 30.000 Leute dabei (s. Video). Bundesweit waren heute 575 Demonstrationen in allen größeren Städten des Landes angemeldet (s. hier). Offiziell sollen insgesamt 1,4  Millionen Menschen hierzulande auf der Straße gewesen sein… International dürften es auf jeden Fall mehrere Millionen Demonstranten gewesen sein. Die 2019 als Schüler-Demos ins Leben gerufenen Proteste sind heute weltweit förmlich explodiert. Ganze 159 Länder beteiligten sich. Allein in Sydney/Australien waren 300.000 Menschen dabei (s. hier). Auch dort baute sich das schrittweise auf und wurde immer größer (s. hier). Ursprungsinitiatorin der FFF-Bewegung, die 16jährige Schülerin Greta Thunberg aus Schweden, die derzeit noch immer in den USA weilt, sprach heute vor 250.000 Leuten in New York (s. hier) und (hier) und (hier).

Was bringt der neue Klima-Rettungsplan?

Alle bisherigen Proteste der Klima-Aktivisten verliefen (noch) nach dem Muster, sich friedlich mit Forderungen an die Regierungen zu richten. Noch besteht also scheinbar die Hoffnungen, dass unsere demokratisch gewählten Vertreter nicht mehr nur reden, sondern endlich drastisch-wirksame  Maßnahmen einleiten (denn die braucht es mittlerweile, nach verschlafenen Jahrzehnten des aktiven Nichtstuns), anstatt nur zu reden. Das ist bei genauerer Betrachtung erstaunlich, weil von Seiten der Protestler doch außergewöhnlich nett und sehr entgegenkommend. Die Leute sind inzwischen mit ihrer Geduld fast am Ende und zu Recht stinksauer (s. hier)

In Deutschland sahen die Reaktionen seitens der Bundesregierung bisher nämlich nicht nur sehr bescheiden aus, sondern man klüngelte bis zuletzt mit der Autoindustrie, druckste rum und wehrte Forderungen mit Scheinargumenten ab. (s. Marktinteresse als Ausrede) Sogar an der Gesetzgebung war deutlich zu erkennen, dass man ökologisch orientiertes Handeln nicht bevorzugt. Beispielsweise galten Schwarzfahrer in öffentlichen Verkehrsmitteln als Straftäter, während Falschparken eines KfZ lediglich als Ordnungswidrigkeit behandelt wurde (s. hier)…und das in einer Zeit, in der längst generell darüber debattiert wird, ob man den Nahverkehr nicht gleich generell preisfrei umgestalten soll (s. hier) und (hier) und (hier). Allein daran lässt sich erkennen, wie lange schon die Regierungen in ihrem Denken nicht auf der Höhe der Zeit sind. Wirklich entschlossene Maßnahmen fürs Klima müssten ganz anders aussehen.

#AlleFürsKlima 20.09.2019 Holger RoloffDoch der öffentliche Druck zeigt zumindest erste, kleine Wirkungen. Noch etwas passierte nämlich am heutigen Tag. Die Bundesregierung tagte und beschloss ein sogenanntes „Klimaschutzprogramm 2030“. Taugt das was?

Leider nein. Man meint weiter nur an ein paar kleinen Schräubchen drehen zu müssen, um wieder nur ein paar Feinjustierungen vorzunehmen. Eine wirksame, klare Weichenstellung, eine konsequent am Umweltschutz orientierte Ausrichtung der vorhandenen Einsatzmittel, sähe anders aus. Da würde mir spontan eine lange Liste möglicher Maßnahmen samt Finanzierungsweg einfallen…

Doch schaut man in die ideen- und inhaltslosen Gesichter der offiziellen Regierungsvertreter, dann ist völlig klar, dass denen das Thema nur ein belastender Klotz am Bein ist, aller schöner Worte zum Trotz (s. hier). Das kann nicht nur eine Folge von zu wenig Schlaf sein. Selbst die Kanzlerin räumte auf der abschließenden Pressekonferenz ein, dass all ihre bislang vorschlagenden Maßnahmen die bisherigen Klima-Ziele verfehlten (hier). Jetzt mit dem Klimaschutz „beginnen zu wollen“ (was Angela Merkel/CDU und Olaf Scholz/SPD betonten) entlarvt sich quasi selbst.(s. Wer Umweltprobleme nicht ernst nimmt ist selber ein)

Prompt zerreißt die Presse die Vorschläge und charakterisierte sie ebenfalls vor allem als Geschenke an die jeweilige Wählerklientel (hier) und (hier) und (hier). Es sei ein „Dokument der Mutlosigkeit“. Die Ziele sind also alles andere als „ehrgeizig“ (Kramp-Karrenbauer/CDU). Von „Rückenwind“ durch die Demonstranten (Malu Dreyer/SPD) kann nicht die Rede sein, sondern die Demos machen Druck und damit den Politikern endlich Beine. Von deutlichen Einschnitten bei Industrie, Bauwirtschaft (Betonproduktion), Stahlproduktion und sonstig extrem energieintensiven Bereichen wird erst gar nicht gesprochen. Man spart weiter systematisch aus, wo da das Problem wirklich angepackt werden könnte. So viel zur Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit der bürgerlichen Politik.

Grundsätzlicher Denkfehler

Der dahinter liegende intellektuelle Irrtum – wie oben bereits angedeutet – liegt auch in Wahrheit viel tiefer. Das Problem ist dem Kapitalismus quasi kaufmännisch in seine inneren Strukturen eingeschrieben.

Natürlich ist es durchaus möglich, auch unter den heutigen Bedingungen gezielt zu beginnen, in eine nicht-fossil-basierte Energieproduktion zu investieren. Keine Frage. Auch eine CO2 Steuer kann man einführen usw. usf. (s. Probleme vs. Lösungen). All das wird aber nichts grundlegend ändern. Technische Innovationen können zwar hilfreich sein. Technik kann aber das grundsätzliche Problem der wirtschaftlichen Dynamik nicht lösen. Die Technik wird ja selbst im Interesse des Kapitals geschaffen und soll Profite erwirtschaften können. Genau da liegt der Knackpunkt, denn die damit verbundene, exponentielle Dynamik der „Verwertung des Wertes“ (R. Kurz) erfordert ein stetiges Wachstum – was man auch klar an Begriffen wie „Mehrwert“ und „Mehrwertsteuer“ erkennt. Der geschaffene Wert (= Aufwand an menschlicher Arbeit) wird jedes Mal in der abstrakten Monetär-Form festgehalten und im nächsten Verwertungszyklus kommt jeweils eine Schippe oben drauf.

Wachstum ist für das Kapitalverhältnis die zwingend notwendige Rahmenbedingung. Das geht stets einher mit stofflichem Wachstum (s. hier) und Energieverbrauch. Energieeinsparungen an einer Stelle (z.B. einzelnes Auto) werden insgesamt (Gesamtzahl aller produzierten Neuwagen) überkompensiert und somit ad absurdum geführt. Auch der Bau von noch mehr Kreuzfahrtschiffen, Containerriesen, Tankergiganten geht ungebrochen weiter, obwohl sie bekanntermaßen ökologische Dreckschleudern sind und für ein glückliches Leben verzichtbar wären. Die Kapitalseite (Geld verdienen zu müssen) lässt sich nicht entkoppeln von der energetisch-stofflichen Seite (es muss mehr je Zeiteinheit produziert werden).

Sowie der Kapitalismus stagniert oder gar die Wirtschaft sinkt, bekommt er ein Problem. Will man das ändern – was durchaus möglich wäre, um das zu betonen – muss man anfangen zu überlegen, wie man denn aus dem Kapital als willkürlich gesetzten, gesellschaftlichen Zwangs-rahmen rauskommen kann. DAS wäre der eigentliche Beginn der Lösung alle sozialen und ökologischen Probleme. Wie das geht, kann man auf dieser Seite mehrfach nachlesen (s. hier) und (hier).

Eine quasi „grüne Marktwirtschaft“ (politisch: „Green New Deal„) ist deshalb dauerhaft nicht möglich (s. hier) und (hier). Man kann mit marktwirtschaftlichen Mitteln die Probleme der stofflich-ökologischen Ebene nicht sinnvoll lösen, denn der nächste Autokauf wird da schon immer mitgedacht (wie auf der Pressekonferenz von Olaf Scholz ja auch ausdrücklich zu hören). Das Mobilitätskonzept (= Geschäftsmodell) ansich soll nicht angetastet werden. Geld durch Warenproduktion zu verdienen, soll als Prinzip bestehen bleiben. Deshalb werden immer wieder Arbeitsplätze als doch „zu retten“ vorgeschoben, um seit jeher klimaschonende Umweltmaßnahmen auszubremsen. Deshalb muss von allem immer mehr hergestellt und hinterher wieder verschrottet werden, damit bald noch mehr produziert und verkauft werden kann. Was für ein systemsicher Irrsinn…

Noch mehr Druck und Aufklärung notwendig

Deshalb braucht es auf jeden Fall noch mehr Druck und Aufklärung über die gesellschaftlichen Zusammenhäng und darüber noch mehr Entschlossenheit, Zivilcourage und auch zivilen Wider-stand und Ungehorsam im Alltagsleben, um sich nicht bedingungslos dem warenförmigen Arbeitsregime unter-zuordnen. Je mehr Geldwert zyklisch verwertet werden muss, um die Superreichen noch reicher zu machen, desto stärker sind quantitative, zerstörerische Eingriffe in die Natur durch den Arbeitsprozess notwendig. Nur damit alle gut leben können, bräuchte man das nicht. Ich behaupte sogar: fast niemand braucht WIRKLICH einen SUV. Derartige Fahrzeuge werden den Leuten durch die Werbung nur aus zwei Gründen schmackhaft gemacht: Status und Profit. Das gilt für ganz viele Produkte. In Wahrheit würde eine 5(-10)h Arbeitswoche ausreichen, wenn man alles auf die tatsächlich sinnvollen Tätigkeiten beschränken und zeitlich auf alle Schultern umlegen würde.  Heutige Phänomene wie Überproduktion, Arbeitslosigkeit, Armut, Obdachlosigkeit, Naturzerstörung usw. würden verschwinden.

Das alles ist der Wissenschaft längst bekannt und ich habe schon wiederholt auf diesen Seiten darauf hingewiesen. Mehr kann man nicht tun. Nachdenken, Konsequenzen ziehen und Handeln muss jeder selbst.

Holger Roloff, den 20.09.2019

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Nachtrag vom 21.09.2019: Die Halbwertzeit der Regierungsversprechen war kurz, sehr kurz – Dauer: einen Tag. Dann konnte man an der Praxis der Politiker bereits ablesen, wie die eigene Haltung in Wahrheit aussieht…(hier) und (hier) und (hier). Bundeskanzlerin Angela Merkel betreibt also nicht nur die Maximierung der Industrie-Profite, sondern auch die Maximierung der Ignoranz der Bevölkerung (s.hier) (hier) (hier). Immer mehr Details kamen dazu ans Licht (hier) (hier) (hier). Das ach so mächtige Klimapaket schrumpfte indes zum kleinen Päckchen, während sich genau die falsche Klientel über den Merkel-AKKK-Skandal echovierten.

Nachtrag vom 23.09.2019: Greta Thunberg sprach auf dem UN-Klima-Gipfel in New York (Video). Sie betonte, dass es von ihrer Generation aus keine Vergebung für das Versagen der Regierungen geben wird. Richtig so! Dem schließe ich mich nicht nur ausdrücklich an, sondern ich mache darauf aufmerksam, dass sich der Kapitalismus als System inzwischen auf allen Ebenen blamiert hat. (Video zum Beispiel/Bundestagsrede Sahra Wagenknecht zur bisherigen Verkehrs-Struktur- und Klima- und Umwelt-Politik der Bundesregierung)

Dahinter steckt nicht nur ein falsches Gesell-schaftssystem. Das allein ist schon kritikwürdig genug. Dazu kommt vielmehr ein komplettes intellektuelles Versagen der bürgerlichen Führungseliten, die ihr eigenes System nicht verstehen und einen klaren Blick auf das Leben und den Planeten völlig verloren haben. Sie haben diesen Blick selbst aktiv verschleiert durch Diäten, Provisionen, exorbitante Vortrags-Honorare, gut bezahlte Sitze in Aufsichtsräten und Konzernvorständen (= „Nebentätigkeiten“), direkte und indirekte Korruption durch den Lobbyismus der Industrie- und Finanzkonzerne. (Altmaier erklärt das Klimaschutzkonzept)

Das ist gleichermaßen Ausdruck von Dummheit, Egoismus und Habgier, gepaart mit Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber allen Menschen und sonstigen Lebewesen der Erde. Unser Planet ist vergiftet und schon voll mit Plastikmüll. Damit wurden allein in Deutschland Milliarden verdient. Das Artensterben ist die tägliche Folge. Immer mehr Menschen durchsuchen hierzulande Mülleimer nach Flaschen und Recyclingmüll, kämpfen damit um`s nackte überleben. Die Aufrüstung läuft gleichzeitig auf Hochtouren. Dafür reicht das Steuergeld immer.

Was davon wäre zu verzeihen? Nichts! Verzeihbar sind nur Dinge, die nicht absichtlich, sondern aus Versehen passiert sind. Davon kann hier aber nicht die Rede sein, denn die neoliberale Marktdoktrin, die Diktatur des Marktes (= Ideologie der „alternativlosen Sachzwänge“) ist hier gewolltes Programm. Für all das und mehr – darf es keine Vergebung geben. Niemals!!! Das sehen auch andere Analytiker so (hier)

Es gilt diese Geschichte zu bewahren und daraus zu lernen.

Was der Kapitalismus mit all seinen ideologischen Handlangern verdient, ist unsere tiefe, aufrichtige Verachtung! Die falschen Leute in einem tödlichen System sind eine ganz schlechte Kombination. Mit dem ewigen Klein Klein geht es nicht weiter. Es gibt nur eine konsequente Lösung für das alles: machen wir endlich Schluss damit!!!==> (hier), (vgl. auch hier) und (hier) Der Widerstand  läuft bereits (s. extinction rebellion) (s. Dokumentation SPIEGEL TV) (Proteste werden radikaler)


Die Hamburger Morgenpost berichtet von #AlleFürsKlima (hier)

Auch die Tageszeitung Junge Welt sieht das „Klimaschutzprogramm 2030“ kritisch (hier)

Hier ein paar Eindrücke aus Hamburg, als sich zum Ende hin schon alles langsam wieder auflöste, aber noch Poetry Slam und eine interessante Rede zu hören waren (Video)

Unser geschätzter Kollege Martin Sonneborn (DIE PARTEI) begeistert mit seinem Redebeitrag Schüler der FFF-Demo in Düsseldorf  (Video)

Marktwirtschaft schön grün lackiert (hier)

Der Green New Deal ist eine Mogelpackung (hier)

Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte von Nachhaltigkeit schweigen (Audiovortrag)

Hand in Hand für Tierrechte – auch das trägt zum Klima bei (hier)

Danke, Greta! Soviel Klartext im Angesicht der Herrschenden war selten in der Menschheitsgeschichte – ein Kommentar von Florian Kirner  für Tagesdosis 25.09.2019 (hier)

Vom Menschengemachtes Klima – konkrete Beispiele – ein Beitrag von Peter Frey (hier)

Die CO2-Steuer ist eine Mogelpackung! Ebenso ein Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten – eine Analyse von Hermann Ploppa für Tagesdosis 27.09.2019 (hier)

Wo anfangen? Wie wäre es bei den drei größten Verursachern von Abgasen – der Bauwirtschaft, der Landwirtschaft und vor allem dem Militär – Me, Myself and Media 53 – Toxisches Klima! (Video)

Greta angeblich total ferngesteuert…wirklich? Uli Gellermann hakt nach und beleuchtet diese Argumentationsart (hier)

Schwindendes Eis – Fakten und Grafiken zu Forschungsergebnissen (hier bei statista)

Ökodiktatur – stimmt dieser Begriff? (hier)

Wie und warum Menschen falsche Vorstellung von Hoffnung entwickeln – ein Beitrag von Chris Hedges für Tagesdosis 22.10.2019 (hier)

Zu diesen Kosten wären die Klimaziele bis 2050 noch zu schaffen (hier als PDF)

Lawinengefahr und schmelzende Gletscher wenn der Klimawandel jetzt schon den Alltag verändert – WWF-Interview mit dem Meteorologen Torgeir Mork und dem Klimaforscher Kim Holmèn (hier)

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