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"Wenn Frau Merkel glaubt, sie kann die abgeschalteten Kernkraftwerke einfach wieder einschalten lassen und einfach 110 anrufen, wenn es Protest gibt, ist sie bei uns falsch verbunden", sagte Rainer Wendt, Verbandschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt Online.

(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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Archiv für die Kategorie „Arbeit“

Das Goldene Kalb namens Arbeit

Es gibt zahlreiche Bücher wie „Der Tanz ums Goldene Kalb“ oder „Der Tanz um den Gewinn“ o.ä. Titel, stets Bezug nehmend auf die biblische Vorlage, in der es sich um ein Götzenbild handelt (Info). Meistens wird darunter das Rumgeeier um das Thema Geld verstanden, oft verbunden mit Aussagen wie „Über Geld redet man nicht“, „Über Gehälter reden wir nicht im Unternehmen.“, „Das liegt am Schleier des Geldes“ u.ä. Sätzen. Auch wenn sich das gerade aufzulösen scheint (Stichwort Transparenz, gleiche Bezahlung von Frauen) – stellt sich die Frage, ob die Zuordnung „Goldenes Kalb = Geld“ tatsächlich den Kern trifft!?

Kapitalismus baut auf drei grundlegenden Kategorien auf: Ware, Geld, Arbeit. Über jede davon sind zahlreiche Aufsätze und ganze Bücher verfasst worden. Dominierte in der letzten großen Krise 2007-2010 vor allem die Diskussion ums Geld (Finanzmärkte, Finanzblasen, Gier, Zinsen, Moral, Kreditklemme etc.) hat sich das seit 2017 verschoben. Jetzt tobt die Debatte eindeutig um das Thema „Arbeit“.

Abstrakte Arbeit

Das Wesen der kapitalistischen Tätigkeitsform besteht darin, abstrakt zu sein. Sie wird als Kostenaufwand betriebswirtschaftlich in den kaufmännischen Büchern geführt, geplant und abgerechnet. Abstrakte Arbeit als sozial-ökonomisches Formprinzip – und das ist den meisten Protagonisten (=“Marktteilnehmern“) nicht klar –  ist eigentlich Irrsinn pur. Der Mythos „Ehrliche“ oder „Harte“ Arbeit stellt nur dessen ideologischer Gipfel der damit verbundenen Illusionen dar und dient den Herrschenden als Verblendungszusammenhang um den Kapitalismus aufrecht zu erhalten, um ihre Macht zu rechtfertigen, die wiederum den Zwang zur Arbeit gewährleisten soll.

Macht, Arbeitszwang und Hartz IV

Wäre „Arbeit“ die natürliche Form menschlicher Tätigkeiten, bräuchte es logischerweise weder Zwang, noch Macht, noch strukturelle Gewalt, um sie als Formprinzip aufrecht zu erhalten. Das kennen wir verklausuliert und mystifiziert als „Leistungsprinzip“ und wird in vielen Diskussionen positivierend als Bezugspunkt aufgeführt, um Menschen zu normieren und für das Kapital zu domestizieren wie Haustiere. Der deutsche Soziologe Robert Kurz prägte deshalb schon in den 90er Jahren einen passenden Begriff, indem er formulierte, „wir sind verhausschweint“, also domestiziert wir Hausschweine (für`s Kapital). Die andere Seite der Diskussion, die dem Leistungsprinzip gegenüber steht, ist die des Hartz IV-Systems. Es dient dazu Angst vor sozialem Abstieg zu verbreiten. Das zeigt, welchen Charakter diese Art Gesellschaftsform in Wahrheit hat und worum es ihr geht.

Konkrete Arbeit

Möglich wird den Herrschenden die positive Bezugnahme auf das Thema Arbeit, weil sie nie die Unterscheidung zur stofflichen Seite menschlicher Tätigkeiten vornehmen. Das wird nie abgegrenzt, thematisiert und bewusst gemacht. Arbeit wird im aktuellen Herrschaftsdiskurs auch nie als „abstrakte Arbeit“ bezeichnet, sondern unbewusst mit seiner konkreten Seite („konkrete Arbeit“) assoziiert. Da die konkret-stofflichen Seite aller Tätigkeiten universell immer da ist, erscheint das dem Zuhörer als unvermeidlich und plausibel. Diese Seite gäbe es ja auch noch nach dem Kapitalismus, wenn es längst gar keine „Arbeit“ in heutigen Sinne mehr wäre, sondern nur noch der gesellschaftlich-notwendige Aufwand, um die Dinge und Dienstleistungen zu erzeugen, die unser Leben verbessern können.

Genau dieses Ziel – ein gutes Leben für alle – ist aber nicht das Primärziel im Kapitalismus, sondern hier dient Arbeit dem Gelderwerb und somit der Geldvermehrung. Das ist der große und entscheidende Unterschied, der den oben benannten Irrsinn ausmacht. Geld erscheint als Zahlen, die auf Münzen geprägt, auf Papier gedruckt oder Konten gespeichert werden. Zahlen sind die höchst mögliche Abstraktionsstufe. Wenn Tätigkeiten mit Geld bezahlt werden, um gesellschaftlich gültig zu sein, erschließt sich auch, warum Arbeit seinem Wesen nach abstrakt ist. Gleichzeitig existiert die Dualität zur konkret-stofflichen Seite als „konkrete Arbeit“. Ohne sie kommt das Kapital nicht aus, da es physische Waren braucht. Da das in der Herrschaftsrhetorik jedoch so wie gesagt nicht vorkommt, bleibt der Zusammenhang im Dunkeln und kann ideologisch zur Systemrechtfertig benutzt werden.

Natürlich findet man diese Begriffe historisch in der Philosophie bereits im 19. Jahrhundert bei keinem Geringeren als Karl Marx. Auch wenn der 2018 gerade mit einem 200. Jubiläum gefeiert wird, will man es doch lieber nicht so genau wissen, wie weit dessen Erkenntnisse schon mal waren. Ein derartiges Wissen, ein derart geschultes Bewusstsein, könnte den herrschenden Eliten gefährlich werden. Sie wollen ihre Macht nicht an die breite Bevölkerung abgeben…sonst könnten durch Transparenz noch ganz andere Fragen aufgeworfen werden, die das heutige Konstrukt grundsätzlich in Frage stellen. Die Rechtfertigungen könnten wie Seifenblasen zerplatzen. Alle Finanzblasen machen das ja immer wieder anschaulich und eilen dem sozusagen voraus…

Die Logik des Irrsinns der abstrakten Arbeit

Wenn Arbeit in Geld aufgewogen wird, heißt das, dass ihr Wert in abstrakter Form erhalten bleibt. Das wirft die Frage auf – wozu? Antwort: Wertschöpfung. Die Verwertung des Wertes oder in Alltagssprache übersetzt – aus Geld muss mehr Geld werden. Da das Geld im Zusammenspiel mit den Waren zirkuliert und zurückfließt zu den Produzenten, steigert sich der gesamtgesellschaftlich erzeugte Wert mit jedem Durchlauf. Es wird immer wieder etwas als Marge hinzu gerechnet. Da die menschlich verausgabte Arbeit das Verstoffwechseln und somit in der Endkonsequenz immer den Einsatz und Verbrauch von Energie bewirkt, heißt das, dass der Wert der Arbeit stets zum kaufmännischen Ausgangspunkt für die nächste Runde wird. Wir leisten Arbeit, um in der nächsten Runde noch mehr Arbeit verausgaben zu müssen – jedoch nicht etwa, weil das dem Bedarf nach notwendig wäre, sondern weil die gesellschaftliche Vermittlung durch abstraktes Geld erfolgt, anstatt durch konkreten Bedarf. Geld kann – da abstrakt – unendlich vermehrt werden. Dem folgt die Logik der Arbeit ohne eingebaute Bremse. Das beißt sich irgendwann und muss folglich scheitern. Da sind wir jetzt historisch angekommen. Das Auftauchen von Kryptowährungen in den letzten Jahren zeigt zweifelsfrei an, wie irrational das Geld- und Finanzsystem und somit (kategorial gesehen) das Medium Geld an sich schon geworden ist.

Aus einmal verausgabter Arbeit muss in der jeweils nächsten Runde somit als rein gesellschaftlich gesetzter Zwang immer mehr Verausgabung von Arbeit werden. Das ist – wenn überhaupt – nur dann sinnvoll, wenn noch ein akuter Mangel an Produkten und große materielle Not besteht. Sobald die breite Bevölkerung jedoch bestens versorgt ist (Überflussgesellschaft), müßte man das stabil halten oder wieder auf das notwendige Maß runter fahren, sonst nimmt dieser Zusammenhang irrationale Ausmaße und Formen an (von den Umweltauswirkungen ganz zu schweigen). Alle Krisen im Kapitalismus sind eine Folge dessen. Abstrakte Zahlen (und damit Geld) können sich theoretisch unendlich vermehren. Konkrete Arbeit, stoffliche Produkte und Dienstleistungen (weil der Tag nur 24 h hat) nicht. Der Umgang mit der Größe Zeit entspricht im Kapitalismus also nicht der wahren Natur der Zeit. Das ist als Widerspruch konstitutiver Bestand der Entfremdung des Menschen von sich selbst, eine falsche gesellschaftliche Form und deshalb irrational.

Lösung – ein zeitkonformes Ziel

Vernünftig wäre es vielmehr die Produktion und alle Tätigkeiten so zu organisieren, dass wir Lebenszeit für Muße, zum Nachdenken und Beraten gewinnen. Doch das lassen die Logik der Geldvermehrung und abstrakten Arbeit nicht zu. Falsch ist also nicht das Leben an sich, sondern unsere vorherrschende Gesellschaftsform (Kapital). Würde man die Produktion am tatsächlichen und ökologisch sinnvollen Bedarf ausrichten, anstatt am von der Werbung manipulierten und künstlich gepushten Markt, kämen wir wie durch ein Wunder mit viel weniger aus und wären dabei glücklicher, denn wir müssten weniger „arbeiten“. Es ist seit langem bekannt, dass bei kluger Gestaltung des ökonomischen Aufwandes fünf Stunden pro Woche ausreichen würden (s. hier). Gleichzeitig wäre es möglich, alle ökologischen Problemfragen zu klären. Die Ursachen der Umweltprobleme stecken ebenfalls im kapitalistischeren System und sind nur die andere Seite des Verwertungsprozesses und der Entfremdung des Menschen von der Natur.

Schlachtet das Kalb oder die Abschaffung der Arbeit

Doch die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Die Massenarbeitslosigkeit nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich nicht zufällig in den 1970er Jahren, also genau da, wo die breite Automatisierung der Produktion einsetzte. Das setzte sich mit der Einführung von PCs in den 80ern, dem Internet in den 90ern, dem Web 2.0 mit sozialen Netzwerken seit 2000 fort und gipfelt nun in der Industrie 4.0, in der die Robotik und Produktivität die konkret-stoffliche Seite der Wirtschaftswelt radikal verändert, während alle Erscheinungsformen des Wertesystems (Ware, Geld, Arbeit) gleichermaßen entwertet werden. Das Universum ist eben seinem Wesen nach nicht kapitalistisch aufgebaut, sondern strebt danach, die Entfremdung durch gesellschaftliche (Fehl-)formen wie Ware, Geld und Arbeit wieder aufzuheben. Es kennt diese Formen (rein menschliche Erfindungen/Prinzipien) einfach nicht, sondern strebt danach, uns wieder der konkreten Seite namens Leben zu erinnern.

Es ist an der Zeit den Tanz um das eigentliche Goldene Kalb – die Arbeit – zu beenden. Der Kapitalismus ist gezwungen seinen eigenen, inneren Gesetzmäßigkeiten zu folgen. Die drängen auch weiterhin in Richtung Kostensenkung (= Preisvorteil in der Marktkonkurrenz), also danach, den gesamtgesellschaftlichen Arbeitsaufwand zu senken – oder anders gesagt – immer mehr konkrete Arbeit überflüssig zu machen. Doch damit wird auch die abstrakte Arbeit als Formprinzip an sich obsolet. Der Widerspruch wird heute historisch reif. Klug wäre es, das schnell zu erkennen, um in diese Richtung denken und handeln zu können, z.B. in dem über neue Prinzipien des Wirtschaftens nachgedacht werden kann. Ist der Geist frei, öffnen sich zahlreiche Türen und eröffnen Möglichkeiten, die man vorher zu sehen nicht in der Lage war. Wie auch, wenn man im Dunkeln steht?

 

Holger Roloff, 01. Mai 2018


Hart arbeiten? Eine kritische Reflexion von Franz Schandl (hier)

Repariert nicht, was euch kaputt macht! – ein Plädoyer für das gute Leben der Streifzüge-Redaktion Wien (hier)

Manifest gegen die Arbeit – Gruppe Krisis 1999 – ein Klassiker zum Thema Arbeit (hier)

1.Mai 2015 – Warum ich nicht zur Demo gehe… – eine kritische Reflexion (hier)

Allein schon Arbeit (hier)

Sind Menschen ohne Arbeit eigentlich keine Menschen mehr? (Video) oder wird nicht vielmehr einfach der Begriff der Arbeit in Frage gestellt? (hier)

Das Netzwerk des Kapitals… – über das weltweite Kapital (hier)

Wohin geht der ökonomische Trend…? (hier)

Wesen und Irrationalität der warenförmigen Gesellschaft (hier)

Glauben, Geld und Warenform… – eine Kritik des Schuldprinzips (hier)

Des armen (Raub-)Ritters neue Ideen – sind eigentlich ein Mangel an Ideen (hier)

Der Teufel und die Horrormärchen – der Irrsinn namens Hartz IV (hier)

Debatte um eine Maschinensteuer – warum das kein sinnvoller Ansatz ist (hier)

Die 4.Dimension als unlösbarer Widerspruch des Kapitals (hier)

Wohlstand neu erfinden – welche echten Alternativen es gibt (hier)

Was bedeutet ein Epochenwechsel – ein größer Blick auf den Wandel (hier)

Es ist leichter sozial-ökonomische Formen jenseits des Kapitalismus denken zu können, wenn man zuvor die wahre Natur des Universums wissenschaftlich und philosophisch verstanden hat – wie diese nach neuestem Stand aussieht stellt diese Doku dar (Video)

Älteste Frau der Welt (Stand Mai 2018) zieht Lebensbilanz. Arbeit ist erstrebenswert? Von wegen. Arbeit ist vielmehr Mühsal und Strafe – Bericht in BILD.de (hier)

An Mitarbeitern wird gespart, die Produkte sind fragwürdig – ein Blick hinter die Kulissen von modernen Billigläden TEDi und EuroShop bei BILD.de (hier)

Wie junge Menschen bereits im Bildungssystem konditioniert und domestiziert werden zu Sklaven für das warenförmige System, auf Gewalt basierende Autoritäten und Konsum als Ersatz für Liebe und Anerkennung durch die Gesellschaft (hier)

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Wesen und Irrationalität der warenförmigen Gesellschaftsform

Wesen und Charakter einer warenförmigen Gesellschaft sind durch diverse Artikel auf diesen Seiten schon mehrfach analysiert und beschrieben worden. Das Wesen besteht in seiner abstrakten Inwertsetzung. Das bedeutet, das alles durch Tauschverhältnisse geregelt und bestimmt wird. Der Konsequenz dessen, sind sich die westlichen Gesellschaften lange Zeit nicht klar gewesen. Manche Leute sind es bis heute nicht, berufsbedingt, weil sie selbst davon profitieren oder weil sie einfach zu bequem sind, zu faul zum Denken, lesen, diskutieren – oder zu feige aufzustehen, sich sich zu positionieren und zu wehren. Da schwimmt man lieber mit dem Strom.

Das Ziel so einer Gesellschaft, bezüglich ihrer Inwertsetzung, ist nicht ein gutes Leben an sich, wie man vielleicht vermuten würde. Die gesellschaftliche Bestimmung und der Sinn einer Sache in einer Tauschgesellschaft, messen sich nicht an  deren konkreten Nutzen, sondern werden allein bestimmt durch ein gesamtgesellschaftliches Verhältnis, genannt der Wert oder genauer „die kapitalistische Wertform“. So findet als höchste Abstraktionsform (Zahlen) das Wesen der warenförmigen Gesellschaftsform einerseits ihren konkreten Ausdruck in der Geldform (Zahlen auf Münzen, Scheinen, Konten, Aktien, Schuldscheinen usw.), sowie andererseits in der Arbeit, deren Wesen folglich ebenso darin besteht, abstrakt zu sein. Das Zusammenspiel der Elemente Ware/Geld/Arbeit ermöglicht wie gesagt die nahezu beliebige Austauschbarkeit aller Waren und setzt dabei eine sehr spezielle Dynamik in Gang, innerhalb eines sich geschichtlich permanent verändernden Prozesses – dem Kapital. Weil Geld jedoch nur Quantitäten messen kann (durch Preisgrößen), verwundert es auch nicht, dass die alles bestimmenden Zahlen wachsen und wachsen müssen, egal ob das der Sache auf der Ebene der stofflichen Größen nach überhaupt Sinn hat (Gebrauchswert, Nutzen kontra Umwelt) oder nicht. Das Kapital aus sich selbst zu vermehren ist der dem System immanent eingeschriebene Zwang und irrationale Selbstzweck, der letztlich direkt lebensfeindlich, tödlich und sogar explizit mörderisch werden kann (in der Soziologie bezeichnet als „Der Todestrieb bürgerlicher Subjektivität“, Robert Kurz, vgl. hier), von Amokläufen, über Kriege bis hin zur industrialisierten Menschenvernichtungsmaschine  im Dritten Reich. Arbeit besitzt die Tendenz zum Töten. Selbst normale bürgerliche Ökonomen haben das inzwischen erkannt (vgl. Peter Fleming, Wirtschaftswissenschaftler an der Cass Business School of London, s. Bericht bei WELT online vom 08.02.2018 – hier)

Das Leben, so es denn im Kapitalismus wenigstens zeitweise historisch stressfrei gelang, war und ist nur ein Abfallprodukt dieses Prozesses, aber eben nicht der eigentliche Zweck. Selbst die Menschen sind als Arbeitskräfte nur Waren auf dem „Arbeitsmarkt“ und werden für den Prozess der Profitproduktion an- und verkauft. Dabei strebt das Kapital stets tendenziell zur höchsten, durchsetzbaren Ausbeutungsrate, im Idealfall zur Kinderarbeit, da die sich am wenigsten dagegen wehren können. Jeder hat Angst, am Markt von anderen überrundet zu werden. Auch die produktiven Kapitalisten (Unternehmer) sind von dieser Angst getrieben. Es betrifft uns alle. Echte Selbstbestimmung des Menschen wäre gewiss etwas anderes. Stattdessen herrscht die Diktatur des Marktes.

5 Buchtitel Kapitalismuskritik

Das so konstruierte Sein ist keineswegs „natürlich“, „schon immer da gewesen“ und „ewig weiter so existent“, auch wenn uns die bürgerlichen Apologeten der Marktwirtschaft das gerne weiß machen möchten (z.B. „Das Ende der Geschichte“, Francis Fukuyama, „Mehr Kapitalismus wagen“, Friedrich März usw.), sondern lediglich eine Phase innerhalb der Entwicklungsgeschichte der Menschheit insgesamt. Der Kapitalismus, also die alles bestimmende Konsum- und Warengesellschaft, erlebte eine Geburtsphase (noch als Sklaverei, s. hier und hier), eine Aufstiegsphase (Industrialisierung, Modernisierung), eine Hoch- und Wohlstandszeit (Keynianistischer Wohlfahrtsstaat nach dem 2.WK, soziale Marktwirtschaft) und sie erlebt gerade ihre Niedergangsphase (Krisenkette seit 1970, Globalisierung seit 1980, Zusammenbruch des Ostens 1989,  Hochtechnologiezeit und Internet seit 1990), die irgendwann mit ihrem Ableben enden wird. Dieser Lebenszyklus/Verlauf ist aber auch das einzige was aus einer übergeordneten Perspektive betrachtet, mit den allgemeinen Gesetzen im Universum übereinstimmt. Der Kapitalismus im Inneren wird adäquat durch das Wertgesetz beschrieben, ist hochgradig widersprüchlich, irrational und stimmt keineswegs mit den allgemeinen Gesetzen im Universum überein. Je mehr wir uns als Menschen dessen bewusst werden, desto klarer sehen wir, was wirklich ist. Die gesamte Modernisierungsgeschichte wäre auch anders denkbar und möglich gewesen.

Durch das genannte gesamtgesellschaftliche Verhältnis, den abstrakten Wert, werden umfassende gesellschaftliche Mechanismen in Gang gesetzt, deren innere Gesetzmäßigkeiten durch die Funktionslogik des Geldes bestimmt werden. Dem soll alles untergeordnet werden.

„Man sollte nie vergessen, Kapitalismus war in erster Linie immer auch ein System der Zumutungen.“ (Robert Kurz).

Durch diese geschichtlich gesehen sehr spezielle Art von Wirtschaft und dessen Wesen nach abstrakte Inwertsetzung ist das Leben in der realen Geschichte bestimmt worden, samt genannter Zumutungen im Alltag. Dessen sind sich die meisten Menschen, die in so einer Gesellschaft leben, jedoch nicht unmittelbar bewusst. Fehlendes und falsches Bewusstsein wird langfristig aber zum Problem, weil die Ursachen unerkannt bleiben. Die ebenfalls auf diesen Seiten zu findenden Artikel zum Thema Ideologien legen Zeugnis davon ab, warum (s. hier). Ergänzen lässt sich, dass der Philosoph Erich Fromm bereits in den 1960er Jahren, als das Aufkommen einer Konsum-Zwangsgesellschaft diskutiert wurde, dem Kapitalismus tiefgehend analysierte und all die mentalen Zusammenhänge aufdeckte, die bis heute Gültigkeit besitzen (vgl. Vortrag hier). Seit dem ist es insgesamt leider immer schlimmer geworden.

Solange noch geschichtlich wenigstens auch reale Verbesserungen im Alltag spürbar waren (bis rein in die 1970er Jahre), war das zumindest nach dem 2. Weltkrieg in Zentraleuropa nicht so stark ins Gewicht gefallen (davor schon! zwei Weltkriege berichten davon). Der Wettstreit zwischen Ost und West trug dazu bei, soziale Zugeständnisse zu machen. Und man redete sich die Verhältnisse einfach schön. Doch scheitert jemand im Alltag (was im Turbokapitalismus der Globalisierung ab 1980 zunahm) und fühlt sich nicht anpassungs- oder leistungsfähig genug, meint der Einzelne vielleicht zu schwach zu sein und gibt sich selbst die Schuld, anstatt das gesellschaftliche SEIN, d.h. konkret das sozial-ökonomische Formprinzip dahinter kritisch zu hinterfragen. Dann ist man hoffnungslos gefangen in der Matrix aus Arbeit, Leistung, Geld und Konsum. Jeder hält das ja für normal. Damit ebenso, dass mitten im materiellen Überfluss allein 100.000 Menschen täglich an Hunger sterben…viele weitere durch übermäßigen Konsum, durch die Produktion der Waren, also Arbeit…alles normal hier. Das alles im Bewusstsein ausblenden zu können, geht nur durch Ideologien.

Ideologien sind in so einer Gesellschaft deshalb der Normalzustand, das „notwenig falsche Bewusstsein“ (Karl Marx), um in einer Warengesellschaft leben zu können. Die damit verbundenen Ketten des Alltags und der Herrschaftsverhältnisse legen sich die Bürger als warenförmig Handlungssubjekte quasi selber an, wenn sie alles unreflektiert annehmen. Sie verinnerlichen das wie Automatismen. Doch wie ist das möglich? Lassen wir uns etwa manipulieren?

Das beginnt schon mit einem Bildungssystem, welches darauf abzielt, arbeits- und konsumwillige Besitzstandsbürger heranzuziehen, die willig akzeptieren, was Geld und Markt ihnen vorsetzen und diktieren. Das geht einher mit massiver Werbung, die Ausrichtung der Presse auf das Konsum- und Arbeitsverhalten als Grundzustand der Normalität, Konzepte wie „geplante Obsoleszenz“, eingeredete Krankheiten durch veränderte Grenzwerte für bestimmte Kennzahlen, um anschließend mehr Medikamente verkaufen zu können, einer riesigen Armee an Lobbyisten sowie die Hoheit über die Sprache derer, die sich als Repräsentanten der Gesellschaft in den Medien wie z.B. in TV-Talkrunden etc. präsentieren und „streiten“ dürfen.

Das alles wird überlagert von Staat, Exekutive und Justiz samt eines Gesetzeswerkes, welches die Zügel wahlweise locker läßt oder da fest anzieht, wo nötig – die Herrschaftsverhältnisse. Heute ist auch klar zu erkennen, dass Sozialismus in diesem Sinn auch nur eine Art dessen, also ein historischer Ableger des Kapitalismus war. Er war seinem (abstrakt-warenförmigen) Wesen nach identisch. Anders war lediglich das politische Selbstverständnis, das Ziel (immerhin!) und die Art und Weise, wie man sich das Realisieren der warenförmigen Modernisierung vorstellte. Doch das scheiterte an der Dynamik des Weltmarktes sowie an einem Mangel an den zugestadenen bürgerlichen Grundrechten (quasi handwerklich-politische Fehler der Modernisierung im Osten; gleiches gilt heute für Polen, Ungarn und dien Türkei, wo ähnliche Tendenzen zu beobachten sind).

Die Irrationalität(en) in der Arbeits- und Konsumwelt sind so umfangreich und vielschichtig, dass es unmöglich ist, sie an dieser Stelle alle auszubreiten. Im Zuge eines Aufwachens, eines sich selbst bewusst Werdens, um eine andere Haltung einnehmen zu können, sollte man sich jedoch damit mal befasst haben. Das ermöglicht es, nicht nur unmittelbar bessere Entscheidungen für das eigenes Leben zu treffen (Mitzudenken, auch mal „Nein“ sagen zu können, ein anderes Konsum- und Arbeitsverhalten zu zeigen, Empathie zu entwickeln, bewusstere Gestaltung der eigenen Ernährung und Gesundheit, gesellschaftliches Engagement, Solidarität usw.), sondern für eine andere Welt einzutreten getreu dem Motto „Die Welt ist keine Ware“. Es gäbe durchaus andere Möglichkeiten eine Gesellschaft zu gestalten und andere Prinzipien, Wege und Möglichkeiten wirtschaftlich sinnstiftend zu agieren…wenn man das will. Auch dazu findet man hier etliche Artikel auf den Seiten mit entsprechenden Quelle, Buch- und Lesetipp.

Holger Roloff, den 09. Februar 2018

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Es folgt eine Sammlung an Links und Dokumentationen, die das oben genannte an konkreten Beispielen anschaulich machen und vertiefen kann:

Ein nachdenklicher Song über den Irrsinn unserer Wirtschaftsweise von FEVER RAY (Video)

Was der Konsum mit uns macht – kleiner Animationsfilm mit einem ersten Überblick zu Kritikpunkten (hier)

„Money“ Irrsinn mit Methode – wussten auch schon PINK FLOYD im gleichnamigen Song anno 1974 (Video)

Kranke Konsumgesellschaft – über den lebensfeindlichen Irrsinn, die Fremdbestimmung und die Zumutungen in der Arbeits-Konsum-Zwangsgesellschaft als alltäglich verinnerlichter Normalzustand (hier)

Shoppen bis zum Umfallen – über das Entstehen des Massenkonsums und Prestigekäufe, um andere zu beeindrucken – die Geschichte der Waren als Statussymbole (hier)

Die gelenkte Konsumgesellschaft – über die Manipulationen und den Irrsinn der Konsumslogik (hier)

Unser absurdes Bildungssystem – wie der Normalbürger erzogen und erzeugt wird (hier)

Das bürgerliche Glücks-Versprechen des Geldes und der globalen kapitalistischen Produktionsweise wird heutzutage auch wieder philosophisch-kritisch diskutiert – hier bei Scobel/3sat (hier)

Manipulierte Gesellschaft – wie der ideologische Normalzustand erzeugt wird (hier)

Konsum – Eine schmerzliche Wahrheit – wie die Warenproduktion tatsächlich aussieht (hier)

Doku über den Konsumterror von Arte (hier)

EGOnomics – Die irrationale Welt der Manager und Chefs (hier)

Koste es was es wolle – Konsumwahn (hier)

Gesellschafts- und Konsumkritik in legendärem Film von John Carpenter – die entlarvende Brille der Wahrheit hinter den Dingen als Symbol des Erwachens und der Bewusstwerdung (hier)

Kaufen für die Müllhalde – die Geschichte der bewusst geplanten Obsoleszenz, um die Widersprüche der Warenform zu handhaben (hier)

Konsum auf Pump – wie das eigentlich oft im Hintergrund funktioniert analysiert Politkabarettist Volker Pispers in „Wer hat hier die Arschkarte“ (hier)

Bereits vorkapitalistsiche Verhaltensweise hatten dramatisch-verheerende Auswirkungen auf der Erde, wie dieses Sendethema indirekt zeigt: – Frag den Lesch – Wie würde die Erde ohne Menschen aussehen?

Kapitalismus ist wie eine Religion – Kabarettist Volker Pispers arbeitet sich wie immer an den systemimmanenten Widersprüchen ab – mal mehr oder weniger gelungen, aber stets unterhaltsam und mit vielen unausgesprochenen Wahrheiten (hier)

So wie man anfängt die richtigen Fragen zu stellen, kommt die ganze Irrationalität des kapitalistischen Systems zum Vorschein – Pelzig fragt! Pispers antwortet! (hier)

Dafür bietet diese Art Gesellschaft viel Stoff für Depressionen, auf die man nur noch satirisch-nihilistisch und satirisch mit beißendem Spott reagieren kann wie hier Nico Semsrott (Video)

Ein unhaltbarer Zustand – Kritik von Heiner Geissler, der eine neue Wirtschaftsordnung fordert (hier), meint damit aber z.B. nur eine andere „Verteilung des Geldes“. So beklagt er eine ausufernde „Gier nach Geld“, als wenn es im Kapitalismus jemals um etwas andere gegangen wäre, als um Macht und monetären Reichtum. Dass wir längt geschichtlich in einer Phase jenseits der „sozialen Marktwirtschaft“ sind und vor allem warum, entzieht sich seinem Bewusstsein. Anstatt die grundsätzliche Strukturen zu hinterfragen, laufen seine Argumente so nur auf eine bessere Moral innerhalb des Systems hinaus. Seine Matrix des Ganzen hingegen kann damit intakt bleiben (hier).

Nein zum Kapitalismus – diese Gesprächsrunde mit Jean Ziegler und Heiner Geissler zeigt, dass in den Argumenten ebenfalls die zeitliche Dimension der Entwicklung des Kapitalismus völlig ausgeblendet bleibt. Vor allem Herr Geissler versucht immer wieder in die Runde zu werfen, man solle nicht gegen Kapital und Marktkonkurrenz sein („das wäre ja verrückt“), sondern müsse lediglich nur wieder alles in „die Ordnung bringen“…schließlich versucht er, anstatt auf die Möglichkeit echter, kategorialer Änderungen hinzuweisen, sich auf einen weichen Faktor wie Ethik zu berufen. In beiden Ansätzen zeigt sich, wie er trotz seiner Kritik selbst in einer Ideologie (eben der oben genannten Normalität) gefangen bleibt. Er verkennt völlig Wesen und Charakter der kapitalistischen Gesellschaft (hier), was deutlich macht, wie schwierig es dem bürgerlichen Warensubjekt fällt, sich da quasi herauszudenken.

Manche Aktivisten schaffen es bereits zeitweise durch einen Ausstieg den Konsum drastisch zugunsten gewonnener Lebenszeit zu reduzieren (Video hier)

Selbst ein Flußabschnitt steht erstmals in Deutschland zum Verkauf – wird also zur Ware, auf die spekuliert werden könnte (hier)

Alles wird zur Ware – sogar getrocknete Hundewelpen (hier)

Systematischer Irrsinn im Kapitalismus führt zwangsläufig zur Entwertung der Waren und aller anderen Kapitalformen – auch der Arbeit – das führt mittelfristig zum BGE, weil es sonst keine Käufer mehr gibt – langfristig wird alles kostenlos – der Philosoph Andre Gorz im TV-Magazin KULTURZEIT (hier)

Konsumkonditionierung und Terrorismus hängen auf irrationale Weise zusammen im französischen Film  „Nocturama“ (2017) (hier) Hier wird das bürgerliche Subjekt mit seiner inneren Leere konfrontierte was auf den Normalkonsumenten äußerst verstörend wirken muss… Der Film wurde deshalb bei einem Filmfestival schon hoch „offiziell ausgeladen“.

Alike short film – zeigt exemplarisch, was in unserer Art warenförmiger Gesellschaft (mit entfremdeter Arbeit) falsch läuft (Video hier)

Kinderschützer des Tages: Edeka – Bericht über die Widersprüche der internen Firmenpolitik des Handelskonzerns EDEKA in JUNGE WELT (hier) und (als PDF)

Bitte Hassen Sie Jetzt – Adventsgruß 2017 – von Sibylle Berg im SPIEGEL online (hier)

Warum die Zirkulation von Geld keinen Mehrwerts erzeugt zeigt sich durch eine kleine Anekdote, ein literarisches Beispiel, für die Fragwürdigkeit und Irrationalität der Geldlogik (Video)

Kapitalistische Ausbeutung in Deutschland spiegelt sich gelegentlich auch in der Rede eines Gewerkschafters – wie hier im Februar 2018 – am Bsp. Volkswagen: (hier)

Der Selbstoptimierungswahn des Neoliberalismus – gefunden bei JUNGE WELT online (hier)

Arbeit nach Feierabend macht krank – Artikel gefunden bei Ping Spielraum (hier)

Die Irrationalität des kapitalistischen Wertesystems zeigt sich auch im Steuersystem wie z.B. das ARD TV-Magazin brisant berichtet (Video)

In Zeiten wie diesen hat politisches Kabarett Hochkonjunktur, weil es reichlich Stoff gibt, sich an der Irrationalität, Subjektivität und den Widersprüchen des Systems sowie der bürgerlichen Politik und nazistischen Protagonisten abzuarbeiten. Ein Meister seines Fachs ist diesbezüglich Max Uthoff. Er zeigt, wie man das unterhaltsam machen kann (Video)

Damit die Großkonzerne weiter ihre Profite scheffeln können werden technische Entwicklungen unterdrückt und sogar führende Wissenschaftler, wenn sie sich nicht kaufen lassen  wollen,  ermordet – hier ein winziger Einblick in die Hintergründe vom deutschen Wissenschaftler Dr. Klinghardt speziell zum Thema „Freie Energie“-Forschung (Video)

Die Widersprüche und Irrationalität der Binnenwirtschaft setzt sich auch im Außenverhältnis zu anderen Staaten fort – hier am Bsp. der deutschen Griechenlandpolitik und Außen- und Militärpolitik sowie dem Umgang mit Kapital – Bundestagsrede von Gregor Gysi (DIE LINKE): (Video)

Star Trek / Raumschiff Enterprise Parodie bei Die Anstalt vom 27. Februar 2018 – zeigt Irrationalität der bürgerlichen Gesellschaft in Bezug auf das Klimaproblem (Video lang) und (hier Start als Episoden)

Als Folge der kapitalistischen Krisen wiederholen sich Populismus, Protektionismus,  Strafzölle und Handelskriege brechen aus – Bericht beim SPIEGEL (hier)

Groß, größer, am größten – diese Supermarktneuheit 2018 wirkt wie Realsatire – Sch… in Dosen reicht nicht mehr aus – jetzt gibt es Nutella in Eimern – Bericht die Hamburger MOPO (hier)

Kapitalismus ist nicht das natürliche, gesellschaftliche Formprinzip, sondern musste historisch mit staatlicher Gewalt durchgesetzt werden, was sich auch heute noch vielerorts zeigt, z.B. hier in Lhasa, wie der SPIEGEL online berichtet (hier)

Es droht im Zuge der historischen Entwicklung des Kapitalismus ein Ende der Globalisierung und somit der Übergang vom Neoliberalismus zum Neonationalismus – [Analyse bei TELEPOLIS vom Autor  (hier) ] – einhergehend mit einem Angriff seitens China auf die Dominanzrolle des Dollar (hier)

Selbst die wirtschaftlichen und finanziellen Experten verstehen ihr eigenes Wirtschaftssystem nicht und liegen – wie dieses Bsp. aus dem Finanzministerium zeigt – mit ihren Einschätzungen häufig völlig daneben, wie BILD berichtet  (hier)

Was der Kapitalismus mit den Daten der Bürger vor hat? Hier einige Hintergrundinfos von Dirk Müller (Video)

Österliche Nächstenliebe – Fröhliches Foltern! Eine kritische Betrachtung der westlich-christlichen Wertegemeinschaft vom Autor Christian Stöcker – gefunden beim SPIEGEL (hier)

Um das Medium Geld steht es inzwischen auch nicht mehr so gut, was man an der wachsenden Bedeutung von Krytowährungepn ablesen kann (hier). Sie unterliegen der gleichen Krisenhaftigkeit wie der Kapitalismus insgesamt.

Wie denken eigentlich die Kapitalisten? Am besten, man hört ihnen mal zu. Dirk Müller alias „Mr.Dax“ plaudert aus dem Nähkästchen. Eigentlich Kapitalismuskritik pur…wenn es nicht gleichzeitig doch wieder positiviert werden würde. Warum macht er das? Nun, weil er selbst davon profitiert. Dennoch treten hier zahlreiche Teilwahrheiten ans Licht (Video-Interview 17.01.2018)

Warum man stets nur Sündenböcke sucht, anstatt die Ursachen in den Strukturen des kapitalistischen  Systems selbst zu suchen – ein analytischer Wortbeitrag bei KenFM deckt die dahinter liegende ideologische Denkform auf (Audio hier)

Die Domestizierung fürs Kapital kennt inzwischen längst eigene TV-Shows (hier)

Mord für Profit ist leider allgegenwärtig – hier am Bsp. von Wilderei (hier)

Selbst der gesetzliche Mindestlohn reicht vielerorts nichtmal zum Überleben (hier)

Jeffrey Bezos – Chef von Amazon – aktuell reichster Mann der Welt, hat seine Unternehmensstrukturen hinsichtlich der Ausbeutung seiner Angestellten optimiert, erhält Auszeichnungen und läßt sich als innovativ feiern – Bericht zu Protesten seiner Mitarbeiter in JUNGE WELT online (hier)

„Tribute – Das komplexe Subventionsdickicht“ von Fabian Scheidler. Die Verbindung von Kapital und Staat gehört zu den Diskussionspunkten, warum der Kapitalismus immer noch läuft. Entdeckt bei SEIN.de (hier) und (als PDF)

Die BRD ideologisch auf dem Weg zu einem neoliberalen Faschismus – jedenfalls wenn es nach dem Willen von Christian Gräff (CDU-Wirtschaftsflügel) geht. Die Reaktionen darauf leisten endlich Widerspruch und beschreiben schonungslos die Wahrheit (Video) und (hier) Künstler haben das schon längst erkannt, wie in diesem Videoclip (Video)

Die Irrationalität der Kapital-Jünger offenbaren geradezu religiösen Züge – zu sehen in einer Doku „System Error“ (2018) – Bericht im Spiegel (hier)

Willkommen im Ungleichland – wie aus Reichtum Macht wird – die Doku (2018) zeigt, mit was für absurden Argumenten Reiche ihren Status meinen rechtfertigen zu können…(Video)

Unabhängiger Journalist und Friedensaktivist Ken Jebsen spricht im Mai 2018 zum Kriegsende vor 73 Jahren erkennt den wahren Krieg und Irrsinn im Alltag unserer unnatürlichen Lebensweise, die auf Waren, Geld, Konsum und Vermarktung basiert (Video)

Umwelt vs. Dummwelt – die irrationale Politik in Deutschland – Tagesdosis vom 15.05.2018 bei KenFM (hier)

Warum nicht mehr Menschen gegen dieses irrationale System aufstehen, bringt Dirk Müller auf einer Pressekonferenz auf den Punkt (Video)

Die Irrationalität im Kapitalismus ist auch an der Regierungspolitik abzulesen – deutliche, Worte der Abgeordneten Sahra Wagenknecht (DIE LINKE) im Bundestag im Mai 2018 (Video)

An Mitarbeitern wird gespart, die Produkte sind fragwürdig – ein Blick hinter die Kulissen von modernen Billigläden TEDi und EuroShop bei BILD.de (hier)

Warum eine neue Scheinlösung wie der Bitcoin die Irrationalität nur fortsetzt berichtet der SPIEGEL online (hier)

Die Irrationalität der Warenform wird per Gesetz auch anderen Lebensbereichen aufgezwungen – nur umgekehrt proportional…so werden z.B. Informationen vorenthalten und sogar juristisch ausdrücklich verboten und bestraft, indem man sie als einfach Werbung deklariert – Bsp. Abtreibungen (Video)

Die Irrationalität aus Gründen des Profits zeigt sich z.B. auch bei Medikamenten. So versuchte die Pharmalobby schon vor Jahren Kamille zu verbieten. Andere Mittel – wie dieser Wirkstoff gegen Krebs und alle Tumorarten, wird bis heute aus gleichen Gründen verschwiegen. Dieses natürliche Heilmittel findet man im Fruchtfleisch und den Kernen einer Beere in Australien und ist in seiner Wirkkraft wissenschaftlich sehr gut belegt (Video). Solange jedoch die Pharmafirmen locker 30.000 – 50.000 Euro an einer konventionellen Krebstherapie verdienen, interessiert das nicht. Es braucht Insider und kleine Youtuber, die sich um dieses Heilwissen bemühen.

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Debatte um eine Maschinensteuer

Wie bereits im Artikel „Wohlstand neu erfinden“ (hier) erwähnt, tauchen derzeit, im Zuge der fortschreitenden Automatisierung der Produktion, alte Debatten wieder auf. So findet sich im aktuellen XING Newsletter eine Diskussion um eine Maschinensteuer. Die alte Idee und Diskussion der 1970er Jahre ist somit wieder da (hier).

Historisch betrachtet ist die Debatte über Automatisierung noch älter, wenn man an die so genannten Ludditen denkt – bekannt auch als die Maschinenstürmer des 19. Jahrhunderts. Diese Bewegung war Ausdruck der grundlegenden Widersprüche, auf denen die kapitalistische Produktions- und Lebensweise beruht (Infos hier) und (Video hier) und (Film hier).

Der deutsche Werttheoretiker und Philosoph Robert Kurz hatte mal darauf verwiesen, dass die Maschinenstürmer durchaus wussten, dass eigentlich nicht die Maschinen Schuld an der sozialen Verelendung waren, sondern die gesell-schaftlichen Produktionsverhält-nisse. Sie sahen aber keinen anderen Ausweg aus dem Dilemma, denn auf demokratischem Wege soziale Rechte und Verbesserungen zu erhalten war damals noch nicht möglich. Die Macht der herrschenden Klasse schien einfach zu groß. Also zerstörten sie die Maschinen, um der Entwicklung überhaupt etwas entgegen zu setzen. Der Aufstand wurde 1814 mit Gewalt niedergeschlagen. Die Ludditen wurden eingesperrt, aufgehangen oder nach Australien – damals die britische Strafkolonie – in die ewige Verbannung geschickt.

Soviel zum Mythos dem Kapitalismus gehe es per se um gesellschaftlichen Fortschritt…

Der Unterschied zu heute besteht vor allem darin, dass das Kapital in den hoch entwickelten Ländern z.B. hier in Mitteleuropa, den USA, Japan und China nicht mehr so rabiat vorgehen kann, ohne sich selbst zu gefährden. Deshalb entstehen hier Debatten um eine derartige Steuer oder ein BGE. Für andere Teile der Welt (z.B. Lateinamerika, Teile von Asien, Afrika, Südamerika) gilt das übrigens nicht. Da heuert man noch heute oft paramilitärische Söldner an, die alles massakrieren, was sich dem „Forstchritts-Glück“ kapitalistischer Prägung verweigert.

Kann es eine Maschinensteuer geben?

Eine Maschinensteuer kann es kategorial gesehen nicht geben, weil:

1. sie sich nicht weltweit durchsetzen läßt. Das wäre aber die Grundbedingung dafür, da man sonst in der globalen Marktkonkurrenz gravierende Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen müßte. Das blendet die aktuelle Debatte natürlich aus.

2. davon abgesehen, würde eine Maschinensteuer / Maschinenabgabe das Grundproblem nicht lösen, weil eine Maschine keinen Mehrwert produzieren kann. Eine Besteuerung würde nur den vorhandenen Mehrwert anders umverteilen und die Kosten erhöhen. Steigen sie zu sehr, lohnt sich im Extremfall sogar die Anschaffung der Maschinen nicht mehr. Das würde Pkt. 1 zusätzlich verschärfen. Deshalb hat sich dieser Ansatz schon in den 1970er Jahren nicht durchgesetzt.

An diesen politischen und ökonomischen Tatsachen hat sich bis heute nichts geändert.

Sollte es bei uns in der Frage wie wollen wir zukünftig überhaupt angesichts der heutigen Problemlage (Klima, Naturzerstörungen, Kriege, Flüchtlinge) leben, der Einführung eines BGE, mehr Demokratie usw. kein Vorankommen geben und die sozialen Verhältnisse sich stattdessen weiter verschlechtern (Präkarisierung), ist es nicht ausgeschlossen, dass sich auch hierzulande wieder luddistische Bewegungen herausbilden, die massenhaft Sabotage verüben können. Die Krawalle in Hamburg kann man durchaus als eine erste Ahnung davon auffassen, dass so etwas möglich ist.

Wirklich ändern würde das nichts. Es bräuchte schon vielmehr eine Transformation des ganzen Wertesystems und damit einhergehend eine Änderung der Grundkategorien der Vergesellschaftung, um eine sozial-ökonomische Form zu schaffen, die technische Entwicklungen strukturell mit sozialem Fortschritt zu verbinden vermag. Die heutigen Regierungen neoliberaler Denkweise bleiben bislang alle Antworten diesbezüglich schuldig. Ihnen gelingt es nicht mal, die richtigen Fragen zu stellen.

Holger Roloff, den 26. Juli 2017

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Weitere Artikel und Quellen zu diesem Themenkomplex:

„Wohlstand neu erfinden“ (hier)

Richard D. Precht über die nahende Zukunft – Zeit umzudenken! …macht er leider auch nicht wirklich, denn Precht bleibt selbst systemisch völlig blind in Bezug auf Wesen und Charakter des Kapitalismus…so lobt er die Globalisierung und verkennt völlig, dass die vom ihm beschriebene Gesellschaft der nahen Zukunft nicht mehr auf Basis des Wertschöpfungsprinzips und durch „Arbeit“ verdientem Geld funktionieren kann. Aber er erkennt zumindest den technologischen Trend und dessen Auswirkungen. sowie den Grund für die aufsteigende Angst und Panik im Bürgertum, die unreflektiert in Aggressionen sowie irrationale, vor allem rechte Ideologien umschlägt. Keine etablierte Partei bietet echte Antworten oder stellt wenigstens zeitgemäße Fragen (Video) und (hier)

„Schwarzbuch Kapitalismus“ (1999), Robert Kurz (hier)

BGE Tournee 2017 – Aktuelles und Lösungsansätze (hier)

G20 Gipfel und Gipfelstürme*Innen (hier)

Des armen (Raub)Ritters neue Ideen (hier)

Jammertal Sozialpartnerschaft – Hintergrund Klassenkampf – eine ideologiekritische Reflexion bei JUNGE WELT online (hier)

Irrationale Visionen der Transhumanisten verdeutlichen, warum Maschinen allein für sich genommen keine Lösung sind und auch keinen gesellschaftlichen und humanistischen Fortschritt bedeuten. Da Kapitalismus stets die nächste Hoffnung auf Profit bedeutet, kann er auch keine sinnvollen politischen Utopien und Vorstellungen jenseits dessen entwickeln. Letztlich landet er immer nur bei neuen Marktvisionen – Bericht bei JUNGE WELT online (hier)

Zukunft der Arbeit – hier die Automatisierbarkeit des eigenen Berufes erfahren (hier)

Vollbeschäftigung für Roboter – bringt die Technisierung die Befreiung des Menschen?  (hier)

KI – Künstliche Intelligenz als neue Verheißung – ein Glücksversprechen für alle? Es bleibt wie immer völlig ausgeblendet, unter welchen gesellschaftlichen Verhältnissen, insbesondere Produktionsverhältnissen, KI entwickelt wird (hier)

Den Widerspruch der kapitalistischen Arbeitsgesellschaft bringt auch folgendes Zitat auf den Punkt (entdeckt bei JUNGE WELT online):

Zitat des Tages (18.09.2017)

Obwohl wir in der produktivsten Gesellschaft aller Zeiten leben, obwohl wir in einer Gesellschaft leben mit dem größten technischen Aufwand, den wir betreiben können, mit den meisten Automaten und automatisch ablaufenden Produktionsschritten, merken wir irgendwo nichts von dieser Entlastung.

(Der Philosoph Konrad Paul Liessmann am Sonntag im Gespräch mit dem Deutschlandfunk)

Warum eine 40 Stunden Arbeitswoche nicht mehr in die heutige Zeit des Jahres 2017 passt, bringt folgender Beitrag auf den Punkt (hier)

Viele Initiativen werkeln inzwischen an echten Alternativen des Wirtschaftens und bündeln sich in Netzwerken wie dem konzeptwerk neue ökonomie (hier)

Das BGE ist ein Schlüssel für die Zukunft – gefunden bei Xing mit Videointerview von Albert Wenger (Video)

Interview mit der Forscherin Silke von Dyk zur Debatte einer Postwachstumsökonomie im FREITAG (hier) und (PDF)

Zu all dem oben Genannten kommt eine schwer wiegende Strukturfrage insbesondere der deutschen Industrie hinzu – „Mr. Dax“ Dirk Müller erzählt im Interview in Seelenruhe, auf uns zukommt (Video)

Künstliche Intelligenz und Kapital – zu den Fantasien des Silicon Valley und seinen weltfremden Vorstellungen von der Zukunft – von Thomas Konicz (hier) und (hier)

Fetisch Arbeit – eine Reflexion der gesellschaftlichen Arbeitsform von Maria Wölfingseder (hier)

 

 

 

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Wohlstand neu erfinden

In einem Videogespräch bei Youtube (siehe hier) sind der deutsche Physiker und Autor Harald Lesch im Gespräch mit dem Autor Ernst Ulrich von Weizsäcker (Club Of Rome, deutsche Enquete-Kommision, Bericht s. hier) zu sehen. Die in diesem Gespräch geäußerte Kritik am Neoliberalismus ist absolut nachzuvollziehen.

Anmoderation Gespräch im Rahmen der Reihe Zukunfterde

Leider wird das von den beiden diskutiert auf dem Stand der 1970er Jahre, mit den gleichen Vorschlägen wie damals (Natur-steuer, Maschinenabgabe, soziale Gerech-tigkeit), die historisch bereits als gescheitert anzusehen sind. So greift z.B. der Lösungsansatz einer „Naturverbrauchs-steuer“ (quasi der Natur einen Preis zu geben) viel zu kurz…und selbst diese Idee ließ sich politisch nie durchsetzen.

Grund: In Wahrheit ist Kapitalismus inkompatibel zu Ökologie, Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Der Kapitalverwertungsprozess ist eine Spirale und deshalb objektiv gezwungen die Natur wegen seines inhärenten Wachstumszwanges zu zerstören. Das wissen die Konzerne und Staaten auch. Deshalb hadern sie so mit echten Beschlüssen oder gar Maßnahmen. Jeder fortschrittliche Ansatz wurde  immer nur verzögert.

Leider fehlt hier eine dritte Person im Gespräch, die kritische Argumente äußert. Es ist beispielsweise völlig widersinnig, die Schäden von Kohlekraftwerken durch einen Preis (als betriebliche Kosten) zu belegen. Dann würden solche Schäden nur ausgelagert und an Börsen gehandelt werden (wie Emissionsrechte). Da hat die Natur aber nichts davon. Unabhängig davon sprach noch nie etwas dagegen, destruktive Technologien kategorisch zu verbieten oder drastisch zu verteuern, grüne Lösung überproportional zu fördern, den Nahverkehr bewusst zu gestalten, die Anzahl der zugelassenen Kraftfahrzeuge zu begrenzen und von Jahr zu Jahr konsequent zu senken usw. Das hieße aber Umsatzeinbußen, Steuereinbußen, Gewinneinbrüche, mehr Arbeitslose, neue Finanzkrise etc. – und deshalb passiert das nicht. Die verantwortlichen Politiker sind, genau wie Lobbyisten, nur Erfüllungsgehilfen des Kapitals und folgen den objektiven Gesetzmäßigkeiten des Geldes.

Fortschritt kann nur gegen die Interessen des Kapitals durchgesetzt werden!

Stattdessen plädiert Herr von Weizsäcker dafür es so zu machen, „dass kein Kapital vernichtet wird“ und möchte weiter garantieren „die Leistungsträger zu belohnen“. Man solle außerdem darauf achten, dass bei sozialem Ausgleich die „Abstände nach unten nicht zu klein werden“, so Weizsäcker. Das verrät uns alles über das hier zu beobachtende Denken.

Trotzdem ist es interessant zu hören, wie die beiden versuchen die Probleme innerhalb des heutigen Systems lösen zu wollen und dabei halbherzig bleiben – völlig verkennend, dass es ganz andere Wege von Wirtschaft gäbe (allerdings außerhalb von Marktwirtschaft), die solche Widersprüche gar nicht erst aufwerfen bzw. auflösen können (Ressourcenwirtschaft, Peer To Peer Ökonomie, Commons – siehe auch den Dynamikvergleich S.6 im violetten Wirtschaftskonzept).

Echter Wohlstand würde dann entstehen, wenn sich die Menschheit ganzheitlich und sich seiner selbst bewusst als lebendiger Bestandteil der Natur versteht, anstatt Naturgegebenheiten nur betriebswirtschaftlich als „externalisierte Faktoren“ zu betrachten, um sie dann ungehemmt ausbeuten zu können.

Das hieße vor allem, das heute verfügbare Kapital, Technik und Arbeitskräfte konsequent so einzusetzen, dass wir die materiellen Grundlagen immer derart umgestalten, dass wir langfristig unabhängig(er) vom Geld werden. Jeder weitere Schritt der Umgestaltung würde dann weniger Geld kosten, als der zuvor  (beispielsweise durch langlebige, gut reparierbare Produkte und dezentrale Energiestrukturen!). Die besagte Wachstums(zwang)spirale würde den Kurs ändern und beginnen sich nach innen zu bewegen; wir würden anfangen weniger an Ressourcen und Energie zu verbrauchen und alles würde allmählich weniger kosten. Gleichzeitig würde der gesamtgesellschaftliche Arbeitsaufwand sinken, die allgemeine Arbeitszeit sich drastisch verringern (zugunsten neu gewonnener, kostbarer Lebenszeit), das Renteneintrittsalter könnte stetig nach unten gelegt werden und die Natur könnte beginnen sich zu erholen. Die gesellschaftlichen Bewegungsgesetze können sich neu ausrichten. Der Alltag würde sich spürbar entschleunigen. Juristische Gesetze und Regeln würde man entsprechend anpassen. Das wäre eine zukunftsweisende Politik auf Augenhöhe der Zeit! [wie genau das geht und wie es finanziert werden kann ist nachzulesen in „Kartoffeln und Computer“, P.M., 2012]

Als Nebeneffekt würde nachhaltiger Weltfrieden einsetzen, weil der Kampf um die letzten Naturressourcen dem Sparsamkeitsprinzip weichen würde. Außerdem müsste niemand mehr den anderen unter einen finanziellen Druck setzen (monetärer Sparzwang =Austeritätspolitik s. hier), was bislang stets durch Formen von indirekter oder direkter Gewalt durchgesetzt wurde (Schuldner werden bestraft mit Mahngebühren, Beugehaft u.a.). Stattdessen würden nun  Steueroasen genauso austrocknen wie wirtschaftlich bedingte Kriminalität. Spekulanten und Korruption würde systematisch der Boden entzogen. Kriege um Profit wären sinnlos. Die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen…

Neue Lebensqualität gewinnen

So eine Strategie bedeutet als politisches Ziel die kapitalistische Produktions- und Lebensweise überwinden zu wollen, zugunsten einer Wirtschaftsform, die mit Zeit wieder natürlich umzugehen versteht (alles hat bzw. braucht seine eigene Zeit! – vgl. auch hier). So könnte eine wirklich neue Lebensqualität entstehen! Dann würden sich alle sozialen, ökonomischen, finanziellen und ökologischen Probleme auflösen lassen, weil die Fragen, was im Sinne des Gemeinwohls und gesellschaftlichen Fortschritts überhaupt sinnvoll ist, ganz neu gestellt werden könnten.

Nur wenn niemand mehr von Naturzerstörung profitieren kann, wird sie tatsächlich verschwinden. So einen Zustand muß man bewusst – also auch politisch gewollt – herstellen – der kommt nicht von allein. Das muß man zunächst mal zu denken wagen, dann weiter umfassend denken können, dann konkretisieren und dann schrittweise und gut gestaffelt umsetzen. Dazu müssen die strukturellen Widersprüche, Axiome (s. hier) und Denkweisen des kapitalistischen Wertesystems (alles soll angeblich einen Geldwert = Preis haben) aufgelöst werden (vgl. z.B. hier). Ziel und Weg der gesellschaftlichen Entwicklung können dann komplett neu ausgerichtet werden, anstatt alles der Diktatur des Marktes, d.h. den Geld- und Warenströmen, zu überlassen, was uns ideologisch als „Freiheit“ verkauft wird.

VideogesprächLeider haben weder Herr Lesch noch Herr von Weizsäcker ein Bewusstsein für diesen breiten Katalog an Möglichkeiten. Nur das mit der Zeit taucht mal wage im Gespräch auf, ohne jedoch ernsthaft ausdiskutiert und aufgelöst zu werden. Für uns kann dieses Gespräch dennoch eine Lehrstunde der aktuellen Zeitqualität darstellen, da es helfen kann die eigenen Gedanken zu schärfen. Wenn wir weiter danach streben diese Qualität inhaltlich zu verändern und energetisch zu erhöhen, wird das den gesellschaftlichen Wandel beflügeln. Ein Wandel braucht tragfähige Argumente. Jeder hat Möglichkeiten sich eigene zu überlegen. Ich hoffe, der Hinweis auf dieses Videogespräch ist dabei eine Anregung und Herausforderung.

 

Holger Roloff, 20. Mai 2017


Weitere Beiträge zu diesem Themenkomplex:

Interview mit Richard David Precht (Mai 2017) zur Digitalisierung, zur Arbeit, zum BGE, zur aktuellen politischen Zukunfts-Blindheit u.a. (hier)

Marktwirtschaft schön grün lackiert (hier)

Die Geldmaschine der Windräder (hier)

Vermisst: Ein Konzept für Gerechtigkeit 4.0 – selbst normale Ökonomen merken inzwischen, dass die herkömmliche Logik des Arbeitsmarktes nicht mehr funktioniert und die Politik zeitgemäße Antworten schuldig bleibt (hier)

Im Dialog: Michael Hirz im Gespräch mit Richard David Precht (19. Mai 2017) zur Zukunft der Gesellschaft – Precht fordert zu Recht die Antworten, die man bei den etablierten Parteien nicht findet (hier)

Das Venus Projekt – Wie die friedliche Weltfamilie neuartigen Wohlstand erschaffen könnte – TV-Bericht im ORF (hier)

Als wäre sie eine Naturgewalt – Bericht bei JUNGE WELT über eine Studie zur Reflexion des Themas Digitalisierung in den Mainstreammedien, die fehlende Fragen und Lösungen offenbart (hier) (und als PDF hier)

Längst werkeln Menschen an derartigen Alternativen und es finden Veranstaltungen statt, die das notwendige Bewusstsein fördern – hier z.B. das Programm von MOVE UTOPIA 2017 (hier)

Das Modell der Zukunft heißt Ressourcenwirtschaft basierend u.a. auf COMMONS als zentraler Kernbaustein einer neuen Ökonomie (hier)

Potentiale der Emanzipation – Digitalisierung und Commons in der Diskussion  auch bei der LINK`s Partei – Bericht und Interview in der Tageszeitung NEUES DEUTSCHLAND (Teil 1) und (Teil2)

Die Freie Welt Charta – hier kann man sie kennenlernen und unterzeichnen (hier)

Irrationale Visionen der Transhumanisten verdeutlichen, warum Maschinen allein für sich genommen keine Lösung sind und auch keinen gesellschaftlichen und humanistischen Fortschritt bedeuten. Da Kapitalismus stets die nächste Hoffnung auf Profit bedeutet, kann er auch keine sinnvollen politischen Utopien und Vorstellungen entwickeln. Letztlich landet er immer nur bei neuen Marktvisionen – Bericht bei JUNGE WELT online (hier)

Am 02. August 2017 sind die gesamten Ressourcen des Jahres – nachhaltig betrachtet – bereits verbraucht. Der Rest des Jahres basiert auf Raubbau an der Natur (hier)

Uns geht es gut – weil andere die Kosten tragen (hier)

Warum sich gute Ideen und Konzepte nicht mit Kapitalinteressen vertragen – Jutta Ditfurth bringt es auf den Punkt (hier)

Diese Erfindung macht Erdöl überflüssig (hier) Das Bemerkenswerte daran ist vor allem, dass man so ein einfaches Prinzip erst jetzt entwickelt und getestet hat, obwohl es quasi auf der Hand liegt, dass man Energie so ausgezeichnet speichern kann. Das fehlende Interesse an anderen Lösungen dürfte wohl das Hauptproblem sein. Dieser Mangel resultiert aus der Profit-Interessenslage der großen Kapitaleigner. So bleibt auch offen, ob die Industrie tatsächlich mitzieht. Bei einem Gemeinwohl-/Commons-basierten Wirtschaftssystem wäre das anders.

Die Zeit des Wachstums ist vorbei und wird zur neuen Normalität – muss selbst die WIRTSCHAFTSWOCHE eingestehen (hier) Damit entfällt eine Grundbedingung des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Doch was kommt dann?

Erich Fromm – Liebe ohne Zweck – ein Plädoyer für das SEIN als Ausdruck von Lebensqualität (hier)

Viele Initiativen werkeln inzwischen an echten Alternativen des Wirtschaftens und bündeln sich in Netzwerken wie dem konzeptwerk neue ökonomie (hier)

Interview mit der Forscherin Silke von Dyk zur Debatte einer Postwachstumsökonomie im FREITAG (hier) und (PDF)

Zusammenhänge satirisch entlarvt – „Unser Wohlstand steht auf Leichenbergen“ mit und von Hagen Rether  (Video)

Zu all dem oben Genannten kommt eine schwer wiegende Strukturfrage insbesondere der deutschen Industrie hinzu – „Mr. Dax“ Dirk Müller erzählt im Interview in Seelenruhe, auf uns zukommt (Video)

Warum die kapitalistische Produktionsweise die Mitwelt langfristig durch Verstoffwechseln von Materie zerstören muss, wird hier nochmal vom Autor Tomasz Konicz anschaulich gemacht (hier)

Auch dieses Zitat des Tages drückt den Widerspruch sehr deutlich aus:

»Die Ziele von 2020 kann niemand erreichen, ohne dass wir derartig massiv Betriebe in Deutschland stilllegen, …dass das das einem industriellen Selbstmord gleichkäme.« (Alexander Graf Lambsdorf am 5.11.2017 im Deutschlandfunk) (s. auch hier)

Hinzu kommt die extrem ungleiche Verteilung von Einkommen: „Das verhöhnt die Chancengleichheit“ berichtet der SPIEGEL online (hier)

Jeder vierte Deutsche hat keine Ersparnisse berichtet die FAZ (hier)

Die geistigen Hintergründe des gesellschaftlichen Wandels – im Vortrag dargestellt vom Gehirnforscher Gerald Hüther (Video)

Arm und reich – Das Monopoly-Experiment 2018 entlarvt die falsche Selbstwahrnehmung erfolgreicher Marktteilnehmer und somit auch die eigenen, völlig überschätzenden Fähigkeiten und alle daraus abgeleitete Argumente und Ideologien – berichtet Der Spiegel (Video)

Gemeingütertag 2018 in Dortmund – Leben ist für alle da! Commons, Nachhaltigkeit und Klima – Freie Lebensgüter für alle! (Flyer) Webseite (hier)

Es ist leichter sozial-ökonomische Formen jenseits des Kapitalismus denken zu können, wenn man zuvor die wahre Natur des Universums wissenschaftlich und philosophisch verstanden hat – wie diese nach neuestem Stand aussieht stellt diese Doku dar (Video)

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"So wie der Krieg das denkbar grösste Gewaltverbrechen ist und der Zins die grösste vorstellbare Ausbeutung, so kann man die Inflation ohne Übertreibung als den grössten denkbaren Betrug bezeichnen." (Helmut Creutz)
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