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"Wenn Frau Merkel glaubt, sie kann die abgeschalteten Kernkraftwerke einfach wieder einschalten lassen und einfach 110 anrufen, wenn es Protest gibt, ist sie bei uns falsch verbunden", sagte Rainer Wendt, Verbandschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt Online.

(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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Archiv für die Kategorie „Holgers Welt“

Die Wachstumsfrage und der Umgang mit Zeit

Beim SRF – (Schweizer Radio und Rundfunk) gab es gerade eine TV-Diskussion in Basel, die nun auch bei youtube zu sehen ist. In der Fernseh-Reihe „Sternstunde“ wurde zum „Philosophischen Stammtisch“ geladen, moderiert von Yves Bossart. [ Man findet es bei youtube unter dem Titel „Wieviel Wachstum darf noch sein? Philosophischer Stammtisch Sternstunde Philosophier SRF Kultur.“ ] Mit dabei als Studiogäste sind der Vertreter der Postwachstumsökonomie Niko Paech, die Philosophinnen Katja Gentinetta und Simone Rosa Miller und der klassische Ökonomen Reiner Eichenberger (Video hier). Zusätzlich gibt es Einschätzungen von zwei weiteren Studiogästen – Alexandra Gavilano (Umweltwissenschaftlerin, Klimaaktivistin und Umweltschützerin bei XR – Extinction Rebellion Schweiz) sowie Matthias P. Müller (aus Zürich, liberaler Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler, Vizepräsident der Jungfreisinnigen – quasi das Schweizer Jugend-FDP-Äquivalent).

War das tatsächlich eine „Sternstunde der Philosophie?“

Die Frage wird zum Ende hin beantwortet. Jetzt möchte ich erstmal nur sagen –  das dort Gesagte fiel teilweise leider weit hinter den Stand der aktuellen Erkenntnisse kritischer Theorie zurück. Deshalb ist es vielleicht mal notwendig und an der Zeit, Klartext zu reden und ungewohnt deutlich zu werden. Was insbesondere der Schweizer Ökonom Reiner Eichenberger in die Runde wirft, ist gekennzeichnet von Ideologie, nämlich im Wesentlichen von der „Harmonielehre des Marktes“, also das, was man uns seit Jahrzehnten einbläut, obwohl es längst an der Realität gescheitert ist (wäre es anders, würde diese Diskussion gar nicht notwendig). Wie immer hört man die Behauptung, man müsse Marktwirtschaft nur richtig machen, dann würden die Probleme verschwinden. Teilweise widerspricht er sich dabei selbst, z.B. beim Thema Umweltschäden, was er meint allein auf „schlechte Politik“ abschieben zu können, obwohl die zum System dazu gehört, wenn man z.B. an all die Polit-Karrieristen und ihre Seilschaften, Korruption, Mafia-Verstrickungen, persönliche Vorteilsnahme und Unterschlagungen usw. denkt, also Dinge, die unabhängig von der in einem Land herrschenden Geschichte, Kultur, Religion etc. auftreten. Sie sind also dem Kapitalismus zuzuordnen. Andererseits kann es aber aus dem gleichen Grund nicht überall die gleich schlechte Politik geben, weil verschiedene Länder auch andere ethisch-moralische Sichtweisen und andere historische Erfahrungen mitbringen. Davon abgesehen sind Eichenberger`s Argumente, Einwände und angeblichen Lösungswege bezüglich der Wachstumsfrage nicht nur in der empirischen Forschung längst widerlegt, sondern auch die wirklichen Ursachen theoretisch sehr plausibel hergeleitet und begründet worden (vgl. z.B. „Ein Widerspruch aus Stoff und Form“, Ortlieb/2008). Eine Sammlung an Links, die das zusätzlich belegen, ist wie gewohnt unter dem Artikel angefügt.

Herr Eichenberger haut sich die Taschen aber überraschenderweise so dermaßen voll, dass man als Zuschauer dann doch erstaunt ist und fast Mitleid bekommen könnte. Man sieht auch, wie im Publikum sich manche die Hand vor den Mund halten, um das Grinsen zu verbergen. Reiner Eichenberger hält als typischer Vulgärökonom die Marktwirtschaft, also die kapitalistische Produktions- und Lebensweise, für den quasi Naturzustand der Welt. Er kann sich offenkundig gar nichts anderes vorstellen. Er glaubt abgöttisch, was er da erzählt. Anstatt das angesichts der weltweiten Problemlage endlich kritisch zu hinterfragen, muss er sich Markt und subjektiven Wert als Problemlöser vor allem selbst immer wieder einreden und bestätigen, auch mit hanebüchenen, für den Zuschauer ganz offensichtlich falschen Argumenten, die vor allem von Niko Paech aber auch Simone Rosa Miller umgehend sehr anschaulich kritisch hinterfragt und widerlegt werden. Ich könnte da selbst noch jede Menge hinzufügen, möchte mir das aber an dieser Stelle allein aus Platzgründen ersparen und verweise lieber auf die zahlreichen Artikel auf dieser Seite, die dazu bereits reihenweise Argumente geliefert haben.

Identitätsstiftend betont Eichenberger dann auch auffällig seinen Status ein „Ökonom“ zu sein (er meint natürlich einen „bürgerlichen“ versteht sich…was auch sonst) und weist das auch den anderen in der Runde zu…offenbar gut gemeint als kleinsten gemeinsamen Nenner, da er sich schnell mit seinen Argumenten in der Defensive fühlt. Auch aus Sicht des Zuschauern erscheint das so. Wirklich retten kann ihn das aber nicht.

Hoch in den Schweizer Bergen

Sehr ähnlich mit Schieflage argumentiert auch die Dame neben ihm – Katja Gentinetta – die einem Technikfetisch anheim fällt und glaubt, die Ingenieure werden alle Probleme lösen. Also müsse man sich um sowas wie die Klimakrise nicht wirklich Sorgen machen, sondern nur Geduld haben und Vertrauen in die großen Hightech-Konzerne setzen. Dabei verursachen die ja oft sogar neue Probleme, die wir ohne sie gar nicht hätten. Niko Paech widerlegt das dann auch sehr gut. Und der Moderator sprich dann bezüglich des Vertrauens auf rein technische Lösungen auch von Technikblindheit. Aber woher kommt so eine Haltung, wie sie Frau Gentinetta vertritt?

Tja, die Schweizer Berge liegen eben recht hoch. Da kann man sich die Weltanschauung leicht und schön zurecht basteln. Man fühlt sich dort sehr sicher. Das Meer wird kaum bis da oben vordringen, wenn der Meeresspiegel steigt. Da fällt es manch bürgerlichem Subjekt scheinbar umso leichter auszublenden, dass weltweit längst reihenweise Küstengebiete unter Land gegangen sind und die Menschen aus ihrer angestammten Heimat endgültig und ohne Aussicht auf Rückkehr fliehen mussten. Selbst in Europa, aktuell in Venedig, musste gerade öffentlich der Notstand ausgerufen werden, da der berühmte Markusplatz durch ein Rekordhochwasser dauerhaft unter Wasser steht – siehe (Video 1) (Video 2) (Video 3) (Video 4). Da konnten selbst die Ingenieure mit einem Schutzmauerprojekt nichts mehr retten – Dank Korruptionsskandal übrigens – ein übliches, weil zum Kapitalismus immer gehörendes Phänomen, welches in Italien bekanntlich einen besonders festen Stammplatz inne hat.

Aber wen interessieren in der Schweiz schon Fakten, wenn man selbst gemütlich hoch oben in der Berghütte Glühwein schlürft oder in einem trockenen Baseler TV-Studio so vor sich hin philosophiert? Bei mir als Zuschauer hinterließ Katja Gentinetta eher den Eindruck, sich noch nie ernsthaft mit der Problemlage und dem Thema beschäftigt zu haben.

Richtig von ihrer Seite aus war zwar der Hinweis, dass Menschen den Drang haben kreativ und produktiv sein zu wollen, um selbst besser zu werden und auch das eigene Leben besser zu machen (*). Aber das bedeutet keineswegs, dass das zwingend zu einem ewigen oder gar destruktiven Wachstum führen muss und wir als Spezies unsere Mitwelt quasi der menschlichen, biologisch-mentalen Natur folgend zerstören müssen. Ein Biber verändert auch drastisch den Flusslauf, indem er Zweige heran schafft und damit Wasser aufstaut. Aber er wäre von Natur aus nie so dumm, es dabei so weit zu treiben, den Fluß zu verschmutzen oder zu zerstören, so dass er dort gar nicht mehr leben könnte oder vor ihm fliehen müsste. Auch die Indianer in Nordamerika hatten großen Respekt vor der Natur, jagden und töteten nur so viele Tiere, wie sie wirklich zum Überleben brauchten. Erst die weißen Trapper mit ihren Langbüchsen rotteten die Bisons fast aus – nur weil sie zeigen und beweisen wollten, dass sie es technisch konnten. Die Trapper waren in ihrer Denkform bereits kapitalistisch vergesellschaftet. Das machte den Unterschied.

Niko Paech gelang es glücklicherweise auch sofort, dieses Plädoyer als ursächlich für den Wachstumszwang zu entkräften. Dass es auch ein Wachstum an Wohlbefinden, innerer Ruhe und Kraft geben könnte, an mehr Freizeit, Zeit um in sich zu gehen, für Muße und Bildung, für die Familie usw. kam Frau Gentinetta gar nicht in den Sinn. Wie auch? Dem warenförmigen Subjekt erscheint das Leben oft nur als erfolgreicher Konsum. Haste was, biste was, haste mehr, biste mehr.

Zur Ehrenrettung der Schweiz sei übrigens angemerkt – es gibt dort auch großartige, weitsichtige Autoren, die das ganz anders sehen als Frau Gentinetta!

Wachstum verbieten oder Wachstumsgrenzen überwinden?

Hier schiebe ich zunächst ein, was die beiden zusätzlichen Studiogäste zum Thema sagen. Die Umweltforscherin Alexandra Gavilano wird zunächst nach ihrem Plan B befragt, wenn sich in der Klimapolitik nichts ändere. Genüge es, dass wir uns als Individuen einfach nur anders verhalten? Aus ihrer Erfahrung, so die Antwort, nein. An die individuellen Personen in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und der Finanzwelt wurde seit Jahrzehnten appelliert – geändert habe sich grundsätzlich nichts. Sie sieht bzw. fordert deshalb einen Wertewandel, zu dem auch Maßnahmen wie sinnvolle Verbote gehören, wenn es nicht freiwillig geht.

Das ist sicherlich als Befund richtig. Ich würde sogar hinzufügen, dass übergangsweise vieles im Alltag tatsächlich anders gestaltet und begrenzt werden könnte und angesichts der Problemlage auch müsste. Doch ein grundlegendes Problem übersieht Frau Gavilano dabei. Es hat einen triftigen Grund, warum alle Appelle ans Individuum nichts bringen. Ohne den Bezug zu den gesellschaftlichen Kategorien herzustellen und grundsätzlich zu ändern, in denen die Individuen agieren und quasi systemisch gefangen sind, werden auch Verbote langfristig erfolglos bleiben. Ich werde weiter unten noch näher darauf eingehen.

Der Wirtschaftsliberale Matthias Müller ist da ganz anderer Meinung. Er ist der Auffassung, menschliche Kreativität und Schöpfergeist hätten schließlich auch früher, z.B. schon in den 1970er Jahren vorausgesagte Wachsumgrenzen, überwunden. Warum solle das in der  Zukunft nicht so sein?

Dem würde ich entgegnen, dass er damit gleich doppelt falsch liegt. Er verfehlt mit der Antwort nicht nur das Thema, denn es geht ja nicht darum, ob auch in Zukunft Ingenieure neue Technik, Kühlschränke, Handys und Autos erfinden und im materiellen Wachstumssinne bauen könnten – das bezweifelt niemand – sondern es geht darum, wie zerstörerische diese Art Produktion und Konsum dann sein werden, angesichts der Befunde, die wir heute schon weltweit sehen. Es mangelt ja auch heute keineswegs an Produktionsausstoß – und der wird zukünftig mit Hilfe der Digitalisierung der Produktionsfabriken sogar noch steigen. Er mißversteht die Logik und vor allem die Dynamik seines eigenen Gesellschaftsmodells und ignoriert, warum die Schäden heutzutage überhaupt auftreten. Primär zerstört niemand zerstört die Welt absichtlich. Warum auch? In Wahrheit ist das aber kein Nebeneffekt, der quasi nur aus Versehen oder Unachtsamkeit auftritt und der sich systemimmanent technisch leicht abstellen ließe, sondern er entspringt der gesellschaftlichen Inwertsetzung, die Müller natürlich als richtige, ja sogar einzig mögliche stillschweigend voraussetzt.

Ebenso fragwürdig bzw. in gewisser Weise falsch ist der Verweis von Matthias Müller auf andere Länder, z.B. in Asien, Afrika und  Südamerika, wo die Menschen bekanntlich auf die Straße gehen und demonstrieren, weil nicht genügend Wachstum vorhanden ist, da die jeweiligen Regierungen unzureichende juristische Grundlagen für die Rahmenbedingungen setzen und eine falsche Wirtschaftspolitik betreiben. Das stellt in Wahrheit niemand in Abrede, kein Postwachstumsökonom und nichtmal die schärfsten Kapitalismuskritiker, weil diese Länder sich in Weltregionen einer „nachholenden Modernisierung“ (Robert Kurz) befinden. Sie haben selbstverständlich ein historisches Recht auf Wachstum, um ebenfalls ein ausreichend hohes Lebensniveau erreichen zu können. Das heißt aber, dass wir im hoch entwickelten, reichen Westen, der das schon längst erreicht hat und bereits weit über seine Verhältnisse lebt, im Gegenzug endlich weniger Ressourcen verbrauchen müssten. Unser Verbrauch steigt jedoch.

Dieses Argument taugt also keineswegs, Wachstum per se zu erklären oder gar zu rechtfertigen, wie Müller das meint, sondern es zeigt lediglich auf, dass es rund um den Globus geschichtlich bedingte Unterschiede im Entwicklungsstand der Kapitalform gibt. Darauf gilt es einerseits Rücksicht zu nehmen und andererseits diese Länder aktiv in internationale Naturschutz- und Klimaziele mit einzubeziehen, soweit das angesichts der Wachstumsdynamik und den Erfordernissen gegenwärtig möglich ist. Wir, als Nutznießer der bisherigen Geschichte, müssten auf jeden fall vorangehen und sie dabei bestmöglich unterstützen, z.B. durch Wissenstransfer.

Blind in Bezug auf die Gesellschaftsform

Grundproblem dieser philosophischen Runde: die Studiogäste sind alle normale, kapitalistische Ökonomen oder können nur im Rahmen einer Konsum- und Warenwelt denken. Leider ist kein echter Kapitalismuskritiker dabei, vor allem keiner, die sich auf die  Wertetheorie bezieht. Der würde die Runde konsequent und komplett auseinandernehmen. Warum wurde z.B. ein Wirtschaftsautor wie Thomas Konicz nicht eingeladen? Der hat schon sehr viel zu dem Thema geschrieben und hätte echte Argumente. Seine Bücher zählen aktuell zum Besten, was es derzeit im deutschsprachigen Raum gibt. Aber vor solchen Leuten hat man natürlich Angst, denn die sprechen tiefer gehende Wahrheiten aus und werfen Fragen auf, die man fürchtet (s. Konicz.info).

Was an diesem „Philosophischen Stammtisch“ nämlich alle ausblenden sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, die ganze sozio-ökonomische Form – also die Warenform – so, wie sie unseren Alltag bestimmt.

Niko Paech kann ich durchaus zu 90% zustimmen, weil bzw. solange er sich argumentativ auf der Ebene des „stofflichen Reichtums“ (Karl Marx), der Natur und Ökologie bewegt, bin ich völlig bei ihm. Ich hab ihn persönlich schon getroffen und mit ihm diskutiert. Was er grundsätzlich vorschlägt halte ich sachlich gesehen für richtig. Er glaubt aber, das alles ginge problemlos und weiterhin warenförmig. Genau da hab ich ihm bei seinem Vortrag in Hamburg (im Werk 3/ das war so ca. 2010/2011) widersprochen und Fragen gestellt, die er dann auch nicht mehr schlüssig beantworten konnte. Da lag ökonomisch gesehen sein blinder Fleck. Ich werde das gleich näher beleuchten. Diesen blinden Fleck führt hier in der gesamten Fernseh-Runde auch niemand als Argument für Wachstum an (soviel zum Thema „wir sind alle Ökonomen“), so dass die wirklich relevanten Argumente für den Zuschauer verborgen blieben. Wo keine Präsenz, da keine Wahrnehmung. Die echten, nämlich gesellschaftlich gesetzten Gründe für den Wachstumszwang blieben so leider völlig ausgeblendet. Genau deshalb ist diese Diskussionsrunde dem Zuschauer leider so manches schuldig geblieben… Ein guter Grund, jetzt näher darauf einzugehen.

Warenform, Wertschöpfung und Wachstum

Warenform bedeutet immer Wertschöpfung. Kapitalismus basiert auf „abstraktem Reichtum“ und somit immer auf dem kaufmännischen Wertschöpfungsprinzip. [ Niko Paech spricht das auch kurz mal an, spinnt den Faden aber leider nicht weiter. ] Das bestimmt alle wirtschaftlichen Zyklen. Es funktioniert aber nur, wenn die Finanzen und das Gesamtsystem inkl. des Produktionsausstoßes wachsen.

Grund: Der Wert einer Sache wird durch die monetäre Form selbst dann festgehalten, wenn das Produkt längst verbraucht ist, also z.B. aufgegessen wurde (z.B. Nahrungsmittel, Süßigkeiten etc.). Dieser abstrakte Wert wird dann (in die Geldform verwandelt) zum Ausgangspunkt für den nächsten Verwertungszyklus. Es bildet sich ein selbstreferenzielles, quasi automatisches Feedbacksystem (bildlich eine Wachstumsspirale) mit allmählich exponentiellem Anstieg. Damit meine ich keineswegs nur Zins- und Zinseszinseffekte, wie manch einer vielleicht denken mag. Zinsen im engeren Sinne gehören durchaus zum Problem, sind aber nur ein (Kosten-)Faktor unter vielen. Das Wesen des Problems ist viel allgemeinerer, denn es ist ursächlich untrennbar mit der Warenform verbunden. Kein kapitalistischer Warenproduzent stellt überhaupt irgendwas für menschliches Bedürfnis her, wenn er hinterher nicht mehr Geld in der Tasche hat, als am Anfang. Und die dabei erzielten Gewinnmargen sind deutlich höher als Zinsen. Das wird bei solchen Diskussionen stets übersehen, weil es objektiv als auch in der Denkform des Marktsubjektes tief verankert, so dermaßen systemimmanent ist, also schon vor jedem Gedanken existiert, dass es als unabänderlich vorausgesetzt wird. In der Psychoanalyse von Siegmund Freud ist es das kollektiv Unbewusste, das „Es“. Es ist immer da, bevor überhaupt ein erster, halbwegs klarer Gedanke gefasst werden kann. Karl Marx charakterisierte den Kapitalismus deshalb auch als Fetischgesellschaft. Dem Fetischisten erscheint das hingegen als normal. Daran zu rütteln wäre glatt Blasphemie.

Doch genau da liegt die Crux. Je mehr Waren historisch produziert wurden, desto höher war deren monetäre Repräsentanz, also der Gesamtwert. Es musste auch stetig mehr Geld in Umlauf gebracht werden, bis z.B. Anfang der 1970er Jahre die Golddeckung des Dollars nicht mehr aufrecht zu halten war, da es nicht genug Gold dafür gab. Mehr ließ sich damals schon nicht fördern; von heute, wo in jedem Land in Milliarden oder gar in Billionen gerechnet wird, ganz zu schweigen.

Bewegungsmuster des Kapitals

Das Kapital strebt automatisch immer zum Maximalprofit und hat mit Bedürfnisbefriedigung rein gar nichts zu tun, denn es produziert ebenso Mangel, wie z.B. Hunger, Wohnungsnot usw. Ebenso hat es nichts mit Gier zu tun (**), wie es der Moderator Yves Bossert zum Ende hin meint, sondern es liegt in der Logik der Strukturen des kapitalistischen Verwertungszusammenhangs selbst, denen es tief eingeschrieben ist. Wachstum ist als Rahmenbedingung für den Verwertungsprozeß (= „Die Verwertung des Wertes“, Robert Kurz) objektiv(!) notwendig und eben keine Frage des subjektiven Willens. Sowie das Wachstum stagniert oder gar rückläufig wird, kriegt der Kapitalismus deshalb auch ein massives Problem. Wer als kapitalistischer Dienstleister oder Warenproduzent in der Marktkonkurrenz zurückfällt oder durch unbeglichene Zahlungsforderungen im Wachstum ausgebremst wird, gerät selbst in finanzielle Schieflage, kann letztendlich „freiwillig“ bzw. aktiv dicht machen oder bekommt Besuch vom Konkursverwalter, weil im eigenen Unternehmen zu viele Rechnung offen bleiben. Dann wird der Laden notfalls unfreiwillig geschlossen. Erzeugt das einen Dominoeffekt in der ganzen Wirtschaft, dann ist Krise. Lohnabhängig Beschäftigte landen beim Arbeitsamt. Massenkaufkraft geht verloren.

Das ist immer und weltweit überall gleich, also objektiv und gesetzmäßig, d.h. unabhängig von Land und Leuten, Moral und Ethik, Religion und Kultur, dem Entwicklungsstand von Wissenschaft und Technik etc. – wobei es eigentlich nicht so sein müsste, denn es handelt sich ja nicht um ein Naturgesetz (auch wenn es wie ein Naturgesetz unabhängig vom Bewusstsein wirkt), sondern um ein gesellschaftliches Gesetz – nämlich das des Marktes und der inneren Funktionslogik des Geldes (kaufmännische Regeln). Es sind nur soziale Formen und deshalb auch kein echter Sachzwang! Es handelt sich soziologisch gesehen rein um gesellschaftliche Konventionen. Es wäre also veränderbar.

Naturzerstörung und negative Klimabeeinflussung sind also in der Endkonsequenz keineswegs unabänderliche Notwendigkeiten und Erscheinungen, sondern Ergebnisse eines der Tauschlogik basierenden Wirtschaftssystems.

Umgang mit Zeit als Charakteristikum

Richtig ist vielmehr das Argument von Niko Paech, dass man die allgemeine Arbeitszeit drastisch absenken müsste, auf 20 h und langfristig sogar auf 5 bis 10h, also durchschnittlich maximal 2 h Arbeit pro Tag. Mehr braucht man für ein gutes Leben aller Menschen bei unserem hohen technologischen Entwicklungsstand nicht. Selbst im Mittelalter haben die Menschen bekanntlich nur 4 h gearbeitet und man kannte nur Wasserräder,  Windmühlen, Pferde und Ochsen als Antriebsmittel. Nur – das war auch keine bezahlte Lohnarbeit bzw. wäre – in die Zukunft gedacht – keine „Arbeit“ im heutigen Sinne mehr, sondern das wären unbezahlte aber dafür durchweg sinnvolle, konkrete Tätigkeiten im Sinne des Gemeinwohls, wozu auch Produktion und Dienstleistungen zählen. Sie wurden (historisch) und würden (utopisch) ausgeführt, weil sie sinnstiftend und notwendig sind, also dem Leben und der Gemeinschaft dienen. Dann könnten auch alle heutigen Gründe entfallen für Umweltzerstörung, Ausbeutung, Plastik-Müllberge, die Produktion von Produkten, die schlecht oder gar nicht mehr zu reparieren sind usw.

Das setzt zukünftig allerdings eine strikte Demokratisierung des Wirtschaftslebens voraus (Basisdemokratie, PARECON = Partizipative Ökonomie) bzw. ein Räte- und Allmende-System, aus dem Englischen kommend auch oft als Commons bezeichnet.

Kapitalismus jedoch ist dadurch gekennzeichnet und charakterisiert, dass die bestimmende Tätigkeitsform ihrem Wesen nach „abstrakte Arbeit“ ist. Diesen abstrakten Charakter würde sie zukünftig in einer nicht-warenförmigen Ökonomie, die der direkten Bedürfnisbefriedigung dient, verlieren zugunsten von „konkreter Arbeit“ bzw. besser konkreten Tätigkeiten (Allmendieren, Commoning). Das Grundprinzip wäre langfristig gesehen und nach einer Übergangsperiode nicht mehr der Tausch (Äquivalententausch mit Geld als Königsware), sondern das bewusste Beitragen nach dem Prinzip des additiven Nutzens (vgl. auch „Die violette Wirtschaftsvision“, 2013). Die Strukturen würden auf Kooperation basieren, anstatt auf Konkurrenz.

Beitragen anstatt Tauschen

In einer warenförmigen Wirtschaftsform, einer Tauschgesellschaft, hängen Markt, Geld, abstrakte Arbeit und Wachstumszwang also strukturell zusammen. Der bürgerliche Staat ist lediglich der Wachhund, der mit scharfen Zähnen (Gewaltmonopol, Justiz, Polizei usw.) sowie lautem Bellen (Ideologien, Propaganda, linientreue Medien) darauf aufpasst, dass das auch so bleibt.

In einer nicht-warenförmigen Wirtschaft könnten alle Tätigkeiten, die vorher nur wegen der Form „Kapital“ und des Geldes wegen existierten, entfallen. Man bräuchte kein Geld mehr. Man bräuchte damit auch keine Sicherheitsdienste für Geldtransporte, keine Banker, keine Steuerberater, keine Hedgefond-Manager, keine Finanzbeamten, keine Börsenmakler und sonstigen Spekulanten. Die Polizei hätte es mit deutlich weniger Kriminalität zu tun. Viele Personengruppen, könnten nun ebenfalls produktiv tätig werden oder nützliche Dienstleistungen für das Gemeinwohl ausführen. Dadurch könnte sich der Rest an notwendiger Arbeitszeit bzw. Tätigkeitszeit auf alle Schultern verteilen lassen. Das würde zu einer massiven Absenkung der „Arbeitszeit“ sowie zu einem Sinken des „Renteneintrittsalters“ führen. Dieser richtige Umgang mit Zeit wäre ein typisches Merkmal, eine  Hauptcharakteristik einer natürlichen Wirtschaftsform, einer Ökonomie im ursprünglichen Sinne, die an der Sache, ökologischen Notwendigkeiten und sozialen Maximen orientiert ist, also orientiert an einem guten Leben für alle, anstatt an der Jagd nach abstraktem Maximalprofit für wenige.

Fazit: Spannend ist diese TV-Diskussion im SRF auf jeden Fall – es lohnt sich das anzuschauen. Teilweise ist es insofern zumindest eine kleine „Sternstunde der Philosophie“, weil endlich mal verbal Widerspruch gegen die ewig gleichen Scheinargumente vorgebracht wird, die sich in der Praxis ohnehin längst blamiert haben, aber dennoch immer und immer wieder kommen, weil deren Protagonisten sich hartnäckig weigern umzudenken. Lieber ignoriert man, was nicht zur eigenen Lehre paßt oder versucht das irgendwie zu integrieren. Man wiederholt das, was man jahrelang eingetrichtert bekommen hat. Niko Paech hat dazu gelernt. Er konnte dafür nicht in Gänze auf vorgefertigte Lehren zurückgreifen, sondern musste seinen Gedanken erst selbst entwicklen,  um zu neuen Einsichten zu kommen. Deshalb Wirken seine Argumente auch fundiert und glaubwürdig, in sich (fast schon) vollständig schlüssig. Den Rest an blindem Fleck hatte ich ja oben schon benannt. Drücken wir die Daumen, dass auch der irgendwann noch verschwinden wird.

„Das Geld ist nicht nur eine Sache, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis.“ (Karl Marx, 1847 in »Das Elend der Philosophie«)

„Die Grenze des Kapitalismus ist das Kapital.“ (Karl Marx)

Erstaunlicherweise ist von Geld in der ganzen Wachstumsdebatte beim SRF gar nicht die Rede. Es gibt aber noch ein deutlichen Zeichens, welches gegenwärtig das bevorstehende, historische Ende des kapitalistischen Weltsystems ankündigt – und das hat was mit Geld zu tun. Wir leben im Zeitalter des Negativzins. Das ist nicht nur das Ende des heutigen Finanzsystems, wie der Moderator des folgenden Videobeitrages Ernst Wolff meint (s. Video), was durch ein „demokratisches Geldsystem“ irgendwie noch zu kitten wäre, sondern das Ende der Tauschlogik und der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise an sich (***). Das Negativzins-Dilemma ist lediglich der äußere Ausdruck davon, der an der Oberfläche zusammen mit Umweltschäden, Klimaschäden, Artensterben usw. sichtbar wird. Dem liegt durch die Warenform ein tief greifenden Wertesystem in der Produktions- und der Konsumwelt zugrunde, welches auf abstrakter Arbeit und unendlicher Wertverwertung ausgelegt ist (= Mehrwertproduktion) und dazu eben ein unendliches Wachstum als notwendige Randbedingung braucht. Der Grund kapitalistischer Krisen ist und bleibt immer der Mangel an Mehrwertproduktion. Und der erscheint in der abstrakten Form des Geldes.

Holger Roloff, 23. November 2019

(*) – dieses Argument ist sozusagen kurios, weil äußerst „flexibel“. Hier wurde es als Grund für das Wachstum vorgetragen. Im Zusammenhang mit Diskussionen um ein Grundeinkommen wird es hingegen unterschlagen und stattdessen unterstellt, der Mensch sei per se faul und mit einem BGE würde ja niemand mehr arbeiten. Das zeigt, auf welchen Widersprüchen die Denkform bürgerlicher Ökonomie generell basiert…

(**) – dieses Argument ist durch die Sozialforschung vielfach untersucht und widerlegt worden; Gier entspringt einem inneren, emotionalem Mangelzustand und tritt nur auf, wenn die gesellschaftlichen Normen ein derartiges Verhalten erlauben, rechtfertigen oder gar belohnen, was im Kapitalismus bekanntlich der Fall ist.

(***) – das Argument bedeutet allerdings nicht, dass ein demokratisiertes Geldsystem z.B. durch Gründung einer Monetative, keine gute Idee wäre. Für den Übergang zu einem anderen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem jenseits von Markt und Geld könnte so eine neues Geld durchaus helfen, diesen Übergang besser zu ermöglichen und wirkungsvoll zu gestalten.

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Eine Perspektive des zivilen Widerstandes ist möglich, aber nur dann sinnvoll, wenn sich wirklich substanziell etwas ändert. Andernfalls verhallen alle FFF-, Naturschutz- und Klimaschutzproteste in einem nur grün lackierten „weiter so wie bisher“. Wir brauchen das Ende aller Kriege, eine massive Abrüstung und den Beginndes Aufbaus eine humanen Wirtschaftssystems! Ein Standpunkt von Jens Wernicke für KenFM (hier)

„Ein Widerspruch von Stoff und Form“: (hier online) und (hier als PDF)

Die 4.Dimension als unlösbarer Widerspruch des Kapitals (hier)

Im Jammertal von EZB und Niedrigzins (hier)

Langfristig müssen wir viele Küstenstädte einfach aufgeben – Klimaexperte äußert sich BILD (hier)

Marktwirtschaft schön grün lackiert (hier)

Erüberlastungstag auf Wanderschaft (hier)

#AlleFürsKlima bei #FridaysForFuture (hier)

Wohin geht der ökonomische Trend…? (hier)

Fabian Schilder: 16-Punkte-Programm für den sozial-ökologischen Umbau (hier)

Wohlstand neu erfinden – welche echten Alternativen es gibt (hier)

Was bedeutet ein Epochenwechsel – ein größer Blick auf den Wandel (hier)

Wachstumszwang, Konsumverhalten, Narzissmus hängen in der bürgerlichen Psyche zusammen und nehmen zutiefst katholische Züge an – Hans-Joachim Maaz im Gespräch (Video)

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Maueröffnung – und was dann?

Die große Freiheit ist es nicht gewordenHeute begeht ganz Deutschland ein historisches Jubiläumdie Maueröffnung vor 30 Jahren am 9. November 1989. Ich kann mich selbst gut daran erinnern, wie ich als Student im letzten Semester, also gerade mit der Diplomarbeit befasst, zusammen mit meinen Kommilitonen im Studentenwohnheim in Dresden, mit Spannung die im DDR-Fernsehen übertragende, legendäre Pressekonferenz verfolgte. Uns war sofort klar, was das vom Prinzip her bedeutete, was Günter Schabowski (Info) da vom provisorischen Kladdezettel verkündete (hier). Reisefreiheit! Das wurde prompt auch in der AKTUELLEN KAMERA, dem DDR Äquivalent zur westdeutschen TAGESSCHAU, offiziell bestätigt.

Endspiel - Die Revolution von 1989 in der DDRWas wir noch nicht wussten  „im Tal der Ahnungslosen“, wie Dresden, tief im Elbtal liegend, im Volksmund scherzhaft genannt wurde, weil es dort keinen Empfang von Westradio und Westfernsehen gab, war, dass die Ostberliner Schabowski wörtlich Namen und sich sofort an der Mauer versammelten, die dann noch am gleichen Abend unter dem emotionalen Druck der Bevölkerung spontan geöffnet wurde. Die Zeit war endgültig reif dafür.

Begeisterung und Glücksgefühle

Die in den nächsten Tagen und Wochen folgende Euphorie war unbeschreiblich. Ein nie gekanntes Glücksgefühl ließ das Energieniveau im ganzen Osten ansteigen. Es begann für sechs Monate tatsächlich eine Zeit, die einen Vorgeschmack  darauf brachte, was echte Demokratie und Pressefreiheit ab jetzt sein könnten. Die Stasi-Zentralen wurden gestürmt. Die Rathäuser wurden geöffnet und runde Tische gegründet. Das Volk übernahm an vielen Orten direkt die Verantwortung für gesellschaftlich relevante Fragen. Im Idealfall hätten eine echte Räterepublik oder eine deutsch-deutsche Konföderation aus zwei Staaten entstehen können, die dann vielleicht sogar allmählich historisch zusammen wachsen würden, unter demokratisch allgemein akzeptierten, fairen Bedingungen.

Buchtitel Raubzug OstDDR-Bürgerrechtler erarbeiteten Grundsätze dafür, d.h. für einen echten Sozialismus, so wie er 40 Jahre lang versprochen, aber nie gekommen war. Eine Riege vor allem alter, ignoranter Männer, Ex-Stalinisten und Politbüro-Kader der SED hatte alle Reformversuche der DDR bislang erfolgreich verhindert. Würde der Westen es zulassen, dass solche Reformen nun eine reelle Chance bekommen würden?


Wendezeit war reif

Vorausgegangen waren bekanntlich in der Herbst-Wendezeit 1989 regelmäßige Massendemonstrationen in allen großen Städten der DDR. Man wollte eine friedliche Wende von der Strasse aus schaffen. Das gelang.  Die dafür notwendige, kritische Masse war erreicht. Der sich allgemein angestaute Unmut, der Ärger, die politischen und juristischen Repressalien, die wachsende Anzahl an Ausreiseanträgen sowie die ab Sommer `89 zunehmende Zahl an Flüchtlingen in Richtungen Westen, bedingt durch die Grenzöffnung zwischen Ungarn und Österreich,   addierten sich zu einer revolutionären Situation, die sich nun Bahn brach. Der DDR-Obrigkeit war schnell klar, dass sich all das nicht wieder so einfach zurückdrehen lassen würde. Der Drops war gelutscht, zumindest für die alte SED-Riege.

 

Buchtitel Wer verkaufte die DDR?

Deutschmark als Weiche

Der Ende der 80er Jahre amtierende Bundeskanzler Helmut Kohl erkannte die historisch einmalige Chance. Er sprach mit allen relevanten Vertretern der alliierten Westmächte sowie der Sowjetunion, die den 2. Weltkrieg gewonnen und sowohl Westberlin, als auch letztendlich ganz Deutschland nach 1945 unter sich aufgeteilt hatten. Besonders wichtig waren dabei die Haltung von US-Präsident Ronald Reagan sowie Michael Gorbatschow im Moskauer Kreml. Beide stimmten bekanntlich einem vereinigten Deutschland zu. Als Zünglein an der Wage blieb also die DDR-Bevölkerung selbst. Wie würde sie sich letztendlich entscheiden?

Dann setzte die West-Propaganda-Maschine ein (s. Video des Politkabarett aus Die Anstalt 11.11.2019).

Schließlich gelang Helmut Kohl ein geschickter politischer Schachzug. Er verknüpfte die schnelle Einführung der D-Mark mit der Frage der deutschen Wiedervereinigung. Das eine bedingt das andere. Käme die deutsche Einheit, dann auch mit ihr die D-Mark. Mit Honig fängt man Fliegen.

Damit kippte die Stimmung. Als Kohl in Dresden öffentlich auftrat und in seiner Rede die historische Einheit in Aussicht stellte, jubelten die Masse mit Deutschland-Fahnen in der Hand, während wir als Studenten ein Pfeifkonzert intonierten. Wir taten das aus gutem Grund, denn uns war klar, was da auf uns zukommen würde. Eine eigenständige Fortsetzung der Moderniserungsgeschichte im Osten würde ersetzt durch die reine Profitmaximierungslogik. Die rhetorische Figur der „blühenden Landschaften“, die mit dem Kapitalismus kommen würden, würde sich langfristig gesehen als eine Mogelpackung erweisen und zu einem großen Katzenjammer führen.

Buchtitel Die Treuhändler - Wie Helden und Halunken die DDR verkauftenDoch das wollte damals kaum jemand wahr haben. Die ersten freien Wahlen wurden zugunsten der CDU entschieden. Man feierte die Deutsche Einheit. Alle Konten wurden abgewertet und auf Westmark umgestellt. Die Revolution war abgewürgt worden und die Chance auf eine echte Veränderung vertan. An die Stelle der alten traten nun neue Machthaber. Anfangs schmerzte das allerdings nicht so sehr, da die Euphorie über die Wende noch vieles kaschieren konnte. Doch das sollte sich bald  ändern. Schon 1992 wuchs der Frust der Einheimischen im Osten und es kam vermehrt zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen (wie hier) und Morden.

 

KoKo-Bonzen und Milliarden

Auch aus den eigenen Reihen der DDR-Wirtschaftsbonzen heraus wurden die Weichen umgestellt und die DDR-Bevölkerung verraten und verkauft. Die KoKo – kurz für Kommer-zielle Koordinierung – die Spezialabteilung von Alexander Schalck-Golodkowski (Info), hatte auf den finalen Verlauf der Wende maßgeblichen Einfluss. In der Woche vor dem diesjährigen Jubiläum der Maueröffnung liefen im TV der Dreiteiler „Der Preis der Freiheit“ (Infos hier) sowie eine Dokumentation, die speziell die Ereignisse rund um die KoKo beleuchteten. Als Schalck, der auch nicht vor höchst Buchtitel - Die Übernahmekriminellen Machenschaften zurückschreckte, um Devisen für die DDR ran zu holen, erkannte, dass die politische DDR-Führung völlig unfähig und unwillig war, insbesondere die DDR-Wirtschaft zu reformieren, änderte sich in der KoKo die Einstellung. Das neue Motto lautete „Kein Feind, kein Freund – nur noch gute Kunden“. Dabei hätte allein(!) die KoKo so hohe finanzielle Mittel in ihrem internationalen Firmennetzwerk gehabt, darunter 21 Mrd. DM in Goldbarren, um alle offenen Verbindlichkeiten der DDR begleichen zu können. Eigentlich gehörte dieses Vermögen der DDR-Bevölkerung, der es zuvor in weiten Teilen geraubt worden war, doch es wurde illegal beiseite geschafft und ist bis heute nie wieder aufgetaucht.

So kam es insgesamt, wie es als Folge aus all dem kommen musste. Die DDR Bürger verkauften ihre selbstbestimmte Zukunft ans Kapital. Der Osten wurde einfach an die BRD angeschlossen. Der DDR wurden die Westgesetze übergestülpt. Die Geschäfte wurden mit Westwaren geflutet. Die Eigentümer wechselten. Die Mieten explodierten. Die Ost-Bürger trafen sich in langen Reihen auf den Arbeitsämtern beim Ziehen von Nummern in den Warteschlangen wieder. Die Ex-DDR-Bonzen („Wendenhälse“ genannt) sicherten sich über Seilschaften ihre Pfunde und die Masse der DDR-Bürger, einschließlich derer, die sich für die Wende eingesetzt hatten und auf die Straße gegangen waren, wurden erneut über den Tisch gezogen. Wie sehr, ahnten viele damals noch nicht.

 

Der deutsche Goldrausch - die wahre Geschichte hinter der TreuhandTreuhand und totaler Ausverkauf

Auch das nächste Kapitel war kein Glanzpunkt der Nachwendegeschichte. In der DDR gab es kein Staatseigentum, wie viele vielleicht meinen, sondern Volkseigentum. Der Wert aller Betriebe, Maschinen, Gebäude, Grundstücke usw. hätte eigentlich über die neue Institution namens Treuhandanstalt (Info hier) (siehe auch „Der deutsche Goldrausch“, Dirk Laabs „) im Bestand erfasst und dann auf 16 Mio. DDR-Bürger zu gleichen Anteilen aufgeteilt werden müssen – als faires Startguthaben.

Das wäre wahrlich eine echte Volksaktie gewesen und hätte zumindest den bisherigen Ungerechtigkeiten der DDR symbolisch und praktisch ein Ende setzen und einen fairen finanziellen Neuanfang ermöglichen können. Mit diesen Anteilen an den Betrieben, hätte jeder selbst entscheiden können, ob sie behalten, veräußert oder kaufmännisch und betrieblich durch einen technisch und organisatorisch erneuerten Geschäftsbetrieb genutzt würden.

So hätte die Masse der DDR-Betrieben möglicherweise durchaus erhalten und auf modernsten Stand nachgerüstet werden können. Damit wären ein Großteil der Massenarbeitslosigkeit gemildert und eine breite finanzielle Absicherung und ein Neustart möglich gewesen. Stattdessen wurden die Betriebe bekanntlich billig verramscht und die Betriebskonten von den neuen Eigentümern geräumt. Der Kapitalismus des Westens brauchte den Osten nur als Markt. Die Mitarbeiter wurden gestaffelt zunächst auf Kurzarbeit gesetzt und dann entlassen. Die Maschinen wurden ins Ausland verkauft und die Grundstücke und Gebäude ebenfalls veräußert. Natürlich so gut wie immer durch Spekulanten aus dem Westen, die ja nun die neuen Eigentümer waren.

Was war die DDR wert? Die große Enteignung

Ebenso lief es bei der KoKo. Deren Mitarbeiterin Margot Spindler wandelte die KoKo-Firmen in GmbH um, räumte deren Konten und fuhr diese GmbH dann systematisch an die Wand, wie der genannte TV-Dreiteiler auch zeigt.

 

Frust hinter polierten Fassaden

Kommt man heute in den Osten, sieht alles saniert und supermodern aus. Glasgebäude, die denen in Hamburg und München in Nichts nachstehen. Äußerlich floß jede Menge Geld aus dem Westen in die Sanierung, was die Kohl-Regierung durch eine entsprechend großzügige Steuerpolitik auch forcierte. Da waren sie, die blühenden Landschaften. Doch an was die  DDR-Bürger nicht gedacht hatten, war, was hinter den Fassaden steckte, welche gesellschaftliche Bedingungen zur kapitalistischen Produktionsweise zwangsläufig dazu gehören.

Es gibt unzählige Geschichten von kleinen und großen Betrügereien aus der Nachwendezeit, von Schenkungskreisen über Anlagebetrug bis zur dreisten Abzocke in allen nur erdenklichen Varianten. Dazu gesellte sich eine Unmenge an klassischer Kriminalität. Ganze Banden aus West- und Osteuropa zogen ihre faulen Nummern im Osten ab.

In einer ebenfalls gerade ausgestrahlten Spiegel-TV-Dokumentation über die Stadt Zeitz wurde außerdem gezeigt, wie die Innenstädte veröden und die Wohnungsnot dramatisch angestiegen ist. Für so manchen, so berichtete dort eine Einwohnerin, die sich mutig und engagiert in die Marktwirtschaft gestürzt und selbstständig gemacht hatten, blieben am Ende nur Schulden, finanzieller Bankrott, Depressionen und ein Strick um sich aufzuhängen (s. Video bei YouTube).

 

Die Treuhand - wie eine Behörde ein ganzes Land abschaffteSelbstmord  in verschiedenen Formen

Schon in der Wendezeit war die Zahl der Selbstmorde dramatisch gestiegen. Viele Ex-DDR-Getreue kamen mit dem Zusammenbruch des alten Regimes nicht klar und nutzen die Dienstwaffe für einen letzten Gnadenschuss gegen sich selbst, was in „Der Preis der Freiheit“ auch gezeigt wurde. Doch das all dies jetzt gleichsam in der doch angeblichen so tollen, neuen Freiheit passierte, wirft ein bezeichnendes Licht auf die berechtigte Enttäuschung bei den einst Kohl zujubelnden Ostdeutschen.

Der Frustpegel ist heute enorm. Gerade dort, wo damals am euphorischsten gejubelt wurde, ist die Stimmung spätestens in den 2010er Jahren völlig gekippt. Man wählt dort jetzt, 30 Jahre später, aus Frust und Protest vor allem auffällig oft die AfD, womit man sich allerdings freimütig der nächsten Selbsttäuschung hingibt, denn die AfD ist die neue Partei der Restriktionen. Sie will am liebsten mit starker, national geführter Hand noch stärker durchgreifen und den Menschen noch mehr an kapitalistischen Zumutungen abverlangen, anstatt diese zu beenden. So käme man endgültig vom Regen in die Traufe. Die AfD zu wählen ist eine Art politischer Selbstmord zweiten Grades. Das ganz böse Erwachen ist damit schon vorprogrammiert.

 

Die Flachzangen aus dem WestenDemokratieabbau und Marktdiktatur

Was bleibt also vom Tag der Maueröffnung und der Wendezeit? Ich war selbst in der DDR-Opposition aktiv und möchte die alte DDR um keinen Preis wieder haben. Viele Bereiche des Lebens haben sich seit 1989 trotz der hier beschriebenen Entwicklungen und Ereignisse dennoch insgesamt positiv entwickelt. Die Betonung liegt also auf trotz. Jeder kleine Fortschritt muss dem Kapital mühsam abgerungen werden. Daran hat sich nichts geändert.

Die Hoffnung auf die nächste, echte Wende, ohne Vereinnahmung durch Herrschaftseliten, ist aber keineswegs verschwunden. Gerade jetzt zum 30. Jubiläum wird das an zahlreichen Beiträgen in den alternativen Medien deutlich. Daran zu erinnern ist auch der Grund für diese Zeilen. Die Revolution wurde nicht vollendet.

Wissenschaftler fassen die aktuelle Lage durchaus kritisch und präzise zusammen (Video). Deutschland anno 2019 ist durch einen starken  Demokratieabbau und durch Neoliberalismus, also eine Diktatur des Marktes charakterisiert. Das ist die Wahrheit hinter der Farce namens „freie Marktwirtschaft“. Der Osten hat sich von bunten, glitzernden Waren in Schaufenstern täuschen lassen, wie einst die Indianer von Glasperlen. Man ist dem System längst zum Opfer gefallen. Der Mensch ist per Lohnarbeitskraft selbst zur Ware  geworden, die nun auf dem Arbeitsmarkt wie Vieh Warum die Lämmer Schweigengehandelt wird. Bleibt die Nachfrage aus, wird es allerdings schnell trübe. Der Kapitalismus produziert Überflüssige, Obdachlose und Elend nämlich genauso wie Sahnetrüffel und Autos. Das wurde 1989 ausgeblendet. Arbeitslosigkeit gehört zum System dazu, denn regiert wird durch Angst.

Diese Wahrheit wollte keiner hören, obwohl man es hätte besser wissen können. Die historische Chance auf echte Selbstbestimmung wurde so vertan, einst geködert über ein Begrüßungsgeld und geschickte politische Weichenstellungen, mit denen der Sack schließlich zu gemacht wurde. Ist die Katze erst im Sack, ist der Katzenjammer groß…hinterher, versteht sich. (vgl. auch Daniela Dahn Klappentext, der das haargenau auf den Punkt bringt).


Absichten vs. Fehler-Rhetorik

So sind die Wende, die Maueröffnung und die Entwicklungen bis heute ein zwiespälti-ges Stück Geschichte. Alles hätte absolut und relativ gesehen viel besser laufen können. Die jetzt oft zitierten „Fehler im Einigungsprozess“ unterstellen zumeist Versehen. Doch genau das waren sie nicht! Wer all die Bücher über die Nachwendezeit, die Treuhandanstalt und „Den Schnee von gestern…“ liest, dem wird schnell klar, dass damit seitens der Protagonisten, vor allem aus dem Westen, klare Absichten verbunden waren. So viele dumme Fehler kann niemand machen. Dahinter steckte ein klares Kalkül (vgl. auch Gesprächsrunde „9.Nov.`89 – Der Beginn vom Ende des Neuanfangs?“ bei KenFM).

 

Die Wahrheit, die keiner hören will

Ich konnte das in diesem Beitrag alles nur wage andeuten, was wirklich nach der Maueröffnung im Osten mit den Menschen abgelaufen ist. Die Wahrheit ist noch viel schlimmer, als es der willige Leser ahnt. Man muss es selbst detailliert nachgelesen haben, um es zu begreifen.Buch "Der Schnee von gestern" von Daniela Dahn

Der Kapitalismus hat sich am Osten gesund gestoßen und den großen Reibach gemacht. Es war der größte Raubzug aller Zeiten, einmalig in der bisherigen Weltgeschichte. Daran änderte auch ein Solidaritätszuschlag auf dem Lohnzettel nichts…und wie wurde darüber gejammert…

Die Bevölkerung wurde in den letzten 20 Jahren außerdem und zusätzlich vom „Kanzler der Bosse“ Gerhard Schröder und der neoliberalen Politik im Merkelismus dermaßen geschröpft und übers Ohr gehauen, dass es erneut ganze Bücher füllen wird, das alles aufzuarbeiten (permanente Steuergeschenke an die Industrie und Reichen, Cum-Ex-Geschäfte, MWSt.-Betrug durch Dreiländergeschäfte, Bad Banks, Hartz IV-System usw.). Das kommt also noch dazu, denn davon war hier ja noch gar nicht die Rede. Das wäre einen komplett  eigenen Beitrag wert.

Egal womit man anfängt sich über all die Entwicklungen und Machenschaften zu informieren – all die kritischen Analysen zu lesen ist auf jeden Fall ein guter Anfang. Nur wer Bescheid weiß, wird in der Lage sein, sich zukünftig nicht erneut verschaukeln zu lassen und bessere Entscheidungen zu treffen.

»Die Zukunft wird durch den Charakter derjenigen vorbestimmt, die sie zu gestalten versuchen.« (aus STARGATE ATLANTIS, US-SciFi-Serie)

 

Holger Roloff, 09. November 2019

 


Was geschah ab 18:57 Uhr vor 30 Jahren? BILD schaut zurück und lässt alles im Liveticker Revue passiert (hier)

Boxenstopp: 9. November 1989 – 30 Jahre Mauerfall – ein rücklichkendes Interview mit Bernd Leyon bei youtube für KenFM (hier)

Der Blick zurück – Mauerfall am 9. November 1989 – bei Tagesdosis 09.11.2019 mit Hermann Ploppa (hier)

Nachdenken über 25 Jahre Mauerfall: Russland-bashing anstatt Dankbarkeit – der Original-Beitrag bei KenFM von 2014 zum Nachhören (hier)

Echter Sozialismus statt Einheitsbrei! Eine Erinnerung an die größte Demo im Herbst `89 von Andreas Peglau bei Tagesdosis 11.11.2019 (hier)

Zur Sache/KenFM: 9. November 1989 – Der Beginn vom Ende des Neuanfangs? (Video)

Honeckers Absetzung offenbart dessen Ignoranz gegenüber der politischen Wirklichkeit – Augenzeuge Günter Schabowski erzählt, wie das im Politbüro ablief (Video)

Warum es bei der Herbst-Revolution in der DDR nicht zu Gewalt Seiten des Staates kam, zeigen die Erinnerungen von Egon Krenz (Video)

30 Jahre Mauerfall – Die bewegendsten SPIEGEL TV-Momente (Video)

Ein Lied brachte schon 1992 die Lage im Osten auf den Punkt – DRITTE WAHL mit ihrem satirischen „Verlorenes Paradies“ – besungen wird hier natürlich nicht etwa die DDR, sondern die vertane Chance auf einen echten Neuanfang (hier) (Songtext hier)

Buchtitel Der Kollaps der ModernisierungEs steht sehr schlecht um unsere Demokratie Prof. Mausfeld rückt bei den „Palais Gesprächen 2019 zum 30. Jahrestag des Mauerfalls“ die Zusammenhänge ins Bewusstsein (Video)

Was bedeutet ein Epochenwechsel (hier)

Wohlstand neu erfinden (hier)

Ministerium für Glück und Wohlbefinden (hier)

Recht auf Abstimmung über ein BGE eingefordert (hier)

Vortrag über Alternativen zum Kapitalismus (hier)

Medien, macht und Manipulation (hier)

Preissteigerung und Werte(verfall) (hier)

Das Goldenen Kalb namens Arbeit (hier)

Wachsender Überwachungsstaat – warum eigentlich? (hier)

Wesen und Irrationalität der warenförmigen Gesellschaftsform (hier)

Des armen (Raub)Ritters neue Ideen (hier)

Der Teufel und die Horrormärchen (hier)

 

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#AlleFürsKlima bei #FridaysForFuture

Hamburg erlebte am heutigen Freitag die größte aller bisherigen Klima-Demonstrationen. Ich war dabei und versuche das mal in alle Richtungen Revue passieren zu lassen.

Für mich persönlich war es inzwischen die dritte Teilnahme an einer Demo zu diesem Thema. Vor einigen Jahren dachten wohl die meisten noch, dass so ein doch eher abstraktes Thema wie das Klima kaum jemanden hinter dem Ofen hervorlocken könnte.

Die erste Demo vor ca. 4 oder 5 Jahren war auch noch ein Versuch, bei typisch regnerisch-diesigem Hamburg-Schmuddel-Wetter, mit Taschenlampen wenigstens eine dünne Menschenkette um die Binnenalster zu bilden, was einigermaßen gelang. Ich erinnere mich sehr gut daran. Da waren es vielleicht 1.000 – 1.500 Leute in Regencapes und mit Schirmen, die noch wie verirrte Glühwürmchen wirkten. Doch es war schon ein kleines, erhellendes Zeichen.

Die zweite Demo fand an gleicher Stelle 1017 im Rahmen der G20 Woche statt. Damals versammelten sich bei bestem Sonnenwetter 25.000 Menschen auf dem Rathausplatz. Wir zogen dann im Bogenmarsch einmal rund um die Binnenalter bis zum Jungfernstieg zurück. Das war schon sehr beeindruckend (s. hier).

Doch der heutige Ansturm war einfach nur gewaltig! Egal in welche Richtung man blickte und so weit man schauen konnte – überall riesige Menschenmassen mit Schildern, Transparenten und Fahnen. Nach offiziellen Angaben waren es mindestens über 70.000 Menschen, die am Jungfernstieg dabei waren. Die Veranstalter sprachen sogar von 100.000 Teilnehmern (hier).

Aufgerufen waren diesmal nicht nur die Schüler der FFF-Bewegung, sondern auch alle anderen Generationen. Es waren außergewöhnlich viele Rentner und Senioren dabei, streikende Arbeiter in ihren gelben Westen (Verdi hatte ebenfalls dazu aufgerufen), sowie Studenten und Azubis. Was mir allerdings auffiel war, dass die Generation der typischen Arbeiter und Angestellten weniger vertreten war. Die hatten wohl deutlich in die Schwanz gekniffen und trauten sich noch nicht ihrem „Arbeitgeber“ klar zu machen, dass das Thema wirklich ALLE etwas angeht und vor allem jede Form von Lohnarbeit zum Problem beiträgt. Das scheint in den meisten Köpfen ohnehin noch nicht angekommen zu sein. Anders die Unternehmen, die schon gezielt in Sachen Natur- und Umweltschutz aktiv sind oder auch die GLS-Bank. Deren Mitarbeiter hatten frei und waren sogar mit Transparenten vor Ort.

Tolle Sprüche auf den Schildern

Umso erfrischender war es zu sehen, dass es mehr Kapitalismus kritische Transparente gab und von mir bislang unbekannten, jugendlichen Aktivisten-Gruppen (Young Struggle) aufklärende Flyer und Infos verteilt wurden. Echter, also nachhaltiger Naturschutz, geht generell nur antikapitalistisch. In der Theorie gibt es viele Artikel und Bücher dazu, die sachlich begründen, warum das so ist. Schon 2011 hatte ich hier in Hamburg (im Centro Sociale) einen wissenschaftlichen Vortrag gehört mit dem Titel „Warum der Kapitalismus die Umwelt zerstören muss“. Ich hatte selbst mehrfach Artikel auf diesen Seiten dazu veröffentlicht (s. hier) und (hier). Den meisten Leuten ist das aber entweder immer noch nicht klar, oder sie wissen das insgeheim ganz genau,  fürchten aber die Konsequenten dieser Einsicht. Ganz anders die moderne Jugend. Man konnte freche, lustige, coole und wahrhaftige Sprüche auf den hoch gehaltenen Schildern lesen. Das machte wirklich Spaß! Ich hab viel fotografiert. Hier eine kleine Auswahl an Schnappschüssen: (Solution) (Rettet die Umwelt)(Rettet den Planeten)(Tempo des Klimaschutzes)(Omas gegen Klima-Haie)(Solidarität fürs Klima) (Kriege sind völlig unterschätze Naturzerstörer) (Alarmstufe Rot) (Burn capitalism)(Grünkohl statt Braunkohle) (Global Warming) (Die Zeit für Insekten läuft ab)(Rentner für die Zukunft der Jugend)(Wir sind jung)(Klimaerwärmung schmeckt uns nicht) (Kein Planet B) (White Christmas) (Kohle ist kein Grund zum Anbaggern)(Rettet den Schneemann)(keine Zeit)(Eurer Profit zerstört unsere Zukunft)(Niemand hat die Absicht…)(Don`t Wait For The Doctor)

Niemand müsste die Wahrheit fürchten, denn die Lösungsideen existieren längst. Nur die Profiteure des heutigen Systems haben Angst vor der Wahrheit.

Landesweite und weltweite Proteste

#AlleFürsKlima 20.09.2019 Greta ThunbergHamburg war bei weitem nicht allein. Anderswo war der Andrang noch größer. Allein in Berlin forderten sogar 270.000 Leute den Klimaschutz ein (s. hier) und (hier). Ganz im Süden, in Freiburg waren 30.000 Leute dabei (s. Video). Bundesweit waren heute 575 Demonstrationen in allen größeren Städten des Landes angemeldet (s. hier). Offiziell sollen insgesamt 1,4  Millionen Menschen hierzulande auf der Straße gewesen sein… International dürften es auf jeden Fall mehrere Millionen Demonstranten gewesen sein. Die 2019 als Schüler-Demos ins Leben gerufenen Proteste sind heute weltweit förmlich explodiert. Ganze 159 Länder beteiligten sich. Allein in Sydney/Australien waren 300.000 Menschen dabei (s. hier). Auch dort baute sich das schrittweise auf und wurde immer größer (s. hier). Ursprungsinitiatorin der FFF-Bewegung, die 16jährige Schülerin Greta Thunberg aus Schweden, die derzeit noch immer in den USA weilt, sprach heute vor 250.000 Leuten in New York (s. hier) und (hier) und (hier).

Was bringt der neue Klima-Rettungsplan?

Alle bisherigen Proteste der Klima-Aktivisten verliefen (noch) nach dem Muster, sich friedlich mit Forderungen an die Regierungen zu richten. Noch besteht also scheinbar die Hoffnungen, dass unsere demokratisch gewählten Vertreter nicht mehr nur reden, sondern endlich drastisch-wirksame  Maßnahmen einleiten (denn die braucht es mittlerweile, nach verschlafenen Jahrzehnten des aktiven Nichtstuns), anstatt nur zu reden. Das ist bei genauerer Betrachtung erstaunlich, weil von Seiten der Protestler doch außergewöhnlich nett und sehr entgegenkommend. Die Leute sind inzwischen mit ihrer Geduld fast am Ende und zu Recht stinksauer (s. hier)

In Deutschland sahen die Reaktionen seitens der Bundesregierung bisher nämlich nicht nur sehr bescheiden aus, sondern man klüngelte bis zuletzt mit der Autoindustrie, druckste rum und wehrte Forderungen mit Scheinargumenten ab. (s. Marktinteresse als Ausrede) Sogar an der Gesetzgebung war deutlich zu erkennen, dass man ökologisch orientiertes Handeln nicht bevorzugt. Beispielsweise galten Schwarzfahrer in öffentlichen Verkehrsmitteln als Straftäter, während Falschparken eines KfZ lediglich als Ordnungswidrigkeit behandelt wurde (s. hier)…und das in einer Zeit, in der längst generell darüber debattiert wird, ob man den Nahverkehr nicht gleich generell preisfrei umgestalten soll (s. hier) und (hier) und (hier). Allein daran lässt sich erkennen, wie lange schon die Regierungen in ihrem Denken nicht auf der Höhe der Zeit sind. Wirklich entschlossene Maßnahmen fürs Klima müssten ganz anders aussehen.

#AlleFürsKlima 20.09.2019 Holger RoloffDoch der öffentliche Druck zeigt zumindest erste, kleine Wirkungen. Noch etwas passierte nämlich am heutigen Tag. Die Bundesregierung tagte und beschloss ein sogenanntes „Klimaschutzprogramm 2030“. Taugt das was?

Leider nein. Man meint weiter nur an ein paar kleinen Schräubchen drehen zu müssen, um wieder nur ein paar Feinjustierungen vorzunehmen. Eine wirksame, klare Weichenstellung, eine konsequent am Umweltschutz orientierte Ausrichtung der vorhandenen Einsatzmittel, sähe anders aus. Da würde mir spontan eine lange Liste möglicher Maßnahmen samt Finanzierungsweg einfallen…

Doch schaut man in die ideen- und inhaltslosen Gesichter der offiziellen Regierungsvertreter, dann ist völlig klar, dass denen das Thema nur ein belastender Klotz am Bein ist, aller schöner Worte zum Trotz (s. hier). Das kann nicht nur eine Folge von zu wenig Schlaf sein. Selbst die Kanzlerin räumte auf der abschließenden Pressekonferenz ein, dass all ihre bislang vorschlagenden Maßnahmen die bisherigen Klima-Ziele verfehlten (hier). Jetzt mit dem Klimaschutz „beginnen zu wollen“ (was Angela Merkel/CDU und Olaf Scholz/SPD betonten) entlarvt sich quasi selbst.(s. Wer Umweltprobleme nicht ernst nimmt ist selber ein)

Prompt zerreißt die Presse die Vorschläge und charakterisierte sie ebenfalls vor allem als Geschenke an die jeweilige Wählerklientel (hier) und (hier) und (hier). Es sei ein „Dokument der Mutlosigkeit“. Die Ziele sind also alles andere als „ehrgeizig“ (Kramp-Karrenbauer/CDU). Von „Rückenwind“ durch die Demonstranten (Malu Dreyer/SPD) kann nicht die Rede sein, sondern die Demos machen Druck und damit den Politikern endlich Beine. Von deutlichen Einschnitten bei Industrie, Bauwirtschaft (Betonproduktion), Stahlproduktion und sonstig extrem energieintensiven Bereichen wird erst gar nicht gesprochen. Man spart weiter systematisch aus, wo da das Problem wirklich angepackt werden könnte. So viel zur Wahrhaftigkeit und Glaubwürdigkeit der bürgerlichen Politik.

Grundsätzlicher Denkfehler

Der dahinter liegende intellektuelle Irrtum – wie oben bereits angedeutet – liegt auch in Wahrheit viel tiefer. Das Problem ist dem Kapitalismus quasi kaufmännisch in seine inneren Strukturen eingeschrieben.

Natürlich ist es durchaus möglich, auch unter den heutigen Bedingungen gezielt zu beginnen, in eine nicht-fossil-basierte Energieproduktion zu investieren. Keine Frage. Auch eine CO2 Steuer kann man einführen usw. usf. (s. Probleme vs. Lösungen). All das wird aber nichts grundlegend ändern. Technische Innovationen können zwar hilfreich sein. Technik kann aber das grundsätzliche Problem der wirtschaftlichen Dynamik nicht lösen. Die Technik wird ja selbst im Interesse des Kapitals geschaffen und soll Profite erwirtschaften können. Genau da liegt der Knackpunkt, denn die damit verbundene, exponentielle Dynamik der „Verwertung des Wertes“ (R. Kurz) erfordert ein stetiges Wachstum – was man auch klar an Begriffen wie „Mehrwert“ und „Mehrwertsteuer“ erkennt. Der geschaffene Wert (= Aufwand an menschlicher Arbeit) wird jedes Mal in der abstrakten Monetär-Form festgehalten und im nächsten Verwertungszyklus kommt jeweils eine Schippe oben drauf.

Wachstum ist für das Kapitalverhältnis die zwingend notwendige Rahmenbedingung. Das geht stets einher mit stofflichem Wachstum (s. hier) und Energieverbrauch. Energieeinsparungen an einer Stelle (z.B. einzelnes Auto) werden insgesamt (Gesamtzahl aller produzierten Neuwagen) überkompensiert und somit ad absurdum geführt. Auch der Bau von noch mehr Kreuzfahrtschiffen, Containerriesen, Tankergiganten geht ungebrochen weiter, obwohl sie bekanntermaßen ökologische Dreckschleudern sind und für ein glückliches Leben verzichtbar wären. Die Kapitalseite (Geld verdienen zu müssen) lässt sich nicht entkoppeln von der energetisch-stofflichen Seite (es muss mehr je Zeiteinheit produziert werden).

Sowie der Kapitalismus stagniert oder gar die Wirtschaft sinkt, bekommt er ein Problem. Will man das ändern – was durchaus möglich wäre, um das zu betonen – muss man anfangen zu überlegen, wie man denn aus dem Kapital als willkürlich gesetzten, gesellschaftlichen Zwangs-rahmen rauskommen kann. DAS wäre der eigentliche Beginn der Lösung alle sozialen und ökologischen Probleme. Wie das geht, kann man auf dieser Seite mehrfach nachlesen (s. hier) und (hier).

Eine quasi „grüne Marktwirtschaft“ (politisch: „Green New Deal„) ist deshalb dauerhaft nicht möglich (s. hier) und (hier). Man kann mit marktwirtschaftlichen Mitteln die Probleme der stofflich-ökologischen Ebene nicht sinnvoll lösen, denn der nächste Autokauf wird da schon immer mitgedacht (wie auf der Pressekonferenz von Olaf Scholz ja auch ausdrücklich zu hören). Das Mobilitätskonzept (= Geschäftsmodell) ansich soll nicht angetastet werden. Geld durch Warenproduktion zu verdienen, soll als Prinzip bestehen bleiben. Deshalb werden immer wieder Arbeitsplätze als doch „zu retten“ vorgeschoben, um seit jeher klimaschonende Umweltmaßnahmen auszubremsen. Deshalb muss von allem immer mehr hergestellt und hinterher wieder verschrottet werden, damit bald noch mehr produziert und verkauft werden kann. Was für ein systemsicher Irrsinn…

Noch mehr Druck und Aufklärung notwendig

Deshalb braucht es auf jeden Fall noch mehr Druck und Aufklärung über die gesellschaftlichen Zusammenhäng und darüber noch mehr Entschlossenheit, Zivilcourage und auch zivilen Wider-stand und Ungehorsam im Alltagsleben, um sich nicht bedingungslos dem warenförmigen Arbeitsregime unter-zuordnen. Je mehr Geldwert zyklisch verwertet werden muss, um die Superreichen noch reicher zu machen, desto stärker sind quantitative, zerstörerische Eingriffe in die Natur durch den Arbeitsprozess notwendig. Nur damit alle gut leben können, bräuchte man das nicht. Ich behaupte sogar: fast niemand braucht WIRKLICH einen SUV. Derartige Fahrzeuge werden den Leuten durch die Werbung nur aus zwei Gründen schmackhaft gemacht: Status und Profit. Das gilt für ganz viele Produkte. In Wahrheit würde eine 5(-10)h Arbeitswoche ausreichen, wenn man alles auf die tatsächlich sinnvollen Tätigkeiten beschränken und zeitlich auf alle Schultern umlegen würde.  Heutige Phänomene wie Überproduktion, Arbeitslosigkeit, Armut, Obdachlosigkeit, Naturzerstörung usw. würden verschwinden.

Das alles ist der Wissenschaft längst bekannt und ich habe schon wiederholt auf diesen Seiten darauf hingewiesen. Mehr kann man nicht tun. Nachdenken, Konsequenzen ziehen und Handeln muss jeder selbst.

Holger Roloff, den 20.09.2019

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Nachtrag vom 21.09.2019: Die Halbwertzeit der Regierungsversprechen war kurz, sehr kurz – Dauer: einen Tag. Dann konnte man an der Praxis der Politiker bereits ablesen, wie die eigene Haltung in Wahrheit aussieht…(hier) und (hier) und (hier). Bundeskanzlerin Angela Merkel betreibt also nicht nur die Maximierung der Industrie-Profite, sondern auch die Maximierung der Ignoranz der Bevölkerung (s.hier) (hier) (hier). Immer mehr Details kamen dazu ans Licht (hier) (hier) (hier). Das ach so mächtige Klimapaket schrumpfte indes zum kleinen Päckchen, während sich genau die falsche Klientel über den Merkel-AKKK-Skandal echovierten.

Nachtrag vom 23.09.2019: Greta Thunberg sprach auf dem UN-Klima-Gipfel in New York (Video). Sie betonte, dass es von ihrer Generation aus keine Vergebung für das Versagen der Regierungen geben wird. Richtig so! Dem schließe ich mich nicht nur ausdrücklich an, sondern ich mache darauf aufmerksam, dass sich der Kapitalismus als System inzwischen auf allen Ebenen blamiert hat. (Video zum Beispiel/Bundestagsrede Sahra Wagenknecht zur bisherigen Verkehrs-Struktur- und Klima- und Umwelt-Politik der Bundesregierung)

Dahinter steckt nicht nur ein falsches Gesell-schaftssystem. Das allein ist schon kritikwürdig genug. Dazu kommt vielmehr ein komplettes intellektuelles Versagen der bürgerlichen Führungseliten, die ihr eigenes System nicht verstehen und einen klaren Blick auf das Leben und den Planeten völlig verloren haben. Sie haben diesen Blick selbst aktiv verschleiert durch Diäten, Provisionen, exorbitante Vortrags-Honorare, gut bezahlte Sitze in Aufsichtsräten und Konzernvorständen (= „Nebentätigkeiten“), direkte und indirekte Korruption durch den Lobbyismus der Industrie- und Finanzkonzerne. (Altmaier erklärt das Klimaschutzkonzept)

Das ist gleichermaßen Ausdruck von Dummheit, Egoismus und Habgier, gepaart mit Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber allen Menschen und sonstigen Lebewesen der Erde. Unser Planet ist vergiftet und schon voll mit Plastikmüll. Damit wurden allein in Deutschland Milliarden verdient. Das Artensterben ist die tägliche Folge. Immer mehr Menschen durchsuchen hierzulande Mülleimer nach Flaschen und Recyclingmüll, kämpfen damit um`s nackte überleben. Die Aufrüstung läuft gleichzeitig auf Hochtouren. Dafür reicht das Steuergeld immer.

Was davon wäre zu verzeihen? Nichts! Verzeihbar sind nur Dinge, die nicht absichtlich, sondern aus Versehen passiert sind. Davon kann hier aber nicht die Rede sein, denn die neoliberale Marktdoktrin, die Diktatur des Marktes (= Ideologie der „alternativlosen Sachzwänge“) ist hier gewolltes Programm. Für all das und mehr – darf es keine Vergebung geben. Niemals!!! Das sehen auch andere Analytiker so (hier)

Es gilt diese Geschichte zu bewahren und daraus zu lernen.

Was der Kapitalismus mit all seinen ideologischen Handlangern verdient, ist unsere tiefe, aufrichtige Verachtung! Die falschen Leute in einem tödlichen System sind eine ganz schlechte Kombination. Mit dem ewigen Klein Klein geht es nicht weiter. Es gibt nur eine konsequente Lösung für das alles: machen wir endlich Schluss damit!!!==> (hier), (vgl. auch hier) und (hier) Der Widerstand  läuft bereits (s. extinction rebellion) (s. Dokumentation SPIEGEL TV) (Proteste werden radikaler)


Die Hamburger Morgenpost berichtet von #AlleFürsKlima (hier)

Auch die Tageszeitung Junge Welt sieht das „Klimaschutzprogramm 2030“ kritisch (hier)

Hier ein paar Eindrücke aus Hamburg, als sich zum Ende hin schon alles langsam wieder auflöste, aber noch Poetry Slam und eine interessante Rede zu hören waren (Video)

Unser geschätzter Kollege Martin Sonneborn (DIE PARTEI) begeistert mit seinem Redebeitrag Schüler der FFF-Demo in Düsseldorf  (Video)

Marktwirtschaft schön grün lackiert (hier)

Der Green New Deal ist eine Mogelpackung (hier)

Wer vom Kapitalismus nicht reden will, sollte von Nachhaltigkeit schweigen (Audiovortrag)

Hand in Hand für Tierrechte – auch das trägt zum Klima bei (hier)

Danke, Greta! Soviel Klartext im Angesicht der Herrschenden war selten in der Menschheitsgeschichte – ein Kommentar von Florian Kirner  für Tagesdosis 25.09.2019 (hier)

Vom Menschengemachtes Klima – konkrete Beispiele – ein Beitrag von Peter Frey (hier)

Die CO2-Steuer ist eine Mogelpackung! Ebenso ein Emissionshandel mit CO2-Zertifikaten – eine Analyse von Hermann Ploppa für Tagesdosis 27.09.2019 (hier)

Wo anfangen? Wie wäre es bei den drei größten Verursachern von Abgasen – der Bauwirtschaft, der Landwirtschaft und vor allem dem Militär – Me, Myself and Media 53 – Toxisches Klima! (Video)

Greta angeblich total ferngesteuert…wirklich? Uli Gellermann hakt nach und beleuchtet diese Argumentationsart (hier)

Schwindendes Eis – Fakten und Grafiken zu Forschungsergebnissen (hier bei statista)

Ökodiktatur – stimmt dieser Begriff? (hier)

Wie und warum Menschen falsche Vorstellung von Hoffnung entwickeln – ein Beitrag von Chris Hedges für Tagesdosis 22.10.2019 (hier)

Zu diesen Kosten wären die Klimaziele bis 2050 noch zu schaffen (hier als PDF)

Lawinengefahr und schmelzende Gletscher wenn der Klimawandel jetzt schon den Alltag verändert – WWF-Interview mit dem Meteorologen Torgeir Mork und dem Klimaforscher Kim Holmèn (hier)

Eine Perspektive des zivilen Widerstandes ist möglich, aber nur dann sinnvoll, wenn sich wirklich substanziell etwas ändert. Andernfalls verhallen alle FFF-, Naturschutz- und Klimaschutzproteste in einem nur grün lackierten „weiter so bisher“. Wir brauchen das Ende aller Kriege, eine massive Abrüstung und den Beginndes Aufbaus eine humanen Wirtschaftssystems! Ein Standpunkt von Jens Wernicke für KenFM (hier)

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Preissteigerung und Werte(verfall)

Die Tageszeitung JUNGE WELT brachte in ihrer heutigen Ausgabe einen kurios anmutenden Artikel mit dem Titel „Mit dem Ferrari zum Ein-Euro-Laden“ (hier). Darin wird auf eine bemerkenswerte Buchneuerscheinung der Autoren Markus Metz und Georg Seeßlen hingewiesen – Titel: KAPITALISTISCHER (SUR)REALISMUS (hier).

Die immer irrationaler werdende Konsumwarenwelt der kapitalistischen Spätmoderne und die sich in ihr zuspitzenden Widersprüche wertmäßiger, sozialer und ökologischer Art wurden an dieser Stelle schon mehrfach thematisiert und füllen andernorts inzwischen ganze Bücher.

Buch-Cover Kapitalistischer (Su)RealismusDie im Jahr 2018 aktuelle Politik der meisten Staaten weltweit ist trotzdem immer noch der Neoliberalismus, also der stete Glaube, der Markt regelt alles – man müsse in diesem Sinne nur mehr Vertrauen wagen. Dabei spielt es bekanntlich keine Rolle, ob das tatsächlich auch so ist oder längst mehr als in der Kritik steht, die Umwelt ruiniert wird, immer mehr Staaten scheitern („failed states“), Bürgerkriege toben und die HighTech-Erfindungen nur scheinbar Probleme lösen und die Produktivkräfte gar destruktiv werden.

Andererseits bildet so eine warenförmige Gesellschaft ein dazu passendes Subjektbewusstsein aus. Konsum ersetzt echtes Leben. Ideologien und Populismus haben Hochkonjunktur. Man fröhnt dem Warenfetisch. Schlangen bilden sich bei Produktstarts vor bestimmten Läden und Kaufhausketten erwarten an Rabattverkaufstagen einen regelrechten Kundenansturm. Der Preis für Luxusgüter steigt aus Gründen des Prestige ebenso wie die notwendigen Lebenserhaltungskosten durch Inflation.

Gleichzeitig findet aber ein Wertever-fall statt. Der ist Thema des Buches. Während die Soziologin Roswitha Scholz schon vor Jahren von einer zunehmenden „Verwilderung des Patriarchats“ sprach, schauen sich die Autoren Metz und Seeßlen die subjektive Bedeutung des Warenfetisch` und seiner grotesken Entwicklungen und teilweise in sich selbst widersprüchlichen Tendenzen an. Ihre Darstellung ist jedoch keine trockene, soziologische Abhandlung, sondern eine – obwohl sehr sachlich orientiert – durchaus unterhaltsam geschriebene Fachlektüre. Es tauchen so manche Protagonisten aus Politik und Medien auf, so dass der Leser gut folgen kann, was mit den Argumenten und Feststellungen gemeint ist. Obwohl so eine Veröffentlichung Abstraktionen verlangt, bleibt sie so konkret dass der Leser den Roten Faden nie verliert und sich gut unterhalten fühlt.

Einerseits treiben politisch engagierte Menschen stets positiv motivierte Fragen wie „Wie wollen wir in Zukunft leben?“ und „Welche Werte vertreten wir dabei?“. Doch es gilt dabei, den negativen Ausgangspunkt zu kennen, genau hinzusehen was gegenwärtig los ist und warum wir es zu überwinden wünschen. Der westliche Wertekanon wird nur aufgerufen, wenn er politisch gerade ins Bild paßt. Man vergißt ihn jedoch schnell oder deutet ihn um, wenn soziale und freiheitliche Errungenschaften der vergangenen Jahrzehnte einkassiert werden sollen. Der moderne Mainstream-Mensch handelt in sich widersprüchlich und ist längst vom Realist zum Surrealist mutiert.

Den Autoren gelingt es spielend aufzuzeigen, wie absurd unsere moderne Konsumwelt geworden ist, welche Stilblüten sie hervorbringt, warum selbst die Welt der Reichen Upperclass längst bröckelt und mit welchem moralischen Niedergang des Wertesystems das alles einhergeht.

Holger Roloff, 06. August 2018


weitere Beiträge zu diesem Themenkomplex:

„Die Verwilderung des Patriarchats in der Postmoderne“ von Roswitha Scholz (hier)

So beherrscht das Kapital die Politik – hier am Bsp. der Bankenlobby – Steuerzahlen überlässt man dem Normalbürger und kleinen Mittelstandsunternehmen, während sich die Elite und ihre Handlanger in Lobbyverbänden und Politik (Stichwort „Nebenverdienst“) die Taschen voll machen (hier)

Der drohende Kapitalkollaps und die Angst der Profiteure – ein Kommentar von Susan Bonath  Tagesdosis vom 13.08.2018 bei KenFM macht den Widerspruch von steigender Produktivität und Fall der Profitrate deutlich (hier)

Billigfliegen – Der Airport-Kapitalismus – eine Kolumne von Georg Dietz beim SPIEGEL (hier) und (PDF)

Nichts wird mehr als Wert gepriesen und hochgehalten als der kapitalistische Leistungsmythos – Volker Pispers klärte schon vor Jahren auf über deutsche Spitzenmanager (Video)

19.08.2018 Zitat des Tages bei JUNGE WELT

“Sie beeinflussen Stiftungen, sie kaufen Lehrstühle, sie finanzieren Universitäten – alles in ihrem Sinne. Und das schafft ein großes Ungleichgewicht, und die Demokratie wird dadurch entwertet.”

(Foodwatch-Gründer Thilo Bode am Sonntag im Deutschlandfunk über die Macht der ­Konzerne)

Warum „Wahrheit“ nicht von Mehrheiten abhängen darf, sondern unabhängigen Kriterien genügen muß, erläutert der deutsche Philosoph Christian Weilmeier (Video)

Wie Denkformen, Ideologien und Wertvorstellungen weiter gegeben werden (hier)

Me, Myself and Media 45 vom 02.09.2018 (KenFM) – bietet einen kritischen Blick auf die Medienmanipulationen und den Mangel an zeitgemäßer Demokratie in Deutschland (Video)

Was kann ich selbst im Rahmen des Zerfalls des aktuellen Systems und der ökologischen und sozialen Krisen tun, um etwas zu verbessern? Anregungen gibt dieses Interview (30.08.2018) mit dem alternativen Journalisten und Friedensaktivisten Ken Jensen bei NuoViso.TV (Video)

Pressekonferenz zum Start der AUFSTEHEN-Bewegung vom 04.09.2018 (Video)

Beackert die AUFSTEHEN-Bewegung etwa wieder nur klassische SPD-Terrain? Autorin Ulla Jelpke meldet in Junge Welt berechtigte Zweifel aus ihren eigenen Erfahrungen an (hier) Hier einige hoffnungsvolle Antworten (hier)

Sind wir bereit für den Kapitalismus alles zu opfern?

„System Error“ – ein Film über das Festhalten am religiösen Irrglauben des Wachstums als unabänderlicher Naturtatsache. Das funktioniert nur als quasi Religion mit reichlich kognitiver Dissonanz und blinder Flecken der Wahrnehmung (Trailer). Bericht bei ttt (Video) Hier ein Interview mit dem Regisseur Florian Optik (Video)

ZDF Doku (2018) zur Finanzkrise entlarvt die tatsächliche Rolle der Deutschen Bank. Dabei offenbart sich ganz nebenbei die totale Unfähigkeit der politischen Elite ihr eigenes System namens Kapitalismus zu verstehen. Alle Beteiligten schätzten die Lage völlig falsch ein und trafen falsche Entscheidungen. Und das läuft bis heute ungebremst und unverstanden so weiter. Ein Bezug zur „Realwirtschaft“ wird selbst in der Doku nicht erwähnt, obwohl die Krise primär eine Krise der Arbeitsgesellschaft (1970er Jahre) ist (hier). Hier noch ein Gespräch zu Hintergründen mit dem Autor Dirk Laabs (hier)

Mr. „Dax“ Dirk Müller argumentiert natürlich stets aus pro-kapitalistischer Sicht – macht aber ebenfalls deutlich, dass 10 Jahre nach der letzten großen Krise von Seiten der Politik nichts unternommen wurde, um ihre neoliberal-politische Ausrichtung zu ändern. Weder Frau Merkel, noch die EU noch die internationale Finanzwelt haben „ihre Hausaufgaben“ gemacht (Video)

Wie systematisch auch der moralische Wertezerfall in der vor zehn Jahren in eine 700 Mrd US-Dollar Pleite gesteuerte Bank Lehmann-Brothers bereits war berichtet die Doku „Inside Lehmann“. Das Spektrum der Unternehmensführung reichte von Druck und Mobbing gegen die eigenen Mitarbeiter, Lügen gegenüber der Bankenaufsicht bis zur Bilanzfälschung (hier), wobei warnende Stimmen konsequent ignoriert oder verschwiegen wurden. Mit ähnlich krimineller Energie wurde die in Hong Kong ansässige HSBC Bank geführt, wobei sogar Geldwäsche für Drogenkartelle aus Mexiko eine Rolle spielten. Die Doku „Die Skandalbank“ beleuchtet den Fall (hier)

Der moralische und humanistische Werteverfall spiegelt sich bekanntlich auch im Teil der unkritischen Künste unbewusst  wieder – hier wird als Beispiel dafür der Kino-Film „Klassentreffen 1.0“ (Til Schweiger) einer kritischen Analyse unterzogen (Video)

Imperialismus ist ein Entwicklungsstadium des Kapitalismus – ein Kommentar von Susan Bonath  am 01-10-2018 Tagesdosis bei KenFM (hier)

Hoffnungsschimmer wachsende Zivilcourage – warum eine deutsche Journalistin den »Helmut-Schmidt-Preis« ablehnt Junge Welt-Bericht (hier)

Unachtsamkeit, Gleichgültigkeit, Ignoranz und Bequemlichkeit sind die natürliche Nahrung jeder Ideologie – Hagen Rether denkt laut auch (Video)

Es lohnt ein Blick in die USA, um die Zusammenhänge in Zeiten des Neoliberalismus (= Politik pro Diktatur des Marktes) und damit das, was auf uns zu kommt, besser zu verstehen – „Feudalismus 2.0“ ein Kommentar von Chris Hedges für Tagesdosis 17.10.2018 (hier)

Hochglanzbroschüren ersetzen hierzulande jede sachorientierte Politik – das zeigt sich aktuell am Thema Wohnungsnot und die Folgen deutscher Planungspolitik – hier in Die Anstalt (Video)

Wie der Neoliberalismus sich ab 1980 öffentlich etablierte, zeigt sich auch am Kino – hier am Bsp. „Risky Business – Lockere Geschäfte“ (Video)

Der Neoliberalismus ist die der Simulationsgesellschaft adäquate Politik, in der inhaltsleere Zeichen das Leben aufdiktieren und bestimmen. Die Psyche derart entfremdeter und ästhetisierter Menschen wird auch dargestellt in Spielfilmen wie z.B. „American Psycho“ – hier eine Filmanalyse von Wolfgang M. Schmitt (Video)

100 DINGE – wieviel braucht der Mensch und die Pseudosystemkritik im deutschen Film – Wolfgang M. Schmitt geht der Dummheit dieser Komödie nicht auf den Leim und entlarvt den doppelten Boden der kapitalistischen Ästhetik unserer Tage (Video)

Der Mensch selbst wird zur Ware, um besser und mehrfach ausgebeutet werden zu können (hier)

Die neoliberale Ästhetik der Ware Kinofilm – hier analysiert am Bsp. der FLOP 10 der schlechtesten Filme des Jahres 2018 (Video)

Die Qualität der Neoliberalen erkennt man auch an der Planung ihrer Großprojekte wie z.B. Stuttgart 21 (Video). Was da hinter den Kulissen abgelaufen ist, an Seilschaften existiert und Profit-Interessen eine rolle spielt ist hier ansatzweise zu hören (Video)

Warum Neoliberale ähnlich wie Rassisten gleichermaßen methodischen Denkfehlern unterliegen, erfährt man, wenn man einem Wissenschaftler wie Mark Benecke mal genauer zuhört, der das anschaulich erläutert (Video)

Auch der Verfall westlicher Politik ist nicht mehr zu übersehen- die Kritik daran wird deshalb sprachlich deutlicher – Tagesdosis vom 01.02.2019 (hier)

Der neoliberale Irrsinn liefert Stoff fürs Kabarett – Mann, Lieber! vom 12.02.2019 (Video)

TEDi und Co. – Die dunkle Seite der Billishops – (Doku)

Was machen neoliberale Think Tanks, wer finanziert sie, welchen Einfluss üben sie aus und wie lenken sie angebliche „Systemkritiker“ – Kommentar/Susan Bonath (hier)

Sogar Feminismus wird von Vertreter*innen des Neoliberalismus fehlinterpretiert und in sein Gegenteil verkehrt, wie das Bsp. der Autorin Verena Brunschweiger mit ihrem Buch „Kinderfrei statt kinderlos: Ein Manifest“ zeigt – eine Analyse von Felix Feistel für Tagesdosis 10.04.2019 (hier)

Dienen und Gehorchen für Maximalprofit – warum das im Widerspruch zur  Arbeit im gesellschaftlichen Gesamtsinn steht erläutert Susan Bonath für KenFM für Tagesdosis 13.04.2019 (hier)

Licht und Schatten zum Thema Asyl (hier)

Raus aus dem Krieg – Raus aus dem Gedankengefängnis – Susan Bonath für Tagesdosis 20.04.2019 (hier)

Globale Finanzmärkte: Die Fieberkurve steigt – weiter Geld in die Märkte zu pumpen beschleunigt den Niedergang des Kapitalismus ein Kommentar von Ernst Wolff (hier)

Wie verlogen und widersprüchlich die bürgerliche Politik sich bis zum Jahr 2019 darstellt zeigt sich anhand zahlreicher Beispiele – ein Beitrag von Jochen Mitschka für KenFM (hier)

Der Neoliberalismus ist eine zutiefst menschenverachtende Ideologie – der deutsche Soziale Rainer Mausfeld erläutert, was der Wissenschaft dazu bekannt ist (Video)

Der Wertverfall im Spätkapitalismus lässt sich sehr gut am Bertelsmann Konzern, seinen irrationalen und unethischen Ideen sowie gesellschaftlich hochgradig manipulierenden Einfluss erkennen, z.B. jedes zweite Krankenhaus schließen zu wollen – kritisch beleuchtet von Dagmar Henn (hier)

Das Münchhausen-Prinzip – wir werden von Narzisten regiert –  ein Kommentar von Rüdiger Lenz bei Tagesdosis 24.07.2019 (hier)

Die Mär von der Verantwortung – ein neoliberales Märchen, um neue Zumutungen und Verschlechterungen durchzusetzen – eine Analyse von Roland Rottenfußer für Tagesdosis 30.07.2019 (hier)

Neoliberalismus und Kapitalismus machen Menschen zu Objekten. Psychologe Hans-Joachim Maaz legt die grundlegenden Pathologien auf (Video)

Der herrschende Neoliberalismus ist eine Ideologie des Materialismus (hier)

Der Neoliberalismus verkündete einst seine Neue Weltordnung – die New World Order (NWO)  – SANDOW reflektieren das kritisch im Zusammenhang mit ihrer eigenen, ostdeutschen Geschichte (hier)

Mit welcher Selbstverständlichkeit und Mentalität sich Kapitalisten in Europa und Deutschland mit Betrügereien durch Cum-Ex-Geschäfte auf Kosten der Allgemeinheit die Taschen voll machten (hier) und (als PDF).

Die angeblichen so tollen „westlichen Werte“ werden systematisch verraten, z.B. wenn es um investigative Journalisten und Enthüllen von Verbrechen geht, wie z.B.durch  Julian Assange – ein Kommentar von Bernhard Loyen für Tagesdosis 28.11.2019 (hier)

Wachstumszwang, Konsumverhalten, Narzissmus hängen in der bürgerlichen Psyche zusammen und nehmen zutiefst katholische Züge an – Hans-Joachim Maaz im Gespräch (Video)

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