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(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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Was, wenn das Rentendilemma kein „Happy End“ haben wird?

In diesem Artikel beziehe ich mich auf den Beitrag „Wer zahlt Deine Rente?“ vom 3. September 2012. Dort beschreibt Autor Frank Sohr, die derzeit prekäre Lage in der Altersversorgung im Jetzt und in der nahenden Zukunft.

So oder ähnlich wie er, betrachten Bürger das Thema Rente, wenn sie nicht blauäugig den Heilsversprechen vom „Die Rente ist sicher“ (Norbert Blühm) vertrauen. Bestenfalls.

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Hier sind aus wertseitiger Sicht dennoch einige kritische Anmerkungen notwendig. Zum Einen (1.) in Bezug zu den Aussagen über Marx und dessen Einordnung. Zum anderen (2.) zu den wertseitigen Zusammenhängen.

Zu 1.: Die Behauptung, die „gesamte Volkswirtschaftslehre [basiere] auf den Aussagen von Karl Marx“ ist definitiv contrafaktisch. Genau das tut sie gerade nicht. Ebenso falsch ist die Aussage, das „Eigenleben des Kapitals war [durch Marx] nicht vorhersehbar“. Genau das Gegenteil ist der Fall!

Marx war ja gerade KEIN bürgerlicher Ökonom, sondern vielmehr ein fundamentaler Kritiker der „klassisch-politischen Ökonomie“ von Adam Smith, David Ricardo usw. Er legte nicht etwa die theoretischen Grundlagen der BWL/VWL, sondern deckte auf, wie die Kategorien der Vergesellschaftung strukturell zusammenwirken und dass sie grundlegend auf antagonistischen Widersprüchen beruhen, an denen die Eigenbewegung des Kapitals eines Tages zwangsläufig sogar scheitern müsse. Zitat:

 

„Die Grenze des Kapitals ist das Kapital selbst.“

 

Selbst wenn er die konkreten technischen Entwicklungen natürlich noch nicht kennen konnte, so war Marx dennoch bereits klar, dass Produktivkraft (stofflicher Output) und Produktivität (stofflicher Output pro Zweiteinheit) eines Tages insgesamt in der Gesellschaft eine Stufe erreichen wird, in der sich die herstellbare Menge stofflicher Größen in direktem Widerspruch zu deren käufmännisch-wertmäßigem Ausdruck befinden wird. Das würde sich nicht mehr handhaben und „managen“ lassen. Die Produktivität wird über die gesellschaftliche Formbestimmung hinausgewachsen sein und lässt sich dann nicht mehr in Geld ausdrücken. Alle Kapitalbestandteile werden schrittweise entwertet. Auch das Geld wird entwertet und gerät selbst dauerhaft in die Krise.

 

Da sind wir heute. Genau dieser Widerspruch wurde mit der Finanz- und Währungskrise seit 2009 historisch reif. Man kann also feststellen: Marx hat mit seinen Analysen am Ende also richtig gelegen (was allerdings nicht mit dessen sekundärer Interpretation durch die sogenannten „Marxisten“ gleich gesetzt werden kann!).

 

Zu 2.: Die Lage bezüglich der Rente ist langfristig betrachtet sogar viel schlimmer, als von Frank Sohr vermutet. Hinzu kommt, dass Frank an dieser Stelle, so wie die meisten Bildungsbürger, sogar etwas übersieht.

 

Natürlich verdient der einzelne produktive Arbeiter und lohnabhängig Beschäftigte heute nominell mehr als in den 1950er Jahren. Seine Produktivität, sein stofflicher Output (Menge und sogar Qualität der Autos) und sein Lohn (bezahlter Wertanteil an der Arbeitszeit) sind heute höher als in den 50er Jahren. Auch der Gesamtumfang des gesellschaftlich monetären Wertes ist heute deutlich größer, da die Märkte gewachsen sind. Dennoch täuscht dieser Zustand, denn entscheidend ist etwas anderes, nämlich der relative Wertzuwachs insgesamt. Es wurde damals mehr Zugewinn an (monetärem) Wert geschaffen als heute!

 

In den 1950er Jahren hatte Deutschland 10% Wirtschaftswachstum. Heute liegen wir bei weniger als 1%. Der Wert bemisst sich nach der Länge der Arbeitszeit. Die ist von 1950 bis heute natürlich nicht gestiegen, sondern tendenziell gesunken (Einfluss der Gewerkschaftsbewegungen). Hinzu kommt, dass mit immer weniger Menschen immer mehr produziert werden kann. Dann hab ich zwar mehr Autos als Ergebnis, aber nicht automatisch mehr abstrakten Wert bzw. Mehrwert (Gewinn) geschaffen – und nur darauf kommt es bei der kapitalistischen Produktionsweise an. Die Kaufnachfrage, hängt nämlich ganz entscheidend von der Menge bezahlter Arbeitszeit insgesamt ab.

 

Die Zahl der insgesamt in Deutschland aufgewendeten Arbeitsstunden ist beispielsweise von 1992 bis 2010 so stark gesunken, dass das umgerechnet auf einen 8 Stunden Tag 1,8 Mio. Vollzeitstellen entspricht, d.h. es sind innerhalb von 18 Jahren durchschnittlich pro Jahr 100.000 Stellen ersatzlos weggefallen. Heute prahlt die deutsche Industrie mit einem Rekord was die Anzahl der deutschen Autos betrifft (die 6 Mio. Grenze in einem Jahr wurde 2011 erstmals überschritten!). Hinzu kommt, dass sich das Verhältnis von notwendiger Arbeitszeit im Produktionsprozess zum Anteil der Mehrarbeitszeit (Firmenanteil) zugunsten von letzterem verschoben hat.

 

Was bedeutet dass alles für die Rente?

 

Richtig ist, dass die Schere der Verteilung dessen, was noch an Mehrwert durch diesen Produktionsprozess erzeugt wird, weiter auseinander gegangen ist. Diese Verteilungsungerechtigkeit ist Ergebnis des Neoliberalismus, der durch seinen Marktglauben kontra Staat (und Politik) dafür gesorgt hat, dass insgesamt in allen Bereichen der Gesellschaft massiv Vermögenswerte von den Armen und der unteren Mittelschicht zu den Wohlhabenden und Reichen umverteilt wurde. Das gilt auch für die Rente.

 

Gleichzeitig schrumpfen aber jetzt schon die Gewinnmargen der meisten Autobauer oder sind sogar in die roten Zahlen geraten (z.B. Opel), wenn nicht sogar schon endgültig Konkurs (Saab). Siehe:

 

http://www.bild.de/geld/wirtschaft/opel/studie-so-viel-verdienen-autobauer-an-einem-verkauften-neuwagen-25720284.bild.html

 

Es wird eine logische Folge sein, dass das alte Rentensystem kollabieren wird, und zwar selbst dann, wenn sich die bürgerliche Politik doch noch besinnen sollte, mehr in die Rentenkasse umzuleiten. Es wird vielmehr mittelfristig immer weniger an monetärem Wert aus Gewinnproduktion da sein, der überhaupt noch verteilt werden kann. Sobald das der Politik gewahr wird, wird die ganze Diskussion um das Thema sowieso neu entfacht.

 

Die von Frank Sohr geäußerte Feststellung, dass alle insgesamt geschaffenen Werte eigentlich allen gehören und seine erhobene Forderung, dass sie deshalb auch allen zugute kommen müssen, ist natürlich völlig berechtigt. Nur ist das innerhalb der Herrschafts- und Machtverhältnisse des Kapitals nicht möglich. Hier herrschen andere Gesetze, nämlich primär die des abstrakten Marktes. Ein gutes, genussvolles Leben ist auch nicht das Ziel des Kapitalismus. Und Politiker sind vor allem eines: Vertreter der Kapitalinteressen.

 

Selbst ein BGE, wie von den VIOLETTEN vorgeschlagen, als ein erster Schritt raus aus diesen unsäglichen Verhältnissen des Arbeitswahns, der Ungerechtigkeiten, ökologischen Zerstörungen und Zumutungen, wird langfristig aus diesem Grund scheitern. Kurz- und mittelfristig könnte das BGE jedoch helfen, zeitnahe Altersarmut zu vermeiden, da es sich um eine deutlich andere Verteilung der betrieblichen Gewinne und Umsätze insgesamt handelt. Ein guter Gund also, sich für ein Bedingungsloses Grundeinkommen als Bürger stark zu machen.

 

Welche Perspektiven und Alternativen es langfristig gibt, um aus dem ganzen Dilemma insgesamt raus zu kommen, kann der geneigte Leser demnächst dem neuen Wirtschaftskonzept der VIOLETTEN entnehmen, welches hier auf den Seiten veröffentlicht wird.

 

Mit violetten Grüssen

Holger Roloff

AK Wirtschaft

Landesverband Hamburg

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