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(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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1.Mai 2015 – Warum ich nicht zur Demo gehe…

Heute haben wir den 1.Mai 2015 – den internationalen Tag der Arbeit – der Kampftag der Arbeiterklasse. Die Gewerkschaften rufen wie gewohnt dazu auf, sich ihren Forderungen in Bezug auf Arbeit anzuschließen usw. Nur ich bleib lieber zu Hause. Aber nicht aus Faulheit, sondern ganz bewusst, weil ich mit diesem Anliegen der traditionellen Gewerkschaften in keiner Weise konform gehe. Warum?

Symbolik

Arbeit bedeutet Zwang. Arbeit bedeutet Existenzangst. Arbeit bedeutet Tagelohn und moderne Sklaverei. Lohnarbeit ist Entfremdung und Fremdbestimmung. Andere bestimmen Sinn, Zweck und Ziele der Arbeit. Arbeit bedeutet heute neoliberale Kolonialisierung und soziale Spaltung – selbst  im eigenen Land. Arbeit ist eine kapitalistische Basiskategorie. Kapitalismus ist in vielerlei Hinsicht ein System der Zumutungen. Am deutlichsten zeigt sich das an der Verherrlichung und der fetischistischen Kultur der Arbeit. Was gibt es da zu feiern?

Auch der historische Hintergrund der Arbeit ist sehr aufschlussreich. Der folgende Mitschnitt eines Audio-Vortrages gibt darüber detailliert Aufschluss: Nieder mit der Arbeit! Audiovortrag …ich denke darin wird noch deutlicher, was ich meine und was Arbeit eigentlich geschichtlich bedeutet hat. Mit diesem Inhalt gehe ich 100%ig konform!

Arbeit ist Ausdruck davon, dass wir in einer Diktatur der Märkte leben, in einer Diktatur der Geld- und Warenströme, die Arbeit zwingend als Bestandteil benötigen – aber nicht etwa um ein schönes Leben zu erreichen – das wäre ja ein lohnendes Ziel – sondern um den abstrakten Selbstzweck der Wertverwertung aufrecht zu erhalten. Dabei ist es egal wie es den Menschen ergeht oder ob die Arbeitsergebnisse der Sache nach überhaupt sinnvoll sind. Der Markt regelt das alles…

warum für Arbeit?

Warum eigentlich „Agentur für Arbeit?“…herrscht denn Mangel an etwas??? „Arbeit macht frei“ – tatsächlich? Wo? Die Jagd nach Besitz macht doch ebenso unfrei…klagen selbst die Besitzer… Nirgends wird so viel gejammert wie auf Eigentümerversammlungen…

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Würde endlich die Abschaffung der Arbeit gefordert werden, dann wäre ich mit Begeisterung beim 1. Mai dabei, egal welches Wetter draußen wäre!!!

Oder würde wenigstens die Einführung eines ersten Schrittes in diese Richtung zum Thema werden, z.B. in Form der Forderung eines BGE – Bedingungslosen Grundeinkommens – auch dann würde ich mich motiviert auf den Weg machen. Doch die klassischen Gewerkschaften sind selbst Bestandteil des Problems. Sie fordern „gute Arbeit“ ein! Sie fordern „Jobsicherheit“ oder gar ein „Recht auf Arbeit“. Sie stehen damit dem Kapital näher als sie denken. Ja mehr noch – sie denken in den gleichen Gedankenformen, wie die, gegen die sie demonstrieren müssen, um einen Tag Urlaub rauszuholen, mickrige Lohnerhöhungen durchzusetzen und die Zumutungen so wenigstens etwas zu lindern. Diese Geisteshaltung ist ein Widerspruch und wird nie zur Befreiung von diesem Irrsinn führen. Das belegt auch die Geschichte der Arbeiterklasse sehr deutlich.

In Wahrheit würden 5 Stunden sinnvoll aufgeteilter Tätigkeiten für ein mehr als gutes Leben für alle ausreichen ( s. Darwin Dante 5 Stunden sind genug). Das ist seit langem bekannt (s. auch  diese 20 Jahre alte Internet-Seite – www.5-Stunden-Woche.de). Arbeiten müssen wir nur, damit einige Superreiche noch mehr abstrakten Reichtum anhäufen können, der ihnen in Bezug auf das Leben an sich rein gar nichts nützt, während z.B. manche Rentner selbst in Deutschland ihren Lebensabend unter unwürdigen Bedingungen fristen müssen. Ich hatte gestern gerade ein Gespräch mit einer Bekannten, die mir das am Beispiel ihrer Mutter deutlich beschrieb. „Arm durch Arbeit“ nennen Soziologen diesen Zustand – und das nach 70 Jahren Arbeitsgesellschaft und Aufbau nach dem Krieg. Sieht so Erfolg aus? Hätte man das einst Konrad Adenauer und Ludwig Erhard als Zukunft der Marktwirtschaft in Deutschland beschrieben – sie hätten diese Prophezeiung sicher für Unsinn gehalten…

Heute feiern? Sorry…ich wüsste nicht was. Und Demonstrieren hat auch nur Sinn, wenn es um echte Alternativen zu diesem Irrsinn namens „Arbeit“ gehen würde…

Holger Roloff, 1.Mai 2015

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Dieser Text als PDF: hier

Link zum genannten Hörvortrag: hier

Link zum genannten Buchtext Darwin Dante: hier

Sinnlose Jobs – wie Arbeit die Gesellschaft krank macht (hier)

Arbeitsunrecht in Deutschland (hier)

Mehr Faulheit wagen! (hier)

Manifest gegen die Arbeit: PDF hier

Nachtrag vom 27.06.2015: Finnland testet das Bedingungslose Grundeinkommen

Nachtrag vom 12.09.2015: Diskussion um die Länge des Arbeitstages: „Stress auf der Baustelle“

Infoseite ARBEITSUNRECHT IN DEUTSCHLAND: (hier)

Zum kulturellen Wandel in der Wirtschaft: „Die Stille Revolution“ (hier)

Sehnsucht nach einer anderen Arbeit (hier)

Hörbuchbeitrag zur neuen Arbeit und zum BGE von Timothy Speed: (hier)

Über den Ursprung der Arbeit als Tätigkeitsform der Sklaven hin zum Lohnsklaven (hier)

Kunstaktion „Deutschland sagt Sorry!“ – was eigentlich überfällig wäre (Video hier)

Arbeit tötet – hier am Beispiel Frankreich – Bericht in JUNGE WELT (hier)

Nieder mit dem Lohnsystem – Interview mit Lothar Galopp-Bergmann (hier)

Luxus für alle. Eine Kritik des Arbeitsfetischs – Vortrag von Stephan Grigat (hier)

Die Aufhebung der Arbeit – Ein anderer Blick in das Jenseits des Kapitalismus (hier)

Irrsinn des Pro-Arbeitsplatz-Argumentes – witzig erklärt per Kabarett (Video hier)

Fetisch Arbeit – eine Reflexion der gesellschaftlichen Arbeitsform von Maria Wölfingseder (hier)

Auf dem Weg zur Arbeit wird die Charaktermaske schnell noch aufpoliert (hier)

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