Die Violetten in Hamburg

Die Violetten - ein Projekt zur Rettung der politischen Vernunft

Bundesgeschäftsstelle:
Bundesgeschäftsstelle der Violetten
Zur Bundeswebsite:
Bundeswebsite der Violetten
Wahlspot 2013
Wahlspot 2013
Spenden für die Violetten
Atomausstieg
Atomausstieg selbst gemacht

"Wenn Frau Merkel glaubt, sie kann die abgeschalteten Kernkraftwerke einfach wieder einschalten lassen und einfach 110 anrufen, wenn es Protest gibt, ist sie bei uns falsch verbunden", sagte Rainer Wendt, Verbandschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt Online.

(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

Netzwerk-Partner
Spirit Online
Die Mitgliederzeitung
Die Mitgliederzeitung der Violetten

Die Geldmaschine der Windräder

Ich kann mich noch sehr gut erinnern, als ich die Werbeschilder mit dem PROKON Angebot für die Investition in Windräder mit bis zu 8% Zins-Ertrag erstmals in den Zügen der Hamburger S-Bahn gesehen habe. Da dachte ich mir sofort, wie soll das gehen? Da wird im Zuge der Politpropaganda einer „Energiewende“ geworben, „grüne Rentabilität“ greifbar für jedermann erscheinen zu lassen und unser aller Zukunft in den schönsten Farben des Wohlstands zu malen. Wir werden jetzt alle „ökologisch korrekt“ und auch noch „reich“ dabei. Die GRÜNEN sehen endlich ihre politischen Vorstellungen verwirklicht! Ich ahnte sofort – der große Katzenjammer wird folgen.

Prokon-Insolvenz

Nun dürfen wir lesen, dass es genau so gekommen ist (hier) und (als PDF). Erst Tausende von Anleger, die „grün“ und „reich“ werden wollten oder wenigstens auf eine bessere Rente gehofft hatten. Schließlich sollen wir alle laut Regierungsdoktrin auf die dritte Säule einer „privaten Anlage für`s Alter“ setzen, um der drohenden Alterarmut zu entgehen. Doch nun kommt das große Erwachen der negativen Art. Der große Katzenjammer ist da. Dabei sind erst wenige Jahre vergangen und das versprochene Rentenheil liegt noch in weiter Ferne. Oh bürgerliches Glück, warum hast Du uns verlassen…?

Ebenso auffällig ist es auch, dass man in den Reaktionen und Kommentaren lediglich „Schuldige“ sucht und sie wahlweise im Verhalten der Anleger, in Empfehlungen der Politik oder dem PROKON-Management findet. Nur die Systemlogik an sich, die hinterfragt niemand. Stattdessen werden die Sinnhaftigkeit „ethischer Geldanlagen“ und wahlweise politische (EEG Einspeisevergütung) oder betriebswirtschaftliche Fakten (Invest pro erzeugter kWh) als Für und Wider diskutiert.

Die offenkundige, systemimmanente Begrenztheit dieses Denkens ist kein Zufall, sondern soziologisch gesehen der bürgerlichen Subjektform geschuldet. Die realen Formen des SEINs erzeugen dazu gehörende Gedankenformen, wie schon Karl Marx im 19. Jahrhundert erkannt hatte. Da wir gleichzeitig durch unser Denken die Realität unserer subjektiven Wahrnehmung – und damit scheinbar unsere Realität an sich – erzeugen, fällt das niemandem auf.

Die Matrix der kapitalistischen Basiskategorien wie Wertform, Ware, Geld, Preis, Kosten, „abstrakte Arbeit“, Markt, Staat usw. sind sozusagen als (unbewusstes) Abbild im Geist längst da, bevor überhaupt der erste Gedanke gefasst und formuliert wird. Dass am Hantieren und Wirtschaften mit Geld vielleicht etwas ganz generell nicht stimmen könnte, erscheint somit ein völlig abwegiger Gedanke, brauchen wir Geld doch, um unser DaSEIN zu gestalten. Ohne Moos nix los, das weiß man doch, rechtfertigt sich das als fetischhaft zu charakterisierende Geld-Bewusstsein.

Sicher. Innerhalb der selbst gesetzten Schranken der kapitalistischen Realität und ihrer Realmetaphysik ist das ja auch so. Etwas anderes ist dieser Subjektform auch nicht zugänglich. Geld muss sein. Je mehr, desto besser. Denn dahinter steht das Heilsversprechen des „guten Lebens“, welches mittelbar daran geknüpft ist. Das lehrt uns auch der Alltagsverstand. Der ökonomische Expertenverstand mit seiner Lehre der VWL und BWL zementiert es sogar als angeblich unabänderliche Wahrheit.

Wenn das automatisch und für alle die so denken, tatsächlich so ist, wie kommt es dann, dass sich selbst diejenigen, die als sehr erfolgreich gelten und auffallend deutlich mehr als genug Geld zum Leben haben, nicht selten ihre Gefühle mit Drogen betäuben müssen, um nicht auf ihre innere Stimme, ihr Gewissen hören zu müssen, wie Schauspieler Leonardo DiCaprio und Regisseur Martin Scorsese es gerade in ihrem aktuellen Film „The Wolf Of Wallstreet“ anschaulich darstellen?

Wie kommt es, dass das bürgerliche Subjekt permanent konsumieren muss, um kurze Glücksgefühle zu erzeugen, welche die innere Leere verdecken, mit der es am besten nicht konfrontiert werden will, wie Konsumkritiker sagen?

Wie kam es, dass sich beispielsweise der deutsche Milliardär Adolf Merckle 2009 für den Suicide auf den Schienen der Deutschen Bahn entschied, weil er in der Krise keinen Ausweg mehr sah?

Wie konnte es passieren, dass unsere politischen Eliten wie Merkel und Steinbrück noch 2007 einstimmig versicherten, die Krise sei weit weg und gehe Deutschland nichts an?

Alles tatsächlich nur Gier, oder menschliches Versagen, Lügen oder gar Verschwörungen, wie manche meinen?

Dass es all diese Dinge wie Gier, Managementfehler usw. gibt steht außer Frage. Das heutige TV-Interview mit Edwar Snowden in der ARD zum „NSA-Skandal“ ist ein zweifelsfreier Beleg, dass es auch ein „hinter den Kulissen“ gibt und dort eben nicht immer alles mit rechten Dingen zugeht. Auch vom Versagen prominenter Wirtschaftsbosse, Steuerbetrügern, unfähigen Politikern usw. hören wir immer wieder. Wenn es aber tatsächlich so wäre, dass es dabei vor allem nur um mehr oder weniger „Unzulänglichkeiten“ des so genannten „homo economicus“ oder eines Mangels an seiner Moral handelt, warum gab es dann in den 50er und 60er Jahren nicht die gleiche gehäufte Ansammlung dieser Phänomene, sondern sogar ein „Wirtschaftswunder“ mit echten sozialen Fortschritten und einer tatsächlichen Verbesserung in den Lebensverhältnissen? Waren das etwa andere, noch gierfreie Menschen?

Die Erklärung für diese Paradoxie und die genannten Phänomene findet der, der sich von den Ideologien der bürgerlichen Subjektform verabschiedet und schrittweise beginnt aus den Fiktionen des „sich selbst harmonisch regulierenden Marktes zum Wohle aller“ aufzuwachen (hier im positiven Sinn gemeint). Fängt man an die sozial-ökonomischen Zusammenhänge kritisch zu hinterfragen, findet man auch jede Menge Antworten, die das Ganze in einem völlig anderen Licht erscheinen lassen.

Geld ohne Wert

Das System selbst ist das Problem. Es fängt schon damit an, dass es auch anders entstanden ist, als die meisten Leute gängigerweise glauben. Der Werdegang der Geschichte unserer Gesellschaft ist nämlich nicht zwingend so verlaufen, wie es uns die bürgerliche Aufklärung und Geschichtsschreibung in weiten Teilen erzählt, bis heute verklärt und aus Gründen der Selbstlegitimierung als „natürlich entstanden“ einzureden versucht, wie der Autor Robert Kurz in seinem Buch „Geld ohne Wert“ plausibel darstellt und nachzeichnet.

Geld in vorkapitalistischen Zeiten hatte eine ganz andere soziale, noch völlig religiös geprägte Bedeutung und war auch noch nicht Ausdruck von „abstraktem Wert“ im heutigen Sinn. Es ist ein Ammenmärchen, dass es schon immer „Marktwirtschaft“ und „Ökonomie“ ähnlich wie heute gab. Auch die uns erzählte Gegenwart stimmt deshalb nicht. Die immer wieder aufblitzenden Widersprüche und Paradoxien sind ein Beleg dafür, dass es tatsächlich mehr als berechtigt ist, deutliche Zweifel am bürgerlichen Mythos der Entstehungsgeschichte der „Marktwirtschaft“ zu hegen.

Fakten, soweit sie überhaupt alle bekannt sind bzw. selektiert und berücksichtigt werden, müssen stets noch in die richtigen Zusammenhänge gebracht werden. Sie bedürfen des Vergleichs und der Interpretation, um wirklich erkennen zu können, was, wie und aus welchem Grund tatsächlich passiert ist. Nicht nur das Handeln Einzelner lässt sich dann eher nachvollziehen, sondern auch langfristige Entwicklungstendenzen und ihre Erscheinungsformen (Phänomene wie Prekarisierung, Verarmung, Vertrauensverlust, Enthüllungen, Entstehen neuer Parteien und Bürgerbewegungen, die Zunahme von großen Prestigebauprojekten u.v.m.) der Gesellschaft insgesamt werden so erklärbar.

Ebenfalls wird so deutlich, dass die Vorgehensweise der europäischen und deutschen Politik nicht „alternativlos“ ist, was uns aber wie ein Dogma gepredigt wird. Es handelt sich nämlich keineswegs um objektive und unabänderliche „Sachzwänge“, sondern historisch selbst vom Menschen gemachte und somit rein gesellschaftliche Zwänge, die sich eben nur in den Gedankenformen wie ein historisch gebildetes Sediment abgelagert haben. Und die Liste der Irrtümer ist lang…

Es gibt z.B. auch kein Primat der Politik, welches einfach nur zurückerobert werden müsste (Marktbändigung, Regulierung der Finanzmärkte), sondern die Politik folgt und exekutiert lediglich die Notwendigkeiten der wirtschaftlichen Entwicklungen, die oft schon Realität sind, bevor sie von der Politik überhaupt als solche erkannt werden. Schließlich war es die Politik selbst, die aktiv die Deregulierung der Finanzwelt propagierte und umsetzte. Mit kreativer oder gar visionärer Gestaltung hatte so eine Krisen-Notreaktion nämlich nichts zu tun, sondern war eine Notwendigkeit zum Überleben des Systems (daher auch der Begriff der Systemrelevanz“ großer Bankhäuser).

Nicht die Wirtschaft folgt also der Politik, sondern umgekehrt. Den Takt gibt die Wirtschaft an. Die Politik kann die Krise nur noch verwalten, aber nicht überwinden, da sie den Kategorien entspringt und eben nicht nur eines falschen Umgangs mit Geld. Deshalb irren auch viele PROKON-Beschimpfer, denn die waghalsige Unternehmensführung von PROKON ist selbst ein Phänomen der Krisenreaktionen. Anders hätte man die notwendigen Investsummen so schnell wahrscheinlich gar nicht zusammentragen können. Schließlich herrscht auch unter den Investoren eine große Konkurrenz, erst recht nach der Krise von 2009 mit seinem darauf folgenden „Anlagenotstand“ und der „Kreditklemme“ von 2010. Aber solche Widersprüche blendet das bürgerliche Subjektbewusstsein dann lieber schon mal aus, um sich nicht zu überanstrengen.

Ebenso ausgeblendet werden Analysen, die anschaulich machen, warum unsere gegenwärtige Form von „Ökonomie“ und „Ökologie“ nicht gleichzeitig zu haben sind (hier) und die Fiktion eines „Green New Deal“ als tragfähige Zukunftslösung unmöglich funktionieren kann (hier).

Ungeachtet all dieser blinden Flecken im Subjektbewusstsein schlägt nun die Realität wie im Falle der PROKON-Insolvenz gnadenlos zu. Es wird vermutlich nicht die Letzte sein, denn das Jahr ist noch jung und die Marktgesetze mahlen unerbittlich weiter. Gnade dem, der unter ihre (Wind-)Räder kommt.

Holger Roloff, 26.Januar 2014

———————————————————————————————–

Nachtrag vom 03. April 2104: der Wirtschafts-Journalist Tomasz Konicz begründet die Unmöglichkeit einer „grünen Marktwirtschaft“ anhand der  Funktionszusammenhänge und der inneren Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise. Sein Artikel „Automatisches Subjekt“ in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung JUNGE WELT verweist begrifflich nicht nur auf den kollektiven Gruppenzwang, der dem Kapital innewohnt, sondern er stellt die Möglichkeit einer ökologischen Produktionsweise jenseits der heutigen sozial-ökonomischen Formen (Ware, Geld) in Aussicht – (hier) und (hier als PDF).

Interview mit Fabian Scheidler „Das Ende der Megamaschine. Geschichte einer scheiternden Zivilisation“ (hier)

Warum der Kapitalismus enden muss schildert der Physiker Harald Lesch (Video hier) und benennt auch physikalische Gründe (hier)

Print Friendly

Kommentieren

Zitat des Moments
"Es ist notwendig, daher ist es möglich." (A. Borghese)
Hauptsache Commons
Hauptsache Commons

TRANSFORMIEREN WIR DIE WELT ZUSAMMEN !

Hinweise und Berichte zu Projekten und Werkzeugen, welche für die Erschaffung einer lebenswerten Gesellschaftsform dienlich sind -
via Website und Newsletter !

Nächste Termine
  • Keine Termine.
Infos anfordern!
Bleibe informiert mit Infos über Die Violetten in und für Hamburg

E-Mail:

Name:

HH-Stadtteil:

Ja, bitte!
Kein Bedarf mehr

Seite übersetzen
Eine Hartz4-Geschichte
Hartz-Haustuer
13 / 19°C
sonnig
Südwestwind
Windrichtung
16 km/h
Geschwindigkeit
30%
Niederschlag?
Online-Petitionen
Online-Petitionen

Eine Seite, wo man unkompliziert aktuelle Petitionen unterzeichnen oder auch selbst eine ins Leben rufen kann.

Energiewandel in HH
Energiewandel in HH
Auch unterwegs dabei!
Mobile Website

Unsere Website wird auf einem Smartphone, iPad oder Handy lesefreundlich dargestellt - probiere es mal aus!