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Von BILD-ung zur Manipulation… Oder warum ich keine Gratis-BILD-Zeitung haben möchte…

Nachdem am gestrigen 11.April 2012 zum wiederholten Mal eine umstrittene Schlagzeile (”Hartz-IV-Sauerei!”) von BILD (hier) in dem Medien diskutiert wurde (z.B. hier und hier), bildeten sich spontan Aktionen und Initiativen gegen das Vorhaben des Springer-Verlages, anläßlich des 60. Geburtstags der BILD-Zeitung (Infos hier) alle deutschen Haushalte mit einem Gratis-Exemplar zu beglücken. Ein Grund zur Freude? Man könnte doch glatt meinen – Hurra, wir bekommen alle was umsonst! Ist das etwa der bevorstehende Sozialismus? Eher wohl nicht. Stattdessen wurde wie gesagt die Aktion “Alle-gegen-BILD” ins Leben gerufen (hier) und diese wird bereits von CAMPACT als Ausdruck von sozialem Widerstand unterstützt.
Jeder hat da mit Sicherheit seine eigene Sichtweise und seine eigenen Erfahrungen mit BILD gemacht. Warum es sich lohnt, mal darüber ganz grundsätzlich kritischer nachzudenken, sollen meine folgenden Gedanken zum Thema andeuten.
Nichts gegen viele bunte Bilder und auch mal seichte Unterhaltung, sowie Berichte über Kurioses aus dem Leben… Das bieten andere aber auch und sogar besser. Für mich sind die redaktionelle Leitlinie sowie Sinn und Zweck dieses speziellen Mediums letztendlich entscheidend. Diesbezüglich fällt das Fazit sehr eindeutig aus, weshalb ich auf die oben genannte Aktion aufmerksam machen und zum Teilen meiner – wahrscheinlich mit dem Gros der BILD-Leser nicht konformen Gedanken – einladen möchte.
Im Grunde ist die Begründung für mich ganz einfach:
Ich brauche z.B. deshalb keine kostenlose BILD-Zeitung, weil den Menschen darin eine “Freiheit” vorgegaukelt wird, die keine ist.
BILD befördert zielgerichtet ein Kollektivbewusstsein, welches die Menschen für das Ertragen der Zumutungen des Kapitalismus zurechtstutzen und die Illusion vom “reich werden Können” durch “ehrliche Arbeit” eintrichtern soll, anstatt die ganze Veranstaltung seinem inneren Wesen nach als eine moderne Form von Sklaverei zu kennzeichnen, von der tendenziell historisch bis heute immer nur wenige wirklich profitierten. Im Grunde ist es wie im Film “Die Tribute von Panem” (“The Hunger Games”, siehe hier) oder auch “In Time – Deine Zeit läuft ab“ (siehe hier), wo anschaulich dargestellt wird, wie menschliche Lebenszeit ausgebeutet und um das jeweilige Zwangsregime zu erhalten, medienwirksam Spiele zur Massenunterhaltung veranstaltet und mit Mechanismen der Angst, Abschreckung und strukturellen Gewalt kombiniert werden.
Die unmittelbaren Opfer dieser Logik und alle, die innerlich, emotional und energetisch durch Mobbing, Burn Out, Insolvenzen etc. bereits aufgegeben haben, das Spiel mitzuspielen bzw. endlich spirituell aufgewacht sind und eine andere Grundhaltung dazu eingenommen haben, wurden gerade gestern per angeblichem “Hartz IV Skandal” sogar noch als moralisch-soziale Problemgruppe dargestellt, diffamiert und gedehmütigt. Das einzig skandalöse daran ist in Wahrheit die anmaßende Handlungsweise der JOBCENTER selbst, die meint Menschen mit Stasi-Methoden hinterher schnüffeln und Sanktionen erteilen zu dürfen. Während die einen Millionen und Milliarden beiseite schaffen und als clevere Geschäftsleute beneidet werden, beklagt und moniert man den existentiellen Überlebenskampf der anderen. Was für eine Grundeinstellung ist da erkennbar? Dem liegt die gleiche Arbeitsontologie zugrunde wie zur NS-Zeit (vgl. auch hier und hier und hier), was deutlich werden lässt, dass wir gesellschaftlich bis heute nicht wirklich weiter gekommen sind. Themenwahl, Wortwahl, Selektion und Darstellung der Argumente in BILD bewirken genau das Gegenteil von Emanzipation, Information und bewusstem, selbst bestimmtem Leben. Echte Freiheit würde anders aussehen. Sie wäre im Gegenteil gerade in der Befreiung vom Kapital und damit der Überwindung von der Lohn- und Erwerbsarbeit zu finden, weshalb wir als DIE VIOLETTEN ja auch seit 2001 bereits das BGE – Bedingungslose Grundeinkommen als allerersten Schritt in die richtige Richtung einer neuen, befreiten Gesellschaft befürworten. Um deutlicher zu machen warum, wird eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem soziologischen Begriff der Arbeit auf diesen Seiten demnächst folgen.
Kritik findet in BILD nur oberflächlich als Bankenschelte (vgl. auch die ideologische Denkform des “Strukturellen Antisemitismus” als Begriff dafür in Soziologie und Gesellschaftstheorie, hier), als Ärger am Bild des gierigen Bankers oder egoistischen Politikers statt. In Wirklichkeit gehörte das alles sowieso schon immer zu dieser Gesellschaftsform. Man pickt sich vornehmlich extreme Einzelfälle heraus, um eine “Empörung” zu erzielen. Durch diese Emotion gelingt es, den grundlegenden Charakter der Gesellschaft und strukturelle Zusammenhänge auszublenden.
BILD beschwört stattdessen eine fiktive “soziale Gerechtigkeit” herauf, als wenn Kapitalismus jemals darauf primär aufgebaut hätte. Das kleinbürgerliche Subjekt mag sich daran auch nur ungern erinnern und suhlt sich lieber genüßlich in der eigenen “Empörung” über die vermeintlich anderen als “Schuldige”. Je stärker diese Denkform eingepflanzt, je größer die damit verbundene Illusionsblase ist, desto eher wird sie scheinbar geglaubt und vom geBILDeten Leser angenommen. In Wahrheit sind wir alle selbst das System. Wir alle sind diese “böse Fratze des Kapitals”, die wir durch unser Mitspielen täglich neu reproduzieren. Selbsterkenntnis wäre da der erste Schritt zur Besserung. Sagt man ja auch so. Aber sowas liest man in BILD natürlich nie. Das ist kein Zufall.
BILD befördert massiv einen fahnenschwenkenden Schwarz-Rot-Gold-Nationalismus und ein “Wir-Gefühl”, welches es so als natürliche Form des Seins nicht gibt, inmitten eines sozialen Krieges in Form der universellen Marktkonkurrenz. Dieses aufmanipulierte “Wir-Gefühl” wird dann wahlweise gegen das Bild des “faulen Arbeitslosen”, der Figur des “korrupten, faulen Griechen” oder “unzumutbaren Diktators” in Stellung gebracht. Dass Deutschland zuvor jedoch jahrelang von solchen Diktatoren sowie von griechischen Einkäufen bei deutschen Unternehmen profitiert hat und die Deutsche Bank sowie zahlreiche Versicherungs- und Rentenfonds massiv investiert hatten, um „gute Geschäfte“ zu machen, wird nur am Rande erwähnt, wenn überhaupt. Als deutlich wurde, dass die Ausbeutung der Griechen über Investitionen nicht wie erhofft funktionieren wird, weinte man dafür umso größere Krokodilstränen (siehe auch hier bzw. hier).
BILD bringt zur Rechtfertigung gern eine christlich basierte Moral und Ethik in Stellung, welche den eigenen Standpunkt legitimieren soll. In Wahrheit handelt es sich um eine kleinbürgerliche Doppelmoral, die stets mit unterschiedlichen Maßstäben misst, um die Machtverhältnisse und das alt bekannte „Brot und Spiele“ funktionell zu erhalten.
Diese Schieflage verzerrt wie gesagt gezielt unser Kollektivbewusstsein, damit alles im kapitalistischen Zwangssystem so weiter läuft und laufen kann und soll, wie bisher. Business as usual in der Deutschland AG. Schließlich lebt BILD von Anzeigengeldern, die sich mit dem Argument – sie auf einen Schlag in 41 Mio. Haushalten platzieren zu können – im Sinne des Profits in nie gekanntem Ausmaß maximieren lassen.

Auf diese Art christlich-nationalen Konsens von “Freiheit”, diese Art der Entrüstung über Missstände, deren Kern BILD und die Springer-Presse seit nunmehr 60 Jahren selbst aktiv mitgestalten und zu Ihrer eigenen Gewinnmaximierung nutzen, kann ich gern verzichten.
zur Aktion: Alle-gegen-Bild.de (hier)
Nachtrag 1: Völlig unerwähnt hatte ich im Artikel die zahlreichen Halbwahrheiten und Unwahrheiten gelassen, die immer wieder in Verbindung mit BILD auftauchen – so auch heute (20.04.2012), wo mal wieder eine “Falschinformation” in “Zusammenarbeit mit dem Innenmisterium” aufgeflogen ist (hier).
Nachtrag 2: Ebenfalls heute (20.04.2012) machte ich mal wieder einen kleinen Gelegenheitsabstecher zum Zeltlager der OCCUPY-Bewegung mitten im Stadtzentrum der Hamburger Innenstadt (Gerhard-Hauptmann-Platz, Infos hier). Dort befindet sich seit dem TAG DER FREIEN KUNST am 14.April 2012 eine malerische Künstlerinstallation, in welche in graphischen Drucklettern ein Spruch mit einbezogen worden war: “Nichts ist so sehr versklavt wie der irrtümliche Glaube frei zu sein”. Offensichtlich ist die Form der falschen “Freiheit” durch mithilfe der Manipulation des Bewusstseins durch Medien, was ich im Zusammenhang mit dem BILD-Artikel thematisiert hatte, auch anderen aufgefallen. Damit dürfte sich das Gesamtbild meiner Reflexion abrunden.
OCCUPY HAMBURG – wir sind 99% – oder warum es sich lohnen könnte jetzt aufzustehen!

Im Zuge der weltweiten, in New York gestarteten Bewegung „OCCUPY WALL STREET“, war es am 15.Oktober 2010 auch in deutschen Städten endlich so weit, dass zahlreiche Organisationen dem Aufruf folgten, um ihrem Unmut sichtbaren und hörbaren Ausdruck im öffentlichen Raum zu verleihen. Also hieß es diesmal auch: „OCCUPY HAMBURG!“.

Im Rahmen meiner „sozialen Studien“ zum bürgerlichen Bewusstsein, zog es mich in Hamburg auf den Rathausmarkt, um mal zu schauen, was denn die aus den Medien bekannten „Wutbürger“ so für Forderungen stellen. Ich machte zahlreiche Fotos, die ich hier teilweise zur Ansicht gebe, damit sich jeder selbst ein Bild machen kann. Es fanden sich schätzungsweise über 5.000 Leute ein – und um es vorweg zu schicken – ich war insgesamt durchaus positiv angetan davon.
Des Papstes Rotkäppchen und der böse Wolf
Nachdem der mit viel Pomp und großer Medienpräsenz inszenierte Papst-Besuch ihr für ihre Verschuldungspolitik mit dieser Geste die “moralische Absolution” erteilt hatte, folgte nun zeitnah die Rechtfertigung vor einem deutschen Millionenpublikum per Interview der Kanzlerin bei Günther Jauch in der ARD (mehr). Sie hatte sich übrigens selbst dahin “eingeladen”. Eigentlich sollten Thomas Gottschalk und andere als Talkgäste kommen, um über den Papstbesuch zu plaudern…doch dann meldete sich unerwartet die Medien-Abteilung des Kanzleramtes. Ein Zufall so kurz nach dem Papstbesuch? Wohl kaum…(mehr).

Angela Merkel ist in ihrer Funktion als Deutsche Bundeskanzlerin (mehr) eine systemtypische Charaktermaske des Kapitals. Sie versucht gegen jede Vernunft und alle sozialen Widerstände das kapitalistische Akkumulationsregime in Europa aufrecht zu erhalten…selbst wenn letztlich in Griechenland (mehr) dafür Leute in Armut und Hunger stranden. Das nimmt sie mit ihrer “christlichen Nächstenliebe” und vollem Magen gern in Kauf. Jetzt zeigte sie ihr wahres Gesicht. Sie ist quasi eine moderne “Margaret Thatcher”. Sie versteht sich geübt darauf, den berechtigten Fragen ihres journalistischen Gastgebers schlichtweg auszuweichen. Ihre optimistischen Aussagen und Beteuerungen zur Zukunft wirkten nicht überzeugend. Diesen Beitrag weiterlesen »
Der Papstbesuch – ein böser Fluch…?
Im September 2011 findet in der deutschen Hauptstadt Berlin ein sehr umstrittenes Ereignis statt, welches in der öffentlichen Diskussion Befürworter, Skeptiker, Kritiker und Gegner findet – ein Besuch und eine Rede des deutschen Papstes im Deutschen Bundestag. Ich lasse da jeden lieber selbst entscheiden, welche Argumente auf welche Waagschale zu legen sind.
Fest steht jedoch rein formal: …mal abgesehen davon, dass seine Heiligkeit, das patriarchale Halbgottum auf Erden zu wissen meint, was “Gott” tatsächlich will und die Menschen in Kategorien wie “Sünder” und “Gläubige” einteilen zu können, kommt Joseph Ratzinger alias Benedikt XVI, nicht nur als Gottes Vertreter auf Erden und Oberhaupt der Römisch-Katholischen Kirche, sondern auch als Staatsoberhaupt des Staates Vatikanstadt – genauer als dessen undemokratischer “Absoluter Monarch” – nach Berlin. Insofern stellt dieser Staatsbesuch durchaus ein Politikum dar.
Aber was viel wichtiger ist – ist er mit all seinen Institutionen, Wertvorstellungen und seinem Einfluss auf Glauben und Denken von Millionen Menschen tatsächlich das moralisch-ethische, ja sogar das spirituelle Vorbild?
Vermutlich sprechend die Fakten für sich allein. Hier einige aussagekräftige Beispiele aus einer endlosen Reihe:
[1: Der Vatikan als Drehscheibe für Mafiagelder, Schmiergeldzahlungen und Steuerhinterziehung]
Es stellt sich deshalb berechtigt die Frage, welchen Zweck so ein politischer Besuch erfüllen soll? Vermag der Papst den bürgerlichen Politikern in Zeiten der Krise mit diesem fragwürdigen “ethischen” Hintergrund tatsächlich “moralisch” den Rücken zu stärken? Oder ziehen sich da nicht vielmehr Personen in Ämtern auf der gleichen Wellenlänge an? Wie gesagt – jeder möge selbst entscheiden… Ich denke aber – das passt schon irgendwie…denn abgesehen von schönen Sprüchen und Reden heißt es doch angeblich in der Bibel: “An ihren Taten sollt ihr sie erkennen.”
Wenn der Vatikan ein Akteur innerhalb des europäischen Kapitals ist, dann vermag ich zumindest eines anzumerken: …deutsche Ökonomen und Politiker erwähnen durchaus gelegentlich, dass Deutschland einer der “großen Gewinner der Globalisierung” sei – wobei sie meistens verschweigen, dass Deutschland somit Nutznießer der Verschuldungsproblematik ist (also quasi ein “Sünder”, unzwar ein ganz großer bzw. der größte in Europa überhaupt – als so genannter “Exportweltmeister”), denn die Exportüberschüsse deutscher Konzerne sind stets die Schulden anderer Länder – wie beispielsweise Griechenland (mehr).
Insofern mutet es wie ein “böser Fluch” an, dass der Papst ausgerechnet Deutscher Herkunft ist und jetzt Berlin besucht, wo über den “Euro-Rettungsschirm” (mehr) und “geordnete Staatsinsolvenzen” verbindlich zu entscheiden ist. Angesichts des Zusammenhangs mit der Krise des Kapitalismus könnte man also auch sagen: ein “kleiner Sünder” besucht den “allergrößten Sünder”, um ihm “moralische Absolution” zu erteilen! Die in letzter Zeit oft etwas sprachlose Kanzlerin Angela Merkel (mehr) wird sich, nicht zuletzt als Vertreterin einer christlichen Partei, sicher über das Vergeben ihrer fiskalisch-politischen “Sünden” freuen. Doch ob das gelingen kann? Na, das hat ihm dann sicher “Gott” aufgetragen, dass das jetzt notwendig sei und zumindest formal gelingen wird, womit sich der Kreis (s. zweiter Absatz oben) schließt.
Autor: Holger Roloff
Mehr Zucker für die Kanzlerin?
In der Ausgabe von SPIEGEL-ONLINE (spiegel.de) vom 18.Juli 2011 mit dem Essay-Titel „Ein unterzuckertes Land“ beschäftigt sich der Autor Dirk Kurbjuweit mit der Sprachlosigkeit und dem Mangel an Kommunikationsfähigkeit der Bundeskanzlerin Angela Merkel. Der Autor Holger Roloff möchte sich in seiner Reaktion “Mehr Zucker für die Kanzlerin?” dem anschließen, aber nicht bei diesem äußeren Phänomen stehen bleiben. Er möchte lieber die Frage des WARUM stellen und aufzeigen, WOHER das kommt und vor allem WOHIN uns das führt…?
Immerhin führt die Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht nur eine Bevölkerung von fast 82 Millionen Menschen und gilt laut Forbes-Liste als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten auf der internationalen politischen Bühne überhaupt, sondern steuert eines der drei wirtschaftlich stärksten Länder dieses Planeten und einer der stärksten Militärmächte.
Bezug genommen wird dabei außerdem auf den Brandbrief des deutschen Philosophen Ralph Boes vom Juni 2011 (hier…), auf einen Spiegel-Online Artikel des Autors Manfred Ertel zum Thema Griechenland (hier…), auf ein Interview der Sueddeutsche.de mit dem Wirtschaftsethiker Karl Homann (hier…) und die persönliche Webseite der Politikerin Angela Merkel (hier…).








