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(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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Bargeld – retten oder abschaffen?

Die Irrationalität und die Widersprüche im Kapitalismus treiben immer wieder wilde, ideologische Stilblüten aus. Das ist das Einzige was hier noch wirklich wächst und Konjunktur hat. Wer die Augen im Alltag aufhält, den Fernseher einschaltet oder irgendeine Tageszeitung aufschlägt, stolpert darüber. Heute macht beispielsweise der Autor Wolfgang Münzhau in einem Artikel des SPIEGEL-Online auf so eine ideologische Stilblüte aufmerksam (hier) und (hier als PDF).

Was ist davon zu halten? Bargeld – Ja oder Nein?

Der Artikel spricht da für sich – auch wenn das am Ende genannte Argument „Die EZB hätte viel früher und viel energischer mit der geldpolitischen Lockerung anfangen müssen.“ ins Leere greift und selbst eine eigene Stilblüte darstellt, weil es verkennt, dass der Ausgangspunkt der Mangel an Mehrwertproduktion ist. Erst die mit der inneren Schranke der Kapitalverwertung verbundenen, schwindenden Renditen in der Wirtschaft bewirkten den sogenannten “Investitionsstau“. Das Stocken des Geldkreislaufes ist also nicht die Ursache, sondern die Folge und kann heutzutage, in einer Situation unzureichender Verwertungspotenziale und gesättigter Märkte, eben gerade nicht (mehr) einfach durch eine „lockere Geldpolitik“ kompensiert werden.

Die Schlussfolgerung bezüglich des Erhaltens von Bargeld ist hingegen richtig. Bargeld abzuschaffen wäre tatsächlich keine Lösung, sondern würde die Widersprüche sogar zuspitzen. Eine damit verwandte Argumentation, die ebenfalls gegenwärtig kursiert, kann verdeutlichen, warum die Abschaffung von Bargeld den Charakter eines  Scheinarguments besitzt.

Genauso unsinnig ist es z.B. zu fordern, einzelne Banknoten (wie 500 € Scheine) seien abzuschaffen mit dem Argument der „Geldhortung“ (= Sparen), weil dieser Geldanteil ummittel der Wirtschaft entzogen wäre. Das würde Arbeitsplätze kosten usw.

Dabei wird versucht die Wertaufbewahrungsfunktion des Geldes gegen seine Tauschmittelfunktion auszuspielen. Das ist ein logischer Zirkelschluss. Dieses Argumentationsmuster ignoriert nämlich, dass Geld nur dann Tauschmittel sein kann, wenn es bereits die Wertaufbewahrungsfunktion hinreichend erfüllt. Letzteres ist die zwingend notwendige Voraussetzung! Wenn Geld seinen Wert nicht behalten könnte, sondern verliert, während man damit in der Brieftasche zum Supermarkt unterwegs ist, wie soll es dann noch ordentlich als Tauschmittel fungieren können?

Solche Fälle gab es historisch immer wieder. Man denke z.B. an die 1920er Jahre, die Zeit der Hyperinflation, als die Arbeiter ihren Lohn in Wäschekörben voller Geld nach Hause getragen haben. Auf dem Weg dahin bzw. zum nächsten Laden war dessen Kaufkraft so weit gefallen, dass man kaum noch etwas dafür als Gegenwert erhalten hat. Für viele Millionen oder gar Milliarden Reichsmark bekam man nur noch ein halbes Brot und zwei Eier, zu wenig um eine ganze Familie zu ernähren. Das nackte Überleben war gefährdet. Die Geldscheinwerte waren hingegen riesig.

Besagte 500 € Scheine machen heute außerdem nur ca. 3% des Geldes überhaupt aus, da insgesamt nur 10% Bargeld sind und davon wieder zwei Drittel andere Scheine sind.

Warum gibt es große Geldscheine überhaupt?

Diese großen Scheine erleichtern das Sparen auf höherwertige Waren und teurere Anschaffungen, die nicht aus einem Monatsgehalt bezahlt werden können. Große Scheine greift man nämlich nicht so schnell an und das ist erfahrungsgemäß psychologisch von Vorteil, wenn man längerfristige Sparziele verfolgt.

Geparktes Geld bedeutet in diesem Sinne nur aufgeschobener Konsum und kann im Geldkreislauf leicht durch Kredite ersetzt werden. Und die, die wirklich weit mehr verdienen, als sie zum Leben (Konsum) unmittelbar benötigen, haben die Masse ihres Geldes sowieso in anderen Formen parat bzw. fest angelegt, in Sachwerten, Aktien, direkten Unternehmensbeteiligungen usw. Sie sind auf Bargeld nicht angewiesen. Sie nutzen Tagesgeldkonten oder bevorzugen weltweit angesehene Gold- und Masterkarten, also elektronisches Giralgeld. Seit neuestem sogar per App auf dem Smartphone jederzeit verfügbar. Fragen Sie ruhig bei Gelegenheit mal einen Millionär, falls Sie zufällig einen kennen, wieviel Bargeld er dabei hat…sie werden vermutlich überrascht sein, wenn es weniger ist, als sie selbst bei sich tragen.

Richtig ist natürlich, dass das zeitweilig zurückgelegte Bargeld nicht unmittelbar für die Verwertungsprozesse zur Verfügung steht. Aber das kann man deshalb auch positiv sehen, denn es bedeutet weniger Konsum, weniger Umweltzerstörung, weniger Rohstoff- und Energieverbrauch und ist somit ökologisch höchst sinnvoll…!!!

Der Standpunkt macht den Unterschied

Das Scheinargument der „Geldhortung“ ist also stets eines vom Standpunkt des Kapitals aus. Es beklagt die eigenen Widersprüche in Form kleinbürgerlicher Stammtischideologien, anstatt die Grundlagen der Kapitalverwertung (Ware, Arbeit, Geld, Markt, Staat) und somit das Wertesystem an sich kritisch auf den Prüfstand zu stellen. Gleiches trifft analog auf die „lockere Geldpolitik der EZB“ zu. Der Monetarismus (Wirtschaftspolitik per Steuerung über die Geldmenge und den Zins) nähert sich historisch einfach seinem Ende, weil seine Voraussetzungen nicht mehr ausreichend erfüllt sind. Doch diese einfache Erkenntnis ist quasi ökonomische Blasphemie im Glaubenssystem des Kapitalismus, besonders bei den Theoretikern unter den Ökonomen.

Dass die Theorien bürgerlicher Ökonomen nicht mit der Wirklichkeit der kapitalistischen Logik übereinstimmen, zeigt deutlich an, dass diese Herrschaften trotz Abschlüssen an „Elite-Universitäten“ ihr eigenes System nicht verstehen, sondern nur Wege und Argumente suchen, um es trotz aller Widersprüche und entgegen aller ökologischer und sozialer Vernunft, nach den Vorstellungen ihrer eigenen Ideologien, am Leben zu halten. Das Dogma muss aufrecht erhalten werden, koste es was es wolle. Notfalls muss die Wirklichkeit paradoxerweise der offenkundig falschen Theorie angepasst werden, anstatt umgekehrt.

Schlussfolgerung

Bargeld innerhalb der Marktlogik, innerhalb der Zumutungen des kapitalistischen Alltags, ist aus vielen Gründen zweifelsfrei zu befürworten, denn es rettet oft gerade die Ärmsten der Armen vor doppelter Ausbeutung und dem Zugriff staatlicher Willkür. Es erleichtert es, sich Ausgaben sinnvoll einzuteilen. Es erleichtert das Sparen und damit die Absicherung fürs Alter, für den Krankheitsfall, Unfälle und andere unvorhergesehen Notsituationen.

Es ist immer klug vorzusorgen. Solange wir uns noch in der Geldform bewegen, kann man sagen: Bargeld muss bleiben.

Holger Roloff, 24.11.2014

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dieser Artikel: (als originale PDF)

weitere Beiträge zum Thema:

„Geldanlage: wie man Negativzinsen vermeidet“ (hier)

„Aufsichtsbehörde schlägt Alarm: Niedrigzins bedroht Europas Versicherungen“ (hier)

„Mini-Zinsen kosten Sparer 300 Milliarden Euro“ (hier)

„Verlorenes Jahrzehnt: Europas ökonomisches Karakiri“ (hier)

„Zwist über das Bargeld“ (hier)

Diskussion um eine Welt ohne Geld: (hier)

Andere Form von Gerechtigkeit: Teilen als Tugend (hier)

Aus dur den 500 EURO Schein – doch nur Bares bleibt wahres (hier)

06.05.2016 – Zitat des Tages

“Es sind deutlich ehrgeizigere Maßnahmen nötig, da das Schwarzgeld, das aus verbrecherischen Aktivitäten stammt, größtenteils mit Hilfe von Scheingesellschaften in Steuerparadiesen gewaschen wird und sich im internationalen Bankensystem frei bewegt.”

Am Donnerstag mahnte die spanische Zeitung La Vanguardia an, dass es zur Bekämpfung von Geldwäsche anderer Mittel bedürfe als der Abschaffung des 500-Euro-Scheins

Hintergründe zum Ende des 500 EURO Scheines: (hier)

Zur Problematik der Geldschöpfung im FREITAG: (hier)

Gibt es eine Gesellschaft nach dem Geld? WDR Podcast / Hörbeitrag (hier)

Was die Abschaffung von Bargeld bedeuten würde in einem ZDF-Beitrag (Video)

Vollgeld-Initiative in der Schweiz stimmt ab – Vorteil: ein JA wäre auf jeden Fall automatisch ein klares JA zum Bargeld (hier) Es wurde beim ersten Versuch im Juni 2018 jedoch abgelehnt (hier)

Die Schweiz und der Vollgeld Traum – Gedanken vom Kanal DetailVerliebt (Video)

Die große Geldflut: Wie Reiche immer reicher werden diese (Doku) zeigt die Hintergründe, warum ein Vollgeld zum Erhalt des Bargeldes sinnvoll ist. Gleichzeitig basieren diese Überlegungen allerdings auf der fehlerhaften Annahme, dass die reine Expansion des Geldes durch Kredite die Ursache der Probleme sei. Die Argumentation verkennt das Wesen von Geld im Kapitalismus und somit auch den Sinn von Geld überhaupt. Der Wachstumszwang entspringt der Warenform. Das spricht also nicht gegen den Erhalt von Bargeld oder die Einführung von Vollgeld – als erster Zwischenschritt – sondern vielmehr für eine Überwindung der Warenform als allgemeinem Grundprinzip!

Geld im Kapitalismus – Interview mit Claus Peter Ortlieb (Audio)

Dirk Müller zum Irrsinns-Argument, die Bargeldabschaffung wäre gut für das Klima (Video)

IWF möchte am liebsten eine Bargeldabwertung durchsetzen (hier) und (hier)

Der Kapitalismus würde sich mit einer Bargeldabschaffung auf eine neue, totalitäre Form des Faschismus zubewegen – siehe (hier) und (hier)

Der IWF drängt konzeptionell weiter auf eine Bargeldabschaffung – ein Kommentar von Norbert Häring für Tagesdosis 6.8.2019 (hier)

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