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(Quelle: Handelsblatt Online, 18.05.11)

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Von BILD-ung zur Manipulation… Oder warum ich keine Gratis-BILD-Zeitung haben möchte…

angeblicher Hartz IV Skandal Teil 1

Nachdem am gestrigen 11.April 2012 zum wiederholten Mal eine umstrittene Schlagzeile (”Hartz-IV-Sauerei!“) von BILD (hier) in dem Medien diskutiert wurde (z.B. hier und hier), bildeten sich spontan Aktionen und Initiativen gegen das Vorhaben des Springer-Verlages, anläßlich des 60. Geburtstags der BILD-Zeitung (Infos hier) alle deutschen Haushalte mit einem Gratis-Exemplar zu beglücken. Ein Grund zur Freude? Man könnte doch glatt meinen – Hurra, wir bekommen alle was umsonst! Ist das etwa der bevorstehende Sozialismus? Eher wohl nicht. Stattdessen wurde wie gesagt die Aktion „Alle-gegen-BILD“ ins Leben gerufen (hier) und diese wird bereits von CAMPACT als Ausdruck von sozialem Widerstand unterstützt.

Jeder hat da mit Sicherheit seine eigene Sichtweise und seine eigenen Erfahrungen mit BILD gemacht. Warum es sich lohnt, mal darüber ganz grundsätzlich kritischer nachzudenken, sollen meine folgenden Gedanken zum Thema andeuten.

Nichts gegen viele bunte Bilder und auch mal seichte Unterhaltung, sowie Berichte über Kurioses aus dem Leben… Das bieten andere aber auch und sogar besser. Für mich sind  die redaktionelle Leitlinie sowie Sinn und Zweck dieses speziellen Mediums letztendlich entscheidend. Diesbezüglich fällt das Fazit sehr eindeutig aus, weshalb ich auf die oben genannte Aktion aufmerksam machen und zum Teilen meiner – wahrscheinlich mit dem Gros der BILD-Leser nicht konformen Gedanken – einladen möchte.

Im Grunde ist die Begründung für mich ganz einfach:

Ich brauche z.B. deshalb keine kostenlose BILD-Zeitung, weil den Menschen darin eine „Freiheit“ vorgegaukelt wird, die keine ist.

BILD befördert zielgerichtet ein Kollektivbewusstsein, welches die Menschen für das Ertragen der Zumutungen des Kapitalismus zurechtstutzen und die Illusion vom „reich werden Können“ durch „ehrliche Arbeit“ eintrichtern soll, anstatt die ganze Veranstaltung seinem inneren Wesen nach als eine moderne Form von Sklaverei zu kennzeichnen, von der tendenziell historisch bis heute immer nur wenige wirklich profitierten. Im Grunde ist es wie im Film „Die Tribute von Panem“ („The Hunger Games“, siehe hier) oder auch „In Time – Deine Zeit läuft ab“ (siehe hier), wo anschaulich dargestellt wird, wie menschliche Lebenszeit ausgebeutet und um das jeweilige Zwangsregime zu erhalten, medienwirksam Spiele zur Massenunterhaltung veranstaltet und mit Mechanismen der Angst, Abschreckung und strukturellen Gewalt kombiniert werden.

Die unmittelbaren Opfer dieser Logik und alle, die innerlich, emotional und energetisch durch Mobbing, Burn Out, Insolvenzen etc. bereits aufgegeben haben, das Spiel mitzuspielen bzw. endlich spirituell aufgewacht sind und eine andere Grundhaltung dazu eingenommen haben, wurden gerade gestern per angeblichem „Hartz IV Skandal“ sogar noch als moralisch-soziale  Problemgruppe dargestellt, diffamiert und gedehmütigt. Das einzig skandalöse daran ist in Wahrheit die anmaßende Handlungsweise der JOBCENTER selbst, die meint Menschen mit Stasi-Methoden hinterher schnüffeln und Sanktionen erteilen zu dürfen. Während die einen Millionen und Milliarden beiseite schaffen und als clevere Geschäftsleute beneidet werden, beklagt und moniert man den existentiellen Überlebenskampf der anderen. Was für eine Grundeinstellung ist da erkennbar? Dem liegt die gleiche Arbeitsontologie zugrunde wie zur NS-Zeit (vgl. auch hier und hier und hier), was deutlich werden lässt, dass wir gesellschaftlich bis heute nicht wirklich weiter gekommen sind. Themenwahl, Wortwahl, Selektion und Darstellung der Argumente in BILD bewirken genau das Gegenteil von Emanzipation, Information und bewusstem, selbst bestimmtem Leben. Echte Freiheit würde anders aussehen. Sie wäre im Gegenteil gerade in der Befreiung vom Kapital und damit der Überwindung von der Lohn- und Erwerbsarbeit zu finden, weshalb wir als DIE VIOLETTEN ja auch seit 2001 bereits das BGE – Bedingungslose Grundeinkommen als allerersten Schritt in die richtige Richtung einer neuen, befreiten Gesellschaft befürworten. Um deutlicher zu machen warum, wird eine ausführlichere Auseinandersetzung mit dem soziologischen Begriff der Arbeit auf diesen Seiten demnächst folgen.

angeblicher Hartz IV SkandalKritik findet in BILD nur oberflächlich als Bankenschelte (vgl. auch die ideologische Denkform des „Strukturellen Antisemitismus“ als Begriff dafür in Soziologie und Gesellschaftstheorie, hier), als Ärger am Bild des gierigen Bankers oder egoistischen Politikers statt. In Wirklichkeit gehörte das alles sowieso schon immer zu dieser Gesellschaftsform. Man pickt sich vornehmlich extreme Einzelfälle heraus, um eine „Empörung“ zu erzielen. Durch diese Emotion gelingt es, den grundlegenden Charakter der Gesellschaft und strukturelle Zusammenhänge auszublenden.

BILD beschwört stattdessen eine fiktive „soziale Gerechtigkeit“ herauf, als wenn Kapitalismus jemals darauf primär aufgebaut hätte. Das kleinbürgerliche Subjekt mag sich daran auch nur ungern erinnern und suhlt sich lieber genüßlich in der eigenen „Empörung“ über die vermeintlich anderen als „Schuldige“. Je stärker diese Denkform eingepflanzt, je größer die damit verbundene Illusionsblase ist, desto eher wird sie scheinbar geglaubt und vom geBILDeten Leser angenommen. In Wahrheit sind wir alle selbst das System. Wir alle sind diese „böse Fratze des Kapitals“, die wir durch unser Mitspielen täglich neu reproduzieren. Selbsterkenntnis wäre da der erste Schritt zur Besserung. Sagt man ja auch so. Aber sowas liest man in BILD natürlich nie. Das ist kein Zufall.

BILD befördert massiv einen fahnenschwenkenden Schwarz-Rot-Gold-Nationalismus und ein „Wir-Gefühl“, welches es so als natürliche Form des Seins nicht gibt, inmitten eines sozialen Krieges in Form der universellen Marktkonkurrenz. Dieses aufmanipulierte „Wir-Gefühl“ wird dann wahlweise gegen das Bild des „faulen Arbeitslosen“, der Figur des „korrupten, faulen Griechen“ oder „unzumutbaren Diktators“ in Stellung gebracht. Dass Deutschland zuvor jedoch jahrelang von solchen Diktatoren sowie von griechischen Einkäufen bei deutschen Unternehmen profitiert hat und die Deutsche Bank sowie zahlreiche Versicherungs- und Rentenfonds massiv investiert hatten, um „gute Geschäfte“ zu machen, wird nur am Rande erwähnt, wenn überhaupt. Als deutlich wurde, dass die Ausbeutung der Griechen über Investitionen nicht wie erhofft funktionieren wird, weinte man dafür umso größere Krokodilstränen (siehe auch hier bzw. hier).

BILD bringt zur Rechtfertigung gern eine christlich basierte Moral und Ethik in Stellung, welche den eigenen Standpunkt legitimieren soll. In Wahrheit handelt es sich um eine kleinbürgerliche Doppelmoral, die stets mit unterschiedlichen Maßstäben misst, um die Machtverhältnisse und das alt bekannte „Brot und Spiele“ funktionell zu erhalten.

Diese Schieflage verzerrt wie gesagt gezielt unser Kollektivbewusstsein, damit alles im kapitalistischen Zwangssystem so weiter läuft und laufen kann und soll, wie bisher. Business as usual in der Deutschland AG. Schließlich lebt BILD von Anzeigengeldern, die sich mit dem Argument – sie auf einen Schlag in 41 Mio. Haushalten platzieren zu können – im Sinne des Profits in nie gekanntem Ausmaß maximieren lassen.

Aktion Alle-gegen-BILD

Auf diese Art christlich-nationalen Konsens von „Freiheit“, diese Art der Entrüstung über Missstände, deren Kern BILD und die Springer-Presse seit nunmehr 60 Jahren selbst aktiv mitgestalten und zu Ihrer eigenen Gewinnmaximierung nutzen, kann ich gern verzichten.

zur Aktion: Alle-gegen-Bild.de (hier)

Nachtrag 1: Völlig unerwähnt hatte ich im Artikel die zahlreichen Halbwahrheiten und Unwahrheiten gelassen, die immer wieder in Verbindung mit BILD auftauchen – so auch heute (20.04.2012), wo mal wieder eine „Falschinformation“ in „Zusammenarbeit mit dem Innenmisterium“ aufgeflogen ist (hier).

Nachtrag 2: Ebenfalls heute (20.04.2012) machte ich mal wieder einen kleinen Gelegenheitsabstecher zum Zeltlager der OCCUPY-Bewegung mitten im Stadtzentrum der Hamburger Innenstadt (Gerhard-Hauptmann-Platz, Infos hier). Dort befindet sich seit dem TAG DER FREIEN KUNST am 14.April 2012 eine malerische Künstlerinstallation, in welche in graphischen Drucklettern ein Spruch mit einbezogen worden war: „Nichts ist so sehr versklavt wie der irrtümliche Glaube frei zu sein“. Offensichtlich ist die Form der falschen „Freiheit“ durch mithilfe der Manipulation des Bewusstseins durch Medien, was ich im Zusammenhang mit dem BILD-Artikel thematisiert hatte, auch anderen aufgefallen. Damit dürfte sich das Gesamtbild meiner Reflexion abrunden.

Nachtrag 3: Eine Hymne für die BILD-Zeitung von Jennifer Rostock (hier)

Nachtrag vom 07. Juni 2017: BILD dankt einem Nazi (hier)

Warum man stets nur Sündenböcke sucht, anstatt die Ursachen in den Strukturen des kapitalistischen  Systems selbst zu suchen – ein analytischer Wortbeitrag bei KenFM deckt die dahinter liegende ideologische Denkform auf (Audio hier)

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1 Kommentar to “Von BILD-ung zur Manipulation… Oder warum ich keine Gratis-BILD-Zeitung haben möchte…”

  • Ende der Sechziger, Anfang der 70er gab es bereits innerhalb der APo eine breite Ablehnung der Bildzeitung. Manipulation, Ausnutzung einer Medienmacht, einseitige Berichterstattung, waren bereits damals das Thema. Nun zum 100 Jährigen Geburtstages des Gründers Axel Cäsar Springers hat sich nichts geändert. Der Geist des Gründers bestimmt nach wie vor die Medienpolitik des Hauses Springer. Das dies völlig verstaubt und unsinnig ist belegt letztlich eine aktuelle Ausaage von Altkanzler Helmut Schmidt:“ Herr Springer hätte niemals ein weltpolitisches Buch schreiben dürfen“. Ausserdem bestättigte er herrn Springer ein gehöriges Maß an Selbstüberschätzung im Einfluss auf Politik des Weltgeschehens. Die Bildzeitung, und ich zähle auch die Welt dazu, ist Nahrung für den armen faulen Nichtbildungsbürger. Aber um sich zu reiben ein gutes Beispiel welchen Einfluss im Boulevard sich diese Blätter erobert haben. Vor allem für jene Politiker die sich auf Boulevardebene begeben um daraus einen Nutzen zu ziehen. Siehe EX Präsident C. Wulf. Die Bildzeitung existiert einzig weil es Leser, Käufer gibt. Schade. Das Geld kann man sich sparen. … U.T.

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