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"Wenn Frau Merkel glaubt, sie kann die abgeschalteten Kernkraftwerke einfach wieder einschalten lassen und einfach 110 anrufen, wenn es Protest gibt, ist sie bei uns falsch verbunden", sagte Rainer Wendt, Verbandschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt Online.

(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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Archiv für die Kategorie „Politik“

Das Goldene Kalb namens Arbeit

Es gibt zahlreiche Bücher wie „Der Tanz ums Goldene Kalb“ oder „Der Tanz um den Gewinn“ o.ä. Titel, stets Bezug nehmend auf die biblische Vorlage, in der es sich um ein Götzenbild handelt (Info). Meistens wird darunter das Rumgeeier um das Thema Geld verstanden, oft verbunden mit Aussagen wie „Über Geld redet man nicht“, „Über Gehälter reden wir nicht im Unternehmen.“, „Das liegt am Schleier des Geldes“ u.ä. Sätzen. Auch wenn sich das gerade aufzulösen scheint (Stichwort Transparenz, gleiche Bezahlung von Frauen) – stellt sich die Frage, ob die Zuordnung „Goldenes Kalb = Geld“ tatsächlich den Kern trifft!?

Kapitalismus baut auf drei grundlegenden Kategorien auf: Ware, Geld, Arbeit. Über jede davon sind zahlreiche Aufsätze und ganze Bücher verfasst worden. Dominierte in der letzten großen Krise 2007-2010 vor allem die Diskussion ums Geld (Finanzmärkte, Finanzblasen, Gier, Zinsen, Moral, Kreditklemme etc.) hat sich das seit 2017 verschoben. Jetzt tobt die Debatte eindeutig um das Thema „Arbeit“.

Abstrakte Arbeit

Das Wesen der kapitalistischen Tätigkeitsform besteht darin, abstrakt zu sein. Sie wird als Kostenaufwand betriebswirtschaftlich in den kaufmännischen Büchern geführt, geplant und abgerechnet. Abstrakte Arbeit als sozial-ökonomisches Formprinzip – und das ist den meisten Protagonisten (=“Marktteilnehmern“) nicht klar –  ist eigentlich Irrsinn pur. Der Mythos „Ehrliche“ oder „Harte“ Arbeit stellt nur dessen ideologischer Gipfel der damit verbundenen Illusionen dar und dient den Herrschenden als Verblendungszusammenhang um den Kapitalismus aufrecht zu erhalten, um ihre Macht zu rechtfertigen, die wiederum den Zwang zur Arbeit gewährleisten soll.

Macht, Arbeitszwang und Hartz IV

Wäre „Arbeit“ die natürliche Form menschlicher Tätigkeiten, bräuchte es logischerweise weder Zwang, noch Macht, noch strukturelle Gewalt, um sie als Formprinzip aufrecht zu erhalten. Das kennen wir verklausuliert und mystifiziert als „Leistungsprinzip“ und wird in vielen Diskussionen positivierend als Bezugspunkt aufgeführt, um Menschen zu normieren und für das Kapital zu domestizieren wie Haustiere. Der deutsche Soziologe Robert Kurz prägte deshalb schon in den 90er Jahren einen passenden Begriff, indem er formulierte, „wir sind verhausschweint“, also domestiziert wir Hausschweine (für`s Kapital). Die andere Seite der Diskussion, die dem Leistungsprinzip gegenüber steht, ist die des Hartz IV-Systems. Es dient dazu Angst vor sozialem Abstieg zu verbreiten. Das zeigt, welchen Charakter diese Art Gesellschaftsform in Wahrheit hat und worum es ihr geht.

Konkrete Arbeit

Möglich wird den Herrschenden die positive Bezugnahme auf das Thema Arbeit, weil sie nie die Unterscheidung zur stofflichen Seite menschlicher Tätigkeiten vornehmen. Das wird nie abgegrenzt, thematisiert und bewusst gemacht. Arbeit wird im aktuellen Herrschaftsdiskurs auch nie als „abstrakte Arbeit“ bezeichnet, sondern unbewusst mit seiner konkreten Seite („konkrete Arbeit“) assoziiert. Da die konkret-stofflichen Seite aller Tätigkeiten universell immer da ist, erscheint das dem Zuhörer als unvermeidlich und plausibel. Diese Seite gäbe es ja auch noch nach dem Kapitalismus, wenn es längst gar keine „Arbeit“ in heutigen Sinne mehr wäre, sondern nur noch der gesellschaftlich-notwendige Aufwand, um die Dinge und Dienstleistungen zu erzeugen, die unser Leben verbessern können.

Genau dieses Ziel – ein gutes Leben für alle – ist aber nicht das Primärziel im Kapitalismus, sondern hier dient Arbeit dem Gelderwerb und somit der Geldvermehrung. Das ist der große und entscheidende Unterschied, der den oben benannten Irrsinn ausmacht. Geld erscheint als Zahlen, die auf Münzen geprägt, auf Papier gedruckt oder Konten gespeichert werden. Zahlen sind die höchst mögliche Abstraktionsstufe. Wenn Tätigkeiten mit Geld bezahlt werden, um gesellschaftlich gültig zu sein, erschließt sich auch, warum Arbeit seinem Wesen nach abstrakt ist. Gleichzeitig existiert die Dualität zur konkret-stofflichen Seite als „konkrete Arbeit“. Ohne sie kommt das Kapital nicht aus, da es physische Waren braucht. Da das in der Herrschaftsrhetorik jedoch so wie gesagt nicht vorkommt, bleibt der Zusammenhang im Dunkeln und kann ideologisch zur Systemrechtfertig benutzt werden.

Natürlich findet man diese Begriffe historisch in der Philosophie bereits im 19. Jahrhundert bei keinem Geringeren als Karl Marx. Auch wenn der 2018 gerade mit einem 200. Jubiläum gefeiert wird, will man es doch lieber nicht so genau wissen, wie weit dessen Erkenntnisse schon mal waren. Ein derartiges Wissen, ein derart geschultes Bewusstsein, könnte den herrschenden Eliten gefährlich werden. Sie wollen ihre Macht nicht an die breite Bevölkerung abgeben…sonst könnten durch Transparenz noch ganz andere Fragen aufgeworfen werden, die das heutige Konstrukt grundsätzlich in Frage stellen. Die Rechtfertigungen könnten wie Seifenblasen zerplatzen. Alle Finanzblasen machen das ja immer wieder anschaulich und eilen dem sozusagen voraus…

Die Logik des Irrsinns der abstrakten Arbeit

Wenn Arbeit in Geld aufgewogen wird, heißt das, dass ihr Wert in abstrakter Form erhalten bleibt. Das wirft die Frage auf – wozu? Antwort: Wertschöpfung. Die Verwertung des Wertes oder in Alltagssprache übersetzt – aus Geld muss mehr Geld werden. Da das Geld im Zusammenspiel mit den Waren zirkuliert und zurückfließt zu den Produzenten, steigert sich der gesamtgesellschaftlich erzeugte Wert mit jedem Durchlauf. Es wird immer wieder etwas als Marge hinzu gerechnet. Da die menschlich verausgabte Arbeit das Verstoffwechseln und somit in der Endkonsequenz immer den Einsatz und Verbrauch von Energie bewirkt, heißt das, dass der Wert der Arbeit stets zum kaufmännischen Ausgangspunkt für die nächste Runde wird. Wir leisten Arbeit, um in der nächsten Runde noch mehr Arbeit verausgaben zu müssen – jedoch nicht etwa, weil das dem Bedarf nach notwendig wäre, sondern weil die gesellschaftliche Vermittlung durch abstraktes Geld erfolgt, anstatt durch konkreten Bedarf. Geld kann – da abstrakt – unendlich vermehrt werden. Dem folgt die Logik der Arbeit ohne eingebaute Bremse. Das beißt sich irgendwann und muss folglich scheitern. Da sind wir jetzt historisch angekommen. Das Auftauchen von Kryptowährungen in den letzten Jahren zeigt zweifelsfrei an, wie irrational das Geld- und Finanzsystem und somit (kategorial gesehen) das Medium Geld an sich schon geworden ist.

Aus einmal verausgabter Arbeit muss in der jeweils nächsten Runde somit als rein gesellschaftlich gesetzter Zwang immer mehr Verausgabung von Arbeit werden. Das ist – wenn überhaupt – nur dann sinnvoll, wenn noch ein akuter Mangel an Produkten und große materielle Not besteht. Sobald die breite Bevölkerung jedoch bestens versorgt ist (Überflussgesellschaft), müßte man das stabil halten oder wieder auf das notwendige Maß runter fahren, sonst nimmt dieser Zusammenhang irrationale Ausmaße und Formen an (von den Umweltauswirkungen ganz zu schweigen). Alle Krisen im Kapitalismus sind eine Folge dessen. Abstrakte Zahlen (und damit Geld) können sich theoretisch unendlich vermehren. Konkrete Arbeit, stoffliche Produkte und Dienstleistungen (weil der Tag nur 24 h hat) nicht. Der Umgang mit der Größe Zeit entspricht im Kapitalismus also nicht der wahren Natur der Zeit. Das ist als Widerspruch konstitutiver Bestand der Entfremdung des Menschen von sich selbst, eine falsche gesellschaftliche Form und deshalb irrational.

Lösung – ein zeitkonformes Ziel

Vernünftig wäre es vielmehr die Produktion und alle Tätigkeiten so zu organisieren, dass wir Lebenszeit für Muße, zum Nachdenken und Beraten gewinnen. Doch das lassen die Logik der Geldvermehrung und abstrakten Arbeit nicht zu. Falsch ist also nicht das Leben an sich, sondern unsere vorherrschende Gesellschaftsform (Kapital). Würde man die Produktion am tatsächlichen und ökologisch sinnvollen Bedarf ausrichten, anstatt am von der Werbung manipulierten und künstlich gepushten Markt, kämen wir wie durch ein Wunder mit viel weniger aus und wären dabei glücklicher, denn wir müssten weniger „arbeiten“. Es ist seit langem bekannt, dass bei kluger Gestaltung des ökonomischen Aufwandes fünf Stunden pro Woche ausreichen würden (s. hier). Gleichzeitig wäre es möglich, alle ökologischen Problemfragen zu klären. Die Ursachen der Umweltprobleme stecken ebenfalls im kapitalistischeren System und sind nur die andere Seite des Verwertungsprozesses und der Entfremdung des Menschen von der Natur.

Schlachtet das Kalb oder die Abschaffung der Arbeit

Doch die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten. Die Massenarbeitslosigkeit nach dem 2. Weltkrieg entwickelte sich nicht zufällig in den 1970er Jahren, also genau da, wo die breite Automatisierung der Produktion einsetzte. Das setzte sich mit der Einführung von PCs in den 80ern, dem Internet in den 90ern, dem Web 2.0 mit sozialen Netzwerken seit 2000 fort und gipfelt nun in der Industrie 4.0, in der die Robotik und Produktivität die konkret-stoffliche Seite der Wirtschaftswelt radikal verändert, während alle Erscheinungsformen des Wertesystems (Ware, Geld, Arbeit) gleichermaßen entwertet werden. Das Universum ist eben seinem Wesen nach nicht kapitalistisch aufgebaut, sondern strebt danach, die Entfremdung durch gesellschaftliche (Fehl-)formen wie Ware, Geld und Arbeit wieder aufzuheben. Es kennt diese Formen (rein menschliche Erfindungen/Prinzipien) einfach nicht, sondern strebt danach, uns wieder der konkreten Seite namens Leben zu erinnern.

Es ist an der Zeit den Tanz um das eigentliche Goldene Kalb – die Arbeit – zu beenden. Der Kapitalismus ist gezwungen seinen eigenen, inneren Gesetzmäßigkeiten zu folgen. Die drängen auch weiterhin in Richtung Kostensenkung (= Preisvorteil in der Marktkonkurrenz), also danach, den gesamtgesellschaftlichen Arbeitsaufwand zu senken – oder anders gesagt – immer mehr konkrete Arbeit überflüssig zu machen. Doch damit wird auch die abstrakte Arbeit als Formprinzip an sich obsolet. Der Widerspruch wird heute historisch reif. Klug wäre es, das schnell zu erkennen, um in diese Richtung denken und handeln zu können, z.B. in dem über neue Prinzipien des Wirtschaftens nachgedacht werden kann. Ist der Geist frei, öffnen sich zahlreiche Türen und eröffnen Möglichkeiten, die man vorher zu sehen nicht in der Lage war. Wie auch, wenn man im Dunkeln steht?

 

Holger Roloff, 01. Mai 2018


Hart arbeiten? Eine kritische Reflexion von Franz Schandl (hier)

Repariert nicht, was euch kaputt macht! – ein Plädoyer für das gute Leben der Streifzüge-Redaktion Wien (hier)

Manifest gegen die Arbeit – Gruppe Krisis 1999 – ein Klassiker zum Thema Arbeit (hier)

1.Mai 2015 – Warum ich nicht zur Demo gehe… – eine kritische Reflexion (hier)

Allein schon Arbeit (hier)

Sind Menschen ohne Arbeit eigentlich keine Menschen mehr? (Video) oder wird nicht vielmehr einfach der Begriff der Arbeit in Frage gestellt? (hier)

Das Netzwerk des Kapitals… – über das weltweite Kapital (hier)

Wohin geht der ökonomische Trend…? (hier)

Wesen und Irrationalität der warenförmigen Gesellschaft (hier)

Glauben, Geld und Warenform… – eine Kritik des Schuldprinzips (hier)

Des armen (Raub-)Ritters neue Ideen – sind eigentlich ein Mangel an Ideen (hier)

Der Teufel und die Horrormärchen – der Irrsinn namens Hartz IV (hier)

Debatte um eine Maschinensteuer – warum das kein sinnvoller Ansatz ist (hier)

Die 4.Dimension als unlösbarer Widerspruch des Kapitals (hier)

Wohlstand neu erfinden – welche echten Alternativen es gibt (hier)

Was bedeutet ein Epochenwechsel – ein größer Blick auf den Wandel (hier)

Es ist leichter sozial-ökonomische Formen jenseits des Kapitalismus denken zu können, wenn man zuvor die wahre Natur des Universums wissenschaftlich und philosophisch verstanden hat – wie diese nach neuestem Stand aussieht stellt diese Doku dar (Video)

Älteste Frau der Welt (Stand Mai 2018) zieht Lebensbilanz. Arbeit ist erstrebenswert? Von wegen. Arbeit ist vielmehr Mühsal und Strafe – Bericht in BILD.de (hier)

An Mitarbeitern wird gespart, die Produkte sind fragwürdig – ein Blick hinter die Kulissen von modernen Billigläden TEDi und EuroShop bei BILD.de (hier)

Wie junge Menschen bereits im Bildungssystem konditioniert und domestiziert werden zu Sklaven für das warenförmige System, auf Gewalt basierende Autoritäten und Konsum als Ersatz für Liebe und Anerkennung durch die Gesellschaft (hier)

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Wachsender Überwachungsstaat – warum eigentlich?

Warum ist das neue BND-Gebäude größer als die ehemalige Stasi-Zentrale in der DDR?

R.D.Precht – hier in einem kurzen Interview – zeigt seine eigene Staatsgläubigkeit (Etatismus), stellt aber auch kritische Fragen. (Video) Die Realität und Irrationalität dahinter lauten in Wahrheit, dass die warenförmige Gesellschaftsform (kapitalistische Produktions- und Lebensweise), ideologisch oft beschönigend noch als „Marktwirtschaft“ bezeichnet, nur künstlich durch Gewaltorgane aufrecht erhalten werden kann. Diesen Teil des Sachverhaltes deutet Herr Precht bestenfalls wage und indirekt an, läßt ihn ansonsten aber lieber ungenannt. So ist selbst diese kleine und berechtigte Kritik am Staat und dem BND nur eine Scheindebatte, getreu dem Motto, man möge doch die Kirche im Dorf lassen – sie solle nur nicht so groß ausfallen.

Zusammenhänge tarnen

Solche heiligen „Kirchen“ und Scheindebatten finden wir derzeit überall (oft entlarvt durch Karikaturen z.B. hier und hier). Damit versuchen Politik, Lobbyismus und Mainstreammedien offenbar den eigentlichen Entwicklungszusammenhang hinter den äußeren Erscheinungen zu verdecken bzw. aus dem öffentlichen Bewusstsein zu drängen. Ein Zufall ist das jedenfalls nicht. Andernfalls würde nicht so viel in derartige Kampagnen investiert werden, sowohl von privaten  Interessenverbänden als auch von Seiten des Staates. Die Debatten würden auch viel breiter geführt werden.

BND-Gebäude kontra Stasi-Gebäude 1

Je größer die aus der grundlegenden Krise des Kapitalverhältnisses erwachsenden Widersprüche und Probleme werden, desto weniger Transparenz, Offenheit und Vertrauen ist der bürgerliche Staat offensichtlich gewillt, seinen Bürgern zuzugestehen. Anstatt die Konsequenzen aus den Skandalen der letzten Jahre zu ziehen (NSU-Skandal etc.) und diese Behörden endlich allesamt einzumotten (…und was würden da für Gelder freigesetzt!), setzt man ihnen sogar noch kostenaufwendig größere Gebäude hin. So meint man wohl politische Stabilität zementieren zu können.

Wiederholt sich hier etwa Geschichte?

Das erinnert geschichtlich betrachtet sehr stark an die jüngere Vergangenheit – die DDR-Zeit und die Stasi. Dieses Ministerium für Staatssicherheit hat zu allem möglichen geführt – nur nicht zu mehr Vertrauen in der Bevölkerung, mehr Stabilität und mehr Sicherheit. Ganz im Gegenteil. Die spürbare, innere Energie des Misstrauens und Spitzeltums trugen maßgeblich zum Vertrauensverlust in der Bevölkerung,  zur Destabilisierung und damit zum unvermeidlichen Ende der DDR bei.

Materialschlacht vs. Terrorgefahr

Und heute? Mehr Kameras, Big Data, Vorratsdatenspeicherung, Flächenüberwachung und Denunziantentum verhindern weder Terrorismus, noch die Gedankengänge, die zu ihm führen. Diese Materialschlacht um mehr Sicherheit ist verloren, bevor sie richtig Fahrt aufgenommen hat. Man hat die Konsequenzen so einer Entwicklung nicht richtig zu Ende gedacht. Man opfert den bescheidenen Rest an bürgerlicher Freiheit und die alternativen Möglichkeiten lieber dem Populismus – orientiert am Vierjahresrhythmus der Wahlen – stets den eigenen Karriereweg vor Augen. Warum gibt es da eigentlich kein Feedbacksystem, welches solchen Fehlentwicklungen einen wirkungsvollen Riegel vorschiebt? Eigentlich sollten das mal Gesetze leisten. Doch die werden einfach schrittweise so geändert und angepasst, dass sie der neuen Überwachungsdoktrin folgen. So wird die Konformität umgekehrt proportional wieder hergestellt.

BND-Gebäude kontra Stasi-Gebäude 2

Seit die Regierungsdoktrien der westlichen Staaten meint, mehr Frieden, Ruhe und Ordnung  mit einem Mehr an Überwachungsstaat erreichen zu können, haben Kriege und Gewalttaten in Form von Terrorakten weltweit erkennbar zugenommen. Sie wurden zum Exportartikel. Die zersplitterten Grüppchen oder gar Einzeltäter agieren inzwischen autonom aus ihrer eigenen ideologischen Denkform heraus und damit so spontan und überraschend, dass kein Geheimdienst der Welt sie alle von ihren Taten abhalten könnte.

Vertrauen kostet nichts – man schenkt es

Wie wäre es denn damit, es mal mit dem Gegenteil zu versuchen, endlich mit offenem Visier zu agieren und ebenso offene Debatten zu führen, sich also bewusst gegenseitig in die Karten schauen zu lassen?*

Einhergehend mit strukturell gesicherter, sozialer Sicherheit und Basisdemokratie auf allen Entscheidungsebenen, anstatt von Lobbyismus beeinflusster politischer Elfenbeinturm-Gesetze, könnten wir gemeinsam gewalttätigem Denkformen den Nährboden entziehen. So schwer wäre es also nicht, strukturell gefestigte Sicherheit zu generieren.

Menschen, die spüren dass man sie hört, dass sie wahrgenommen und selbst etwas aktiv mitzubestimmen haben, entwickeln auch nicht den Wunsch, sich destruktiv Gehör verschaffen zu müssen. Nur manche (und auf jeden Fall noch zu viele) US-Amerikaner glauben bis heute, man könne fast jedes Problem mit einer Waffe lösen – sie müsse nur groß genug sein. Analog ist es mit dem Überwachungsstaat, Polizei, Geheimdiensten, Militär und NATO. Deren Anteil zur Destabilisierung wächst. Das lässt erahnen, was wir in Zukunft als Ergebnis erhalten werden.

BND-Gebäude kontra Stasi-Gebäude 3

Denn – man erntet stets dass, was man zuvor ausgesäht hat. Die Ausrichtung der bürgerlichen Politik könnte gegenwärtig falscher nicht sein. Allen voran die westlichen Staaten haben es sogar geschafft, das nach der Wende 1989 endlich wachsende Vertrauensverhältnis zu Russland wieder tief zu erschüttern. Das dient allein der Rüstungsindustrie und NATO-Strategie (wir erinnern uns – Stichwort Ost-Erweiterung) – aber niemals dem Frieden.

Die Kritik an dieser Ausrichtung dieser Art Außenpolitik ist also sachlich berechtigt und erklingt inzwischen auch aus allen politischen Lagern. Eine bewusste Friedenspolitik sähe anders aus, würde auf Entspannung, Solidarität, vertrauensbildende Maßnahmen und Völkerverständigung setzen. Das hat auch eine Kanzlerin Angela Merkel in ihrer Jugend durchaus alles mal gelernt – als Mitglied der FDJ (Freie Deutsche Jugend) in der DDR. Wo ist das geblieben? Vergessen? Verdrängt? Der Karriere geopfert? Solche Fragen bleiben heute in den Medien kategorisch in der Schublade…bis sie irgendein ahnungsloser Esel in 20 Jahren dort mal findet. Für eine andere Politik im Hier und Jetzt ist es dann zu spät.

Hoffen wir also, dass der Wind sich vorher dreht und versuchen selbst aktiv etwas dazu beizutragen.

Holger Roloff, 05. April 2018

PS: * = in einer auf Marktkonkurrenz basierenden Gesellschaftsordnung wie dem Kapitalismus ist das natürlich nicht wirklich möglich…man muss sich schon grundlegend als Lebensweise was Neues einfallen lassen. Wie das geht, findet man hier auf den Seiten in anderen Artikeln ansatzweise dargestellt.

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Das StasiMuseum im heutigen Berlin (hier)

Das neue BND-Gebäude in Berlin (hier) und (hier) Es gleicht optisch einer modernen Festung, in der selbst schon die ersten Verbrechen an der Öffentlichkeit verübt worden sind (s. hier) – in voller  Stasi-Tradition, muss man leider sagen…

Die staatliche Gewalt nimmt im Alltag viele Formen an und richtet sich leider auch gern gegen Schwächere. Dazu gesellen sich unterlassene Hilfeleistung und Kontroll-Wahn – oft gepaart mit fragwürdigen Konzepten. Öffentlicher Nahverkehr könnte und sollte anno 2018 bsw. eigentlich längst kostenlos sein. Doch was passiert stattdessen? …die Hamburger MoPo berichtet (hier)

Auch direkte Polizeigewalt ist in vielen Ländern einschließlich Deutschland immer wieder ein Thema. Deren Thematisierung zu verbieten ist keine Lösung, sondern Ausdruck davon, wie auch Karikaturisten wissen – siehe (hier)

Der Aufbau der bürgerlichen, also kapitalistischen Gesellschaftsordnung wurde oft von Künstlern anschaulich dargestellt – historisch (hier), modern (hier) und prinzipiell (hier). Die stabilisierende Rolle der Gewalt wird dabei deutlich. Eine bewusst gestaltete, humane Gesellschaft würde anders strukturiert aussehen – gleichwertig, gleichberechtigt, klassenlos, emanzipatorisch, am Gemeinwohl orientiert, basisdemokratisch, Individualität respektierend, in sich selbst so friedlich und gewaltfrei wie möglich.

Auch in der Musik sind der bürgerliche Staat und seine Erscheinungsformen, sein Wesen und Charakter unendlich oft thematisiert und dargestellt worden – wie z.B. in diesem Videoclip am Bsp. der Geschichte von Chile und seine Verstrickung mit den USA und Westeuropa (Video) oder hier mit einem Album-Cover (hier)

Wie junge Menschen bereits im Bildungssystem konditioniert und domestiziert werden zu Sklaven für das warenförmige System, auf Gewalt basierende Autoritäten und Konsum als Ersatz für Liebe und Anerkennung durch die Gesellschaft (hier)

Wie junge Menschen bereits im Bildungssystem konditioniert und domestiziert werden zu Sklaven für das warenförmige System, auf Gewalt basierende Autoritäten und Konsum als Ersatz für Liebe und Anerkennung durch die Gesellschaft (hier)

Überwachungsstaat, Demokratieabbau und Zensur gehen Hand in Hand – gut getarnt als Datenschutz per neuer DSVGO ab 2018 Dirk Müller beleuchtet den eigentlichen Zweck (Video)

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Wesen und Irrationalität der warenförmigen Gesellschaftsform

Wesen und Charakter einer warenförmigen Gesellschaft sind durch diverse Artikel auf diesen Seiten schon mehrfach analysiert und beschrieben worden. Das Wesen besteht in seiner abstrakten Inwertsetzung. Das bedeutet, das alles durch Tauschverhältnisse geregelt und bestimmt wird. Der Konsequenz dessen, sind sich die westlichen Gesellschaften lange Zeit nicht klar gewesen. Manche Leute sind es bis heute nicht, berufsbedingt, weil sie selbst davon profitieren oder weil sie einfach zu bequem sind, zu faul zum Denken, lesen, diskutieren – oder zu feige aufzustehen, sich sich zu positionieren und zu wehren. Da schwimmt man lieber mit dem Strom.

Das Ziel so einer Gesellschaft, bezüglich ihrer Inwertsetzung, ist nicht ein gutes Leben an sich, wie man vielleicht vermuten würde. Die gesellschaftliche Bestimmung und der Sinn einer Sache in einer Tauschgesellschaft, messen sich nicht an  deren konkreten Nutzen, sondern werden allein bestimmt durch ein gesamtgesellschaftliches Verhältnis, genannt der Wert oder genauer „die kapitalistische Wertform“. So findet als höchste Abstraktionsform (Zahlen) das Wesen der warenförmigen Gesellschaftsform einerseits ihren konkreten Ausdruck in der Geldform (Zahlen auf Münzen, Scheinen, Konten, Aktien, Schuldscheinen usw.), sowie andererseits in der Arbeit, deren Wesen folglich ebenso darin besteht, abstrakt zu sein. Das Zusammenspiel der Elemente Ware/Geld/Arbeit ermöglicht wie gesagt die nahezu beliebige Austauschbarkeit aller Waren und setzt dabei eine sehr spezielle Dynamik in Gang, innerhalb eines sich geschichtlich permanent verändernden Prozesses – dem Kapital. Weil Geld jedoch nur Quantitäten messen kann (durch Preisgrößen), verwundert es auch nicht, dass die alles bestimmenden Zahlen wachsen und wachsen müssen, egal ob das der Sache auf der Ebene der stofflichen Größen nach überhaupt Sinn hat (Gebrauchswert, Nutzen kontra Umwelt) oder nicht. Das Kapital aus sich selbst zu vermehren ist der dem System immanent eingeschriebene Zwang und irrationale Selbstzweck, der letztlich direkt lebensfeindlich, tödlich und sogar explizit mörderisch werden kann (in der Soziologie bezeichnet als „Der Todestrieb bürgerlicher Subjektivität“, Robert Kurz, vgl. hier), von Amokläufen, über Kriege bis hin zur industrialisierten Menschenvernichtungsmaschine  im Dritten Reich. Arbeit besitzt die Tendenz zum Töten. Selbst normale bürgerliche Ökonomen haben das inzwischen erkannt (vgl. Peter Fleming, Wirtschaftswissenschaftler an der Cass Business School of London, s. Bericht bei WELT online vom 08.02.2018 – hier)

Das Leben, so es denn im Kapitalismus wenigstens zeitweise historisch stressfrei gelang, war und ist nur ein Abfallprodukt dieses Prozesses, aber eben nicht der eigentliche Zweck. Selbst die Menschen sind als Arbeitskräfte nur Waren auf dem „Arbeitsmarkt“ und werden für den Prozess der Profitproduktion an- und verkauft. Dabei strebt das Kapital stets tendenziell zur höchsten, durchsetzbaren Ausbeutungsrate, im Idealfall zur Kinderarbeit, da die sich am wenigsten dagegen wehren können. Jeder hat Angst, am Markt von anderen überrundet zu werden. Auch die produktiven Kapitalisten (Unternehmer) sind von dieser Angst getrieben. Es betrifft uns alle. Echte Selbstbestimmung des Menschen wäre gewiss etwas anderes. Stattdessen herrscht die Diktatur des Marktes.

5 Buchtitel Kapitalismuskritik

Das so konstruierte Sein ist keineswegs „natürlich“, „schon immer da gewesen“ und „ewig weiter so existent“, auch wenn uns die bürgerlichen Apologeten der Marktwirtschaft das gerne weiß machen möchten (z.B. „Das Ende der Geschichte“, Francis Fukuyama, „Mehr Kapitalismus wagen“, Friedrich März usw.), sondern lediglich eine Phase innerhalb der Entwicklungsgeschichte der Menschheit insgesamt. Der Kapitalismus, also die alles bestimmende Konsum- und Warengesellschaft, erlebte eine Geburtsphase (noch als Sklaverei, s. hier und hier), eine Aufstiegsphase (Industrialisierung, Modernisierung), eine Hoch- und Wohlstandszeit (Keynianistischer Wohlfahrtsstaat nach dem 2.WK, soziale Marktwirtschaft) und sie erlebt gerade ihre Niedergangsphase (Krisenkette seit 1970, Globalisierung seit 1980, Zusammenbruch des Ostens 1989,  Hochtechnologiezeit und Internet seit 1990), die irgendwann mit ihrem Ableben enden wird. Dieser Lebenszyklus/Verlauf ist aber auch das einzige was aus einer übergeordneten Perspektive betrachtet, mit den allgemeinen Gesetzen im Universum übereinstimmt. Der Kapitalismus im Inneren wird adäquat durch das Wertgesetz beschrieben, ist hochgradig widersprüchlich, irrational und stimmt keineswegs mit den allgemeinen Gesetzen im Universum überein. Je mehr wir uns als Menschen dessen bewusst werden, desto klarer sehen wir, was wirklich ist. Die gesamte Modernisierungsgeschichte wäre auch anders denkbar und möglich gewesen.

Durch das genannte gesamtgesellschaftliche Verhältnis, den abstrakten Wert, werden umfassende gesellschaftliche Mechanismen in Gang gesetzt, deren innere Gesetzmäßigkeiten durch die Funktionslogik des Geldes bestimmt werden. Dem soll alles untergeordnet werden.

„Man sollte nie vergessen, Kapitalismus war in erster Linie immer auch ein System der Zumutungen.“ (Robert Kurz).

Durch diese geschichtlich gesehen sehr spezielle Art von Wirtschaft und dessen Wesen nach abstrakte Inwertsetzung ist das Leben in der realen Geschichte bestimmt worden, samt genannter Zumutungen im Alltag. Dessen sind sich die meisten Menschen, die in so einer Gesellschaft leben, jedoch nicht unmittelbar bewusst. Fehlendes und falsches Bewusstsein wird langfristig aber zum Problem, weil die Ursachen unerkannt bleiben. Die ebenfalls auf diesen Seiten zu findenden Artikel zum Thema Ideologien legen Zeugnis davon ab, warum (s. hier). Ergänzen lässt sich, dass der Philosoph Erich Fromm bereits in den 1960er Jahren, als das Aufkommen einer Konsum-Zwangsgesellschaft diskutiert wurde, dem Kapitalismus tiefgehend analysierte und all die mentalen Zusammenhänge aufdeckte, die bis heute Gültigkeit besitzen (vgl. Vortrag hier). Seit dem ist es insgesamt leider immer schlimmer geworden.

Solange noch geschichtlich wenigstens auch reale Verbesserungen im Alltag spürbar waren (bis rein in die 1970er Jahre), war das zumindest nach dem 2. Weltkrieg in Zentraleuropa nicht so stark ins Gewicht gefallen (davor schon! zwei Weltkriege berichten davon). Der Wettstreit zwischen Ost und West trug dazu bei, soziale Zugeständnisse zu machen. Und man redete sich die Verhältnisse einfach schön. Doch scheitert jemand im Alltag (was im Turbokapitalismus der Globalisierung ab 1980 zunahm) und fühlt sich nicht anpassungs- oder leistungsfähig genug, meint der Einzelne vielleicht zu schwach zu sein und gibt sich selbst die Schuld, anstatt das gesellschaftliche SEIN, d.h. konkret das sozial-ökonomische Formprinzip dahinter kritisch zu hinterfragen. Dann ist man hoffnungslos gefangen in der Matrix aus Arbeit, Leistung, Geld und Konsum. Jeder hält das ja für normal. Damit ebenso, dass mitten im materiellen Überfluss allein 100.000 Menschen täglich an Hunger sterben…viele weitere durch übermäßigen Konsum, durch die Produktion der Waren, also Arbeit…alles normal hier. Das alles im Bewusstsein ausblenden zu können, geht nur durch Ideologien.

Ideologien sind in so einer Gesellschaft deshalb der Normalzustand, das „notwenig falsche Bewusstsein“ (Karl Marx), um in einer Warengesellschaft leben zu können. Die damit verbundenen Ketten des Alltags und der Herrschaftsverhältnisse legen sich die Bürger als warenförmig Handlungssubjekte quasi selber an, wenn sie alles unreflektiert annehmen. Sie verinnerlichen das wie Automatismen. Doch wie ist das möglich? Lassen wir uns etwa manipulieren?

Das beginnt schon mit einem Bildungssystem, welches darauf abzielt, arbeits- und konsumwillige Besitzstandsbürger heranzuziehen, die willig akzeptieren, was Geld und Markt ihnen vorsetzen und diktieren. Das geht einher mit massiver Werbung, die Ausrichtung der Presse auf das Konsum- und Arbeitsverhalten als Grundzustand der Normalität, Konzepte wie „geplante Obsoleszenz“, eingeredete Krankheiten durch veränderte Grenzwerte für bestimmte Kennzahlen, um anschließend mehr Medikamente verkaufen zu können, einer riesigen Armee an Lobbyisten sowie die Hoheit über die Sprache derer, die sich als Repräsentanten der Gesellschaft in den Medien wie z.B. in TV-Talkrunden etc. präsentieren und „streiten“ dürfen.

Das alles wird überlagert von Staat, Exekutive und Justiz samt eines Gesetzeswerkes, welches die Zügel wahlweise locker läßt oder da fest anzieht, wo nötig – die Herrschaftsverhältnisse. Heute ist auch klar zu erkennen, dass Sozialismus in diesem Sinn auch nur eine Art dessen, also ein historischer Ableger des Kapitalismus war. Er war seinem (abstrakt-warenförmigen) Wesen nach identisch. Anders war lediglich das politische Selbstverständnis, das Ziel (immerhin!) und die Art und Weise, wie man sich das Realisieren der warenförmigen Modernisierung vorstellte. Doch das scheiterte an der Dynamik des Weltmarktes sowie an einem Mangel an den zugestadenen bürgerlichen Grundrechten (quasi handwerklich-politische Fehler der Modernisierung im Osten; gleiches gilt heute für Polen, Ungarn und dien Türkei, wo ähnliche Tendenzen zu beobachten sind).

Die Irrationalität(en) in der Arbeits- und Konsumwelt sind so umfangreich und vielschichtig, dass es unmöglich ist, sie an dieser Stelle alle auszubreiten. Im Zuge eines Aufwachens, eines sich selbst bewusst Werdens, um eine andere Haltung einnehmen zu können, sollte man sich jedoch damit mal befasst haben. Das ermöglicht es, nicht nur unmittelbar bessere Entscheidungen für das eigenes Leben zu treffen (Mitzudenken, auch mal „Nein“ sagen zu können, ein anderes Konsum- und Arbeitsverhalten zu zeigen, Empathie zu entwickeln, bewusstere Gestaltung der eigenen Ernährung und Gesundheit, gesellschaftliches Engagement, Solidarität usw.), sondern für eine andere Welt einzutreten getreu dem Motto „Die Welt ist keine Ware“. Es gäbe durchaus andere Möglichkeiten eine Gesellschaft zu gestalten und andere Prinzipien, Wege und Möglichkeiten wirtschaftlich sinnstiftend zu agieren…wenn man das will. Auch dazu findet man hier etliche Artikel auf den Seiten mit entsprechenden Quelle, Buch- und Lesetipp.

Holger Roloff, den 09. Februar 2018

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Es folgt eine Sammlung an Links und Dokumentationen, die das oben genannte an konkreten Beispielen anschaulich machen und vertiefen kann:

Ein nachdenklicher Song über den Irrsinn unserer Wirtschaftsweise von FEVER RAY (Video)

Was der Konsum mit uns macht – kleiner Animationsfilm mit einem ersten Überblick zu Kritikpunkten (hier)

„Money“ Irrsinn mit Methode – wussten auch schon PINK FLOYD im gleichnamigen Song anno 1974 (Video)

Kranke Konsumgesellschaft – über den lebensfeindlichen Irrsinn, die Fremdbestimmung und die Zumutungen in der Arbeits-Konsum-Zwangsgesellschaft als alltäglich verinnerlichter Normalzustand (hier)

Shoppen bis zum Umfallen – über das Entstehen des Massenkonsums und Prestigekäufe, um andere zu beeindrucken – die Geschichte der Waren als Statussymbole (hier)

Die gelenkte Konsumgesellschaft – über die Manipulationen und den Irrsinn der Konsumslogik (hier)

Unser absurdes Bildungssystem – wie der Normalbürger erzogen und erzeugt wird (hier)

Das bürgerliche Glücks-Versprechen des Geldes und der globalen kapitalistischen Produktionsweise wird heutzutage auch wieder philosophisch-kritisch diskutiert – hier bei Scobel/3sat (hier)

Manipulierte Gesellschaft – wie der ideologische Normalzustand erzeugt wird (hier)

Konsum – Eine schmerzliche Wahrheit – wie die Warenproduktion tatsächlich aussieht (hier)

Doku über den Konsumterror von Arte (hier)

EGOnomics – Die irrationale Welt der Manager und Chefs (hier)

Koste es was es wolle – Konsumwahn (hier)

Gesellschafts- und Konsumkritik in legendärem Film von John Carpenter – die entlarvende Brille der Wahrheit hinter den Dingen als Symbol des Erwachens und der Bewusstwerdung (hier)

Kaufen für die Müllhalde – die Geschichte der bewusst geplanten Obsoleszenz, um die Widersprüche der Warenform zu handhaben (hier)

Konsum auf Pump – wie das eigentlich oft im Hintergrund funktioniert analysiert Politkabarettist Volker Pispers in „Wer hat hier die Arschkarte“ (hier)

Bereits vorkapitalistsiche Verhaltensweise hatten dramatisch-verheerende Auswirkungen auf der Erde, wie dieses Sendethema indirekt zeigt: – Frag den Lesch – Wie würde die Erde ohne Menschen aussehen?

Kapitalismus ist wie eine Religion – Kabarettist Volker Pispers arbeitet sich wie immer an den systemimmanenten Widersprüchen ab – mal mehr oder weniger gelungen, aber stets unterhaltsam und mit vielen unausgesprochenen Wahrheiten (hier)

So wie man anfängt die richtigen Fragen zu stellen, kommt die ganze Irrationalität des kapitalistischen Systems zum Vorschein – Pelzig fragt! Pispers antwortet! (hier)

Dafür bietet diese Art Gesellschaft viel Stoff für Depressionen, auf die man nur noch satirisch-nihilistisch und satirisch mit beißendem Spott reagieren kann wie hier Nico Semsrott (Video)

Ein unhaltbarer Zustand – Kritik von Heiner Geissler, der eine neue Wirtschaftsordnung fordert (hier), meint damit aber z.B. nur eine andere „Verteilung des Geldes“. So beklagt er eine ausufernde „Gier nach Geld“, als wenn es im Kapitalismus jemals um etwas andere gegangen wäre, als um Macht und monetären Reichtum. Dass wir längt geschichtlich in einer Phase jenseits der „sozialen Marktwirtschaft“ sind und vor allem warum, entzieht sich seinem Bewusstsein. Anstatt die grundsätzliche Strukturen zu hinterfragen, laufen seine Argumente so nur auf eine bessere Moral innerhalb des Systems hinaus. Seine Matrix des Ganzen hingegen kann damit intakt bleiben (hier).

Nein zum Kapitalismus – diese Gesprächsrunde mit Jean Ziegler und Heiner Geissler zeigt, dass in den Argumenten ebenfalls die zeitliche Dimension der Entwicklung des Kapitalismus völlig ausgeblendet bleibt. Vor allem Herr Geissler versucht immer wieder in die Runde zu werfen, man solle nicht gegen Kapital und Marktkonkurrenz sein („das wäre ja verrückt“), sondern müsse lediglich nur wieder alles in „die Ordnung bringen“…schließlich versucht er, anstatt auf die Möglichkeit echter, kategorialer Änderungen hinzuweisen, sich auf einen weichen Faktor wie Ethik zu berufen. In beiden Ansätzen zeigt sich, wie er trotz seiner Kritik selbst in einer Ideologie (eben der oben genannten Normalität) gefangen bleibt. Er verkennt völlig Wesen und Charakter der kapitalistischen Gesellschaft (hier), was deutlich macht, wie schwierig es dem bürgerlichen Warensubjekt fällt, sich da quasi herauszudenken.

Manche Aktivisten schaffen es bereits zeitweise durch einen Ausstieg den Konsum drastisch zugunsten gewonnener Lebenszeit zu reduzieren (Video hier)

Selbst ein Flußabschnitt steht erstmals in Deutschland zum Verkauf – wird also zur Ware, auf die spekuliert werden könnte (hier)

Alles wird zur Ware – sogar getrocknete Hundewelpen (hier)

Systematischer Irrsinn im Kapitalismus führt zwangsläufig zur Entwertung der Waren und aller anderen Kapitalformen – auch der Arbeit – das führt mittelfristig zum BGE, weil es sonst keine Käufer mehr gibt – langfristig wird alles kostenlos – der Philosoph Andre Gorz im TV-Magazin KULTURZEIT (hier)

Konsumkonditionierung und Terrorismus hängen auf irrationale Weise zusammen im französischen Film  „Nocturama“ (2017) (hier) Hier wird das bürgerliche Subjekt mit seiner inneren Leere konfrontierte was auf den Normalkonsumenten äußerst verstörend wirken muss… Der Film wurde deshalb bei einem Filmfestival schon hoch „offiziell ausgeladen“.

Alike short film – zeigt exemplarisch, was in unserer Art warenförmiger Gesellschaft (mit entfremdeter Arbeit) falsch läuft (Video hier)

Kinderschützer des Tages: Edeka – Bericht über die Widersprüche der internen Firmenpolitik des Handelskonzerns EDEKA in JUNGE WELT (hier) und (als PDF)

Bitte Hassen Sie Jetzt – Adventsgruß 2017 – von Sibylle Berg im SPIEGEL online (hier)

Warum die Zirkulation von Geld keinen Mehrwerts erzeugt zeigt sich durch eine kleine Anekdote, ein literarisches Beispiel, für die Fragwürdigkeit und Irrationalität der Geldlogik (Video)

Kapitalistische Ausbeutung in Deutschland spiegelt sich gelegentlich auch in der Rede eines Gewerkschafters – wie hier im Februar 2018 – am Bsp. Volkswagen: (hier)

Der Selbstoptimierungswahn des Neoliberalismus – gefunden bei JUNGE WELT online (hier)

Arbeit nach Feierabend macht krank – Artikel gefunden bei Ping Spielraum (hier)

Die Irrationalität des kapitalistischen Wertesystems zeigt sich auch im Steuersystem wie z.B. das ARD TV-Magazin brisant berichtet (Video)

In Zeiten wie diesen hat politisches Kabarett Hochkonjunktur, weil es reichlich Stoff gibt, sich an der Irrationalität, Subjektivität und den Widersprüchen des Systems sowie der bürgerlichen Politik und nazistischen Protagonisten abzuarbeiten. Ein Meister seines Fachs ist diesbezüglich Max Uthoff. Er zeigt, wie man das unterhaltsam machen kann (Video)

Damit die Großkonzerne weiter ihre Profite scheffeln können werden technische Entwicklungen unterdrückt und sogar führende Wissenschaftler, wenn sie sich nicht kaufen lassen  wollen,  ermordet – hier ein winziger Einblick in die Hintergründe vom deutschen Wissenschaftler Dr. Klinghardt speziell zum Thema „Freie Energie“-Forschung (Video)

Die Widersprüche und Irrationalität der Binnenwirtschaft setzt sich auch im Außenverhältnis zu anderen Staaten fort – hier am Bsp. der deutschen Griechenlandpolitik und Außen- und Militärpolitik sowie dem Umgang mit Kapital – Bundestagsrede von Gregor Gysi (DIE LINKE): (Video)

Star Trek / Raumschiff Enterprise Parodie bei Die Anstalt vom 27. Februar 2018 – zeigt Irrationalität der bürgerlichen Gesellschaft in Bezug auf das Klimaproblem (Video lang) und (hier Start als Episoden)

Als Folge der kapitalistischen Krisen wiederholen sich Populismus, Protektionismus,  Strafzölle und Handelskriege brechen aus – Bericht beim SPIEGEL (hier)

Groß, größer, am größten – diese Supermarktneuheit 2018 wirkt wie Realsatire – Sch… in Dosen reicht nicht mehr aus – jetzt gibt es Nutella in Eimern – Bericht die Hamburger MOPO (hier)

Kapitalismus ist nicht das natürliche, gesellschaftliche Formprinzip, sondern musste historisch mit staatlicher Gewalt durchgesetzt werden, was sich auch heute noch vielerorts zeigt, z.B. hier in Lhasa, wie der SPIEGEL online berichtet (hier)

Es droht im Zuge der historischen Entwicklung des Kapitalismus ein Ende der Globalisierung und somit der Übergang vom Neoliberalismus zum Neonationalismus – [Analyse bei TELEPOLIS vom Autor  (hier) ] – einhergehend mit einem Angriff seitens China auf die Dominanzrolle des Dollar (hier)

Selbst die wirtschaftlichen und finanziellen Experten verstehen ihr eigenes Wirtschaftssystem nicht und liegen – wie dieses Bsp. aus dem Finanzministerium zeigt – mit ihren Einschätzungen häufig völlig daneben, wie BILD berichtet  (hier)

Was der Kapitalismus mit den Daten der Bürger vor hat? Hier einige Hintergrundinfos von Dirk Müller (Video)

Österliche Nächstenliebe – Fröhliches Foltern! Eine kritische Betrachtung der westlich-christlichen Wertegemeinschaft vom Autor Christian Stöcker – gefunden beim SPIEGEL (hier)

Um das Medium Geld steht es inzwischen auch nicht mehr so gut, was man an der wachsenden Bedeutung von Krytowährungepn ablesen kann (hier). Sie unterliegen der gleichen Krisenhaftigkeit wie der Kapitalismus insgesamt.

Wie denken eigentlich die Kapitalisten? Am besten, man hört ihnen mal zu. Dirk Müller alias „Mr.Dax“ plaudert aus dem Nähkästchen. Eigentlich Kapitalismuskritik pur…wenn es nicht gleichzeitig doch wieder positiviert werden würde. Warum macht er das? Nun, weil er selbst davon profitiert. Dennoch treten hier zahlreiche Teilwahrheiten ans Licht (Video-Interview 17.01.2018)

Warum man stets nur Sündenböcke sucht, anstatt die Ursachen in den Strukturen des kapitalistischen  Systems selbst zu suchen – ein analytischer Wortbeitrag bei KenFM deckt die dahinter liegende ideologische Denkform auf (Audio hier)

Die Domestizierung fürs Kapital kennt inzwischen längst eigene TV-Shows (hier)

Mord für Profit ist leider allgegenwärtig – hier am Bsp. von Wilderei (hier)

Selbst der gesetzliche Mindestlohn reicht vielerorts nichtmal zum Überleben (hier)

Jeffrey Bezos – Chef von Amazon – aktuell reichster Mann der Welt, hat seine Unternehmensstrukturen hinsichtlich der Ausbeutung seiner Angestellten optimiert, erhält Auszeichnungen und läßt sich als innovativ feiern – Bericht zu Protesten seiner Mitarbeiter in JUNGE WELT online (hier)

„Tribute – Das komplexe Subventionsdickicht“ von Fabian Scheidler. Die Verbindung von Kapital und Staat gehört zu den Diskussionspunkten, warum der Kapitalismus immer noch läuft. Entdeckt bei SEIN.de (hier) und (als PDF)

Die BRD ideologisch auf dem Weg zu einem neoliberalen Faschismus – jedenfalls wenn es nach dem Willen von Christian Gräff (CDU-Wirtschaftsflügel) geht. Die Reaktionen darauf leisten endlich Widerspruch und beschreiben schonungslos die Wahrheit (Video) und (hier) Künstler haben das schon längst erkannt, wie in diesem Videoclip (Video)

Die Irrationalität der Kapital-Jünger offenbaren geradezu religiösen Züge – zu sehen in einer Doku „System Error“ (2018) – Bericht im Spiegel (hier)

Willkommen im Ungleichland – wie aus Reichtum Macht wird – die Doku (2018) zeigt, mit was für absurden Argumenten Reiche ihren Status meinen rechtfertigen zu können…(Video)

Unabhängiger Journalist und Friedensaktivist Ken Jebsen spricht im Mai 2018 zum Kriegsende vor 73 Jahren erkennt den wahren Krieg und Irrsinn im Alltag unserer unnatürlichen Lebensweise, die auf Waren, Geld, Konsum und Vermarktung basiert (Video)

Umwelt vs. Dummwelt – die irrationale Politik in Deutschland – Tagesdosis vom 15.05.2018 bei KenFM (hier)

Warum nicht mehr Menschen gegen dieses irrationale System aufstehen, bringt Dirk Müller auf einer Pressekonferenz auf den Punkt (Video)

Die Irrationalität im Kapitalismus ist auch an der Regierungspolitik abzulesen – deutliche, Worte der Abgeordneten Sahra Wagenknecht (DIE LINKE) im Bundestag im Mai 2018 (Video)

An Mitarbeitern wird gespart, die Produkte sind fragwürdig – ein Blick hinter die Kulissen von modernen Billigläden TEDi und EuroShop bei BILD.de (hier)

Warum eine neue Scheinlösung wie der Bitcoin die Irrationalität nur fortsetzt berichtet der SPIEGEL online (hier)

Die Irrationalität der Warenform wird per Gesetz auch anderen Lebensbereichen aufgezwungen – nur umgekehrt proportional…so werden z.B. Informationen vorenthalten und sogar juristisch ausdrücklich verboten und bestraft, indem man sie als einfach Werbung deklariert – Bsp. Abtreibungen (Video)

Die Irrationalität aus Gründen des Profits zeigt sich z.B. auch bei Medikamenten. So versuchte die Pharmalobby schon vor Jahren Kamille zu verbieten. Andere Mittel – wie dieser Wirkstoff gegen Krebs und alle Tumorarten, wird bis heute aus gleichen Gründen verschwiegen. Dieses natürliche Heilmittel findet man im Fruchtfleisch und den Kernen einer Beere in Australien und ist in seiner Wirkkraft wissenschaftlich sehr gut belegt (Video). Solange jedoch die Pharmafirmen locker 30.000 – 50.000 Euro an einer konventionellen Krebstherapie verdienen, interessiert das nicht. Es braucht Insider und kleine Youtuber, die sich um dieses Heilwissen bemühen.

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Was bedeutet ein Epochenwechsel?

Natürlich vermag heute noch niemand genau darzustellen, wie eine Gesellschaft nach dem heutigen Kapitalismus tatsächlich in der Praxis aussehen und funktionieren wird. Das wird allein durch den Wettstreit der Ideen, Ideologien und den daraus sich entwickelnden Ablauf der menschlichen Geschichte bestimmt. Zwei Dinge lassen sich aber heute schon sagen:

1. Eine andere Welt – eine andere Vergesellschaftungsform – ist möglich.

2. Wir stehen vor einem grundlegenden Epochenwechsel.

Ein Epochenwechsel ist sowas, wie der historische Übergang vom Mittelalter zur bürgerlichen Gesellschaft. Das was jetzt auf uns zukommt, was schon am Horizont wage sichtbar zu werden beginnt, hat eine andere Qualität, ein andere Wesen. Es geht nicht nur um eine weitere Änderung des Modus von Kapitalismus oder gar einen rein politischen Wechsel an dessen parlamentarischer Spitze oder in den Vorständen und Aufsichtsräten der Konzerne. Selbst der Wechsel zum politischen Sozialismus – einem ideologischen Ableger und Derivat der Kapitalismus, ist heute keine wirkliche Alternative mehr. Sozialismus könnte, wenn überhaupt, nur eine Übergangsphase darstellen, auf dem Weg zu etwas ganz Neuem, von dem wir den Namen noch nicht kennen.

Warum ist Sozialismus keine dauerhafte Alternative? Woran lässt sich das festmachen?

Sozialismus hieße, als Gesellschaft ein anderes Ziel auszurufen, nämlich die sozialen Verhältnisse auf breitem Feld für alle Menschen stetig verbessern zu wollen und sich dafür der Mittel der Wirtschaft und Politik zu bedienen. Immerhin!

Das wäre – zumindest in Teilen – schon mal etwas Anderes, als rein dem Selbstzweck der Geldvermehrung zu folgen, ohne dies an soziale Ansprüche zu knüpfen, so wie wir es seit 1990 erleben konnten. Mit dem Wegfall des Ostblocks und seinem gescheiterten Versuch, einen Realsozialismus dauerhaft zu etablieren, verlor der Westen stufenweise seinen Anspruch, zumindest in Teilen auch soziale Zugeständnisse zu machen.

Anstatt sich irrationaler weise an abstrakten bis lebensfeindlichen Aktienkursen bewusstlos zu applaudieren, sollte man lieber erneut den Kurs konkreter, sozialer Verbesserungen in den Fokus der öffentlichen Aufmerksam rücken…am besten auf allen Ebenen. Ein derartiger, „demokratischer Sozialismus“ wäre zumindest schon mal ein erster Schritt in die richtige Richtung. Er hätte z.B. die Chance eine andere Moral und Ethik zu entwickeln. Das könnte die Grundlage für den nächsten, entscheidenen Schritt darstellen.

Epochenwechel und GeschichteBis zur vollständigen Befreiung von den Zwangsverhältnissen und Zumutungen des Kapitals, wären nämlich weitere Schritte notwendig. Denn – Sozialismus hebt die wertmäßigen Grundlagen des Kapitals – vor allem das Wertschöpfungsprinzip – noch nicht auf. Man wäre ökonomisch noch immer gefangen im alten, kapitalistischen Prinzip der Warenform und des Tauschwertes, was sich – auch wenn mit gesamtgesellschaftlicher Planung – noch am Weltmarkt zu behaupten hätte. Genau daran ist, im Zusammenspiel mit verweigerten Bürgerrechten, fehlender Pressefreiheit und ideologischer Bevormundung, jedoch jener Realsozialismus im Osten ab 1989 gescheitert. Er entsprang historisch bedingt aus dem Trümmern des 2. Weltkrieges und bewegte sich dadurch zwangsläufig in einer Sphäre der nachholenden Modernisierung, abgeschnitten von vielen Patenten, Rohstoffen, Wissen und Möglichkeiten mangels ausreichend Kapital in Form von international akzeptierter Valuta (Westgeld, vgl. hier https://de.wikipedia.org/wiki/Westgeld). Dazu addierten sich die eigenen, hausgemachten Fehler, ähnlich wie heute. Nur die Fehler sind heute sachlich andere.

Sozialismus hätte zwar ein anderes Ziel, bliebe im Außen aber weiter befangen in den Strukturen der Weltmarktkonkurrenz, während der Kapitalismus sich nach innen und außen nicht den gleichen humanistischen Grundprinzipien unterwerfen müsste, wie der Sozialismus. Ein Kapitalist muss auf die Menschen nicht so viel Rücksicht nehmen. Das „Hire and Fire“-Prinzip wäre (zunächst) jeder Form von sozialer Rücksichtnahme tendenziell überlegen. Sozialismus würde Gefahr laufen, langfristig erneut in der globalisierten Konkurrenz zu scheitern. Ein weiterer Grund, warum sich der Westen längst scheibchenweise von der ehemaligen „sozialen Marktwirtschaft“ verabschiedet hat, auch wenn diese rhetorisch gern wieder aufgerufen wird. Hört sich irgendwie immer noch gut an, denn es klingt so ähnlich wie Sozialismus…

Wie kann man diesem Dilemma entkommen? Was wäre der nächste Schritt?

Es stellt trotz dieser plausiblen Einwände einen Unterschied dar, ob sich die Masse der Bevölkerung weiter unter den Bedingungen und Zumutungen lohnabhängiger Beschäftigung, zumal unter der Tendenz zur Prekarisierung, in ihren Lebensverhältnisse gefangen halten lässt, oder ob sich die Zügel deutlich lockern, gelebte Basisdemokratie durchsetzt und wachsender Wohlstand, den alle im Alltag zu spüren bekommen, zu entwickeln vermag. Die Schere zwischen Arm und Reich würde sich in so einem neuartigen, „demokratischen Sozialismus“ zu schließen beginnen. Das Vertrauen würde dadurch wachsen, die Motivation steigen. Ebenso die daraus neu erwachsenen Ansprüche, insbesondere hinsichtlich der Freiheiten, die man noch gerne hätte, um sie zukünftig noch sinnvoller, ökologischer und sozialer nutzen zu können, als es der rein auf Gewinn orientierte, sich an der Marktkonkurrenz abarbeitende Kapitalismus vermag. Kapitalismus funktioniert nur über staatliche Gewalt, Androhung von Sanktionen und Ausbeutung. Dessen Schwäche – die systemische Blindheit für andere Wege und Werte, würde ihm allmählich zum Verhängnis werden.

Sozialismus hingegen – besonders bei einem in Sachen Produktivität und Technologien hoch entwickelten Land wie Deutschland – könnte aktiv, sowohl von der breiten Basis her, als auch als Ziel von der politisch-demokratischen Spitze aus, bewusst dafür entscheiden, die Warenförmigkeit und damit das Wertschöpfungsprinzip zu verlassen. Ist dieser Gedanke erstmal in der Welt und die Möglichkeit ins Auge gefasst, stellt man schnell fest, dass viele derartige Wege existieren. Sie laufen darauf hinaus, durch kluge, weitsichtige Investitionen, sich allmählich unabhängiger vom Kapital und der Geldform zu machen. Diese Wege sind längst gedacht, konzeptioniert und warten auf die öffentliche Diskussion sowie auf die Konkretisierung zur realen Umsetzung. Alles was wir brauchen ist in der Theorie längst vorhanden. Es wird bislang nur von zu wenigen wahrgenommen. Die bürgerliche Politik ignoriert sie bis heute völlig.

Diese Festellungen sind dennoch kein Plädoyer für Sozialismus. Denn – fängt man erst mal an, neu darüber nachzudenken, wie Gesellschaft sein könnte, wird einem schnell klar, dass es nicht mal den Zwischenschritt Sozialismus bräuchte, um dorthin zu kommen, wo manche Vorreiter bewusstseinsmäßig heute schon sind. Gesunder Menschenverstand reicht eigentlich völlig aus. Doch wer hat den noch inmitten von Konsumrausch, Arbeitswahn und Fernsehen auf sinkendem Niveau?

Jeder Leser möge sich selbst fragen, in wie weit sie oder er sich schon über all das informiert hat und wie offen jeder dafür ist, andere Gedanken an sich heran zu lassen und mal die eigene Fantasie zu bemühen. Die Welt könnte ganz anders aussehen!

Sich ergänzende Anregungen in diesem Sinne sind die Ideen wie die Institution der MONETATIVE, des degrowth (ökologisch sinnvolle Wirtschaftsschrumpfung) in Form einer Ressourcenwirtschaft, die Möglichkeiten des COMMONING und als Übergang dahin ein Grundeinkommen, solange wir noch in der warenförmige Alltagslogik verharren und übergangsweise noch Geld benötigen.

Ressourcenwirtschaft anstatt Marktwirtschaft – eine WIRTSCHAFTSVISION:

http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2013/11/Wirtschaftsvision_Die-Violetten_Okt.2013.pdf

Rolle des BGE beim Übergang vom Kapitalismus zum Postkapitalismus

http://www.hh-violette.de/wp-content/uploads/2017/07/BGE-Wirtschaftsvision-Ergänzung.pdf

COMMONS einfach erklärt und News zum gesellschaftlichen Wandel:

Hauptsache-COMMONS.de

Holger Roloff


Was wundert ihr euch über acht Superreiche? Autor Daniel Kerekes reflektiert ähnliche Fragestellungen bei DIE FREIHEITSLIEBE (hier) und (PDF)

Schauspieler Matt Damon regt zum Nachdenken an  und reflektiert blinden Gehorsam und zivilen Ungehorsam. Was davon brauchen wir? (Video) [Hinweis: Es geht wie bei allen Links nur um diesen einen Beitrag. Wir distanzieren uns wie immer ausdrücklich vom anbietenden Kanal und dessen sonstigen Inhalten und der politischen Haltung, mit der diese dort präsentiert werden! An falschen Querfronten besteht unsererseits kein Intresse!]

Gerd Bedszent Buch Wirtschaftskriminalität 2017

Warum Verbrechen im Kapitalismus den Normalzustand darstellen beleuchtet eine Buchbesprechung vom Autor Thomas Meyer zum neuen Buch von Gerd Bedszent mit dem Titel »Wirtschaftsverbrechen und andere Kleinigkeiten« (hier)

Selbst Extrembeispiele von Wirtschaftsverbrechen und Bankbetrug stellen sich bei genauerem Hinsehen als Normalzustand heraus (hier)

Die Alltäglichkeit der Verbrechen dargestellt im Politkabarett (Video)

Kein Bereich des Lebens wird ausgespart, um auf illegalem Wege Profit zu scheffeln. Im wahrsten Sinne des Wortes wird im Kapitalismus selbst noch aus Scheiße (und der Zutat Korruption) Geld gemacht, wie folgendes Beispiel aus unserem Nachbarland Niederlande zeigt. Schon mal was von der Gülle-Mafia gehört?  (hier)

Die Sinnhaftigkeit der Globalisierung als historisch erreichtem Stand und heutiger Phase in der aktuellen Epoche des Kapitalismus betrachtet aus kritischer-soziologischer Sicht durch Rainer Mausfeld (Video)

Neuseelands neue Premierministerin Jacinda Ardern setzt neuen Kurs, wie ein Artikel auf Netzfrauen.org berichtet (hier)

Bitte Hassen Sie Jetzt – Adventsgruß 2017 – von Sibylle Berg im SPIEGEL online (hier)

Jahresdepression 2017 – manche sehen noch kein Licht am Horizont – (was ohne Spiritualität zugegebenermaßen auch schwierig ist) – gefunden bei JUNGE WELT online (hier)

Die Externalisierungsgesellschaft – wie der Kapitalismus tendenziell versucht seine Problemlagen abzuspalten und auszulagern – kritische Gesellschaftstheorie von Andreas Urban von der Redaktion EXIT (hier)

Handlungsmacht – und das konkret! Offener Brief der EXIT-Redaktion zum Jahreswechsel 2017/18 – durchaus interessant nachzulesen, wie die moderne, kritische Gesellschaftstheorie den historisch erreichten Stand beschreibt (hier)

Die geistigen Hintergründe des gesellschaftlichen Wandels – im Vortrag dargestellt vom Gehirnforscher Gerald Hüther (Video)

Was der Populärphilosoph R.D. Precht hier beschreibt ist lediglich der Beginn des genannten Epochenwechsels, wobei er völlig unkritisch gegenüber der Form „Kapital“ verbleibt und dadurch ausblendet, dass es neue Vergesellschaftsformen geben kann, die ein gutes Leben für alle ermöglichen und die Mitwelt achtsamer behandeln, als es der Kapitalismus je könnte – dennoch deutet sich in diesem Gespräch an, wohin die Reise in etwa gehen könnte (Video)

Es ist leichter sozial-ökonomische Formen jenseits des Kapitalismus denken zu können, wenn man zuvor die wahre Natur des Universums wissenschaftlich und philosophisch verstanden hat – wie diese nach neuestem Stand aussieht stellt diese Doku dar (Video)

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