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"Wenn Frau Merkel glaubt, sie kann die abgeschalteten Kernkraftwerke einfach wieder einschalten lassen und einfach 110 anrufen, wenn es Protest gibt, ist sie bei uns falsch verbunden", sagte Rainer Wendt, Verbandschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, dem Handelsblatt Online.

(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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Marktwirtschaft schön grün lackiert?

Ich möchte heute auf einen Artikel des Wirtschaftsautors Tomasz Konicz zur Frage der Verbindung von Ökologie und Marktwirtschaft verweisen. Kann es sowas wie eine „Grüne Marktwirtschaft“ geben, also eine ökologisch-kapitalistische Produktionsweise? Oder ist diese allseits beliebte Vorstellung nur eine ideologische Variante des „Greenwashing“, also quasi so eine Art „Marktwirtschaft schön grün lackiert“?

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Der Autor beantwortet diese Frage in besagtem Artikel „Die ökologischen Grenzen des Kapitals“ sehr anschaulich und zeigt, dass ihm bewusst ist, dass eine Postwachstumswirtschaft keine Postwachstumsökonomie mehr sein kann, sprich der kaufmännische Teil ist das zu lösende bzw. in den Grenzen seiner Eigenlogik unlösbare, gesellschaftliche Problem. Demnach lassen sich in der Form des Kapitals die heutigen hohen Standards der Produktivkräfte nicht dauerhaft mit dem Anspruch von schonendem, geringerem Ressourcenverbrauch in Einklang bringen…von der Frage der Finanzierbarkeit mal ganz abgesehen.

Anmerken möchte ich dazu folgendes: Selbst geschlossene Stoff- und Energie-Kreisläufe, so richtig diese sachlich ohne den geringsten Zweifel sind, können die damit verbundenen Fragestellungen auf der Wertebene (also genau jener kaufmännische Teil) nicht beantworten. Sie könnten zwar fossile Quellen (anfangs) gut ersetzen, müssten sich dann aber langfristig ebenso den Steigerungen der Kapitalverwertung anpassen, also in ihrer Anzahl und ihrem Umschlag an stofflicher Masse bzw. Energie exponentiell steigern. Dieser sehr entscheidende Aspekt wird bislang von den Befürwortern dieser Idee komplett ignoriert. Diese Feststellung – um das zu betonen – spricht keineswegs gegen besagte Stoff- und Energie-Kreisläufe, sehr wohl jedoch gegen die gesellschaftliche Form der Ware-Geld-Beziehung, in der sich die bürgerliche Ökologiebewegung (allen voran der Partei  DIE GRÜNEN) bislang der Illusion hingeben, dies dauerhaft betreiben zu können. Genau das, was eigentlich die alltägliche Basis unserer gesellschaftlichen Reproduktion bildet, die kaufmännische Begleitung aller Prozesse, bleibt in der Diskussion völlig unreflektiert und wird als Argument gar nicht mit einbezogen (höchsten in Form der Höhe von Kosten und Investitionsvolumen). Ganz anders dagegen der genannte Artikel von Tomasz Konicz, auf den ich deshalb an dieser Stelle aufmerksam machen möchte, da er sich diese systemimmanente Betriebsblindheit nicht zu Eigen macht.

An diesem Stand der Erkenntnisse dürfte nur wenig zu rütteln sein, denn der bisherige Verlauf der Marktwirtschaftsgeschichte bestätigt diese kritischen Argumente ebenso, wie wirtschaftstheoretisch-wertkritische Überlegungen. Technische Innovationen, die gedanklich oft ebenso als die vermeintliche Lösung für das Problem propagiert werden, bieten übrigens auch keinen Ausweg, da sie ja auf die gleiche Art und Weise produziert und eingesetzt werden. Sie „verschlimmbessern“ das Problem sozusagen. Das heißt allerdings nur, dass man eben radikaler Umdenken muss. Dann lassen sich auch neue, innovative Lösungen jenseits von Marktwirtschaft und Kapital, also jenseits der Warenform, finden. Wetten dass???

Man darf die Frage also nicht etwa mit der Fragestellung nach „Ökologischer Reproduktion“ an sich verwechseln! Dass das zu funktionieren vermag, daran besteht auf der Sachebene kein Zweifel. Auf dieser Ebene steuern wir aber unsere Wirtschaft nicht. Oder sollte ich vielmehr sagen – noch nicht…?

Autor: Holger Roloff

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Nachtrag vom 03. April 2104: der Wirtschafts-Journalist Tomasz Konicz begründet die Unmöglichkeit einer „grünen Marktwirtschaft“ anhand der  Funktionszusammenhänge und der inneren Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise. Sein Artikel „Automatisches Subjekt“ in der heutigen Ausgabe der Tageszeitung JUNGE WELT verweist begrifflich nicht nur auf den kollektiven Gruppenzwang, der dem Kapital innewohnt, sondern er stellt die Möglichkeit einer ökologischen Produktionsweise jenseits der heutigen sozial-ökonomischen Formen (Ware, Geld) in Aussicht – (hier) und (hier als PDF).

Nachtrag vom 12. Januar 2015: wenn das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden soll, muss die Schlussfolgerung lauten „Lasst as Öl im Boden“. Genau das fordert die Autorin Eva Mahnke im FREITAG-Online – Artikel. Demnach müssten ein Drittel aller geschätzten Ölreserven, die Hälfte der Gasvorkommen und 80 Prozent der Kohlevorräte im Boden bleiben (hier).

Nachtrag vom 15. August 2015: wie sich das ungezügelte Wachstum und dabei einschleichende Fehler im Umgang mit Materialen auch auswirken kann auf Umwelt und Menschen zeigt das aktuelle Beispiel einer gigantischen Explosion in der Millionen-Stadt Tianjin in China – hier ein Bericht des SPIEGEL online: (hier)

Audiovortrag – Wer vom Kapitalismus nicht reden soll, soll von Nachhaltigkeit schweigen (hier)

Nachtrag vom 28. September 2015: beim FREITAG Online diskutiert der Autor Sebastian Puschner ob so etwas möglich wäre wie „Eine Ökonomie ohne Brennstoff“; wertkritische Anmerkungen findet man in den Kommentaren (hier)

Nachtrag vom 26.Oktober 2015: selbst in der WIRTSCHAFTSWOCHE gewinnen Autoren jetzt die Einsicht, dass eine „grüne Marktwirtschaft“ auf Ignoranz der Zusammenhänge basiert und real unmöglich ist (hier)

Nachtrag vom 03.Oktober 2016: Physiker Harald Lesch zu Gast im ZDF erklärt den Gästen von Markus Lanz, woran es in Politik und Gesellschaft hakt – relevant ab 10:25 (hier)

Nachtrag vom 17.Oktober 2016: „Die Ökonomisierung der Natur ist ein Fehler“ lautet ein Interview-Titel beim FREITAG online. Befragt wird Barbara Unmüßig (Heinrich-Böll-Stiftung) (hier)

Nachtrag vom 27.Oktober 2016: Wir brauchen bald einen zweiten Planeten – berichtet sogar BILD online – niemand kann also behaupten, er hätte von nichts gewusst (hier)

Nachtrag vom 31.Oktober 2016: „Gegen die Wand – Von der gemeinsamen Ursache der ökologischen und ökonomischen Krise“ – original erschienen in der Zeitschrift KONKRET 11/2013 ist jetzt auch online verfügbar (hier)

Nachtrag vom 03.November 2016: „Uno warnt vor menschlicher Tragödie“ berichtet der SPIEGEL online – noch wäre (theoretisch) das 2, ja sogar 1,5 Grad Ziel zu erreichen, bevor es zu spät ist! Doch es müsste jetzt drastisch etwas in der Praxis passieren… Die letzte Chance der Menschheit!!! (hier)

Nachtrag vom 12.Dezember 2016: der Physiker Harald Lesch erläutert hier anschaulich die ökologische Problemlage (Video hier)

Der zerstörerische Traum vom Fortschritt Niko Pech kritisiert bei  ZEIT ONLINE zu Recht den destruktiven Charakter des Wachstums, verhält jedoch dessen Ursachen. Dass die heutige Wirtschaftsweise eine kapitalistische ist, blendet er als klassischer studierter Ökonom leider aus. Dadurch scheitert auch sein Lösungsgedanke. Das von ihm geforderte „menschliche Maß“ sowie eine generelle „De-Industrialisierung“ sind typische Scheinargumente. (hier)

No Nature, No Future? – Artikel in Streifzüge von Nicolaus Dimmel (hier)

Alexander Gerst (deutscher Astronaut) berichtet über seinen Blick aus der ISS auf die Erde (Video hier)

Steht uns eine kleine Eiszeit bevor? – Frag den Lesch – Erklärung des Wärmeenergiehaushaltes der Erde im Wechselspiel mit der Sonne (hier)

Wie man Energie in der Sache richtig denken, erzeugen und nutzen kann zeigt dieses Beispiel aus Sprakebüll (hier)

Das Thema grüne Marktwirtschaft im heutigen Diskursstand taugt oft nur noch für Satire wie (hier)

Am 02. August 2017 sind die gesamten Ressourcen des Jahres – nachhaltig betrachtet – bereits verbraucht. Der Rest des Jahres basiert auf Raubbau an der Natur (hier)

Uns geht es gut – weil andere die Kosten tragen (hier)

Diese Erfindung macht Erdöl überflüssig (hier) Das Bemerkenswerte daran ist vor allem, dass man so ein einfaches Prinzip erst jetzt entwickelt und getestet hat, obwohl es quasi auf der Hand liegt, dass man Energie so ausgezeichnet speichern kann. Das fehlende Interesse an anderen Lösungen dürfte wohl das Hauptproblem sein. Dieser Mangel resultiert aus der Profit-Interessenslage der großen Kapitaleigner. So bleibt auch offen, ob die Industrie tatsächlich mitzieht. Bei einem Gemeinwohl-/Commons-basierten Wirtschaftssystem wäre das anders.

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