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"Wenn Frau Merkel glaubt, sie kann die abgeschalteten Kernkraftwerke einfach wieder einschalten lassen und einfach 110 anrufen, wenn es Protest gibt, ist sie bei uns falsch verbunden", sagte Rainer Wendt, Verbandschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt Online.

(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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Archiv für die Kategorie „Wirtschaft“

Die Wachstumsfrage und der Umgang mit Zeit

SRF - Sendung Sternstunde e der PhilosophieBeim SRF – (Schweizer Radio und Rundfunk) gab es gerade eine TV-Diskussion in Basel, die nun auch bei youtube zu sehen ist. In der Fernseh-Reihe „Sternstunde“ wurde zum „Philosophischen Stammtisch“ geladen, moderiert von Yves Bossart. [ Man findet es bei youtube unter dem Titel „Wieviel Wachstum darf noch sein? Philosophischer Stammtisch Sternstunde Philosophier SRF Kultur.“ ] Mit dabei als Studiogäste sind der Vertreter der Postwachs-tumsökonomie Niko Paech, die Philosophinnen Katja Gentinetta und Simone Rosa Miller und der klassische Ökonomen Reiner Eichenberger (Video hier). Zusätzlich gibt es Einschätzungen von zwei weiteren Studiogästen – Alexandra Gavilano (Umweltwissenschaftlerin, Klimaaktivistin und Umwelt-schützerin bei XR – Extinction Rebellion Schweiz) sowie Matthias P. Müller (aus Zürich, liberaler Rechts- und Wirtschaftswissenschaftler, Vizepräsident der Jungfreisinnigen – quasi das Schweizer Jugend-FDP-Äquivalent).

 

 

War das tatsächlich eine „Sternstunde der Philosophie?“

Die Frage wird zum Ende hin beantwortet. Jetzt möchte ich erstmal nur sagen –  das dort Gesagte fiel teilweise leider weit hinter den Stand der aktuellen Erkenntnisse kritischer Theorie zurück. Deshalb ist es vielleicht mal notwendig und an der Zeit, Klartext zu reden und ungewohnt deutlich zu werden. Was insbesondere der Schweizer Ökonom Reiner Eichenberger in die Runde wirft, ist gekennzeichnet von Ideologie, nämlich im Wesentlichen von der „Harmonielehre des Marktes“, also das, was man uns seit Jahrzehnten einbläut, obwohl es längst an der Realität gescheitert ist (wäre es anders, würde diese Diskussion gar nicht notwendig). Wie immer hört man die Behauptung,„man müsse Marktwirtschaft nur richtig machen, dann würden die Probleme auch wieder verschwinden“. Teilweise widerspricht er sich dabei selbst, z.B. beim Thema Umweltschäden, was er meint auf „schlechte Politik“ abschieben zu können, obwohl die zum System dazu gehört, wenn man z.B. an all die Polit-Karrieristen und ihre Seilschaften, Korruption, kriminelle Mafia-Verstrickungen, persönliche Vorteilsnahme und Unterschlagungen usw. denkt, also Dinge, die unabhängig von der in einem Land herrschenden Geschichte, Kultur, Religion etc. auftreten. Sie sind also dem Kapitalismus zuzuordnen. Andererseits kann es aber aus dem gleichen Grund nicht überall die gleich schlechte Politik geben, weil verschiedene Länder auch andere ethisch-moralische Sichtweisen und andere historische Erfahrungen mitbringen. Davon abgesehen sind Eichenberger`s Argumente, Einwände und angeblichen Lösungswege bezüglich der Wachstumsfrage nicht nur in der empirischen Forschung längst widerlegt, sondern auch die wirklichen Ursachen theoretisch sehr plausibel hergeleitet und begründet worden (vgl. z.B. „Ein Widerspruch aus Stoff und Form“, Ortlieb/2008). Eine Sammlung an Links, die das zusätzlich belegen, ist wie gewohnt unter dem Artikel angefügt.

Herr Eichenberger haut sich die Taschen aber überraschenderweise so dermaßen voll, dass man als Zuschauer dann doch erstaunt ist und fast Mitleid bekommen könnte. Man sieht auch, wie im Publikum sich manche die Hand vor den Mund halten, um das Grinsen zu verbergen. Reiner Eichenberger hält als typischer Vulgärökonom die Marktwirtschaft, also die kapitalistische Produktions- und Lebensweise, für den quasi Naturzustand der Welt. Er kann sich offenkundig gar nichts anderes vorstellen. Er glaubt abgöttisch, was er da erzählt. Anstatt das angesichts der weltweiten Problemlage endlich kritisch zu hinterfragen, muss er sich Markt und subjektiven Wert als Problemlöser vor allem selbst immer wieder einreden und bestätigen, auch mit hanebüchenen, für den Zuschauer ganz offensichtlich falschen Argumenten, die vor allem von Niko Paech aber auch Simone Rosa Miller umgehend sehr anschaulich kritisch hinterfragt und widerlegt werden. Ich könnte da selbst noch jede Menge hinzufügen, möchte mir das aber an dieser Stelle allein aus Platzgründen ersparen und verweise lieber auf die zahlreichen Artikel auf dieser Seite, die dazu bereits reihenweise Argumente geliefert haben.

Identitätsstiftend betont Eichenberger dann auch auffällig seinen Status ein „Ökonom“ zu sein (er meint natürlich einen „bürgerlichen“ versteht sich…was auch sonst) und weist das auch den anderen in der Runde zu…offenbar gut gemeint als kleinsten gemeinsamen Nenner, da er sich schnell mit seinen Argumenten in der Defensive fühlt. Auch aus Sicht des Zuschauern erscheint das so. Wirklich retten kann ihn das aber nicht.

 

Hoch in den Schweizer Bergen

Sehr ähnlich mit Schieflage argumentiert auch die Dame neben ihm – Katja Gentinetta – die einem Technikfetisch anheim fällt und glaubt, die Ingenieure werden alle Probleme lösen. Also müsse man sich um sowas wie die Klimakrise nicht wirklich Sorgen machen, sondern nur Geduld haben und Vertrauen in die großen Hightech-Konzerne setzen. Dabei verursachen die ja oft sogar neue Probleme, die wir ohne sie gar nicht hätten. Niko Paech widerlegt das dann auch sehr gut. Und der Moderator sprich dann bezüglich des Vertrauens auf rein technische Lösungen auch von Technikblindheit. Aber woher kommt so eine Haltung, wie sie Frau Gentinetta vertritt?

Tja, die Schweizer Berge liegen eben recht hoch. Da kann man sich die Weltanschauung leicht und schön zurecht basteln. Man fühlt sich dort sehr sicher. Das Meer wird kaum bis da oben vordringen, wenn der Meeresspiegel steigt. Da fällt es manch bürgerlichem Subjekt scheinbar umso leichter auszublenden, dass weltweit längst reihenweise Küstengebiete unter Land gegangen sind und die Menschen aus ihrer angestammten Heimat endgültig und ohne Aussicht auf Rückkehr fliehen mussten. Selbst in Europa, aktuell in Venedig, musste gerade öffentlich der Notstand ausgerufen werden, da der berühmte Markusplatz durch ein Rekordhochwasser dauerhaft unter Wasser steht – siehe (Video 1) (Video 2) (Video 3) (Video 4). Da konnten selbst die Ingenieure mit einem Schutzmauerprojekt nichts mehr retten – Dank Korruptionsskandal übrigens – ein übliches, weil zum Kapitalismus immer gehörendes Phänomen, welches in Italien bekanntlich einen besonders festen Stammplatz inne hat.

Aber wen interessieren in der Schweiz schon Fakten, wenn man selbst gemütlich hoch oben in der Berghütte Glühwein schlürft oder in einem trockenen Baseler TV-Studio so vor sich hin philosophiert? Bei mir als Zuschauer hinterließ Katja Gentinetta eher den Eindruck, sich noch nie ernsthaft mit der Problemlage und dem Thema beschäftigt zu haben.

Richtig von ihrer Seite aus war zwar der Hinweis, dass Menschen den Drang haben kreativ und produktiv sein zu wollen, um selbst besser zu werden und auch das eigene Leben besser zu machen (*). Aber das bedeutet keineswegs, dass das zwingend zu einem ewigen oder gar destruktiven Wachstum führen muss und wir als Spezies unsere Mitwelt quasi der menschlichen, biologisch-mentalen Natur folgend zerstören müssen. Ein Biber verändert auch drastisch den Flusslauf, indem er Zweige heran schafft und damit Wasser aufstaut. Aber er wäre von Natur aus nie so dumm, es dabei so weit zu treiben, den Fluß zu verschmutzen oder zu zerstören, so dass er dort gar nicht mehr leben könnte oder vor ihm fliehen müsste. Auch die Indianer in Nordamerika hatten großen Respekt vor der Natur, jagden und töteten nur so viele Tiere, wie sie wirklich zum Überleben brauchten. Erst die weißen Trapper mit ihren Langbüchsen rotteten die Bisons fast aus – nur weil sie zeigen und beweisen wollten, dass sie es technisch konnten. Die Trapper waren in ihrer Denkform bereits kapitalistisch vergesellschaftet. Das machte den Unterschied.

Niko Paech gelang es glücklicherweise auch sofort, dieses Plädoyer als ursächlich für den Wachstumszwang zu entkräften. Dass es auch ein Wachstum an Wohlbefinden, innerer Ruhe und Kraft geben könnte, an mehr Freizeit, Zeit um in sich zu gehen, für Muße und Bildung, für die Familie usw. kam Frau Gentinetta gar nicht in den Sinn. Wie auch? Dem warenförmigen Subjekt erscheint das Leben oft nur als erfolgreicher Konsum. Haste was, biste was, haste mehr, biste mehr.

Zur Ehrenrettung der Schweiz sei übrigens angemerkt – es gibt dort auch großartige, weitsichtige Autoren, die das ganz anders sehen als Frau Gentinetta!


Wachstum verbieten oder Wachstumsgrenzen überwinden?

Hier schiebe ich zunächst ein, was die beiden zusätzlichen Studiogäste zum Thema sagen. Die Umweltforscherin Alexandra Gavilano wird zunächst nach ihrem Plan B befragt, wenn sich in der Klimapolitik nichts ändere. Genüge es, dass wir uns als Individuen einfach nur anders verhalten? Aus ihrer Erfahrung, so die Antwort, nein. An die individuellen Personen in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und der Finanzwelt wurde seit Jahrzehnten appelliert – geändert habe sich grundsätzlich nichts. Sie sieht bzw. fordert deshalb einen Wertewandel, zu dem auch Maßnahmen wie sinnvolle Verbote gehören, wenn es nicht freiwillig geht.

Das ist sicherlich als Befund richtig. Ich würde sogar hinzufügen, dass übergangs-weise vieles im Alltag tatsächlich anders gestaltet und begrenzt werden könnte und angesichts der Problemlage auch müsste. Doch ein grundlegendes Problem übersieht Frau Gavilano dabei. Es hat einen triftigen Grund, warum alle Appelle ans Individuum nichts bringen. Ohne den Bezug zu den gesellschaftlichen Kategorien herzustel-len und grundsätzlich zu ändern, in denen die Individuen agieren und quasi syste-misch gefangen sind, werden auch Verbote langfristig erfolglos bleiben. Ich werde weiter unten noch näher darauf eingehen.

Der Wirtschaftsliberale Matthias Müller ist da ganz anderer Meinung. Er ist der Auffassung, menschliche Kreativität und Schöpfergeist hätten schließlich auch früher, z.B. schon in den 1970er Jahren vorausgesagte Wachsumgrenzen, überwunden. Warum solle das in der Zukunft nicht so sein?

Dem würde ich entgegnen, dass er damit gleich doppelt falsch liegt. Er verfehlt mit der Antwort nicht nur das Thema, denn es geht ja nicht darum, ob auch in Zukunft Ingenieure neue Technik, Kühlschränke, Handys und Autos erfinden und im materiellen Wachstumssinne bauen könnten – das bezweifelt niemand – sondern es geht darum, wie zerstörerische diese Art Produktion und Konsum dann sein werden, angesichts der Befunde, die wir heute schon weltweit sehen. Es mangelt ja auch heute keineswegs an Produktionsausstoß – und der wird zukünftig mit Hilfe der Digitalisierung der Produktionsfabriken sogar noch steigen. Er mißversteht die Logik und vor allem die Dynamik seines eigenen Gesellschaftsmodells und ignoriert, warum die Schäden heutzutage überhaupt auftreten. Primär zerstört niemand die Welt absichtlich. Warum auch? In Wahrheit ist das aber kein Nebeneffekt, der quasi nur aus Versehen oder Unachtsamkeit auftritt und der sich systemimmanent technisch leicht abstellen ließe, sondern er entspringt der gesellschaftlichen Inwertsetzung, die Müller natürlich als richtige, ja sogar einzig mögliche stillschweigend voraussetzt.

Ebenso fragwürdig bzw. in gewisser Weise falsch ist der Verweis von Matthias Müller auf andere Länder, z.B. in Asien, Afrika und  Südamerika, wo die Menschen bekanntlich auf die Straße gehen und demonstrieren, weil nicht genügend Wachstum vorhanden ist, da die jeweiligen Regierungen unzureichende juristische Grundlagen für die Rahmenbedingungen setzen und eine falsche Wirtschaftspolitik betreiben. Das stellt in Wahrheit niemand in Abrede, kein Postwachstumsökonom und nichtmal die schärfsten Kapitalismuskritiker, weil diese Länder sich in Weltregionen einer „nachholenden Modernisierung“ (Robert Kurz) befinden. Sie haben selbstverständlich ein historisches Recht auf Wachstum, um ebenfalls ein ausreichend hohes Lebensniveau erreichen zu können. Das heißt aber, dass wir im hoch entwickelten, reichen Westen, der das schon längst erreicht hat und bereits weit über seine Verhältnisse lebt, im Gegenzug endlich weniger Ressourcen verbrauchen müssten. Unser Verbrauch steigt jedoch.

Dieses Argument taugt also keineswegs, Wachstum per se zu erklären oder gar zu rechtfertigen, wie Müller das meint, sondern es zeigt lediglich auf, dass es rund um den Globus geschichtlich bedingte Unterschiede im Entwicklungsstand der Kapitalform gibt. Darauf gilt es einerseits Rücksicht zu nehmen und andererseits diese Länder aktiv in internationale Naturschutz- und Klimaziele mit einzubeziehen, soweit das angesichts der Wachstumsdynamik und den Erfordernissen gegenwärtig möglich ist. Wir, als Nutznießer der bisherigen Geschichte, müssten auf jeden fall vorangehen und sie dabei bestmöglich unterstützen, z.B. durch Wissenstransfer.

Blind in Bezug auf die Gesellschaftsform

Grundproblem dieser philosophischen Runde: die Studiogäste sind alle normale, kapitalistische Ökonomen oder können nur im Rahmen einer Konsum- und Warenwelt denken. Leider ist kein echter Kapitalismuskritiker dabei, vor allem keiner, die sich auf die Wertetheorie bezieht. Der könnte die Runde konsequent und komplett auseinandernehmen. Warum wurde z.B. ein Wirtschaftsautor wie Thomas Konicz nicht eingeladen? Der hat schon sehr viel zu dem Thema geschrieben und hätte echte Argumente. Seine Bücher zählen aktuell zum Besten, was es derzeit im deutschsprachigen Raum gibt. Aber vor solchen Leuten hat man natürlich Angst, denn die sprechen tiefer gehende Wahrheiten aus und werfen Fragen auf, die man fürchtet (s. Konicz.info).

Was an diesem „Philosophischen Stammtisch“ nämlich alle ausblenden sind die gesellschaftlichen Verhältnisse, die ganze sozio-ökonomische Form – also die Warenform – so, wie sie unseren Alltag bestimmt.

Niko Paech kann ich durchaus zu 90% zustimmen, weil bzw. solange er sich argumentativ auf der Ebene des „stofflichen Reichtums“ (Karl Marx), der Natur und Ökologie bewegt, bin ich völlig bei ihm. Ich hab ihn persönlich schon getroffen und mit ihm diskutiert. Was er grundsätzlich vorschlägt halte ich sachlich gesehen für richtig. Er glaubt aber, das alles ginge problemlos und weiterhin warenförmig. Genau da hab ich ihm bei seinem Vortrag in Hamburg (im Werk 3/ das war so ca. 2010/2011) widersprochen und Fragen gestellt, die er dann auch nicht mehr schlüssig beantworten konnte. Da lag ökonomisch gesehen sein blinder Fleck. Ich werde das gleich näher beleuchten. Diesen blinden Fleck führt hier in der gesamten Fernseh-Runde auch niemand als Argument für Wachstum an (soviel zum Thema „wir sind alle Ökonomen“), so dass die wirklich relevanten Argumente für den Zuschauer verborgen blieben. Wo keine Präsenz, da keine Wahrnehmung. Die echten, nämlich gesellschaftlich gesetzten Gründe für den Wachstumszwang blieben so leider völlig ausgeblendet. Genau deshalb ist diese Diskussionsrunde dem Zuschauer leider so manches schuldig geblieben… Ein guter Grund, jetzt näher darauf einzugehen.

 

Warenform, Wertschöpfung und Wachstum

Warenform bedeutet immer Wertschöpfung. Kapitalismus basiert auf „abstraktem Reichtum“ und somit immer auf dem kaufmännischen Wertschöpfungsprinzip. [ Niko Paech spricht das auch kurz mal an, spinnt den Faden aber leider nicht weiter. ] Das bestimmt alle wirtschaftlichen Zyklen. Es funktioniert aber nur, wenn die Finanzen und das Gesamtsystem inkl. des Produktionsausstoßes wachsen.

Grund: Der Wert einer Sache wird durch die monetäre Form selbst dann festgehalten, wenn das Produkt längst verbraucht ist, also z.B. aufgegessen wurde (z.B. Nahrungsmittel, Süßigkeiten etc.). Dieser abstrakte Wert wird dann (in die Geldform verwandelt) zum Ausgangspunkt für den nächsten Verwertungszyklus. Es bildet sich ein selbstreferenzielles, quasi automatisches Feedbacksystem (bildlich eine Wachstumsspirale) mit allmählich exponentiellem Anstieg. Damit meine ich keineswegs nur Zins- und Zinseszinseffekte, wie manch einer vielleicht denken mag. Zinsen im engeren Sinne gehören durchaus zum Problem, sind aber nur ein (Kosten-)Faktor unter vielen. Das Wesen des Problems ist viel allgemeinerer, denn es ist ursächlich untrennbar mit der Warenform verbunden. Kein kapitalistischer Warenproduzent stellt überhaupt irgendwas für menschliches Bedürfnis her, wenn er hinterher nicht mehr Geld in der Tasche hat, als am Anfang. Und die dabei erzielten Gewinnmargen sind deutlich höher als Zinsen. Das wird bei solchen Diskussionen stets übersehen, weil es objektiv als auch in der Denkform des Marktsubjektes tief verankert, so dermaßen systemimmanent ist, also schon vor jedem Gedanken existiert, dass es als unabänderlich vorausgesetzt wird. In der Psychoanalyse von Siegmund Freud ist es das kollektiv Unbewusste, das „Es“. Es ist immer da, bevor überhaupt ein erster, halbwegs klarer Gedanke gefasst werden kann. Karl Marx charakterisierte den Kapitalismus deshalb auch als Fetischgesellschaft. Dem Fetischisten erscheint das hingegen als normal. Daran zu rütteln wäre glatt Blasphemie.

Doch genau da liegt die Crux. Je mehr Waren historisch produziert wurden, desto höher war deren monetäre Repräsentanz, also der Gesamtwert. Es musste auch stetig mehr Geld in Umlauf gebracht werden, bis z.B. Anfang der 1970er Jahre die Golddeckung des Dollars nicht mehr aufrecht zu halten war, da es nicht genug Gold dafür gab. Mehr ließ sich damals schon nicht fördern; von heute, wo in jedem Land in Milliarden oder gar in Billionen gerechnet wird, ganz zu schweigen.

Bewegungsmuster des Kapitals

Das Kapital strebt automatisch immer zum Maximalprofit und hat mit Bedürfnisbefriedigung rein gar nichts zu tun, denn es produziert ebenso Mangel, wie z.B. Hunger, Wohnungsnot usw. Ebenso hat es nichts mit Gier zu tun (**), wie es der Moderator Yves Bossart zum Ende hin meint, sondern es liegt in der Logik der Strukturen des kapitalistischen Verwertungszusammenhangs selbst, denen es tief eingeschrieben ist. Wachstum ist als Rahmenbedingung für den Verwertungsprozeß (= „Die Verwertung des Wertes“, Robert Kurz) objektiv(!) notwendig und eben keine Frage des subjektiven Willens. Sowie das Wachstum stagniert oder gar rückläufig wird, kriegt der Kapitalismus deshalb auch ein massives Problem. Wer als kapitalistischer Moderator Yves BossartDienstleister oder Warenproduzent in der Marktkonkurrenz zurückfällt oder durch unbeglichene Zahlungsforderungen im Wachstum ausgebremst wird, gerät selbst in finanzielle Schieflage, kann letztendlich „freiwillig“ bzw. aktiv dicht machen oder bekommt Besuch vom Konkursverwalter, weil im eigenen Unternehmen zu viele Rechnung offen bleiben. Dann wird der Laden notfalls unfreiwillig geschlossen. Erzeugt das einen Dominoeffekt in der ganzen Wirtschaft, dann ist Krise. Lohnabhängig Beschäftigte landen beim Arbeitsamt. Massenkaufkraft geht verloren.

Das ist immer und weltweit überall gleich, also objektiv und gesetzmäßig, d.h. unabhängig von Land und Leuten, Moral und Ethik, Religion und Kultur, dem Entwicklungsstand von Wissenschaft und Technik etc. – wobei es eigentlich nicht so sein müsste, denn es handelt sich ja nicht um ein Naturgesetz (auch wenn es wie ein Naturgesetz unabhängig vom Bewusstsein wirkt), sondern um ein gesellschaftliches Gesetz – nämlich das des Marktes und der inneren Funktionslogik des Geldes (kaufmännische Regeln). Es sind nur soziale Formen und deshalb auch kein echter Sachzwang! Es handelt sich soziologisch gesehen rein um gesellschaftliche Konventionen. Es wäre also veränderbar.

Naturzerstörung und negative Klimabeeinflussung sind also in der Endkonsequenz keineswegs unabänderliche Notwendigkeiten und Erscheinungen, sondern Ergebnisse eines der Tauschlogik basierenden Wirtschaftssystems. Schon heute handeln viele Länder so, als wenn wir mehrere Planeten Erde zur Verfügung hätten (siehe Balken Grafik „Ressourcenverbrauch“).

Grafik Ressourcenverbrauch im Vergleich

Grafik Ressourcenverbrauch im Vergleich

Umgang mit Zeit als Charakteristikum

Richtig ist vielmehr das Argument von Niko Paech, dass man die allgemeine Arbeitszeit drastisch absenken müsste, auf 20 h und langfristig sogar auf 5 bis 10h, also durchschnittlich maximal 2 h Arbeit pro Tag. Mehr braucht man für ein gutes Leben aller Menschen bei unserem hohen technologischen Entwicklungsstand nicht. Selbst im Mittelalter haben die Menschen bekanntlich nur 4 h gearbeitet und man kannte nur Wasserräder,  Windmühlen, Pferde und Ochsen als Antriebsmittel. Nur – das war auch keine bezahlte Lohnarbeit bzw. wäre – in die Zukunft gedacht – keine „Arbeit“ im heutigen Sinne mehr, sondern das wären unbezahlte aber dafür durchweg sinnvolle, konkrete Tätigkeiten im Sinne des Gemeinwohls, wozu auch Produktion und Dienstleistungen zählen. Sie wurden (historisch) und würden (utopisch) ausgeführt, weil sie sinnstiftend und notwendig sind, also dem Leben und der Gemeinschaft dienen. Dann könnten auch alle heutigen Gründe entfallen für Umweltzerstörung, Ausbeutung, Plastik-Müllberge, die Produktion von Produkten, die schlecht oder gar nicht mehr zu reparieren sind usw.

Das setzt zukünftig allerdings eine strikte Demokratisierung des Wirtschaftslebens voraus (Basisdemokratie, PARECON = Partizipative Ökonomie) bzw. ein Räte- und Allmende-System, aus dem Englischen kommend auch oft als Commons bezeichnet.

Kapitalismus jedoch ist dadurch gekennzeichnet und charakterisiert, dass die bestimmende Tätigkeitsform ihrem Wesen nach „abstrakte Arbeit“ ist. Diesen abstrakten Charakter würde sie zukünftig in einer nicht-warenförmigen Ökonomie, die der direkten Bedürfnisbefriedigung dient, verlieren zugunsten von „konkreter Arbeit“ bzw. besser konkreten Tätigkeiten (Allmendieren, Commoning). Das Grundprinzip wäre langfristig gesehen und nach einer Übergangsperiode nicht mehr der Tausch (Äquivalententausch mit Geld als Königsware), sondern das bewusste Beitragen nach dem Prinzip des additiven Nutzens (vgl. auch „Die violette Wirtschaftsvision“, 2013). Die Strukturen würden auf Kooperation basieren, anstatt auf Konkurrenz.

Beitragen anstatt Tauschen

In einer warenförmigen Wirtschaftsform, einer Tauschgesellschaft, hängen Markt, Geld, abstrakte Arbeit und Wachstumszwang also strukturell zusammen. Der bürgerliche Staat ist lediglich der Wachhund, der mit scharfen Zähnen (Gewaltmonopol, Justiz, Polizei usw.) sowie lautem Bellen (Ideologien, Propaganda, linientreue Medien) darauf aufpasst, dass das auch so bleibt.

In einer nicht-warenförmigen Wirtschaft könnten alle Tätigkeiten, die vorher nur wegen der Form „Kapital“ und des Geldes wegen existierten, entfallen. Man bräuchte kein Geld mehr. Man bräuchte damit auch keine Sicherheitsdienste für Geldtransporte, keine Banker, keine Steuerberater, keine Hedgefond-Manager, keine Finanzbeamten, keine Börsenmakler und sonstigen Spekulanten. Die Polizei hätte es mit deutlich weniger Kriminalität zu tun. Viele Personengruppen, könnten nun ebenfalls produktiv tätig werden oder nützliche Dienstleistungen für das Gemeinwohl ausführen. Dadurch könnte sich der Rest an notwendiger Arbeitszeit bzw. Tätigkeitszeit auf alle Schultern verteilen lassen. Das würde zu einer massiven Absenkung der „Arbeitszeit“ sowie zu einem Sinken des „Renteneintrittsalters“ führen. Dieser richtige Umgang mit Zeit wäre ein typisches Merkmal, eine  Hauptcharakteristik einer natürlichen Wirtschaftsform, einer Ökonomie im ursprünglichen Sinne, die an der Sache, ökologischen Notwendigkeiten und sozialen Maximen orientiert ist, also orientiert an einem guten Leben für alle, anstatt an der Jagd nach abstraktem Maximalprofit für wenige.

Fazit: Spannend ist diese TV-Diskussion im SRF auf jeden Fall – es lohnt sich das anzuschauen. Teilweise ist es insofern zumindest eine kleine „Sternstunde der Philosophie“, weil endlich mal verbal Widerspruch gegen die ewig gleichen Scheinargumente vorgebracht wird, die sich in der Praxis ohnehin längst blamiert haben, aber dennoch immer und immer wieder kommen, weil deren Protagonisten sich hartnäckig weigern umzudenken. Lieber ignoriert man, was nicht zur eigenen Lehre paßt oder versucht das irgendwie zu integrieren. Man wiederholt das, was man jahrelang eingetrichtert bekommen hat. Niko Paech hat dazu gelernt. Er konnte dafür nicht in Gänze auf vorgefertigte Lehren zurückgreifen, sondern musste seinen Gedanken erst selbst entwicklen,  um zu neuen Einsichten zu kommen. Deshalb Wirken seine Argumente auch fundiert und glaubwürdig, in sich (fast schon) vollständig schlüssig. Den Rest an blindem Fleck hatte ich ja oben schon benannt. Drücken wir die Daumen, dass auch der irgendwann noch verschwinden wird.

„Das Geld ist nicht nur eine Sache, sondern ein gesellschaftliches Verhältnis.“ (Karl Marx, 1847 in »Das Elend der Philosophie«)

„Die Grenze des Kapitalismus ist das Kapital.“ (Karl Marx)

Erstaunlicherweise ist von Geld in der ganzen Wachstumsdebatte beim SRF gar nicht die Rede. Es gibt aber noch ein deutlichen Zeichens, welches gegenwärtig das bevorstehende, historische Ende des kapitalistischen Weltsystems ankündigt – und das hat was mit Geld zu tun. Wir leben im Zeitalter des Negativzins. Das ist nicht nur das Ende des heutigen Finanzsystems, wie der Moderator des folgenden Videobeitrages Ernst Wolff meint (s. Video), was durch ein „demokratisches Geldsystem“ irgendwie noch zu kitten wäre, sondern das Ende der Tauschlogik und der kapitalistischen Produktions- und Lebensweise an sich (***). Das Negativzins-Dilemma ist lediglich der äußere Ausdruck davon, der an der Oberfläche zusammen mit Umweltschäden, Klimaschäden, Artensterben usw. sichtbar wird. Dem liegt durch die Warenform ein tief greifenden Wertesystem in der Produktions- und der Konsumwelt zugrunde, welches auf abstrakter Arbeit und unendlicher Wertverwertung ausgelegt ist (= Mehrwertproduktion) und dazu eben ein unendliches Wachstum als notwendige Randbedingung braucht. Der Grund kapitalistischer Krisen ist und bleibt immer der Mangel an Mehrwertproduktion. Und der erscheint in der abstrakten Form des Geldes.

Holger Roloff, 23. November 2019

(*) – dieses Argument ist sozusagen kurios, weil äußerst „flexibel“. Hier wurde es als Grund für das Wachstum vorgetragen. Im Zusammenhang mit Diskussionen um ein Grundeinkommen wird es hingegen unterschlagen und stattdessen unterstellt, der Mensch sei per se faul und mit einem BGE würde ja niemand mehr arbeiten. Das zeigt, auf welchen Widersprüchen die Denkform bürgerlicher Ökonomie generell basiert…

(**) – dieses Argument ist durch die Sozialforschung vielfach untersucht und widerlegt worden; Gier entspringt einem inneren, emotionalem Mangelzustand und tritt nur auf, wenn die gesellschaftlichen Normen ein derartiges Verhalten erlauben, rechtfertigen oder gar belohnen, was im Kapitalismus bekanntlich der Fall ist.

(***) – das Argument bedeutet allerdings nicht, dass ein demokratisiertes Geldsystem z.B. durch Gründung einer Monetative, keine gute Idee wäre. Für den Übergang zu einem anderen Gesellschafts- und Wirtschaftssystem jenseits von Markt und Geld könnte so eine neues Geld durchaus helfen, diesen Übergang besser zu ermöglichen und wirkungsvoll zu gestalten.

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Eine Perspektive des zivilen Widerstandes ist möglich, aber nur dann sinnvoll, wenn sich wirklich substanziell etwas ändert. Andernfalls verhallen alle FFF-, Naturschutz- und Klimaschutzproteste in einem nur grün lackierten „weiter so wie bisher“. Wir brauchen das Ende aller Kriege, eine massive Abrüstung und den Beginndes Aufbaus eine humanen Wirtschaftssystems! Ein Standpunkt von Jens Wernicke für KenFM (hier)

„Ein Widerspruch von Stoff und Form“: (hier online) und (hier als PDF)

Die 4.Dimension als unlösbarer Widerspruch des Kapitals (hier)

Im Jammertal von EZB und Niedrigzins (hier)

Langfristig müssen wir viele Küstenstädte einfach aufgeben – Klimaexperte äußert sich BILD (hier)

Marktwirtschaft schön grün lackiert (hier)

Erüberlastungstag auf Wanderschaft (hier)

#AlleFürsKlima bei #FridaysForFuture (hier)

Wohin geht der ökonomische Trend…? (hier)

Fabian Schilder: 16-Punkte-Programm für den sozial-ökologischen Umbau (hier)

Wohlstand neu erfinden – welche echten Alternativen es gibt (hier)

Was bedeutet ein Epochenwechsel – ein größer Blick auf den Wandel (hier)

Wachstumszwang, Konsumverhalten, Narzissmus hängen in der bürgerlichen Psyche zusammen und nehmen zutiefst katholische Züge an – Hans-Joachim Maaz im Gespräch (Video)

Buch: Die Öko-KatastropheDie Öko-Katastrophe – das Buch mit Berichten aus aller Welt zum Tempo des Klimawandels (hier) Interview dazu mit Dirk Kohlmann (Video)

Fragen zum Stand der Klimaforschung an Harald Lesch und Klimaforscher Prof. Stefan Rahmstorf (Video)

„Ohne Systemtransformation wird die Erhaltung der Lebensgrundlagen der Menschheit nicht gelingen“ – Telepolis Interview mit Ingenieur und Soziologen Dr. Wolfgang Neef (hier)

Neujahrsbotschaft 2020 von Axel Burkhart an alle ökologisch aktiven Menschen (Video). Deckt sich mit unserem spirituellen Ansatz.

Die Geschichte der Marktwirtschaft geht ihrem Ende entgegen, da ihre Wachstumsdynamik unerbittlich an die äußere Schranke der Kapitalverwertung stößt. Dass der Kapitalismus aktuell überhaupt noch läuft, hängt am seidenen Faden der Gelddruckmaschinen (Video)

Arbeitsplätze oder Klima? – Die Feuer-Katastrophe in Australien lässt die Unvereinbarkeit von Kapitalismus und Klimaschutz offen zu tage treten – von Thomas Konicz für Telepolis (hier)

Nicht nur der Umgang mit der Größe Zeit ist falsch – auch die Nahrungsmittel sind optimiert für den jeweiligen Herstellungsprozess, anstatt für die Gesundheit von Mensch und Tier – Vortrag des Mediziners Prof. Dr. med. Jörg Spitz  sorgt für Aufklärung (Video)

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Im Jammertal von EZB und Niedrigzins

Europa steckt schon wieder (oder besser immer noch) in einer handfesten Krise. Diesmal erscheint sie äußerlich als eine Krise des Geldes. Es klingt im Jahr 2019 so, als wären wir mitten in einem Jammertal. Immer lauter sind die Klagerufe gegen die Europäische Zentralbank (EZB) und ihre Geldpolitik zu hören. Das bürgerliche Subjekt beklagt die Niedrigzinsen und malt sich in der Folge eine Tragödie nach der anderen aus. Meine Rente, meine Ersparnisse…oh jee… Da fällt die Politik gerne in den Chor der Jammernden ein. Und was macht die Presse? „Deutschland droht die Dexit-Debatte“, titelt z.B. DER SPIEGEL Online (hier) und (als PDF). Müssen wir da einstimmen?

Geld- und Zinskrise sind nur die Oberfläche

Wer versteht, wie Kapitalismus eigentlich funktioniert und welche widersprüchliche Dynamik ihm innewohnt, der kann auch erklären, was die eigentliche Ursache für die Krise ist. Die Geldpolitik der EZB jedenfalls nicht. Kein Banker verzichtet freiwillig auf Zinsen. Die EZB reagiert mit ihrer Niedrigzinspolitik vielmehr nur auf die innere Krise des Kapitals.

Diese Krise ist im Kern die Wertschhöpfungskrise der 1970er Jahre, die nie behoben, sondern nur immer weiter nach hinten verschoben wurde. Sie hat sich in den 80er/90er Jahren durch innovative Sprünge in der Technik, insbesondere das Aufkommen sehr schnell getakteten PCs und deren massenwirksame Vernetzung zum Internet beschleunigt, weil damit enorme betriebliche Rationalisierungspotentiale einhergingen. Ende der 90er Jahre setzte man große Hoffnungen auf die „New Economy“ am „Neuen Markt“ der Börse. Erinnert sich noch wer? Man träumte vom nächsten großen Aufschwung, an den heute nur noch Karikaturen erinnern (wie hier) und (hier). Wo ist das geblieben? Richtig, es ist derart kollabiert, dass das gesamte Börsensegment „Neuer Markt“ eliminiert werden mußte. Alles schon vergessen? Oder ist es seit dem wieder besser geworden? Keinesfalls. Alan Greenspan (FED – der amerikanischen Notenbank) zog 2001 die Notbremse, damit der Weltkapitalismus nicht völlig abschmierte und drehte alle Geldhähne gleichzeitig auf (der so genannte „Sündenfall des Neoliberalismus / Monetarismus“), in der Hoffnung, das würde die Wirtschaft wieder ankurbeln (vgl. „Das Weltkapital“, R. Kurz).

Spekulation anstatt Produktion

Doch das Geld floss mangels zu erwartender Gewinne aus realer Warenproduktion natürlich nicht in die Realwirtschaft, sondern in die Spekulation mit Immobilien einerseits und fiktiven Geldanlagen (Finanzderivate) andererseits, um dort quasi Mehrwertproduktion zu simulieren. Das crashte ebenfalls, nämlich 2007/2008. Seit dem hat sich die Technik noch weiter entwickelt (Web 2.0) und das Spekulieren ging nahezu ungehemmt weiter. Die „innere Schranke der Kapitalverwertung“ (Robert Kurz) macht sich zunehmend geltend und läutet allmählich das Ende des Spätkapitalismus ein (vgl. „Der Kollaps der Modernisierung“, R. Kurz). Es wird immer teurer, nach kapitalistischen Kriterien Arbeitskräfte erfolgreich anzuwenden. Also hat man über Jahrzehnte Produktion in Billiglohn-Länder verlagert und im Inland auch einen wachsenden Billiglohnsektor etabliert, indem man die Menschen künstlich über das Hartz IV System arm gerechnet hat. Man wehrte sich in Deutschland sogar ewig gegen einen Mindestlohn und malte dessen Einführung mit Horrorszenarien aus. Erneut hoffte man gleichzeitig auf den großen Aufschwung, ohne das der wirklich in Sichtweise geriet, wovon wieder nur Karikaturen blieben (s. hier) und (hier).

Das kapitalistische System ist in Wahrheit nicht nur moralisch-ethisch am Ende, sondern wird auch wirtschaftlich nur noch mit der heißen Nadel (Kreditwesen, Spekulations- und Scheingewinne) am Leben gehalten. Würde es hingegen ein sich selbst tragendes Wachstum mit ausreichender Mehrwertproduktion geben, wäre all das historisch nicht notwendig gewesen. EZB-Chef Mario Draghi experimentiert mit Zinsvarianten, um erneut einen Hoffnungsschimmer von Aufschwung zu erzeugen (s. hier). Doch der Kapitalismus ist längst zu seiner eigenen Real-Karikatur geworden.

Buchcover Dr Systemwechsel, Albert T. Lieberg, 2018

Hilfe, was bloß tun – schreit die EZB

Was die EZB macht, ist ein verzweifelter Hilfeschrei, eine Notmaßnahme, weil eigentlich längst nichts mehr geht. Und nun steht Industrie 4.0 vor der Tür. Ein kleiner Teil des billigen Kredit-Geldes der EZB könnte da noch investiert werden, was das Gesamtproblem langfristig jedoch verschärfen wird. Dann geht der Jobkahlschlag nämlich erst richtig los. Lediglich ein breit gestreutes BGE nach dem Helikopter-Prinzip könnte das eine Zeitlang etwas abmildern und etwas Kaufkraft zurück bringen. Aber auch das wird das Problem dauerhaft nicht lösen.

Was wir wirklich brauchen, ist ein völliges Umdenken und eine Strategie zur „Demonetarisierung der Gesellschaft“ (vgl. „Der Systemwechsel“, Lieberg 2018). Das geht aber nur, wenn die gesamte, auf dem Kapitalgedanken basierende Produktions- und Lebensweise umgewälzt wird. Aufzuheben und zu überwinden sind die Warenform, die Form der abstrakten Arbeit, so dass auch Geld überflüssig wird, um leben zu können. Alles andere sind Illusionen. Es wird kein ausreichendes Wachstum mehr geben, ohne auch noch den Rest an Naturgrundlagen auf dem Planeten Erde zerstören zu müssen (s. Blog Postwachstum). Da stößt das heutige System auch an die „äußere Schranke der Kapitalverwertung“ (R. Kurz). Die ist absolut und sozusagen nicht verhandelbar. Da kann es keine Kompromisse geben, sondern nur die Einsicht, sie zu respektieren. Sonst wird es bitter, weil richtig destruktiv. Schon jetzt tobt weltweit ein neues Wettrüsten, um im Ringen um die letzten Ressourcen bestehen zu können. Doch das ist unsinnig, denn es handelt sich um ein rein sozial-ökonomisches Problem. Gefragt sind kritische Soziologen und eine kategoriale Kritik, die Grundlagen für Lösungen aufzeigen.

Ressourcenwirtschaft anstatt Marktwirtschaft!!!

Die Lösungen gibt es längst. (s. hier), (hier) und (hier). Woran es mangelt sind Einsicht und der Wille weiter Teile des bürgerlichen Subjektes, egal ob in der EZB, der Politik oder in Betrieben tätig. Niemand sagt, dass das hier beschriebene zu tun einfach wäre. Keineswegs. Da sind schon viele Theoretiker gescheitert oder stehen aktuell in der Kritik, sogar die Idee der „Gemeinwohlökonomie“ nach Christian Felber (s. hier), die zwar gut gemeint ist, aber ein nicht ausreichendes Verständnis von den tieferen Zusammenhängen im Kapitalismus mitbringt und dadurch von falschen Voraussetzungen ausgeht. Immerhin hat diese Theorie aber soviel Ernsthaftigkeit, durch eine Kritik der Wertetheorie gewürdigt zu werden, was man von vielen anderen nicht behaupten kann. Doch es gibt für alles eine Lösung, wenn man das Problem erst adäquat verstanden hat. Deshalb gilt es am Ball zu bleiben und sich für den gesellschaftlichen Wandel einzusetzen. Nicht jammern, sondern selber denken!

Holger Roloff, 04. August 2019


Das Modell der Zukunft heißt Ressourcenwirtschaft basierend u.a. auf COMMONS als zentraler Kernbaustein einer neuen Ökonomie (hier)

Auch ein „Green New Deal“ wäre bei näherer Betrachtung eine Mogelpackung, die das Gegenteil erzeugen würde von dem, was propagiert wird – Ernst Wolff bei Tagesdosis 5.9.2019 (hier)

Digitalisierung im Kapitalismus (hier)

Debatte um eine Maschinensteuer (hier)

Die 4.Dimension als unlösbarer Widerspruch des Kapitals (hier)

„Immer mühsamer halt sich die Profitrate“ – ein Theorie-Buch von Knut Hüller über die werttheoretische Seite und das reale Praxis-Dilemma im Spätkapitalismus. Die Zusammenhänge sind sehr komplex. Der Autor beleuchte sehr tief gehend die Gründe. (hier eine Inhaltsangabe)  und hier das gesamte (Buch als PDF)

Erpressung im großen Stil – Wirtschaften in der EU – so läuft es mit der EZB – Die Anstalt vom 28.05.2019 (Video)

Das Goldene Kalb namens Arbeit (hier)

Wohin geht der ökonomische Trend…? (hier)

Glauben, Geld und Warenform… – eine Kritik des Schuldprinzips (hier)

Wohlstand neu erfinden – welche echten Alternativen es gibt (hier)

Was bedeutet ein Epochenwechsel – ein größer Blick auf den Wandel (hier)

Abrüstungsvorhaben jetzt unterstützen (hier)

Für eine globale Friedenspolitik (hier)

Repariert nicht, was euch kaputt macht! – ein Plädoyer für das gute Leben der Streifzüge-Redaktion Wien (hier)

Friederike Habermann – „Wir werden nicht als Egoisten geboren“ (hier) und (als PDF)

Fabian Schilder: 16-Punkte-Programm für den sozial-ökologischen Umbau (hier)

Brandherde im Nahen Osten und im Finanzsystem – die nächste Krise des Kapitalismus steht bevor – Ernst Wolff für Tagesdosis 14.10.2019

Das Thema Transaktionssteuer belegt es – unsere Regierungen sind Meister der Idiotie und regelecht bösartig gegenüber dem Bürger eingestellt (Video)

Die Reichen spielen mit anderen Karten und ziehen die Masse der Lohnabhängigen durch Verschuldungen und Gelddrucken über den Tisch – unsere Zukunft wurde vom Neoliberalismus bereits verschachert – Robert Kiyosaki (USA) berichtet (Video)

Finanztransaktionssteuer als Rettung? Weit gefehlt!!! Dirk Müller klärt auf (Video)

Die Geschichte der Marktwirtschaft geht ihrem Ende entgegen, da ihre Wachstumsdynamik unerbittlich an die äußere Schranke der Kapitalverwertung stößt. Dass der Kapitalismus aktuell überhaupt noch läuft, hängt am seidenen Faden der Gelddruckmaschinen (Video)

Wie der Kapitalismus durch den Neoliberalismus über seinen inneren Totpunkt hinaus durch Finanzderivate künstlich am Leben gehalten wurde, erklärt Chin Meyer im ZDF bei Markus Lanz auf humorvolle Art (Video)

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Digitalisierung im Kapitalismus

Die Hamburger Lesekreis der exit!-Redaktion lädt am 18. Oktober 2018 zu einem Vortrag ein:

DIGITALISIERUNG IM KAPITALISMUS.

 

Das Thema hat gleich mehrere, hoch relevante Aspekte. Einerseits sind die Wertschöp-fungsketten maßgeblich von der Digitalisierung von Arbeits- und Handelsprozessen betroffen. Das Verhältnis Mensch-Natur wird auf eine neue Entwicklungsstufe gehoben. Andererseits beeinflusst die neue Technik auch die sozialen Beziehungen der Menschen zueinander sowie den Umgang mit der universellen Größe Zeit. Die Menschen werden konformiert bis zur inneren Schmerzgrenze der körperlichen und psychischen Belastbar-keit. Das hat negative Langzeitkonsequenzen bis in unsere neuronalen Strukturen hinein. Hinzu kommen die totale Überwachung und Kontrolle des „gläsernen Menschen“, einer falsch verstandenen Vorstellung von dem, was wir uns unter Transparenz wünschen. Die Art und Weise der Digitalisierung folgt unter kapitalistischem Vorzeichen der Logik der Durchsetzung autoritärer Konzepte.

Referent ist Werner Seppmann (Infos), Autor des Buches „Kritik des Computers: Der Kapitalismus und die Digitalisierung des Sozialen“ (Mangroven-Verlag, 2017).

Zitat: „Es geht bei der kapitalistischen Verwen-dungsweise des Computers um mehr als die skandalösen Erfassungs- und Kontrollaktivitäten, denn sie führt zu problematischen Veränderungen in vielen Lebensbereichen: Durch die Verallgemei-nerung digitaler Techniken erodieren zivilisatorische Standards, veröden Alltagsbeziehungen und wird ein marktkonformer Lebensrhythmus durchgesetzt. Die Persönlichkeitsstruktur wird durch die „Computer-Praxis“ so umgeformt, dass sie mit der ununterbrochenen Tätigkeit der Märkte und Informationsnetze übereinstimmt. Digital flankierte Anpassungsprozesse sind die aktuellen Mechanis-men, mit denen der Kapitalismus sich jene Menschen schafft, die er für sein reibungsloses Funktionieren auf hochtechnologischer Grundlage benötigt.“ [Klappentext des Buches]

Wann: Donnerstag 18. Oktober 2018, 20:00 Uhr

Wo: Centro Soziale / Sternstraße 2, 20357 Hamburg (hier) und (hier) / nur 3 min. Fußweg von U-Bahn/Feldstraße + (hier)

Info: exit!-Hompage, offizieller Flyer

Holger Roloff, 9. Oktober 2018


weitere Artikel zu diesem Themenkomplex:

Kapitalismus wertkritisch erklärt (hier)

Die Rolle des bürgerlichen Sozialstaates (hier)

Preissteigerung und Werte(verfall) (hier)

Wachsender Überwachungsstaat – warum eigentlich? (hier)

(Ver-)Kommenzialisierung des Gesundheitswesens gescheitert (hier)

Die 4.Dimension als unlösbarer Widerspruch des Kapitals (hier)

Hier mal ein Eindruck davon, was die Digital-Technik (Stichwort KI / Künstliche Intelligenz) im Jahr 2018 schon kann. Dass das nicht ohne Auswirkungen bleiben dürfte liegt nahe, auch wenn man noch nicht konkret sagen kann, wo das hinführen wird (Video)

Debatte um eine Maschinensteuer (hier)

Was stimmt nicht am Umgang und Einsatz moderner Technik unter kapitalistischen Bedingungen? Worin liegt die Entfremdung? Das offenbaren  ungewollt entsprechende Kino-Filme wie z.B. „Transformers“ (Video), „Johnny English – Man lebt nur dreimal“ (Video)

Supermonopole als Lösungs-Vision? – die Idee des deutschen Wirtschaftsministers – eine weitere Illusion des Kapitalismus offenbart die systemischen Grenzen der Weltmarktlogik (Video)

Mehr Technikeinsatz in der Warenproduktion erzeugt im 21. Jhd. langfristig den Trend einer stetig sinkenden Profitrate. Es ist gesamtgesellschaftlich immer weniger zum Verteilen da. Altersarmut und leere Staatskassen sind die Folge. Aktuell hält die Simulation der Mehrwertproduktion durch den Verkauf von fiktiven „Finanzprodukten“ im Bankensektor die Realwirtschaft durch Rückflüsse noch künstlich am Laufen – doch eine unbegrenzte Ausweitung solcher Geschäfte sowie der Verschuldung im Kreditwesen als Kompensationsmechanismen sind nicht dauerhaft durchzuhalten. Ein Kommentar von Susan Bonath zeigt diesen Zusammenhang für Tagesdosis 22.10.2018 am Bsp. der Renten auf (hier)

Zum Marktversagen (allen voran der Telekom) kommt das Totalversagen der deutschen Politik hinzu – sichtbar z.B. in Sachen Ausbau eines Internet-Breitbandnetzes (Video)

Der erste Quantencomputer wird 2019 in Las Vegas offiziell vorgestellt. Vor nur zehn Jahren war das noch reine Theorie. Damit beginnt eine neue Stufe der technischen Entwicklung, die wiederum weitere nach sich ziehen wird, samt gesellschaftlichen Folgen, die heute noch gar nicht abzusehen sind – Bericht in der FA (hier)

Die technologische Entwicklung erzeugt die historische Notwendigkeit, unsere Gesellschaft zu verändern. Ein BGE ist der erste Schritt in diese Richtung. Selbst Dirk Müller – als bekannter Vertreter des Kapitalismus – sieht das ganz klar auf uns zukommen (Video) und hier (Video)

Komplexe Systeme (wie Kapitalismus) erreichen innere Kipppunkte – der kleinste Teil hat mit dem großen Ganzen zu tun. Es geht nicht so weiter wie bisher! Ein Vortrag vom deutschen Physiker Harald Lesch (Video)

Selbst Naturwissenschaftler sprechen sich inzwischen für ein BGE aus – hier erläutert der Physiker Harald Lesch, was er im eigenen Umwelt beobachtet (Video)

Showdown für den Kapitalismus – jetzt wird selbst Zweiflerin in den USA allmählich, wer am Ende Recht behält – ein Kommentar von Jeff Cohen für Tagesdosis 13.2.2019 (hier)

Bargeld retten oder abschaffen? – Moderne Technik, Computer und Internet sollen unter dem hochgradig manipulierenden Begriff „finanzielle Inklusion“ zur Bargeldabschaffung eingesetzt werden (hier)

Wie reflektieren Künstler diesen Zeitgeist? So wie z.B. NEUSCHNEE (Video)

Die Sündenbock-Propaganda der Markt-Mythologen – ein Kommentar von Susan Bonath bei Tagesdosis 2.3.2019 analysiert und hinterfragt die neuen Hartz IV-Konzepte (hier)

Die Digitalisierung hat schwerwiegende Folgen für den Medienbereich. Der Versuch der Zensur von unliebsamen Inhalten klopft so durch die Hintertür und über Umwege an – wie Artikel 13 – der indirekt als Zensur-Schlüssel dienen soll. Doch mit so massiven Protesten hat man wohl nicht gerechnet (hier)

Das gläserne Leben. Die Wirkung des Datenschutzgesetzes (DSGVO) (hier)

Gedanken zum 1.Mai – warum ein BGE möglich und sinnvoll ist und die Gegenargumente vorn und hinten nicht stimmen – der Philosophie-Bär denkt nach (Video) …und hat im Kern Recht, denn die Arbeiterklasse der Zukunft sieht so aus (Karikatur)

Die unterbewusste Angst vor der Roboterisierung der Gesellschaft kann dem bürgerlichen Subjekt durchaus Angst einflößen und schlaflose Nächte bereiten – hier dargestellt in einem (Videoclip) der CHEMICAL BROTHERS

Zur Produktion von E-Autos werden deutlich weniger Menschen benötigt – das setzt viele Arbeitskräfte frei (hier)

K.I. – Künstliche Intelligenz – Wohin programmieren wir uns? Mainstream-Pop-Philosoph Richard David Brecht denkt auch (Video)

Digitaler Horror in der schönen, neuen, smarten Welt – gekonnt verarbeitet im modernen Horror-Film CHILD`S PLAY (Video)

Der Philosophische Stammtisch: Schöne neue digitale Welt? Eine interessante Gesprächsrunde mit Brecht/Welzer/Gentinetta (Video)

Wie sich allmählich unbewusst die Basis zur totalitären Unfreiheit einschleicht durch die verlockend digitale Welt – der Philosoph und Soziologe Harald Walzer im Gespräch (Video)

Der digitale Arbeiterstrich – die sogenannten Clickworker – nutzen die ansonsten sinnlos verstreichende Zeit durch kleine Jobs und setzen ein neues Marktsegment in Gang – ein Bericht von Norbert Häring für Tagesdosis 30.11.2019 (hier)

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Erdüberlastungstag auf Wanderschaft

Heute ist der 1. August 2018 – es ist der aktuelle Erdüberlastungstag. Im Vorjahr war es noch der 2. August  gewesen. Er ist also weiter auf stetiger Wanderschaft – nur leider weiter in die falsche, nicht wünschenswerte Richtung.

Dieser Tag markiert den aktuellen Ressourcenverbrauch unseres Planeten (hier) und damit eine Grenze, die entgegen jeglicher Vernunft überschritten ist, denn es bedeutet, dass die natürlichen Grundlagen schneller verbraucht werden, als es der „grüne Fußabdruck“ es eigentlich erlaubt (Info), wenn wir langfristig nachhaltig leben wollen. Das hat ganz viel mit der heutigen Art zu Wirtschaften zu tun.

Halbes Bewusstsein = halbe Wahrheit

Zwar wird dieses Thema sogar in den Mainstream-Medien inzwischen angesprochen (hier), jedoch ohne es allzu genau zu hinterfragen. Zwar wird auf den „grünen Fußabdruck“ verwiesen und ein Stopp des Raubbaus von Ressourcen angemahnt, doch eine strukturelle Verbindung zwischen der Eigenlogik einer Warengesellschaft und damit dem Kapitalismus als Produktions- und Lebensweise und dem stetig wachsenden Verbrauch an Ressourcen, sowie dem Anstieg von Abgasen, Umweltgiften und Müll, wird tunlichst vermieden.

Es wird stillschweigend unterstellt, dass beides durchaus in Einklang zu bringen wäre – also quasi eine „grüne Marktwirtschaft“ möglich sei, wenn die Politik dies nur wolle. Die Annahme erfolgt, obwohl das Gegenteil nicht nur empirisch längst erfasst, sondern auch theoretisch gut begründet vorliegt (Faktensammlung und Artikel dazu – hier).

Müll im Park "Planten un Bloßen" in Hamburg im Juni 2018

Die kritische Theorie hat nämlich längst erkannt, dass es einen Widerspruch zwischen Stoff und Form gibt (s. hier), der nicht nur die innere Schranke des Kapitals erklären kann und damit auch die strukturelle Wertschöpfungskrise seit den 1970er Jahren, die einfach nur nach hinten verschoben wurde und zur Finanzkrise mutierte, sondern auch auf die äußere Schranke der Ökologie hinweist.

Ginge die Wanderschaft dieses Grenztages ungehindert so weiter, strebt der Kapitalismus – allein was die äußere, absolute Schranke (Verhältnis Mensch-Natur) betrifft, unwiderruflich auf einen höchstwahrscheinlich unlösbaren Konflikt und sein eigenes Ende zu. Bis 2030 bräuchten wir bei dem Tempo schon zwei Planeten (hier). Parallel strebt er durch die Arbeitslogik (Verhältnis Mensch-Mensch) der inneren Schranke der Kapitalverwertung entgegen (s. hier). Welche Schranke zuerst erreicht wird, ist offen. Schon die Annäherung erscheint weltweit äußerlich in verschiedenen Krisenszenarien.

Lösungssansatz

Wie man diesem Dilemma entkommen könnte, ist indes grundsätzlich als Gesellschafts-Skizze bekannt – nämlich durch bewusste, konkrete Mengensteuerung der Wirtschaft, anstatt unbewusst einer abstrakten Wertsteuerung (der inneren Funktionslogik des Geldes und der unsichtbaren Hand des Marktes) zu folgen (Konzept s. hier), was bislang aber von der vorherrschenden Politik nicht zur Kenntnis genommen wird.

 

Holger Roloff, 01. August 2018


2019 wandert der Erdüberlastungstag weiter zum: 29. Juli…!!!

Zum Ort des Fotos: „Planten un Blomen“ (Platt-Deutsch für Planzen und Blumen) ist ein beliebter Park im Zentrum Hamburgs (hier)

CO2 Entwicklung – Prognose und Ziele täuschen, denn selbst eine Erhöhung um 1,5 Grad hätte bereits katastrophale Auswirkungen. Das ist mit der kapitalistischen, also eine an  finanziell und stofflich gesehen, permanentes Wachstum gebundenen Wirtschaftsweise nicht in Einklang zu bringen. Wir bräuchten eine drastische Schrumpfung der Wirtschaft im hoch entwickelten Westen, damit noch gering entwickelte Weltregionen Spielraum erhalten (hier)

Auch ein „Green New Deal“ wäre bei näherer Betrachtung eine Mogelpackung, die das Gegenteil erzeugen würde von dem, was propagiert wird – Ernst Wolff bei Tagesdosis 5.9.2019 (hier)

Marktwirtschaft schön grün lackiert (hier)

Gegen die Wand – Von den gemeinsamen Ursachen der ökologischen und ökonomischen Krise (hier)

Audiovortrag – Wer vom Kapitalismus nicht reden will, soll von Nachhaltigkeit schweigen (hier)

Kapitalismus und Umweltprobleme hängen strukturell direkt zusammen. Deshalb muss unsere Art zu Leben endlich verhandelbar sein – Bericht im Spiegel (hier)

Deutschland verweigert sich echten Klimazielen und boykottierte bekanntlich 2017 sinnvolle Maßnahmen der sehr engagierten Umweltministerin Barbara Hendricks – das Politische-Kabarett spottete zu Recht (Video)

Wesen und Irrationalität der warenförmigen Gesellschaftsform (hier)

Der kapitalistische Irrsinn sowie die Überlastung der Mitwelt zeigen sich auch in der Massentierhaltung. Der Mensch ist entfremdet von der Natur und blendet aus Bequemlichkeit das damit verbundene Leid aus. Hier ein Vorfilm zur neuen Dokumentation „Dominion“, der unser aller Bewusstsein anspricht und aktivieren kann (Video)

Was bedeutet ein Epochenwechsel (hier)

Wohlstand neu erfinden (hier)

Die Zukunft heißt Ressourcenwirtschaft anstatt Marktwirtschaft auf Basis von COMMONS (hier) und (hier)

Extrem heißer Sommer 2018 in Deutschland – Astronaut Alexander Gerst zeigt die Trockenheit aus Sicht der ISS (hier)

„Der Drops ist gelutscht, Freunde“ – das Dilemma des Klimawandels und seine Wahrnehmung – ein Kommentar von Rüdiger Lenz bei KenFM (hier)

„Der Gott, der Plastik schuf“ – zur objektiven Grenze der kapitalistischen Produktionsweise – ein Kommentar von Daniel Bratanovic bei Junge Welt (hier)

„Müllberge und Überflüssige“ – ein Kommentar von Susan Bonath bei KenFM (hier)

„Der größte Mikroplastik-Verursacher sind Autoreifen“ – Bericht im Spiegel (hier)

Der Kampf um die Ressource Wasser – tolle WWF-Animation (Video)

Bereits 1912 wurden die heutigen Veränderungen der Erdatmosphäre vorhergesagt und vor der dauerhaften Verbrennung von Kohle gewarnt, wie eine alte Zeitung aus Neuseeland belegt (hier)

„Wie kann man einen Wald kaufen oder verkaufen?“ – Was Entfremdung, Kapital und Faschismus verbindet – ein Kommentar von Rüdiger Lenz bei Tagesdosis 19.09.2018 (hier) Und wie geht es dem deutschen Wald (hier)

„Sonderprofite versus Lebensgrundlage“ – ein Kommentar von Susan Bonath bei Tagesdosis 24.09.2018 (hier)

Wirtschaften in stofflichen Kreisläufen lautet eine der alternativen Ansätze wie das Craddle To Craddle Prinzip (hier)

Wirtschaften in stofflichen Kreisläufen lautet eine der alternativen Ansätze wie das Craddle To Craddle Prinzip (hier)

Karikatur zum grundsätzlichen Widerspruch zwischen materiellem Sinn des Lebens und kaufmännischem Profit im Kapitalismus am Beispiel Bücher (hier)

Lebensräume schrumpfen und forcieren das Artensterben, bei Insekten, Reptilien und Lurche sowie bei Wirbeltieren – hier ein Spiegel Bericht zum Thema (hier)

Klimakonferenz 2018 – nur ein 15jähriges Mädchen aus Schweden traut sich die offensichtliche Wahrheit jenseits von ideologischen Gedankenfiltern auszusprechen – was für ein Moment der Schande für die westliche Klimapolitik (Video) Die Ergebnisse der Konferenz muss man mit der Lupe suchen (hier)

Bietet das Weltwirtschaftsforum 2019 endlich Antworten? Und was sagt eigentlich ATTAC dazu? Die Tageszeitung Junge Welt berichtet (hier)

Wie die kapitalistische Wirtschaftsform das Insekten- und Artensterben produziert und damit unsere Lebensgrundlagen zerstört (Video)

Wie 2019 eine absurde Schadstoffdebatte geführt wird – als wenn das, was aus einem Verbrennungsmotor rauskommt plötzlich nicht mehr schädlich wäre (hier) Zur Ablenkung werden schnell nebensächliche Scheindebatten inszeniert (hier) und (hier). Das ruft zu Recht im Netz nur noch Spott und Satire hervor (wie hier)

Wissenschaftler warnen vor realer Gefahr – auch der Mensch könnte im Extremfall aussterben, wenn wir nichts ändern (Video)

In der Klimadebatte hilft philosophisches Grundwissen, um eine Einschätzung der Argumente nachvollziehen zu können – der SPIEGEL Online zeigt wie es geht (hier)

Wer die Wahrheit sagt… – Susan Bonath für Tagesdosis 04.02.2019 (hier)

Die deutsche Bundesregierung versuchte Anfang 2019 massiv über die Medien der Bevölkerung einzureden, dass Feinstaub und Stickoxide doch gar nicht so gefährlich seien, um die Autoindustrie zu schützen. Man ließ sogar 100 Lungenärzte aufmarschieren, die als Beleg dienen sollten. Doch Wissenschaftler, die nicht auf der Gehaltsliste der Regierung stehen, klären darüber auf, was wirklich dahinter steckt z.B. hier (Video 1) und hier (Video 2)

Welche Rolle in Sachen Schadstoffe und Grenzwerte spielte da eigentlich Andreas Scheuer (CSU) – der zuständige Bundesminister für Verkehr (Video 1) Anstelle dessen wurde die Bevölkerung für dumm verkauft – oder anders gesagt – mit wissenschaftlichen Fakten hat es der Herr Minister nicht so (Video 2)

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg drückt klar aus, was ihre  junge Generation fühlt und was ihr bevor steht (hier) 10.000 Schüler-Demonstranten folgten ihr auch in Hamburg auf die Straße (hier) Die Hamburger MOPO berichtet (hier als PDF) und online (hier) und (hier) Wie reagiert die Politik darauf? Kanzlerin Merkel dreht wie immer sofort ihr Fähnchen in den Wind, nachdem ihr PR-Berater sie in diese Richtung gelenkt hatte (s. hier), während andere Minister auf die Einhaltung der Schulpflicht pochen (hier), was nur noch den Spott der Karikaturisten hervorruft (hier). Doch die Stimmung in der Bevölkerung ist längst zugunsten Greta gekippt (s. Video) und BILD-Meldung (hier). Und manchmal gibt es sogar richtig gute, tief gehende, spirituelle und psychoanalytische Analysen wie (hier) …und eine kapitalismuskritische Strömung innerhalb der Schülerbewegung (FFF = Friday for Future)  – Interview bei Telepolis (hier)

Klimairrtümer gibt es zuhauf. Harald Lesch will es genauer wissen und fragt nach beim Klimaforscher Stefan Rahmstorf (Video) Allerdings ist die Interpretation der Faktenlage stark umstritten (siehe Video hier)

Der Vergleich politischer Handlungsnotwendigkeitenin Sachen Klimapolitik mit der Realität sieht Anfang 2019 leider so aus – Volker Quaschning – Spezialist für regenerative Energiesysteme klärt auf (hier)

Klimawende von unten – mit Buch-Download als PDF (hier)

Artensterben nimmt weltweit dramatische Ausmaße an und könnte die ganze Menschheit mit dahin raffen – neue Studienergebnisse zeigen, warum wir aus der Dynamik des Kapitalismus raus müssen (Video) Es bleibt kein Zweifel: Wir müssen uns politisch und ökonomisch einmischen!!!

AWAKE2PARADISE – eine Doku (2019) die endlich die richtigen Fragen stellt und versucht ganzheitliche Antworten auf die grundlegenden, existenziellen Fragen der Welt zu finden (hier)

Wachstum, Wachstum über alles – der Wahn kennt keine Grenzen und spiegelt sich entsprechenden Karikaturen (hier)

Kinder als Klimakiller? Deshalb als Lösung einfach alle Kinder abschaffen? Etwa in schlechter Scherz? Oder Satire? Weit gefehlt – es gibt keine Ideologie, die nicht blöd genug wäre, um sowas tatsächlich zu fordern – ein Kommentar von Rüdiger Lenz für Tagesdosis 13.03.2019 (hier)

Erfolgreiches Handeln gegen Wüstenbildung und Verödung ganzer Landschaften ist möglich, wenn man gemeinsam und entschlossen ist – Spektrum berichtet (hier)

Warum die Lösung für alles – angesichts einer übermächtigen Problemlage – eine spirituelle Lösung ist – ein Kommentar von Rüdiger Lenz/Tagesdisis 20.03.2019 (hier)

Wie Medien, Lobbyisten und Politik Gesetze mißbrauchen, um ein künstliches Umweltgift wie Glyphosat (Monsanto/Bayer) als Profitbringer zu erhalten – ein Kommentar von Susan Bonath für Tagesdosis 30.03.2019 (hier)

Kennen Sie die Widersprüche deutscher Klimapolitik? So sieht am Ende der „Erfolg“ der „Klimakanzlerin“ und Merkel-Regierung in Wahrheit aus (Video 1) (Video 2)

Es gibt Länder, die bereits aus dem Pestizid-Einsatz aussteigen, wie eine Studie von Aktion Agrar dokumentiert (hier)

Das PROJECT-EARTH spielt eine SciFi-Zeitreise ins Jahr 2036 durch und deutet an, was mit einem anderem Spirit alles möglich wäre (hier)

Eine echte Energiewende wäre technisch möglich – Dank elektronischer Steuerung der regenerativen Energieeinspeisung kombiniert mit Elektrolyse (Animation) – und da fehlt sogar noch die Raumenergie und kalte Kernfusion. Stattdessen setzen Deutschland u.a. Länder immer noch auf Kohle und Atomstrom oder experimentieren mit warmer Kernfusion – wahrscheinlich eine weitere, technisch sehr aufwändige Sachgasse.

Immer mehr ökologisch-stoffliche Grenzen werden erreicht, z.B. beim Bausand (hier)

Die Marketing-Abt. großer Konzerne manipulieren über die Medien systematisch die ganze Öffentlichkeit, wie folgendes Beispiel des Ölriesen Exxon zeigt (hier)

So kann man Stoffkreisläufe ökologisch besser gestalten – nach dem Prinzip Craddle To Craddle – eine weitere Kernmethode einer zukünftigen Ressourcenwirtschaft (hier)

Systematischer Betrug ist nicht etwa die Ausnahme, sondern bildet im Kapitalismus den Normalzustand – hier am Bsp. von AUDI (Doku)

Diskussion, Interpretation und Abwägung der Faktenlage zum Thema Klimawandel – Lügen zum Klimawandel entlarvt – gefunden bei Spirit Online (hier)

Faktenlage zur schwindenden Artenvielfalt (hier)

Faktenlage zum Thema Klimawandel (hier)

Das Blaue Ticket / Das 365 Tage Ticket – eine Idee für eine neue Verkehrspolitik von DeutscheUmwelthilfe (hier)

Primat der ökologischen Notwendigkeiten wäre die sinnvolle Alternative – Ökoligenta veröffentlicht Aufruf von Bern Winkelmann von der Akademie für solidarische Ökonomie (hier)

Vom notwendigen Wandel – die große Transformation von Bobby Langer (hier)

Wir bräuchten einen Ökologischen Marshall-Plan – Wir sind dran – sagen die Autoren – Sein berichtet (hier)

Bäume pflanzen wird in Zukunft zum Alltag gehören – SEIN-Bericht

Menschen brauche artenreiche Wälder ebenso wie Wildtiere – wie sieht e damit aus? Ein Kommentar von Hermann Ploppa bei Tagesdosis 3.08.2019 (hier)

Die Erd-Charta (hier)

Die Freie Welt Charta (hier)

ecosia.org – die grüne Suchmaschine – spendet permanent Geld für das Anpflanzen neuer Bäume (hier) und Bericht (hier)

Kapital killt Klima – ein Beitrag von Thomasz Konicz in der Wochenzeitung KONTEXT (hier) und (als PDF)

2019 brennen die Wälder nicht nur im Amazonas-Gebiet, während sich die Marionetten der Politik in Brasilien und den führenden, kapitalistischen Industrieländern des Westens gegenseitige Vorwürfe der Fremdeinmischung machen und keinerlei echten Handlungswillen zeigen (hier)

Der erste Bio-Staat in der indische Bundesstaat Sikkim – dort gibt es nur noch ökologische Landwirtschaft ohne künstliche Pestizide etc. (hier)

Massentierhaltung und Lebensmittelmärkte bewirken nur eines – Spekulationen und Hunger. 2 Mrd. Menschen sind mangelernährt (hier)

Wie Ökologie-feindlich/-ignorant z.B. die Landwirtschaftspolitik in Deutschland ist beleuchtet die Doku „Gekaufte Agrapolitik – wie Industrie und Agrarlobby durchregieren“ (2019) (hier)

„Strategien der Natur“ – wer gut beobachtet, kann lernen, wie ganzheitliches Denken funktioniert. Sich davon inspirieren zu lassen führt zu spiritueller Politik – Erwin Thoma im Gespräch bei KenFM (Video)

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"Eine Gesellschaft mit begrenztem Bewusstsein macht oft den Fehler, gesellschaftliche Modelle zu verfolgen, die entweder nicht funktionieren oder die ihr seitens einer angeblich überlegenen und 'klügeren' Personengruppe aufgezwungen werden." (Anon.)
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